Das Château de Maulnes ist ein im 16. Jahrhundert erbautes Jagdschloss bei Cruzy-le-Châtel im französischen Departement de l’Yonne (Burgund). Es ist eines der wenigen noch erhaltenen Schlösser aus der Zeit Caterina de’ Medicis und ist innerhalb der Renaissance dem Manierismus zuzuordnen. Besonderheiten des Schlosses sind der Grundriss in Form eines Pentagons mit einer zentralen Wendeltreppe, die Platzierung der Fundamente über drei Quellen und ein von den Quellen gespeistes Nymphäum. Das Schloss wurde nie architektonisch verändert, es wurde aber schon bald nach seiner Erbauung vernachlässigt, und ab Mitte des 19. Jahrhunderts dem Verfall preisgegeben. Seit 1997 wird das Schloss durch das Departement de l’Yonne restauriert.
Geschichte Das Château de Maulnes ist eines von 30 in Jacques I. Androuet du Cerceaus Les Plus Excellents Bastiments de France beschriebenen Schlössern.
Es entstand in den Wirren der Hugenottenkriege zu Lebzeiten von Caterina de’ Medici. Der Architekt ist nicht mit Sicherheit bekannt. Bauherren sind Antoine de Crussol (1528–1573) und seine Frau Louise de Clermont-Tallard (1504–1596), die zum Zeitpunkt der Eheschließung 52 Jahre alt war, 24 Jahre älter als ihr Mann. 1566 wurde Antoine zum Herzog von Uzès ernannt. Am 7. Mai 1566 schloss er in Tonnerre einen Vertrag mit zwei örtlichen Handwerkern über den Bau eines Schlosses ab,Le Château de Maulnes, Bien public, 23. März 2012, abgerufen am 9. November 2022. und im selben Jahr begannen die Bauarbeiten. Errichtet wurde das Schloss in einem ausgedehnten Waldgebiet in unmittelbarer Nähe eines mittelalterlichen, befestigten Hauses der Familie Clermont-Tonnerre, von dem allerdings keine Spuren mehr erhalten sind.Le Château de Meaulnes et son étonnant plan pentagenal, Enquêtes & énigmes, 26. Februar 2021, abgerufen am 4. November 2022. Es kann angenommen werden, dass die Erdarbeiten schon früher begonnen hatten, da davon in den Verträgen keine Rede ist. Von 1570 bis 1572 wurden die Nebengebäude errichtet.
1572 wurde Antoine de Crussol zum Pair de France ernannt. Im August 1573 starb er an den Folgen einer Krankheit, die er sich bei der Belagerung von La Rochelle zugezogen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war der Bau des Schlosses selbst weitgehend abgeschlossen.
Louise starb 1596 ohne direkten Erben, und ohne ihren Nachlass geregelt zu haben. 1609 fiel der Besitz an ihren Großneffen Charles-Henri de Clermont-Tonnerre, der gleichzeitig den Herzogstitel erhielt, und der den Innenausbau des Schlosses vorantrieb. Mitte des 17. Jahrhunderts gelangte das Schloss in die Hand von Roger, Marquis von Cruzy, der einige bauliche Veränderungen vornahm und Reparaturen veranlasste.Maulnes castle, castles.nl, abgerufen am 8. November 2022. Das Anwesen blieb bis 1697 im Besitz dieser Familie, als es an Anne de Souvré, die Witwe des Marquis de Louvois, verkauft wurde.Pierre Gasnault: Un amateur de manuscrits médiévaux: Charles-Henri de Clermont-Tonnerre (1571–1640) in: Bulletin de la Société nationale des Antiquaires de France Année 2002, S. 70–72, abgerufen am 7. November 2022. Nach dem Tod von Anne de Souvré kam es zu weiteren Besitzerwechseln.
1775 richtete sich in den Nebengebäuden eine Glasmanufaktur ein, in der Flaschen und zeitweise Fensterglas produziert wurden. 1834 kaufte der Inhaber der Manufaktur, François Vallory, das Schloss seinem insolventen Besitzer ab, musste aber seinerseits 1844 Bankrott anmelden. Danach wurde das Schloss mehrmals weiterverkauft und verfiel dabei mehr und mehr, da sich keiner der neuen Besitzer wirklich um den Bau kümmerte. Von 1918 bis zu seinem Tod 1952 gehörte das Schloss dem Industriellen Ferdinand Serres, bis 1960 dann seinem Sohn. mini|300px|links|Das Schloss zu Beginn des 20. Jahrhunderts Das Schloss wurde am 11. Juli 1942 in die Liste der Monuments Historiques aufgenommen.Château de Maulnes à Cruzy-le-Châtel Monumentum, abgerufen am 30. Oktober 2022. 1960 wurde es in dem Kaufvertrag mit der Société des Amis de Maulnes, die von Philippe Vallery-Radot gegründet worden war, als „un château et des dépendances, le tout en ruine“ beschrieben.deutsch = „ein Schloss und Nebengebäude, alle Ruinen“, zitiert aus: Jean-François Cabestan: Maulnes un chateau experimental, in: amc-archi.com, 9. März 2008.
1997 wurde das Schloss vom Conseil Général de l'Yonne erworbenUne restauration de longue haleine: le château de Maulnes dans l’Yonne, Atrium, 14. November 2012, abgerufen am 30. Oktober 2022. und damit vor dem Zerfall bewahrt. Seit 2005 ist es für die Öffentlichkeit zugänglich.
Restaurierungen Als das Schloss in die Liste der Monuments Historiques aufgenommen wurde, befand es sich bereits in einem beschädigten Zustand.Château de Maulnes à Cruzy-le-Châtel Monumentum, abgerufen am 30. Oktober 2022. Ab 1964 begann man mit Sicherungsmaßnahmen, vor allem an der Südfassade.Dossier de presse. Chateâu de Maules. June 2012. Yonne, Conseil Général. 1969 wurden die Arbeiten wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Eigentümer eingestellt, und der Verfall des Schlosses setzte sich fort. Die Einwirkungen der orkanartigen Stürme in den Jahren 1979 bis 1982 verschlimmerten den Zustand. Erst 1987 wurden die Sanierungsarbeiten wieder aufgenommen.
1997 bildete sich eine Kommission von Fachleuten, in der Vertreter aus Geschichts- und Kunstwissenschaft sowie Archäologen des Centre d’Études Médiévales in Auxerre beteiligt sind, die das Sanierungsprojekt wissenschaftlich begleiten und dokumentieren.Monique Chatenet und Fabrice Henrion: Maulnes. Bulletin du centre d’études médiévales d’Auxerre, September 2005.Bulletin du centre d’études médiévales, Auxerre, abgerufen am 4. November 2022. Grundlage für alle folgenden weiterreichenden Untersuchungen und Restaurierungsmaßnahmen bildet die Bestandsaufnahme, die Jan Pieper mit Studenten der Technischen Hochschule Aachen seit 1991 in Maulnes durchführte, und deren Ergebnisse u. a. 1999 in einer Ausstellung des Suermondt-Ludwig-Museums in Aachen vorgestellt wurden.Das Château de Maulnes in Burgund: eine Dokumentation und Bauaufnahme des Lehrstuhls für Baugeschichte und Denkmalpflege der RWTH Aachen; Katalog zur Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, 4.6.-29.8.1999. Archäologen unternahmen Grabungen sowohl im Schloss selbst, wie auch im Bereich der Nebengebäude und der nicht vollständig ausgeführten Gartenanlagen.
Seit 2005 ist das Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Teil der halbkreisförmig angeordneten Nebengebäude, die zu Beginn der Sanierungen fast vollständig zerfallen waren, wurden nach den Plänen Du Cerceaus rekonstruiert. Parallel dazu wurden die Restaurierungsarbeiten in den Innenräumen des Corps de Logis fortgesetzt, der Dachstuhl wiederhergestellt, und das Dach neu gedeckt. Im Frühjahr 2025 wurde der Garten neu angelegt.Siehe https://www.francebleu.fr/infos/culture-loisirs/le-chateau-de-maulnes-va-changer-de-dimension-1576168974, abgerufen am 26. Januar 2023. Stand Oktober 2025 sind die ursprünglich geplanten Arbeiten am Schloss weitgehend abgeschlossen.
Beschreibung mini|500px|Du Cerceau, elevation du bastiment avec son contenu, 1576
Gesamtanlage Für den Bau des Schlosses wurde eine bestehende Rodung auf dem bewaldeten Plateau über Cruzy-le-Châtel erweitert. Heute ist das Schloss von Feldern umgeben, so dass es nicht mehr sofort als Jagdschloss erkennbar ist. In der Carte de Cassini, die etwa zweihundert Jahre später entstanden ist, sieht man das Schloss umgeben von Wald. Forststraßen, die Teil des Gesamtplans waren und einen Jagdstern bilden, führen auf das Schloss zu. mini|links|Carte de Cassini bei Cruzy-le-Châtel um 1800
Der Bau wurde auf einem nach Süden leicht abschüssigen Gelände ausgeführt. Es wurde eine mit einer Mauer begrenzte rechteckige Plattform erstellt, die in den Ecken mit Bastionen versehen war, und dem Ganzen das Aussehen einer Festung gab. Diese Scheinfestung konnte keiner Belagerung standhalten, bot aber doch einen gewissen Schutz, und markierte klar den Bereich der Schlossanlage. Die Umgrenzungsmauer mit ihren Bastionen ist heute noch in Ansätzen im Gelände zu erkennen.
mini|300px|Château de Maulnes; Stich von Israël Silvestre, um 1650 Im Norden der von der Scheinfestung gebildeten Plattform befand sich gemäß dem Plan von Du Cerceau eine halbrunde Vorhofmauer, die aber noch nicht archäologisch nachgewiesen ist. Die Vorhofmauer und die sich anschließenden halbrunden Communs bildeten zusammen eine kreisförmige Cour d’Honneur. Der westliche Flügel der Communs ist in großen Teilen erhalten, der östliche konnte archäologisch nachgewiesen werden. Zwischen einem in die Communs integrierten Torhaus mit Vestibül und dem Corps de Logis befand sich eine Galerie, über die man den Rand eines Kryptoportikus erreichte, welcher das Corps de Logis im Norden halbkreisförmig umfasste. Die Fundamente von Galerie und Kryptoportikus wurden bei archäologischen Untersuchungen stellenweise aufgedeckt.
Das Corps de Logis konnte von der Galerie über eine Zugbrücke erreicht werden. Für den von der Cour d’Honneur kommenden Besucher der Schlossanlage war das Corps de Logis erst durch die Communs, dann durch die Galerie verdeckt. Vollumfänglich sichtbar wurde das Corps de Logis erst am Ausgang der Galerie.
Auf der Südseite des Corps de Logis befindet sich das Nymphäum, das als Grotte gestaltet ist und dessen Wasserbecken im Außenbereich in einem zweiten Becken gespiegelt ist.
Im Süden vom Corps de Logis befand sich der in die Plattform der Scheinfestung eingebettete Garten, der von einer Exedra abgeschlossen wurde, die das Gegenstück zum Kryptoportikus bildete. Gemäß Du Cerceau sollte der Garten über die Exedra verlassen werden können, es ist aber nicht klar, ob und wie dieser Ausgang realisiert wurde. Die Einfassung des Gartens und die Exedra sind im Gelände noch erkennbar.
Eine Kapelle fehlt im Château de Maulnes. Jan Pieper schlägt vor, dass es im Wohngeschoss in der nördlichen Spitze des Fünfecks ein Privatoratorium gab. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde ein Raum des Schlosses zu einer Kapelle umfunktioniert.Procès verbale de Visite. 20 Mai 1788. Position 96 und 97, siehe Monique Chatenet, Fabrice Henrion: Maulnes. Archéologie d’un château de la Renaissance. Éditions Picard, Paris 2004, ISBN 2-7084-0725-2, S. 234.
Corps de Logis Die horizontale Achse des symmetrisch angelegten Baus verläuft durch den Turm an der Nordseite und die Mitte der Südfassade, die Längsachse wird durch den Brunnenschacht gebildet, um den das Treppenhaus mit der Wendeltreppe angelegt ist.mini|Segmentgiebel des Portalturms mit Hunde- und Löwenköpfen Die fünf Seiten mit jeweils drei Fensterachsen haben eine Länge von je etwa 17 Meter. Vier der Ecken sind durch Ecktürme markiert, die ursprünglich mit Dreiecksgiebeln abgeschlossen waren. Drei der Ecktürme haben eigene Treppenhäuser. Der Portalturm an der Nordseite hat als einziger einen Abschluss mit einem Segmentgiebel.
Das Schloss hat sechs Geschosse - über zwei Kellergeschossen, von denen das untere eingewölbt ist, erheben sich drei weitere Geschosse und ein Dachgeschoss, jeweils mit unterschiedlichen Grundrissen. Da das Schloss an einem hängigen Gelände erbaut wurde, befindet sich der Eingang an der Nordseite im dritten Geschoss. Das Vierte Geschoss ist das Piano Nobile. Das Schloss hat 21 Kamine und 5 Schornsteine.
Das Mauerwerk besteht aus sorgfältig bearbeiteten Hausteinen aus Muschelkalk aus nahegelegenen Steinbrüchen. Die architektonische Gesamtwirkung des Schlosses als geometrischer Körper wird durch den fast völligen Mangel an den üblichen Gliederungselementen und skulpturalen Schmuckelementen unterstrichen. Einziger skulpturaler Schmuck sind die Hunde- und Löwenköpfe im Dachgebälk, die auf die Funktion des Baus als Jagdschloss hinweisen.
Ebene 1 und 2: Gebäudesockel mini|Das Nymphäum 2021. Das Gitter wurde seither entfernt. Die Ebenen 1 und 2 des Gebäudes bilden den Sockel des Gebäudes. Dieser Sockel ist in der Fassade an seinen sauber gearbeiteten Steinquadern erkennbar.