mini|Voltaire diktiert beim morgendlichen Ankleiden seinem Sekretär Jean-Louis Wagnière einen Brief. – Ölgemälde von Jean Huber, zwischen 1750 und 1775, Ermitage-Museum Sankt PetersburgVoltaire's Morning, Switzerland, between 1750 and 1775. Die voluminöse Korrespondenz Voltaires, 21.222 veröffentlichte BriefeŒuvres complètes de Voltaire (OCV), 51 Bände 85–135, Voltaire Foundation, Oxford 1968–2022. Siehe auch Theodore Besterman: Twenty Thousand Voltaire Letters, 1968, abgedruckt in: D.I.B. Smith (Hrsg.): Editing Eighteenth-Century Texts, University of Toronto Press 2019, Seiten 7-24 von und an Voltaire, erstreckt sich über einen Zeitraum von fast 75 Jahren.Nicholas Cronk und Glenn Roe: Voltaire's Correspondence. Digital Readings. (Elements in Eighteenth-Century Connections), Cambridge University Press 2020, ISBN 978-1-108-79172-4, Auszug Zu den ca. 1.800 AdressatenTheodore Besterman: Voltaire. 3. überarbeitete und erweiterte Ausgabe Basil Blackwell, Oxford 1976, ISBN 978-0-631-17060-0, Kapitel 43 The letter-writer, S. 583: … he wrote and was written to by well over 1800 persons… zählen Herrscher wie Friedrich der Große, die Zarin Katharina die Große und berühmte Aufklärer wie die Enzyklopädisten Diderot und d'Alembert.

Alle 21.222 Briefe der 51 Bände umfassenden Besterman-Printedition.Theodore Besterman et al.: Correspondence [of Voltaire] and related documents, definitive edition. In: Œuvres complètes de Voltaire (OCV) Bände 85–135. Voltaire Foundation, Oxford 1968–1977, ISBN 978-0-7294-0049-7. sind als kostenpflichtige Digitalisate bei Electronic Enlightenment (EE) abrufbar. Sie können nach diversen Kriterien durchsucht, kopiert und ausgedruckt werden.

Voltaire, der «philosophe des Lumières», schrieb seine Briefe – in Prosa und in Versen – selten eigenhändig. Meist diktierte er sie seinem Sekretär.Bekannte Sekretäre Voltaires waren von 1751 bis 1756 Cosimo Alessandro Collini, und von 1756 bis 1778 Jean-Louis Wagnière, «le fidèle Wagnière», „der treue Wagnière“, wie Voltaire ihn genannt hat. Einige Schreiben verfasste er auch in anderen Sprachen, auf ItalienischAuf Italienisch: D3272 – Brief Voltaires an seine Nichte Madame Denis vom 16. Dezember 1745., EnglischAuf Englisch: D323 – Brief Voltaires an Jonathan Swift vom 25. Dezember 1727., LateinAuf Latein: D 5252 – Brief Voltaires an Johann Christoph Gottsched, Brief vom 6. April 1753 und auf Wikisource. und DeutschAuf Deutsch: D 4375 Brief Voltaires an Friedrich den Großen vom 13. Februar 1751..

Die Fülle von Antwort- und Bittschreiben, die an ihn als Vorkämpfer der VernunftChristoph Vormweg: Voltaire: Philosoph und Vorkämpfer für die Vernunft – Deutschlandfunk vom 21. November 2019. und Anwaltz. B. die Justizskandale: L'affaire Calas, l'affaire La Barre und l'affaire Sirven. der Entrechteten und Verfolgten gerichtet wurden, kosteten den Dichter-Philosophen ein kleines Vermögen, denn der Empfänger von Postsendungen hatte damals das Porto zu zahlen.Nicholas Cronk: Voltaire. Lettres choisies. Textes choisis, présentés et annotés par Nicholas Cronk. Éditions Gallimard (Folio 6268) 2017, ISBN 978-2-07-046487-6, S. 539. So schreibt Voltaire 1769 an D’Argental, er könne nicht der Don Quijote aller Geräderten und Gehenkten sein.Brief Voltaires an D’Argental vom 30 August 1769 (D15855): « Je ne peux pas être le Donquichote [sic!] de tous les roués et de tous les pendus. »– „Ich kann nicht der Don Quijote aller Geräderten und Gehenkten sein.“ – Faksimile des Manuskripts, 2/6 und D15855.

Jahr für Jahr werden weitere Briefe von oder an Voltaire entdeckt.Nicholas Cronk: Mise à jour 2010 de l'édition de Besterman – Prinzipien der Nummerierung der seit 1978 neu gefundenen Brief Voltaires (englisch) Schon 1953 weissagte der Voltaire-Forscher René Pomeau:

Aufklärerisches Ansinnen mini|Voltaire am Schreibtisch mit Federkiel – Gravur von Pierre Charles Baquoy, ca. 1795. Vom 29. Dezember 1704 (Besterman D1)Der zehnjährige Voltaire unterschreibt den Brief vom 29. Dezember 1704 (Besterman D1) an die Cousine Mme Françoise Ballif Du Pont mit seinem Spitznamen « Zozo »: À Madame, Madame du Pont-Bailly, à la Châteigneraye,pays de Poitou. – Edition de Kehl. (Besterman D1) bis zum 26. Mai 1778 (Besterman 21213)Voltaire to Trophime Gérard de Lally-Tolendal, chevalier de Lally-Tolendal (englisch) Besterman D21213, also über 75 Jahre hinweg, bis vier Tage vor seinem TodeDer letzte Brief an den Comte de Lally-Tollendal vom 26. Mai 1778 (englisch), pflegte Voltaire, der «philosophe des Lumières», zu dessen Ruhm in Frankreich das 18. Jahrhundert «le siècle de Voltaire» genannt wird, einen äußerst regen Schriftwechsel mit ca. 1.800 Korrespondenten.Christian Mervaud: Voltaire's corespondence. In: Nicholas Cronk (Hrsg.): The Cambridge Companion to Voltaire. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-61495-5, S. 153

Hauptanliegen seines Schriftverkehrs war es, Mitstreiter für die Propagierung der Ideale der Aufklärung zu gewinnen, für die kritische Vernunft, für die Selbstbestimmung des Individuums, für freie Meinungsäußerung und für soziale Gerechtigkeit. Kampfgefährten zu finden, gegen das absolutistische Regime der Unterdrückung und Verfolgung Andersdenkender, gegen Zensur. Mit einem Slogan gesagt, Mitbrüder (frères) für die Kampagne gegen das Infame zu begeistern:Simone Zurbuchen: Aufklärung als Mission: La Mission Des Lumières. Zeitschrift Für Philosophische Forschung, Bd. 44, n° 2, 1990, Seiten 318–20. PDF auf JSTOR.

Schon zwanzig Jahre vor Kants Wahlspruch der Aufklärung – „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ – findet sich diese Maxime in Voltaires Schriften:

Voluminöses Textkorpus Das Corpus der Korrespondenz Voltaires hat einen imposanten Umfang. Theodore Bestermans zweite, sogenannte definitive Ausgabe der Korrespondenz Voltaires enthält 21.222 Briefe, von denen mehr als 15.000 von Voltaire selbst stammen.Voltaire’s letters – (französisch) auf der Website der Voltaire Foundation Diese „definitive“ Edition der Korrespondenz füllt 51 BändeTheodore Besterman (Hrsg.): Correspondence [of Voltaire] and related documents, definitive edition, I–LI (51 Bände). In: Œuvres complètes de Voltaire (OCV), Bände 85–135. Voltaire Foundation, Oxford 1968–1977, ISBN 978-0-7294-0049-7. der 205-bändigen Referenzausgabe sämtlicher Werke Voltaires, der Œuvres complètes de Voltaire (OCV)Liste aller 205 Bände der Œuvres complètes de Voltaire, Voltaire Foundation (Vf), University of Oxford 1968–2022, ISBN 978-0-7294-1236-0, ediert von der Voltaire Foundation in Oxford (1968–2022).

Voltaire war ein mit spitzer Feder schreibender engagierter Schriftsteller.Christiane Mervaud: La logique du combat contre l'infâme. La correspondance de Voltaire et de «Frère Damilaville». In: Raison présente, n°112, 4e trimestre 1994, Seite 3, PDF – auf Persée: « J'écris pour agir. Ich schreibe, um zu handeln. » Wegen seiner subversiven Ideen geriet er in Konflikt mit der Obrigkeit. Um Verfolgung und Festnahme zu entgehen, verließ er Paris, das intellektuelle Zentrum Frankreichs und wählte das Exil: London, Holland, Preußen, Les Délices in Genf, Ferney waren die wichtigsten Stationen. Erst im Jahre seines Todes durfte er nach Paris zurückkehren.

Um seine physische Abwesenheit in Paris zu kompensieren, um den Kontakt mit den anderen Aufklärern aufrechtzuerhalten, blieb ihm nur das Mittel der Korrespondenz. Dies erklärt die ungeheure Fülle an Briefen aus dem Exil. Doch auch Briefe wurden zensiert. Voltaire beklagt sich darüber in einem Brief an die Marquise du Deffand vom 12. Januar 1759 (D 8040):

Der Direktor der Voltaire Foundation und Mitherausgeber der Œuvres complètes de Voltaire (OCV), der Vollständigen Werke Voltaires in 205 BändenŒuvres complètes de Voltaire (OCV), The Complete Works of Voltaire, in 205 Bänden, Oxford (1968–2022). Die definitive Ausgabe der Korrespondenz Voltaires von Theodore Besterman ist in die OCV-Ausgabe integriert und umfasst dort 51 Bände: OCV 85–135, Oxford (1968–2022), nennt Voltaire wegen seiner Furor scribendi, seiner Schreibwut, einen Graphomanen.La correspondance de Voltaire – (0:20) « Voltaire est un graphomane. Il a écrit énormément »; Vortrag des Institutsleiters Professor Nicholas Cronk, 2015 (französisch)

Voltaires Unterschriften 180px|mini|(Autograph): Brief vom 28. September 1763 an D’Alembert. Voltaire unterschreibt ihn eigenhändig mit « écrasez l'infâme »(D 11433), bzw. « Écr. l’inf… » auf Wikisource.Édition Moland, Œuvres complètes de Voltaire, 1880/82, Band 42, S. 582–583, Brief n°5419.Édition de Kehl, Œuvres complètes de Voltaire, Band 51, 1822, Brief 119: Voltaire an D’Alembert. Voltaires subversive Unterschrift écrasez l’infâme ist in dieser Kehler Printausgabe aus der Zeit der Zweiten Restauration unter Ludwig XVIII. aus Zensurgründen nicht wieder gegeben. Voltaire unterschreibt seine Briefe im Laufe seines Lebens eigenhändig und auf unterschiedliche Weise: Zozo, Arouet, A***, A...., Arouet de Voltaire, Voltaire, V. Selbstironisch, humorvoll variierend: le petit Suisse V., le solitaire de Ferney, frère François, capucin indigne ...

Ab 1760D9366 – Brief Voltaires an D’Alembert vom 30. Oktober 1760: Écrasez l’infâme als Schlussformel beendet Voltaire Briefe, die er an seine „getreuesten Jünger“François Bessire: « Orate fratres. Écr L'inf » : Quand Voltaire écrivait à ses disciples. In: Poétique de la pensée : études sur l'âge classique et le siècle philosophique ;en hommage à Jean Dagen, S. 71–83. Champion Paris 2006, ISBN 978-2-7453-1467-3. wie D'Alembert und Damilaville richtet, immer häufiger mit dem Kampfruf «écrasez l’infâme», ausgeschrieben oder abgekürzt als « écr l'inf », « E. L. ».Jean Marie Goulemot, André Magnan, Didier Massea: Inventaire Voltaire. Gallimard (Quarto) Paris 1995, ISBN 978-2-07-073757-4, Stichworte: „Écrlinf“ S. 456 und „Infâme (L’), “S. 715.

In seinem Brief an Damilaville vom 5. Februar 1765 liest man:

Am Anfang und gegen Ende seiner Briefe finden sich oftmals (ironisch-)schmeichelhafte Devotionsformeln, captationes benevolentiae und genau auf den Adressaten zielende persönliche Anspielungen.Nicholas Cronk: La correspondance de Voltaire (französisch) – Vortrag des Direktors der Voltaire Foundation, 2015.

Unzulänglichkeiten in bisherigen Editionen

In der Einleitung seiner definitive edition der Korrespondenz Voltaires berichtet Theodore Bestermann von Unrichtigkeiten in bisherigen Editionen:

Der Voltaire-Spezialist Christophe Paillard kritisiert in einem AufsatzChristophe Paillard: La Correspondance de Voltaire et l'édition de ses œuvres. Problèmes de méthodologie éditoriale. In: Revue d'Histoire littéraire de la France, 112e Année, No. 4, Dezember 2012, Seiten 868, Volltext. die Editionsmethode Bestermans. Die englischen Kommentare zu jedem der veröffentlichten Brief seien zu minimalistisch und voller Ungenauigkeiten. Bei der zu schnellen Herausgabe seien Datumsangaben nicht sorgfältig genug mit den Originalmanuskripten abgeglichen worden.

Auch Electronic Enlightenment, die digitale Ausgabe der Korrespondenz Voltaires auf dem gebührenpflichtigen Server der Oxford University Press (OUP), enthalte viele Unzulänglichkeiten, insbesondere Druckfehler:

Nicholas Cronk, Direktor der Voltaire Foundation und Mitherausgeber der Œuvres complètes de Voltaire (OCV), betont die Bedeutung der materiellen Seite der Korrespondenz. In allen bisherigen Printausgaben sind die Briefe nur transkribiert. Es fehlen Faksimiles der Originalhandschriften, sowie handschriftliche Zusätze, Schlussformeln und Unterschriften Voltaires. Deshalb sei es wichtig, auch die Originalhandschriften zugänglich zu machen, was moderne Technologien heutzutage in Online-Publikationen leisten könnten.(französisch) La correspondance de Voltaire – Vortrag des Leiters der Voltaire Foundation, Professor Nicholas Cronk 2015, mit Verbesserungsvorschlägen für die Online-Edition

Korrespondenz unter Zensurbedingungen