Die Eider-Kaserne war eine militärische Anlage der Bundeswehr in Rendsburg. Sie war aus der zwischen 1903 und 1905 für das Deutsche Heer errichteten Artillerie-Kaserne sowie teilweise aus der von 1935 bis 1936 für die Wehrmacht durch den NS-Staat errichteten Blottnitz-Kaserne hervorgegangen. Sie umfasste zuletzt eine Fläche von 18,6 Hektar. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren hier hauptsächlich Artillerieeinheiten stationiert. Mit der Besetzung durch britische, norwegische und dänische Truppen wurde in der Kaserne ein NATO-Kommando gebildet, aus dem das Hauptquartier der Alliierten Landstreitkräfte Schleswig-Holstein und Jütland (LANDJUT) entstand. Die Bundeswehr stellte ab 1958 nicht nur einen Kommandeur dieses Verbandes, sondern stationierte in der Kaserne zur Unterstützung des multinationalen NATO-Korps ein Fernmeldebataillon. 2008 wurde die militärische Nutzung der Kaserne aufgegeben. Auf dem Gelände entsteht der neue Stadtteil Neuwerk-West.
Vorgeschichte links|mini|Festung Rendsburg (1848) Die Entstehung der Eider-Kaserne ist mit der Entwicklung der Garnison Rendsburg eng verbunden: Im 17. Jahrhundert befand sich die Stadt unter dänischer Herrschaft. Es bestand die Notwendigkeit, die Festungsanlagen zu ertüchtigen und zu erweitern. Am 1. Juni 1690 begannen unter Generalmajor Jobst Scholten die Arbeiten zur Errichtung des „Neuwerk“ auf der südlich der Eider gelegenen holsteinischen Seite. Als Teil dieser Festungsanlage entstand die „Bastion König“ etwa an jener Stelle, an der später die Eiderkaserne errichtet wurde. Auf der Innenseite der Festungswälle wurden bis 1695 20 Unterkunftsbaracken erbaut, darunter die Häuser A bis D entlang der heutigen Elefantenstraße bzw. ihrer nördlichen Verlängerung. 1696 kamen 6 Reiterställe sowie ein Stockhaus in einer kasernenartigen Anlage hinzu. Diese Gebäude waren jedoch bereits nach etwa 30 Jahren wieder baufällig, so dass zwischen 1728 und 1737 die Reiterställe durch zwei neue Reiterbaracken mit Unterkünften für 348 Mann und zwei Kasernen für 360 Soldaten ersetzt wurden. Auch das Stockhaus musste neu erbaut werden. Für 82 Pferde kam ein Train-Stall hinzu. Zwischen 1822 und 1839 entstanden weitere Kasernengebäude, wie das Exerzierhaus, das Reithaus und das Stockhaus-Hospital.Richard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 1–9
links|mini|Rendsburg um 1880 mit Artillerie-Kaserne Zu Beginn der Schleswig-Holsteinischen Erhebung überraschten Aufständische die dänische Garnisonsbesatzung. Am 5. April 1848 zog die Preußische Armee in Rendsburg ein. Nachdem 1852 die Stadt Rendsburg erneut unter dänische Herrschaft gekommen war, begann die Schleifung der Festungsanlagen, zunächst mit „Kronwerk“ im Norden und daran anschließend im Bereich der Altstadt. Durch den Abzug der Dänen 1864 blieb die Festung Neuwerk zunächst bestehen. Die Stadt Rendsburg sollte nach der Gasteiner Konvention Bundesfestung werden. Am 24. Januar 1867 fiel die Stadt endgültig an Preußen. Doch bereits 1866 hatten preußische Truppen Rendsburg besetzt. Das Holsteinische Infanterieregiment 85 mit I. und II. Bataillon, das Train-Bataillon 9, das Pionierbataillon 9 und die I./Feldartillerieregiment 9 waren hauptsächlich in der Festung Neuwerk untergebracht. Die Artillerieabteilung war dabei im Bereich der späteren Eider-Kaserne einquartiert. Am 25. September 1868 entschied der preußische König die Aufgabe von Rendsburg als Festung. Die noch vorhandenen Anlagen sollten jedoch erhalten bleiben. In der Folgezeit kam es dennoch zum Abbruch der restlichen Festungsbauwerke. Während für andere in Rendsburg stationierte Einheiten neue Kasernenbauten errichtet wurden, erfolgten im Areal der späteren Eider-Kaserne nur einzelne Veränderungen: die Schmiede wurde zur Beschlagschmiede und Waffenmeisterei erweitert, eine Artillerie-Waffenschmiede neu errichtet, die zwei Unterkunftsbaracken durch ein großes Stallgebäude ersetzt, ein Truppenunterkunftsgebäude abgerissen und neu gebaut sowie anstelle einer Baracke ein Krankenpferdestall der Truppe übergeben.Richard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 18–22 und 25–27
Bau der Kaserne und Nutzung bis zum Ende des Ersten Weltkriegs links|mini|Mannschaftsunterkunftsgebäude „Eiderschlösschen“ links|mini|Ehem. Verheiratetengebäude II links|mini|Stall I links|mini|Stabsgebäude mini|links|Offiziersheim Doch diese Baumaßnahmen konnten nichts daran ändern, dass zur Unterbringung der am Standort stationierten Artillerieeinheiten ein Kasernenneubau benötigt wurde, weil die vorhandenen Anlagen teilweise bis zu 150 Jahre alt und in einem schlechten Zustand waren. Die ersten Pläne für die Errichtung einer neuen Kaserne wurden 1887 erstellt. Für die neue Kaserne wurden jedoch teilweise vorhandene Bauten übernommen, wie das Exerzierhaus, ein Stallgebäude, der Krankenpferdestall, das Stockhaus, die Schmiede sowie das Stockhaus-Hospital, das zunächst zum Garnisons-Baubüro umgenutzt wurde. 1903 konnte mit dem Bau nach Abschluss der Planungsarbeiten und Einebnung der Festungswälle begonnen werden.Richard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 18–22 und 31–38
Für Gesamtkosten von 939.000 Mark wurden insbesondere folgende Baumaßnahmen durchgeführt:Richard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 18–22 und 39–56 BauwerkBaubeginnFertigstellungNeubau Großes Mannschaftsgebäude („Eiderschlösschen“)8. Juni 1903 (Grundsteinlegung)2. Oktober 1905Neubau Verheiraten-Gebäude I20. Juni 19032. Oktober 1905Neubau Wirtschaftsgebäude27. Mai 190414. Oktober 1905Neubau überdachte Reitbahn18. Juni 19042. Oktober 1905Neubau Stallgebäude II und IIIJuli 1904Oktober 1905Neubau Stabsgebäude mit Wache7. August 19041. Dezember 1905Umbau ziviles Amtsgefängnis zu Verheirateten-Gebäude II18. Juni 19042. Oktober 1905Umbau und Erweiterung Stall A zu Stallgebäude IFebruar 1905Februar 1906Umbau und Erweiterung KrankenpferdestallOktober 1905August 1906
Die Übergabe der Kaserne an die I./Lauenburgisches Feldartillerie-Regiment Nr. 45, die aus der I./Schleswig-Holsteinisches Feldartillerieregiment 9 am 25. März 1899 hervorgegangen war, erfolgte am 2. Oktober 1905. Die Artillerieabteilung verblieb hier bis zum 8. August 1914, als sie in den Ersten Weltkrieg ziehen musste. Im Dezember 1918 kehrte sie vom Einsatz zurück und wurde sogleich aufgelöst. Während des Kriegs war in der Kaserne lediglich 1915 noch ein Remontenstall ergänzt worden, der später als Stabsstall genutzt und 1965 zur Energieversorgungszentrale umgebaut wurde.Richard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 58–67
Weimarer Republik Trotz der Begrenzung der Größe der Reichswehr durch den Friedensvertrag von Versailles wurde die Kaserne nicht aufgegeben. 1919 waren hier der Stab und das 3. Bataillon des Reichswehr-Schützenregiments 18 ebenso stationiert wie der Staffelstab der Reichswehr-Brigade 9. Ab Herbst 1920 zog die 3. Eskadron der 2. (Preuß.) Fahrabteilung ein. Zudem befand sich in der Kaserne das Sanitätsrevier für den Standort Rendsburg und eine Heeresfachschule.Richard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 77 f.
1928 wurde die Artillerie-Kaserne in Eiderkaserne umbenannt.Richard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 74
1929 verlegte auch der Stab der 2. (Preuß.) Fahrabteilung von Altdamm und das Trompeterkorps in die Kaserne. Am 30. September 1931 gliederten die 3. und 4. Eskadron der 2. (Preuß.) Fahrabteilung in der Eiderkaserne zu einer Luftwaffenausbildungseinrichtung trotz des Verbots des Wiederaufbaus von Luftstreitkräften im Versailler Vertrag um, weil die in Zusammenarbeit mit der Sowjetunion geschaffene Geheime Fliegerschule und Erprobungsstätte der Reichswehr zunehmend gefährdet war. Das Kommando übernahm Curt Pflugbeil. Die getarnte Ausbildungseinrichtung verblieb in der Eiderkaserne bis zum 30. September 1934.Richard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 78 und 92
Aufrüstung und Bau der Blottnitz-Kaserne in der NS-Zeit sowie Zweiter Weltkrieg Der vom NS-Staat zur Kriegsvorbereitung initiierte Aufbau der Wehrmacht erforderte deutlich mehr Truppenunterkünfte. Vor 1935 umfasste die Eider-Kaserne eine Fläche von lediglich 10,9 Hektar. Zur Schaffung weiterer Kasernenbauten und Unterbringung einer weiteren Artillerieabteilung wurden 11,2 Hektar hinzuerworben. Ende 1935 begannen die Bauarbeiten und bereits am 6. Oktober 1936 fand die Übergabe der Neuen Artillerie-Kaserne an die Wehrmacht statt. Es waren drei Unterkunftsblocks, ein Stabsgebäude, ein Wirtschaftsgebäude, drei Ställe, zwei Reithallen, zwei Kfz-Hallen, eine Schmiede, eine Waffenmeisterei und ein Krankenpferdestall entstanden. Doch die Bautätigkeit erstreckte sich ebenso auf die Eider-Kaserne: es wurden ab 1935 eine neue Waffenmeisterei, ein Doppelschießstand, eine Kfz-Halle, ein neues Exerzierhaus, eine neue Reithalle, eine Kläranlage, ein Handwerkergebäude und ein Unterkunftsblock errichtet. Im März 1938 wurde die Neue Artillerie-Kaserne in Blottnitz-Kaserne umbenanntRichard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 93 ff. – benannt nach dem gefallenen Kommandeur der 18. Infanterie-Division Generalleutnant Paul Bloch von Blottnitz (1859–1918).
Parallel dazu erfolgte die Aufstellung neuer Einheiten: aus Abgaben der III./Artillerieregiment 2 entstand ab 1. Oktober 1934 in der alten Rendsburger Train-Kaserne die II./Artillerieregiment Rendsburg (später: Artillerieregiment 20). Diese Abteilung zog kurz darauf in die Eider-Kaserne um und wurde am 1. Oktober 1935 mit den ersten Wehrpflichtigen aufgefüllt. In die Neue Artillerie-Kaserne verlegte am 6. Oktober 1936 die III./Artillerieregiment 20, die in Güstrow aus der II./Artillerieregiment 2 gebildet worden war. Noch im Oktober 1936 bekam das Artillerieregiment die neue Nummer 30, da es der 30. Infanteriedivision unterstellt wurde. Das Regiment verblieb bis kurz vor dem Überfall auf Polen in der Kaserne. An seine Stelle trat die Artillerieersatzabteilung 30 sowie eine Kanalwachabteilung der Marineartillerie in der Blottnitz-Kaserne.Richard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 93, 101 ff.
Besetzung durch die Britische Armee Am 8. Mai 1945 besetzten britische Truppen Rendsburg und rückten zwei Tage später in die Eider-Kaserne ein. Das 1. Bataillon des Middlesex Regiment übernahm die Eider-Kaserne im Februar 1946. Am 4. April 1947 verließ das Regiment Rendsburg zu seinem neuen Standort Iserlohn. Während der Belegung der Truppenunterkunft durch das 1./Middlesex Regiment erhielt die Eider-Kaserne einen neuen Namen: Albuhera Barracks.Richard Welter: Das Schloss am Meer. Die Geschichte der Eiderkaserne in Rendsburg, 1. Auflage o. J. (1986), S. 117
Besetzung durch die Norwegische Armee und Aufbau eines NATO-Stabes Ab Oktober 1948 übernahmen norwegische Truppen die Aufgaben der Besatzungsmacht von der britischen Armee. Zugleich wurde die Eider-Kaserne beschlagnahmt. Das Hauptquartier der Norwegischen Armee in Deutschland (Tysklandskommandoen) wurde am 20. März 1950 aus Neumünster vollständig in die Albuhera-Kaserne nach Rendsburg verlegt. Geführt wurde das Kommando zunächst bis 31. Oktober 1950 von Generalmajor Arne Dagfin Dahl, der von Generalmajor Hans Reidar Holtermann abgelöst wurde. Dessen Nachfolger wurde am 1. Mai 1952 Generalmajor Bjørn Olafsøn Christophersen. Am 18. Juni 1953 wurde das Armeekommando aufgelöst, nachdem die norwegischen Truppen Schleswig-Holstein schrittweise verlassen hatten.