Der böse Bub Eugen war eine Schweizer Band, welche von 1983 bis 1990 als Trio existierte. Nachdem Bassist «Lenz» die Band verlassen hatte, erfolgte die Umbesetzung in ein Quartett und die Umbenennung in Eugen. Die Band löste sich 1998 auf. Mit der Single Pirmin (1988), die sich auf den Skirennfahrer Pirmin Zurbriggen bezieht, veröffentlichte die Band ein Lied, das sie auch schweizweit bekannt machte. In den 1980er Jahren wurde Der böse Bub Eugen als Schweizer Version der deutschen Punk-Pop-Band Die Ärzte bezeichnet.

Der böse Bub Eugen Die Anfänge: Der Pein, TipEx, Café Stalingrad miniatur|Der Pein: Svend Müller und Stephan Ramming (1981) Es begann in Thayngen, wo Stephan Ramming 1980 mit Freunden vom Dorf die Punkband Der Pein gründete und dort unter dem Künstlernamen «Rämi Hämorrid» Sänger und Texter war. 1994 erinnerte sich «Rämi» in einem Interview an seine Anfänge zurück: «Ende der siebziger Jahre war ich in Thayngen in der Sekundarschule. […] Zu fünft gingen wir für die DRS-2-Sendung «Feedback» nach den Mittagsnachrichten ins Radiostudio. Wir spielten Dead Kennedys, Dr. Feelgood, Vibrators und solche Sachen. Urs Musfeld, der die Sendung moderierte, fragte uns, ob wir nicht selbst Musik machen wollten. So fingen wir an.»E. M. Cuchulain: Gute Zeiten für den Schweizer Rock. In: Die Wochenzeitung. 25. Februar 1994, S. 17. Nach dem zehnten Konzert mit Der Pein – als Vorband der Bieler Gruppe Sozz in Baden – verliess «Rämi» Der Pein und gründete als Gitarre-Spieler die Band TipEx, wo Laurenz «Lenz» Müller den Bass bediente (neben Stefan Winiger an den Keyboards und Maurus Gmür am Saxophon). TipEx spielte in der ganzen Schweiz Konzerte, veröffentlichte die Lieder «Lange lange Strasse lang» und «Schleicher» auf einer Split-Single zusammen mit der Band Chaotik ThGemeinschafts-Single von TipEx und Chaotik Th auf Discogs. und war mit dem Song «Bahnhof» auf dem LP-Sampler «Rock Scene SH»Sampler «Rock Scene SH» auf Discogs. vertreten.

mini|Eugen erblickt das Licht der Welt Nach der Auflösung von TipEx 1983 machten «Rämi» und «Lenz» weiter Musik. Im Frühling 1983 stiess Schlagzeuger Martin «Fisch» Fischer dazu, um für das 1. Schaffhauser Sommertheater «Tam Tara Tam» die Musik zu schreiben. Parallel zur Arbeit für das Theater entstanden erste Songs, welche das Trio nach dem Theatersommer unter dem Namen Café Stalingrad unter anderem als Vorgruppe der deutschen Punkband Strassenjungs in Singen zur Aufführung brachte; kurz darauf benannten sie sich schliesslich in Der böse Bub Eugen um. Der Bandname entstand so: In einer Lateinstunde zeichnete «Lenz» ein Strichmännchen und schrieb spontan darunter «Eugen». Rämi ergänzte mit dem Stift «Der böse Bub» und sagte: «So heisst unsere Band künftig.» Ihr erstes Konzert mit dem neuen Namen fand am 1. Januar 1984 im Frauengefängnis Hindelbank für die Insassinnen statt. Dazu Rämi rückblickend: «Trotz Allem haben uns eingeladen, eine Drei-Frauen-Band aus Aarau, Bass und Gesang, eine sehr tolle Band. Die hatten die Anfrage vom Gefängnis. Das Konzert war eine Art Neujahrsgeschenk der Gefängnisleitung an die Insassinnen, es waren vor allem Frauen aus Südamerika und Afrika – die haben sich gefreut, dass mal etwas los war. Es war anrührend.»Lurker Grand: Der böse Bub Eugen. Honigbrot und Marmelade – Punk in der Schweizer Provinz (Teil 1). In: Ox-Fanzine – Punkrock, Hardcore, Rock'n Roll. Nr. 169, Ox-Verlag, Solingen 2023, S. 55.

Wie der Der böse Bub Eugen damals funktionierte, erklärte «Rämi» in einem Fanzine-Interview von 1988: «Jeder ist extrem unersetzlich, denn Eugen lebt von der extremen Unterschiedlichkeit der drei Musiker. Ich glaube, wir haben ein sehr seltsames Verhältnis untereinander. Jeder besitzt andere Stärken und Schwächen […]. ‹Fisch› ist ein guter Musiker (er wird sich sogar klassisch ausbilden lassen demnächst). ‹Lenz› am Bass hat viel Ahnung vom Groove in einem Song und kann sich mit akribischer Beharrlichkeit für die kleinen aber feinen Details interessieren. Ich an der Gitarre bin eigentlich gar kein Musiker, dafür bringe ich Ideen für die Songs und Texte. […] Eigentlich haben wir immer ein ziemlich angespanntes Verhältnis untereinander, und es ist oft schwierig, dass das Ganze im Gleichgewicht bleibt. Aber andererseits gibt diese Reibung auch unheimlich Energie ab. Gerade live sprühen da schon mal die Funken und fliegen Späne.»Markus Weiler: Der böse Bub Eugen. Uuauu – NaNaNaNa – Uua. In: Manuskript – Punkmagazin. Nr. 2, Eigenverlag, Geilenkirchen 1988, S. 28.

Kassetten-Veröffentlichungen Als in den frühen 1980er-Jahren die ersten Kassetten-Vierspurgeräte auf den Markt kamen, wurde die Veröffentlichung von Musik ohne den kostspieligen Weg von Tonstudio-Miete, Schallplatten-Produktion und Vertrieb möglich. Die Kassetten-Aufnahmen wurden zur Alternative zum grossen Musikbusiness. Das Kassettenlabel Calypso Now aus Biel, gegründet 1983 von Rudi Tüscher, veröffentlichte beispielsweise bis 1989 unter dem Radar der grossen Labels rund 200 Kassetten-Alben.Patou J. Foetisch: Liner Notes «Squares and Crossings» von Mario Scherrer. Dee Dee’s Picks Releases, 11. September 2022.Calypso Now auf Discogs. Diesen Weg der Musikproduktion und des Vertriebes wählten auch Der böse Bub Eugen. So nahm die Band an Weihnachten 1983 in ihrem Proberaum das erste Demo auf und veröffentlichte die Lieder auf Kassette.Erstes Demoband von Der böse Bub Eugen auf Discogs. Stephan Ramming sagte 2016 im Rückblick: «Im Vergleich zu heute musste man als Indie-Band in den 1980er-Jahren vermehrt selbst Hand anlegen: Wir haben Kassetten aufgenommen und diese zum Teil sogar bei uns zu Hause vervielfältigt. Die Hüllen haben wir dann mit der Kopiermaschine kopiert und danach von Hand zugeschnitten. Anschliessend haben wir die Exemplare an Konzerten selbst unters Volk gebracht.»Stephan Ramming über die Indie-Rock-Szene in den 1980er-Jahren auf Radio SRF Virus. 5. Februar 2016. Im Laufe ihrer Bandgeschichte haben Der böse Bub Eugen insgesamt sechs Kassetten-Alben und eine Kassetten-Single («Der lange Mann» / «Leichenwagen», 1984) herausgegeben. Auf dem Sampler «Chart Attack» (1986), herausgegeben von Calypso Now, war Der böse Bub Eugen mit den Liedern «Alles» und «Nimm diese Blume» vertreten.

EP Der böse Bub Eugen miniatur|«Rämi», «Lenz» und «Fisch» (1984) Im Frühling 1984 hatte «Rämi» die ersten drei Konzerte der Berliner Band Die Ärzte in der Schweiz mit Der böse Bub Eugen als Vorband organisiert (im Totentanz Basel, in der Roten Fabrik Zürich und im Fasskeller Schaffhausen). Im Herbst fuhr die Band nach Berlin, um Lieder für eine EP aufzunehmen. Auf das Vielklang-Studio kam man durch Empfehlung der Ärzte, die dort ihre erste Single aufgenommen hatten. Im Studio kümmerte sich der Tontechniker Matsge Bröckel um die Schweizer, die noch wenig Ahnung von Studio-Aufnahmen hatten. Die EP enthielt schliesslich sechs Songs, darunter «Leichenwagen» und «Marlowe», einen Song über den Tod der literarischen Detektivfigur Philip Marlowe von Raymond Chandler. Ebenfalls veröffentlicht wurde die Kassette-Single «Der lange Mann» / «Leichenwagen» (auf Calypso Now). «Der lange Mann» erhielt in der Radiosendung Sounds! auf dem neuen Sender DRS 3 mit Moderator François Mürner viel Airplay und machte Der böse Bub Eugen bekannter.

Album Regen im Park Das Album «Regen im Park» wurde im Januar 1986 aufgenommen und abgemischt, wieder im Berliner Vielklang-Studio mit Matsge Bröckel. Erneut erhielt die Band viel Airplay, diesmal mit den Songs «Gaudenz meint», «Novembertag» und «Seemann». Musikalisch waren darauf auch erstmals Wave-Anleihen zu hören. Die Stimmung der Lieder war diesmal eher melancholisch, was sich besonders beim Lied «Gaudenz meint» zeigte, da es nur aus Gesang, Handorgel und Marimbaphon bestand. Tony Lauber schrieb in den Luzerner Neusten Nachrichten vom 17. April 1986: «Eine kühle, melancholische Stimmung durchzieht ‹Novembertag›, den vielleicht schönsten Song der Platte. Da werden unspektakuläre Alltäglichkeiten beobachtet. Der ernste Grundton dieses Stückes scheint mir bezeichnend für eine LP, der die oft naive Unbeschwertheit des Debüts abgeht. Es brodelt unter der vermeintlich beschaulichen Provinzoberfläche.»Tony Lauber: Die Rettung kommt aus der Provinz. In: Luzerner Neuste Nachrichten. 17. April 1986. War die Vorgänger-EP noch im Eigenverlag erschienen, kümmerte sich diesmal das Zürcher Label Organik im RecRec-Vertrieb um das Album. In Deutschland nahm das Weser-Label aus Bremen «Regen im Park» unter Lizenz. Im Frühsommer 1986 wurden im Proberaum Schaffhausen die Lieder «Alles» und «Nimm diese Blume» für den Kassettensampler «Chart Attack» aufgenommen; im Herbst folgten «Augen wie Revolver» und «Mädchen vom anderen Stern», welche als 7"-Single in rotem Vinyl auf dem Weser-Label erschienen.

Album Nimmerland miniatur|Der böse Bub Eugen (1988) In der Schweiz spielte Der böse Bub Eugen 1987 über 40 Konzerte. Am 29. März gastierte die Band in der Roten Fabrik in Zürich. Das Konzert wurde von Radio SRF 3 im Rahmen von «Live uf dr Gass» übertragen. Im Juli desselben Jahres und im Januar 1988 wurden zehn neue Lieder für das Album «Nimmerland» aufgenommen. Die Band wollte genügend Zeit haben, um die nächste LP zu produzieren, und dies ohne finanziellen Druck. Produziert und abgemischt wurde «Nimmerland» in Wetzikon von Jon Langford, Gründungsmitglied der Punkband The Mekons aus Leeds; Der böse Bub Eugen lernte Langford in St. Gallen an einem Konzert mit The Three Johns kennen. Das Cover des Albums zeigt ein Ölbild der Schaffhauser Künstlerin Anna Meyer («Nonnen II», Öl auf Holz).

Die Single-Auskopplung «Pirmin»Single «Pirmin» auf Discogs. erschien kurz vor den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary und war eine Art Hommage an den Skirennfahrer Pirmin Zurbriggen, der als Favorit nach Kanada reiste. Der Text über Pirmins schönes Lachen und seine Papstbesuche hüpfte allerdings zwischen übertriebenem Lob und leisem Spott hin und her. Dazu war in den Medien zu lesen: «Ein ‹Rämi›-Song sorgt für Gesprächsstoff, weil er sich über den ‹heiligen› Pirmin Zurbriggen lustig macht. ‹Ich wollte Pirmin nicht verletzen, denn als Sportler faszinierte er mich – ich bin früher selbst Skirennen gefahren. Wenn er aber glaubt, Pariser seien des Teufels, weil sie dem Papst nicht passen, finde ich das schon sehr naiv›, erklärte ‹Rämi›.»Reinhold Hönle: Ihr Name ist Eugen. In: Tele. 2. Dezember 1993, S. 39. Vor Zurbriggens Abflug nach Kanada überreichte die Band dem Skirennfahrer eine Single; das Bild der Übergabe wurde damals von etlichen Schweizer Zeitungen abgedruckt.

Die «Nimmerland»-Tournee umfasste weit über 40 Konzerte, rund 20 davon im Rahmen einer M-Tournee, gesponsert von Migros-Kulturprozent. Im selben Jahr erschien ebenfalls die EP «Bad Boy Eugen» mit vier Songs. Darunter englische Versionen ihrer Songs «Kein Blick zurück» («Nowhereland»), «Bei Mosers» («At Mosers») und der Song «How does it feel to feel» aus dem Jahre 1967 der englischen Band The Creation. Ebenfalls 1988 erschien die Split-Kassette Der böse Bub Eugen / Guz; darauf waren 12 Songs von Der böse Bub Eugen und 17 Songs von Oliver Maurmann, Sänger, Songschreiber, Gitarrist und Frontmann der Aeronauten.

Album Himmel, Hölle und der Fisch miniatur|«Fisch», «Lenz» und« Rämi» in Biel (1988)