Das Wunder von Kapstadt ist ein Fernsehfilm aus dem Jahr 2022 von Franziska Buch mit Sonja Gerhardt, Alexander Scheer als Christiaan Barnard, Fritz Karl und Loyiso MacDonald als Hamilton Naki. Das Drehbuch von Chris Silber wurde von wahren Begebenheiten inspiriert, der Geburtstag von Christiaan Barnard jährte sich im November 2022 zum 100. Mal.

Handlung 1967 arbeitet die Ärztin Lisa Scheel in Berlin daran, sich als eine der ersten Frauen in der Chirurgie durchzusetzen. Sie hofft, von Professor Kohlfeld in dessen Herztransplantations-Team aufgenommen zu werden. Doch Kohlfeld zieht ihr einen männlichen Kollegen vor, der in einer spontan angesetzten Besprechung Scheels Ausarbeitungen als seine eigenen Ergebnisse präsentierte.

Enttäuscht wendet sich Scheel von Kohlfeld ab und reist nach Kapstadt zu Christiaan Barnard, der ebenfalls an Herztransplantationen forscht und von Kohlfeld als Konkurrent im Rennen um die erste Herztransplantation bei einem Menschen betrachtet wird. Dort erlebt sie zunächst das Apartheidsregime als schreiend ungerecht und freundet sich mit dem schwarzen Chirurgen Hamilton Naki an. Barnard hält viel von Nakis chirurgischem Geschick und lässt ihn im Labor arbeiten, muss dies jedoch vor der Klinikleitung streng geheim halten. Offiziell ist Naki als Gärtner tätig.

Scheel spielt Barnard Informationen zu, die sie von ihrem Konkurrenten in Kohlfelds Team erlauscht hat, und trägt damit zum Gelingen bei. Wegen ihrer offenen Ablehnung der Apartheid wird ihr jedoch eine Mitarbeit an der ersten Herztransplantation verwehrt. Sie kann nur aus einem verdunkelten Nachbarraum gemeinsam mit Naki an der Operation mitwirken.

Produktion und Hintergrund Die Dreharbeiten fanden vom 14. März bis zum 27. April 2022 in Prag und Kapstadt statt.

Produziert wurde der Film von der deutschen Producers at Work Film (Produzent Christian Popp) in Koproduktion mit der tschechischen Mia-Film im Auftrag der ARD Degeto und in Zusammenarbeit mit dem ORF. Die Kamera führte Bella Halben, die Montage verantwortete Tobias Haas und das Casting Liza Stutzky. Das Kostümbild gestaltete Esther Amuser und das Szenenbild Iris Trescher.

Dr. Christiaan Barnard und Autodidakt Hamilton Naki sind historische Personen. Die Charaktere Dr. Lisa Scheel und Prof. Kohlfeld dagegen sind fiktiv und dramaturgisch motiviert. Die Frauen in Christiaan Barnards Team waren hauptsächlich Schwestern, der operierende Teil der Ärzteschaft bis hin zum Anästhesieassistenten bestand ausschließlich aus Männern.Alexander Scheer als Dr. Christiaan Barnard, Das Erste, abgerufen am 18. Dezember 2022.

Veröffentlichung Premiere des Films (Arbeitstitel 5 Stunden) war am 4. Oktober 2022 auf dem Filmfest Hamburg, wo der Film mit dem Hamburger Produzentenpreis für Deutsche Fernsehproduktionen ausgezeichnet wurde.

Anfang November 2022 wurden mit dem Film die 44. Biberacher Filmfestspiele eröffnet.

Im ORF und im Ersten wurde der Film am 17. Dezember 2022 erstmals gezeigt.

Rezeption Kritiken Martina Kalweit bewertete den Film auf tittelbach.tv mit 4,5 von 6 Sternen. Weil der Film große Probleme verhandele, stehen die Dialoge oft im Dienst der jeweils aktuellen Konflikte. Darüber hinaus bleibe vor allem der Hauptfigur wenig Luft. Am Schauplatz Afrika gewinne das Drama an Drive, die Figur des Barnard habe etwas Schillerndes.

Oliver Armknecht vergab auf film-rezensionen.de vier von zehn Punkten, die Verbindung der historisch bedeutenden medizinischen Operation mit einem Porträt der damaligen Verhältnisse für Schwarze und Frauen funktioniere nicht wirklich. Der Film mache zu oft zu viel und bleibe durch plumpe Manipulation unter den Möglichkeiten.

Franziska Wenzlick schrieb auf prisma.de, dass Drehbuchautor Christoph Silber die Geschichte von Barnard und Naki als bewegendes Drama erzähle. Die Perspektive der fiktiven Protagonistin Dr. Lisa Scheel ermögliche den Machern des Films, einen umfassenden Blick auf die strukturellen Hürden der damaligen Zeit zu bieten und gleichzeitig eine medizinische Ausnahmeleistung als das zu zeigen, was sie im Jahr 1967 war: ein wahres Wunder.

tvspielfilm.de bezeichnete die Produktion als stark bebildertes, vielseitiges Plädoyer mit Schwächen. Das Drehbuch entwickle teils einen White Savior Complex und werde den realen historischen Charakteren und ihrem Schaffen zu wenig gerecht.

Quote Die Erstausstrahlung im Ersten im Dezember 2022 verzeichnete 3,92 Millionen Fernsehzuschauer, der Marktanteil betrug 15,1 Prozent.

Auszeichnungen Filmfest Hamburg 2022: Hamburger Produzentenpreis für Deutsche Fernsehproduktionen (Christian Popp, Producers at Work Film)

Weblinks

Das Wunder von Kapstadt auf tv.orf.at Das Wunder von Kapstadt auf ORF ON

Einzelnachweise

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