mini|Ken Jebsen (2014)
Ken Jebsen, bürgerlicher Name Kayvan Soufi-Siavash (* 29. September 1966 in Hüls, jetzt Krefeld), ist ein deutscher Webvideoproduzent und politischer Aktivist.
Ab 1987 war er als Fernseh- und Radiomoderator und Reporter bei verschiedenen privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten tätig. Ab 2001 produzierte und moderierte er für den Hörfunksender Fritz beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) die Sendung KenFM. Nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen Jebsen beendete rbb die Sendereihe 2011 und entließ ihn. Seitdem betätigt dieser sich vor allem auf eigenen Webseiten und verbreitet dort Verschwörungstheorien zu verschiedenen Themen.
2014 und 2015 trat Jebsen als Hauptredner bei den umstrittenen Mahnwachen für den Frieden, ab 2020 bei „Querdenken“-Demonstrationen hervor und verbreitete Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie. Deshalb sperrte YouTube seinen Kanal KenFM im November 2020. Ab März 2021 führte der Verfassungsschutz Berlin KenFM als Verdachtsfall.
Daraufhin ersetzte Jebsen KenFM im Sommer 2021 durch die Nachfolgewebseite apolut. Seit 2023 ist er unter dem Label Soufisticated im Internet und mit Vorträgen im deutschsprachigen Raum aktiv. 2024 rief er in einem seiner Videos zur Wahl der rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland (AfD) auf.
Herkunft, Name, Ausbildung Jebsen wurde 1966 in Hüls als Kayvan Soufi-Siavash geboren.Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen? Der Mann mit der Banane (1/6), Podcast, 13. Juni 2021, bei Minute 9:40 (MP3) Er gab an, dass sein Vater aus dem Iran stammt.Felix Dachsel: Ken Jebsen und der RBB: „Ich benutze Humor als Waffe“. taz, 20. Januar 2012 Er nahm später den Künstlernamen Ken Jebsen an, weil (so die Autoren der „Fritz-Chronik“) ihm sein bürgerlicher Name für deutsche Radiohörer zu schwer verständlich erschien.Ronald Galenza, Kerstin Topp, Philip Meinhold (Hrsg.): Die Fritz-Chronik: An, laut, stark! Fritz – das Buch zum Radio. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89602-440-X, S. 56 Als Nachnamen übernahm er den Geburtsnamen seiner deutschen Mutter.Henning Kober: Hirnforschung statt Gewinnspiel. taz, 8. März 2004 Eigene biografische Angaben bei Radio Fritz, sein Geburtsname laute Moustafa Kashefi und er sei in einem Flugzeug im iranischen Luftraum geboren, wies Jebsen in einem Interview mit Mathias Bröckers als selbsterdachte „absurde Bio“ und leicht erkennbaren „Gag“ zurück.Ken Jebsen, Mathias Bröckers: Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann, Frankfurt am Main 2016, S. 151–153 und 166 Seit August 2023 tritt er in Deutschland und Österreich unter seinem bürgerlichen Namen Kayvan Soufi-Siavash auf.Volker Siefert, Sonja Süß: „Meinungsfreiheit“: Katholisches Kolpingwerk in Bensheim lässt Verschwörungsideologen Ken Jebsen auftreten. Hessenschau, 29. August 2023
Jebsen besuchte eine Waldorfschule in Baden-Württemberg.André Sebastiani: Anthroposophie – Eine kurze Kritik. 2. Auflage, Alibri, Aschaffenburg 2019, ISBN 978-3-86569-122-4, S. 63 Nach Eigenangaben ist er Vater von vier Kindern.Jakob Buhre, Adrian Arab: Die Leute sollen politisiert werden. Planet-Interview.de, 6. Oktober 2016
Rundfunkmoderator (1987–2011) mini|hochkant|Ken Jebsen im Studio von Radio Fritz, 2005
Von 1987 bis 1991 moderierte Jebsen oft unter dem Namen Keks beim Privatsender Radio Neufunkland in Reutlingen. Danach arbeitete er bei DW-TV als Fernsehreporter. 1994 moderierte er 16-mal die damalige Mondscheinshow im ZDF.TV Wunschliste: Ken Jebsen Beim Radio 4U des SFB war er Radioreporter.Ken Jebsen. radio4u-online.de/mitarbeiter Danach moderierte er mit Volker Wieprecht bei Radio Fritz die Sendung Die Radiofritzen am Morgen. 1999 moderierte er mit Steffen Hallaschka, Wigald Boning, Tommy Wosch und Arzu Bazman die ProSieben MorningShow.Presseheft: Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen? rbb, Juni 2021
Ab 28. April 2001 moderierte er bei rbb für Radio Fritz wöchentlich die Radiosendung KenFM. Anfangs sendete er jeden Samstag von 6:00 bis 10:00 Uhr aus einem Modegeschäft in der Marienstraße in Berlin-Mitte.Anja Popovic: Welt, 30. April 2001 Ab dem 6. Januar 2002 sendete er sonntags von 14:00 bis 18:00 Uhr von der Peugeot-Avenue, Mini-Berlin (Friedrichstraße) und vom Sony Center aus.Ronald Galenza et al. (Hrsg.): Die Fritz-Chronik, Berlin 2003, S. 226–235, hier S. 233f. Am 7. März 2002 ließ Jebsen „KenFM“ als Marke für sich eintragen.Markus Ehrenberg: Markenpflege. Ken Jebsen: Schweigen ist Silber, Senden ist Gold. Der Tagesspiegel, 19. Dezember 2011 Jede Woche stellte er mindestens eine Musikgruppe vor, die einige Titel live vortrug. Gelegentlich lud er Schriftsteller, Hobbydichter oder Alternative-Musiker ein. Ab 2004 fand die Sendung ohne Generalprobe sonntags von 14:00 bis 18:00 Uhr in den Fritz-Studios in Babelsberg statt. Jebsen war mit seiner Firma „sektor_b“ auch deren Produzent, plante den Sendeablauf genau und teilte die Sendung in je 15 Rubriken ein, darunter „Presseschlau“, „RückblicKEN“ und eine Diskussion mit ungewöhnlichen oder prominenten Gästen zu Themen aus Forschung, Technik, Geschichte und Philosophie. Regelmäßig interviewte er Gäste zu aktuellen Themen, darunter Boris Aljinovic, Götz Alsmann, Drew Barrymore, Alf Ator (Alexander Thomas) von Knorkator, Wiglaf Droste, Daniel Fehlow, Alexa Hennig von Lange, Oliver Kalkofe, Sabine Schiffer, Marco Seiffert, Werner Sonne und Klaus Wowereit. Er grenzte sein Konzept strikt gegen Sendungen von Stefan Raab ab und bezeichnete Ray Cokes und Sammy Davis, Jr. als seine Vorbilder. Die taz lobte die Sendung als „Persiflage des Dumm-dumm-Radios“.
Bis zu Jebsens Entlassung im November 2011 liefen 545 Folgen von KenFM bei Radio Fritz.Joachim Huber: Arbeitsgericht Potsdam muss entscheiden. Ken Jebsen: Kündigung rechtswidrig. Tagesspiegel, 22. Dezember 2011
Antisemitismusvorwürfe und Trennung vom rbb Anfang November 2011 leitete ein Hörer eine E-Mail an Henryk M. Broder weiter, in der Jebsen ihm geschrieben hatte: Er wisse, dass Edward Bernays „den Holocaust als PR erfunden“ habe. Propagandaminister Joseph Goebbels habe dessen Buch gelesen und entsprechende Kampagnen umgesetzt. David Rockefeller habe das NS-Regime mit Bomber-Sprit versorgt. Der Jude Henry Kissinger habe für Juden „überhaupt nichts übrig“ und auf die Bitte, russischen Juden die Ausreise nach Israel zu ermöglichen, geantwortet, deren Vergasung sei höchstens ein ökonomisches Problem. Ihre Führer seien das größte Problem der Juden. Das könne man in Palästina täglich sehen. Holocaustopfer in Israel hätten ihm bestätigt, sie fänden widerwärtig, was in ihrem Namen passiere. Man solle sich daher nicht hinter den ‚geschichtlichen Tatsachen‘ der Schoa verschanzen. Die jüngere Generation könne friedlich leben, „wenn man uns denn ließe“. Der Planet habe keine Zeit mehr, sich mit „diesen Steinzeitmethoden“ vor dem Kollaps zu retten. – Broder leitete die Mail nach Eigenangaben am 3. November 2011 an die rbb-Redaktion weiter und fragte sie, was der rbb von diesem „irren Antisemiten“ halte. Als die Redaktion die Mail nicht kommentieren wollte, veröffentlichte Broder den Inhalt am 6. November 2011 auf seinem Blog Die Achse des Guten.Henryk M. Broder: „ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat“. Achgut.com, 6. November 2011; Henryk M. Broder: Vergesst Auschwitz! Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage. Random House, München 2012, ISBN 978-3-641-06816-5, S. 63–65
Daraufhin setzte der rbb Jebsens Sendung vom selben Tag zunächst aus. Jebsen räumte ein, dass er die Mail verfasst hatte, und erklärte öffentlich, dass er kein Antisemit sei. Den (von Broder nicht erhobenen) Vorwurf einer Holocaustleugnung wies er zurück: Er habe den Holocaust in vielen Beiträgen als Menschheitsverbrechen verurteilt. Er sei zu einem klärenden Gespräch mit Broder bereit.Kurt Sagatz: Antisemitismusvorwurf gegen Fritz-Moderator Ken Jebsen. Tagesspiegel, 7. November 2011
Am 9. November 2011 entschied die rbb-Leitung nach Gesprächen mit Jebsen, ihn weiterzubeschäftigen: Man halte die „Vorwürfe gegen den Moderator, er verbreite antisemitisches Gedankengut und verleugne den Holocaust […], für unbegründet“.Ken Jebsen bleibt Moderator bei Fritz. rbb, 11. November 2011; Sonja Pohlmann: RBB nennt Antisemitisvorwürfe gegen Jebsen „haltlos“. Tagesspiegel, 9. November 2011 Laut Programmdirektorin Claudia Nothelle sollte Jebsen fortan weniger politische Themen behandeln, diese und ihre Darstellung mit der Redaktion absprechen und sich stärker auf Unterhaltung und die Musikszene fokussieren.Ekkehard Kern: Moderator Jebsen muss Themen nun absprechen. Berliner Morgenpost, 12. November 2011
Broder betonte, er habe nicht Jebsens Sendung beenden, sondern auf wiederholten Israelhass und Antiamerikanismus in dessen Beiträgen hinweisen wollen. So wünsche sich Jebsen „ein palästinensisches Yad Vashem“ für „Verbrechen der Israelis“ und ziehe damit „eine Parallele zwischen dem Israel von heute und den Nazis gestern“. Das sei antisemitisch. Die Historikerin Juliane Wetzel fand es richtig, auf solche Aussagen aufmerksam zu machen, doch nicht unbedingt auf alarmistische Weise. Jebsen greife damit nur gesellschaftlich verbreitete Stimmungen auf.Christoph Richter: Wirbel um rbb-Radio-Moderator. Deutschlandfunk (DLF), 12. November 2011 Einige Journalisten verteidigten Jebsen.Robert Meyer: Rausschmiss eines Unbequemen. Neues Deutschland (ND), 25. November 2011 Michael Wuliger (Jüdische Allgemeine) dagegen deutete Jebsens Aussagen als komprimierte „Glaubenssätze der Post-Auschwitz-Judenfeindschaft“: Beim Holocaust hätten laut Jebsen „die Nazis sich ihre Hetzmethoden bei den Opfern selbst abgeguckt.“ Er gebe Juden also zumindest teilweise die Schuld an ihrem Schicksal und bestreite jeden moralischen Unterschied zwischen Nazis und Juden wie Kissinger. Die Tatsache oder Besonderheit der Schoa festzuhalten gefährde für ihn den Frieden und die Zukunft des Planeten.Michael Wuliger: Polemik: Nichts gegen Juden. Jüdische Allgemeine, 14. November 2011 Am 13. November 2011 moderierte Jebsen letztmals seine rbb-Sendung und gestand, er habe „in missverständlicher Form eine private Mail an einen Hörer verfasst“. Der Vorwurf einer Holocaustleugnung sei jedoch „absurd“.Kurt Sagatz: KenFM wieder auf Fritz. Jebsen: „Es tut mir leid“. Tagesspiegel, 13. November 2011
Am 23. November 2011 gab der rbb die Trennung von Jebsen bekannt. Laut Claudia Nothelle entsprachen „zahlreiche seiner Beiträge nicht den journalistischen Standards des rbb“. Er habe „verbindliche Vereinbarungen über die Gestaltung der Sendung ,KenFM‘ […] wiederholt nicht eingehalten“ und Beiträge unabgestimmt auf KenFM.de veröffentlicht. Entlassungsgrund sei „Jebsens Verhalten insgesamt“. Fritz-Programmchef Stefan Warbeck übernahm die Verantwortung für „mehrere nicht ausreichend redaktionell geprüfte und abgenommene Beiträge“ Jebsens und trat zurück.Stefan Warbeck gibt Programmverantwortung für rbb-Jugendprogramm „Fritz“ ab – rbb trennt sich von Moderator Ken Jebsen. rbb, 23. November 2011
Jebsen wies die Vorwürfe erneut zurück.Markus Ehrenberg: Radio Fritz: Wirbel um Rauswurf von Moderator Ken Jebsen. Tagesspiegel, 24. November 2011 Er kündigte an, er werde seine Sendung fortsetzen.Simon Hurtz: Ken Jebsen geht in die Offensive. Berliner Zeitung, 25. November 2011 Er klagte vor dem Arbeitsgericht Potsdam gegen seine Entlassung.Ken Jebsen: Kündigung rechtswidrig. Tagesspiegel, 22. Dezember 2011 Im Januar 2012 gab er an, der Satz zum Holocaust sei ein Zitat von Bernays gewesen. Der rbb habe bisher keinen konkreten Kündigungsgrund belegt.Felix Dachsel: Ken Jebsen und der RBB: „Ich benutze Humor als Waffe“. taz, 20. Januar 2012 Es kam zu einer außergerichtlichen Einigung, über deren Details Stillschweigen vereinbart wurde.RBB: Einigung außerhalb des Gerichts. Neue Osnabrücker Zeitung, 20. April 2012 (kostenpflichtig)