200px|mini|Bandschnalle des Europäischen Polizei-Leistungsabzeichens in Bronze Eine Bandschnalle oder Interimspange (in der Schweiz Ribbon, in Österreich Ordensspange, veraltet auch Bandspange, Interimsspange, kleine Ordenspange oder Feldschnalle) ist eine an einer Uniform getragene und nach Wertigkeit geordnete Zusammenfassung der von einem Hoheitsträger verliehenen oder genehmigten Auszeichnungen des Trägers. Sie besteht aus einem oder mehreren Bändern in den Farben des Ordensbandes der einzelnen Auszeichnungen, in der Regel verbunden mit einer Miniatur der Auszeichnung als Auflage.
Trotz verschiedener Gemeinsamkeiten in der Praxis weichen die Tragebestimmungen für die Bandschnalle national und international im Detail ab. Es gelten daher jeweils die Bestimmungen der Organisation, deren Uniform der Geehrte trägt. Dies kann für den Träger je nach getragener Uniform zu unterschiedlichen Kombinationen führen.
Das Tragen einer Bandschnalle an Zivilkleidung ist in den meisten Staaten unüblich.
Geschichtliche Entwicklung mini|General der Kavallerie Karl von Hänisch in Paradeuniform mit großer Ordensschnalle
Die Einführung der Bandschnalle hängt mit der Entwicklung der Uniform im 19. Jahrhundert zusammen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Soldaten regelmäßig nur mit einer einzigen Uniform ausgestattet, die in identischer Form sowohl in der Garnison, bei Paraden und im Einsatz getragen wurde. An dieser wurden alle dem Träger verliehenen Orden und Einsatzauszeichnungen in Originalform angelegt.
Beeinflusst von den Erfahrungen der napoleonischen Kriege, des Krimkrieges sowie der immer häufigeren Kolonialkriege entwickelten Reformer in den Folgejahren neue Uniformen, die sich an praktischen Erwägungen ausrichteten. Anstelle der bisherigen Einheitsuniform entstanden fünf Grundformen: die Paradeuniform, die Gesellschaftsuniform für Offiziere, die Arbeitsuniform für Mannschaften und Unteroffiziere, die Tagesdienstuniform und die Felduniform. Diese Einteilung besteht in Grundzügen bis heute.
Im Dienstalltag erwies es sich nunmehr als zunehmend unpraktisch, zu jeder Uniform alle Orden in Großform zu tragen. Die Auszeichnungen behinderten den korrekten Sitz der immer zahlreicher werdenden persönlichen Ausrüstung und liefen zudem Gefahr, unbemerkt verloren zu gehen. Da die Verleihung selten aktenkundig gemacht wurde und verlorene Auszeichnungen in der Regel nicht ersetzt wurden, konnte dies für den Ausgezeichneten einen großen Verlust bedeuten.
Nachdem es sich nach Einführung des Gesellschaftsanzuges – ursprünglich eine weniger förmliche Abwandlung der unbequemen Paradeuniform – einbürgerte, die Orden an einer kleinen Ordensschnalle in halber Größe zu tragen, lag eine weitere Vereinfachung für den Einsatz im Feld auf der Hand. Nach Einführung der Khakiuniform wurden die ersten Bandschnallen dann im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts von britischen Offizieren angelegt. Die Trageweise war dabei noch nicht umfassend geregelt; es bürgerte sich ein, oberhalb der linken Brusttasche sämtliche Auszeichnungen als schmale Bänder in der Farbe des Ordensbandes zu tragen.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich die Bandschnalle international fast vollständig durchgesetzt. Orden in Originalgröße, das heißt als Halsorden, Steckorden oder an der großen Ordensschnalle, werden dagegen nur noch selten angelegt. Übliche Anlässe sind Hochzeiten, Familienfeiern oder Staatsempfänge. Daneben werden Auszeichnungen ebenfalls nur noch selten in verkleinerter Form als kleine Ordensschnalle (z. B. am Gesellschaftsanzug der Bundeswehr) oder in Miniaturform an einer Frackkette getragen.
Bandschnallen in deutschen Streitkräften zwischen 1871 und 1945 mini|links|Bandschnalle eines preußischen Offiziers 1897; (v.l.n.r.) Roter Adlerorden IV. Klasse, Dienstauszeichnungskreuz für 25 Jahre, Zentenarmedaille und Herzoglich Sachsen-Ernestinischer Hausorden Ritterkreuz I. Klasse mini|200px|Bandschnalle eines Offiziers im Zweiten Weltkrieg In Deutschland kam die Bandschnalle erst relativ spät auf. Sie wurde ab etwa 1900 am Interimsrock sowie seit seiner Einführung 1907 auch am feldgrauen Feldanzug getragen. Anders als in anderen Staaten Westeuropas wurden in Deutschland ausschließlich die Bänder der an der Großen Ordensschnalle getragenen (Band-)Orden angebracht. Hals- und Steckorden, bzw. eine Auswahl davon, wurden weiterhin im Original angelegt. In der preußischen Bekleidungsvorschrift von 1899 wurde zwischen der Ordensschnalle mit und ohne Orden unterschieden, im Neudruck von 1911 zwischen der 4 cm breiten „Großen Ordensschnalle“ (mit Orden) und der 1,7 cm breiten „Kleinen Ordensschnalle“ (ohne Orden). mini|Große Bandschnalle der Zwischenkriegszeit im Größenvergleich – Ehrenkreuz für Frontkämpfer Die ältere Version der Bandschnalle (4 cm) hatte häufig auf der Rückseite Haken, um die Originale bei Bedarf dort anzuhängen.
Die bis 1945 übliche Bandschnalle war nach dem Vorbild der preußischen Ordensschnalle gestaltet und deshalb einreihig; die Bandbreite entsprach den Bändern der kleinen Frackdekoration.
In der Zwischenkriegszeit waren, vor allem für das Tragen am Zivilanzug, große Bandschnallen (ca. 30–35 mm hoch) beliebt, die mit dem originalen Trageband versehen wurden. Auf der Rückseite befand sich eine Vorrichtung zum Einhängen der Orden, so dass die Schnalle mit und ohne Original-Abzeichen (Ordens-Kleinod) getragen werden konnte.
Alternativen zur Bandschnalle mini|120px|Richtige Trageweise des Bandes des KVK II. Klasse an der Uniformjacke Die II. Klasse des Eisernen Kreuzes und des Kriegsverdienstkreuzes wurden dergestalt getragen, dass das originale, 30 mm breite Band mit dem zweiten Knopfloch der Uniformjacke vernäht wurde. Wurden beide Orden verliehen, waren die Bänder leicht versetzt übereinander angebracht. Die höchste mögliche Anzahl von Bändern, die im Zweiten Weltkrieg im Knopfloch getragen werden konnte, war die folgende Kombination: zwei Kriegsauszeichnungen (z. B. EK II, KVK II. Kl.), Medaille Winterschlacht im Osten 1941/42 im zweiten Knopfloch dazu die Lebensrettungsmedaille ebenfalls im zweiten Knopfloch sowie das Band des Blutordens im Knopfloch der rechten Brusttasche (alle stark mit der NS-Ideologie verwobenen Abzeichen, wie eben das Deutsche Kreuz und der Blutorden, wurden auf der ungewöhnlichen rechten Seite getragen.) Das Deutsche Kreuz in Gold gab es auch in einer gestickten Fassung aus Stoff, die auf der rechten Seite der Uniformjacke aufgenäht werden konnte.
Bandschnallen in den bewaffneten Organen der DDR mini|Bandschnalle für Orden der Kampfgruppe und andere Orden Während ihres vierzigjährigen Bestehens stiftete die DDR eine Vielzahl von Orden, Ehrenzeichen und Medaillen. Nahezu jeder Volksarmist oder Angehörige der Grenztruppen der DDR wurde deshalb während seiner Dienstzeit in der einen oder anderen Form geehrt. Hinzu kamen Auszeichnungen, die von anderen Mitgliedsstaaten des Warschauer Pakts an hochrangige Mitglieder befreundeter Streitkräfte verliehen wurden. Auszeichnungen ehemaliger deutscher Staaten durften dagegen nicht an der Uniform getragen werden. Die in der DDR übliche Bandschnalle war mehrreihig und nach sowjetischem Vorbild gestaltet. Die großzügige sozialistische Verleihungspraxis führte dazu, dass die Bandschnalle länger dienender Militärs oftmals erstaunliche Ausmaße annahm.
In den frühen Jahren der DDR wurden diese Interimsspangen lose nebeneinander, entsprechend ihrer Wertigkeit getragen. Wobei die Regel gilt, blickseitig links die Spange des höchsten verliehenen Ordens und blickseitig rechts die Spange des Ordens mit der niedrigsten Wertigkeit. Pro Reihe konnten bis zu vier Auszeichnungen nebeneinander getragen werden. Ab den 1970er Jahren, war es höchsten Militärs gestattet, fünf Interimsspangen pro Reihe zu tragen. Verfügte ein Träger über mehr als vier Auszeichnungen, wurde eine weitere Reihe, unterhalb, angefügt. Infolgedessen war blickseitig links oben die Interimsspange des höchsten verliehenen Ordens und blickseitig rechts unten die Interimsspange des niedrigsten verliehenen Ordens anzubringen.
Die frühen Ausfertigungen wurden in der Münze Berlin hergestellt und bestehen aus Messingleisten mit abgerundeten Kanten, auf denen die Bänder aufgezogen wurden. Da bereits in den 1960er Jahren bei einigen Militärs die Interimsspange so umfangreich geworden war, ergaben sich durch das Gewicht der Spange zunehmend Probleme mit der Haltbarkeit an der Uniform. Diese sogenannten Münzspangen waren rückseitig mit einer Nadel und einem Verschluss versehen. Bei größerem Gewicht der Spange konnte es jedoch vorkommen, dass der Stoff an den Einstichen der rückseitigen Nadel einriss, was gerade bei Generalen dazu führte, dass eine Reparatur aufgrund des Repräsentationscharakters der Person, nicht ausgeführt werden konnte, sondern eine neue Uniformjacke geschneidert hätte werden müssen.
Diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurde zu Beginn der 1970er Jahre eine neue Variante eingeführt. In U-förmig ausgestanzte Messingstreifen wurden auf dünner Pappe aufgedruckte Abbildungen der einzelnen Interimsspangen eingeschoben. Damit diese nicht herausfielen, wurde darüber ein Plexiglasstreifen geschoben. Eine nicht unerhebliche Anzahl an heute noch zu findenden Spangen wurde jedoch erst nach dem Ende der DDR zusammengefügt. Teilweise zeichnen sich solche Spangen durch seitenverkehrte Anbringung der Pappstreifen wie auch durch falsche Anordnung der Einzelspangen aus.
Eine dritte Variante der Interimsspangen sind die sogenannten „Stoffspangen“. Solche sind jedoch nur Generalen vorbehalten gewesen und wurden von speziellen Mitarbeitern in Schneidereien gefertigt.
In der DDR erworbene Auszeichnungen können auch nach 1990 weiter getragen werden, wenn „dadurch der ordre public der Bundesrepublik Deutschland [nicht] verletzt wird. Das Gleiche gilt für von der Deutschen Demokratischen Republik zur Annahme genehmigte ausländische Auszeichnungen.“Protokollvermerk zur Änderung des OrdensG durch den Einigungsvertrag 1990.
Die Bandschnalle in der Bundesrepublik Deutschland Rechtliche Grundlage mini|320px|Oben: Großes Bundesverdienstkreuz; Mitte (v. l. n. r.): Ehrenkreuz der Bundeswehr, Deutsches Sportabzeichen in Gold, Deutsches Rettungsschwimmabzeichen der DLRG in Gold, Deutsches Rettungsschwimmabzeichen der Wasserwacht in Silber; unten (v. l. n. r.): US Army Commendation Medal, Army Achievement Medal, Médaille de la Défense nationale – Échelon Bronze – der Französischen Republik, UNTAC Medal (vgl. Orden des US-Militärs) Die gesetzliche Grundlage für das Tragen einer Bandschnalle ist das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957.
In der Praxis dürfen nicht alle von einer staatlichen oder halbstaatlichen Organisation verliehenen Auszeichnungen auch von jedem Uniformträger getragen werden. Die genauen Bestimmungen finden sich in den jeweiligen Dienstvorschriften.
In der Bundeswehr werden Bandschnallen ausschließlich zum großen und kleinen Dienstanzug getragen. Die Details sind in der Zentralvorschrift A1-2630/0-9804 geregelt. Anders als in verschiedenen ausländischen Streitkräften besteht keine Pflicht, erhaltene Auszeichnungen zu tragen.
In Hilfsorganisationen und uniformierten Behörden bestehen ähnliche Regelungen. Für das Technische Hilfswerk sind diese in der Bekleidungsrichtlinie (BeklRiLi) getroffen.
Das Tragen sämtlicher Auszeichnungen der NSDAP sowie verschiedener anderer Auszeichnungen des Deutschen Reiches von 1933 bis 1945 ist in der Bundesrepublik Deutschland verboten; Ausnahmen stellen bestimmte militärische Abzeichen dar (z. B. das Eiserne Kreuz), die in speziellen Fassungen (i. d. R. ohne Hakenkreuz) getragen werden dürfen.
Das Tragen von Auszeichnungen der DDR ist unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
Technische Aspekte der deutschen Bandschnalle mini|Deutsches Sportabzeichen in Bronze als Bandschnalle