mini|Porträt Jacques Schumacher (Michael Holz, 2010) Jacques Schumacher (* 11. August 1933 in Buitenpost, Niederlande; † 15. Juni 2026 in Hamburg) war ein Porträt-, Akt-, Mode- und Lifestyle-Fotograf und Herausgeber. Er zählt zu den bekanntesten Werbe- und Zeitschriftenfotografen Deutschlands.
Leben Schumacher wurde am 11. August 1933 in Buitenpost in den Niederlanden als Sohn der Inhaber eines Fotogeschäfts geboren. Nach einer Fotografenlehre studierte er Grafik und Design an der Fachhochschule Bielefeld, bevor er von 1955 bis 1957 an der Werkkunstschule Bielefeld Fotografie lehrte. 1957 ging Schumacher nach Paris, wo er neben seiner Arbeit als Grafik-Designer in einer umfunktionierten Garage Klassik- und Jazzmusiker für Schallplattencover fotografierte. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich ist Schumacher seit 1963 als selbständiger Foto-Designer in Hamburg ansässig, wobei er anfänglich sieben Jahre als freier Lebensmittelfotograf für die Frauenzeitschrift Für Sie tätig war.
mini|hochkant|Fotografie Müll-Couture für das Cover des Zeit-Magazins vom 22. Juni 1984 Erste Anerkennung erlangte Schumacher Anfang der 1970er Jahre durch seine Fotografien für die jährlichen Kalender des Wochenmagazins Stern, in denen er klassische Magazin- und Werbethemen ironisierte. In der Folgezeit arbeitete er unter anderem für diverse Werbekampagnen in den Bereichen Mode, Beauty und Lifestyle sowie für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, die Frauenzeitschrift Petra und die Männermagazine Playboy und Penthouse.
mini|Amanda aus der Serie Blaue Bilder (1979) Neben der kommerziellen Auftragsfotografie widmete sich Schumacher schon früh der künstlerischen Fotografie. Zu seinen bekanntesten Arbeiten aus den 1970er und 1980er Jahren gehört eine Serie von Aktaufnahmen, die Blue Pictures, bei denen in Anlehnung an die „Blue Movies“ (englisch umgangssprachlich für Pornofilme) ein distanzschaffendes Blau der subtilen Erotik der Duoton-Fotografien entgegenwirkt. Die Idee zu diesen Bildern hatte Schumacher, als er 1976 von einem internationalen Männermagazin um Testfotos von jungen Frauen gebeten wurde. Dabei stellten sich auch etliche Models vor, deren Aussehen nicht die Kriterien des Magazins erfüllten. Doch Jacques Schumacher fand es zu schade, diese Frauen einfach wieder wegzuschicken. Stattdessen inszenierte er gemeinsam mit ihnen neuartige Bilder. Um diese noch mehr von der üblichen Erotik-Fotografie abzuheben, tönte er sie blau ein.
Seit 1996 arbeitete Schumacher an der Serie Metaphysische Bilder, die 2014 im Bildband Every Thing Is A Life veröffentlicht wurde. In seinen vom modernen Dadaismus inspirierten fotografischen Stillleben gibt er scheinbar leblosen Alltagsgegenständen durch Arrangement und Lichtgestaltung eine neue metaphorische Existenz. Durch zahlreiche Preise und Ausstellungen unter anderem in New York, Tokio, Shanghai, Paris und Berlin erlangte Schuhmacher internationales Renommee und folgte von 2001 bis 2002 der Berufung zum Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin. Mit seinen phantasievollen, eigenwilligen und oft sehr amüsanten Bildern wird er auch als Dadaist des neuen Jahrtausends bezeichnet.
Neben der Arbeit an diversen eigenen Fotobänden war er zwischen 1995 und 2007 zusammen mit den Autorinnen Uschi Rollar und Regina Spelman, seiner Ehefrau, Herausgeber der jährlich erscheinenden Edition Parfums.
Schumacher war Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) und seit 2007 Ehrenmitglied des BFF Berufsverbands Freie Fotografen und Filmgestalter, in dem er schon zwischen 1985 und 1993 als Vorstand und Sprecher aktiv war.
Kritik „Jacques Schumacher steht, wenn man sich eine Ranking-List der besten Fotografen vorstellt, dort, wo die creative Spitze zu sehen ist. Diese Wertschätzung basiert auf vielen wohlbegründeten Eigenschaften. Natürlich ist Schumacher ein Professional durch und durch.“ (Designers Digest, Nr. 73) „Jacques Schumacher zählt zu den bekanntesten Werbe- und Zeitschriftenfotografen Deutschlands. [... Er] ist Spezialist für Frauenthemen und sanfte Erotik.“ (Fotomagazin, 4/93) „Schumacher is known for his eclectic, graphic fashion of posing models. [...] Body language clearly plays a large part in the construction of Schumacher’s images.“ (Collector’s Photography 4/1987, Melrose Publications, Los Angeles, California) „Schumacher begegnet den Frauen mit Respekt auf Augenhöhe, er inszeniert nicht an den Modellen vorbei. Diese bekommen zwar mitunter eine ,Regieanweisung’, aber die Frauen dürfen diese selbst interpretieren und so das Bild und damit auch die Wahrnehmung des Betrachters maßgeblich mitprägen: durch selbstbewusste Blicke und körperliche Präsenz“
Nachlass 2019 wurde Jacques Schumacher in das Archiv der Fotografen aufgenommen. Kontinuierlich übergab er der Deutschen Fotothek Arbeiten seines Werkes. Neben zahlreichen Druckbelegen und Arbeitsproben in Form von Laminaten werden rund 350 signierte und gestempelte Prints in der Fotothek verwahrt.
Publikationen
Ausstellungen Einzelausstellungen Olympusgalerie, Hamburg, 1983 Gallerie Photographie, Düsseldorf, 1984 Gallerie K61, Amsterdam, 1988 Das Privartmuseum, Hamburg, 1997–1998 Stuttgart, 1999 Every Thing Is A Live, Gallery Levy, Hamburg, 2014 Every Thing Is A Live, Max Hünten Haus, Zingst, 2017 Jacques Schumacher – FRECH + FREI, BibLounge, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, 2021
Gruppenausstellungen Deutsche Fotografie nach 1945, Photokina Köln, 1979 12 Deutsche Fotografen, Photokina Köln, 1980 Fotodesign – Anspruch und Beweis, Ausstellungstournee Nürnberg, Düsseldorf, Bielefeld, Hamburg, Stuttgart, Budapest, Belgrad, Singapur, 1980–1985 Das Aktfoto, Münchner Stadtmuseum, 1982 Fotodesign als Auftrag, Ausstellungstournee Köln, Osaka, New York, Tokio, Ontario, Toronto, Quebec, Montreal, Berlin, Paris, Lyon, Bordeaux, Nancy, Montpellier, Toulouse, Lille, 1982–1985 Fotodesign 86, Ausstellungstournee Köln, Hamburg, Brüssel, Tokio, Berlin, Arles, 1986–1988 50 Jahre moderne Farbfotografie, Photokina Köln, 1986 Der beobachtete Beobachter, APA Tokio, 1988 Deutsche Fotografie, Haus des Malers, Moskau, 1990 Sammlung F.C. Gundlach, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, 1992 Erotica – Erotik und Kunst, Museum für Angewandte Kunst, Gera, 1994 Fotofuture – Fotokunst auf dem Weg in die Zukunft, Consumenta Nürnberg, 1994 Zeitgenössische deutsche Modephotographie, Fotomuseum Frankfurt, 1995 Bildermode – Modebilder, Deutsche Modephotographien 1945–1995, Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart, 1995 Die Farbe Blau, Fotomuseum Frankfurt, 1996 Augenlust, Kunsthaus Hannover, 1998 ZeitBlicke, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, 1999 ZeitBlicke, Galerie der Stadt Stuttgart, 2000 ZeitBlicke, 6. Internationale Hertener Fototage, 2001 Bilder der Stille, Visual Gallery, Photokina Köln, 2004 Jacques Schumacher, A. M. Fogtt – Das Duett/Duet, Pracownia Galeria, Warschau, 2018
Auszeichnungen Kodak Fotokalenderpreis 2011 für den Kalender Jacques Schumacher 2010 (Heye Kalender)
Einzelnachweise
Weblinks
Website von Jacques Schumacher Künstlerbiografie auf den Seiten der Deutschen Fotothek Über 380 Fotos auf den Seiten der Deutschen Fotothek
Kategorie:Werbefotograf Kategorie:Aktfotograf Kategorie:Modefotograf Kategorie:Porträtfotograf Kategorie:Fotograf (21. Jahrhundert) Kategorie:Fotograf (20. Jahrhundert) Kategorie:Fotograf (Hamburg) Kategorie:Bestand in der Deutschen Fotothek Kategorie:Niederländer Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann