mini|Julie Dorus-Gras in der Rolle der Marguerite de Valois in Meyerbeers Oper Les Huguenots (um 1836)
Julie Dorus oder Dorus-Gras (* 7. (?) SeptemberDorus-Gras, Julie, auf der Website der Bibliothèque nationale de France (BNF) (französisch; abgerufen am 24. September 2022)Elizabeth Forbes: Dorus-Gras, Julie [ Julie née Van Steenkiste] (- Aimée-Josephe Julie Dorus-Gras) [ Joséphine Julie Dorus-Gras], in: Laura Macy: The Grove Book of Opera Singers (2. edition), Oxford University Press, Oxford, 2008 (hier nach der Online-Version auf Oxford Reference, 2009) 1805 in Valenciennes; † 8. (?) Februar 1896 in Paris)Geburts- und Sterbedatum sind nicht ganz klar und wurden hier von der Bibliothèque nationale de France übernommen. Zu bestehenden Unklarheiten und anderen Angaben in der Literatur siehe die jeweiligen Textstellen unten. war eine französische Opern- und Konzertsängerin und Gesangspädagogin belgischer Herkunft.Dorus-Gras, Julie, in: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon, Bd. 4, K.-G.-Saur-Verlag, München, 2003, S. 1215–1216, hier: 1215Forbes bezeichnet sie offenbar allzu vereinfachend als „belgian“. Elizabeth Forbes: Dorus-Gras, Julie [ Julie née Van Steenkiste] (- Aimée-Josephe Julie Dorus-Gras) [ Joséphine Julie Dorus-Gras], in: Laura Macy: The Grove Book of Opera Singers (2. edition), Oxford University Press, Oxford, 2008 (hier nach der Online-Version auf Oxford Reference, 2009) Sie gehörte nach und neben Laure Cinti-Damoreau zu den ersten Koloratursopranen Frankreichs und sang in Uraufführungen einiger bedeutender Werke von Meyerbeer, Auber, Halévy und Donizetti.
Ihr eigentlicher Name war Julie Aimée Josephe van Steenkiste,État civil de Valenciennes (Nord). Naissances, 22 fructidor an XIII (8/09/1805), n° 639 - Julie, Aimée, Josèphe Vansteenkiste. Hier nach: Dorus-Gras, Julie, auf der Website der Bibliothèque nationale de France (BNF) (französisch; abgerufen am 24. September 2022) aber sie trat von Anfang an unter dem Mädchennamen ihrer Mutter „Dorus“ auf, den sie später mit dem Namen ihres Ehemannes zu dem Doppelnamen „Dorus-Gras“ ergänzte.Grove gibt auch davon abweichende Namensformen an: Julie née Van Steenkiste, Aimée-Josephe Julie Dorus-Gras und Joséphine Julie Dorus-Gras. Siehe: Elizabeth Forbes: Dorus-Gras, Julie [ Julie née Van Steenkiste] (- Aimée-Josephe Julie Dorus-Gras) [ Joséphine Julie Dorus-Gras], in: Laura Macy: The Grove Book of Opera Singers (2. edition), Oxford University Press, Oxford, 2008 (hier nach der Online-Version auf Oxford Reference, 2009)
Leben und Wirken
Über ihr genaues Geburtsdatum herrscht eine gewisse Unklarheit in der Literatur, ihre Geburt wurde am „22. Fructidor im Jahr XIII“ nach dem französischen Revolutionskalender registriert, demnach wurde sie (wahrscheinlich) am 7. September 1805 geboren; andere Quellen geben jedoch den 9., 6. oder sogar den 17. September an.
Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt Julie Dorus anscheinend bei ihrem Vater, der laut Escudier Orchesterleiter des Theaters von Valenciennes war.Marie & Léon Escudier: Mme. Dorus-Gras, in: Études biographiques sur les chanteurs contemporains : précédées d’une Esquisse sur l’art du chant, Tessier, Paris, 1840, S. 182–201, hier: 184 Der Flötist Louis Dorus war ihr Bruder.
Bei einem Konzert wurde man auf ihr großes Talent aufmerksam und der Magistrat ihrer Heimatstadt gewährte ihr ein Stipendium für ein Studium am Conservatoire in Paris. Ihre dortige Ausbildung begann sie im Dezember 1821, zunächst bei Blangini und Henri,Marie & Léon Escudier: Mme. Dorus-Gras, in: Études biographiques sur les chanteurs contemporains : précédées d’une Esquisse sur l’art du chant, Tessier, Paris, 1840, S. 182–201, hier: 185 später bei dem Tenor Marco Bordogni und dem Opernkomponisten Ferdinando Paër.Marie & Léon Escudier: Mme. Dorus-Gras, in: Études biographiques sur les chanteurs contemporains : précédées d’une Esquisse sur l’art du chant, Tessier, Paris, 1840, S. 182–201, hier: 186
Schon bald wirkte Julie Dorus bei Kammerkonzerten des Königs mit und unternahm nach ihrem Studium eine Konzert-Tournee durch verschiedene Städte, die sie auch nach Brüssel ans Théâtre Royal (alias Théâtre de la Monnaie) führte. Dort bot man ihr prompt einen Vertrag als Opernsängerin an, den sie auch annahm.Marie & Léon Escudier: Mme. Dorus-Gras, in: Études biographiques sur les chanteurs contemporains : précédées d’une Esquisse sur l’art du chant, Tessier, Paris, 1840, S. 182–201, hier: 186–187
Nach einigen Monaten dramatischen Unterrichts bei dem Bariton Guillaume CasselMarie & Léon Escudier: Mme. Dorus-Gras, in: Études biographiques sur les chanteurs contemporains : précédées d’une Esquisse sur l’art du chant, Tessier, Paris, 1840, S. 182–201, hier: 187 feierte sie 1826 in Brüssel ihr erfolgreiches Operndebüt. Dort sang sie unter anderem auch die Partie der Elvira in Aubers Oper La muette de Portici, sowohl 1829 in der lokalen Premiere als auch in der historisch denkwürdigen Vorstellung am 25. August 1830, in welcher das Publikum angeregt durch die Handlung auf die Barrikaden ging und die Belgische Revolution ausgelöst wurde.Dorus-Gras, Julie, in: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon, Bd. 4, K.-G.-Saur-Verlag, München, 2003, S. 1215–1216
mini|hochkant|Julie Dorus-Gras als Alice in Meyerbeers Robert le diable, 1831, Kostümfigurine von Eugène Du Faget
In der Folge ging sie zurück nach Paris, wo sie am 9. November 1830 an der Oper als Adèle in Rossinis Le comte Ory mit Erfolg debütierte. In den kommenden Jahren stieg sie zu einem der Stars der Pariser Oper auf,Marie & Léon Escudier: Mme. Dorus-Gras, in: Études biographiques sur les chanteurs contemporains : précédées d’une Esquisse sur l’art du chant, Tessier, Paris, 1840, S. 182–201, hier: 187Laut Kutsch-Riemens war das Pariser Debüt erst 1831. Siehe: Dorus-Gras, Julie, in: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon, Bd. 4, K.-G.-Saur-Verlag, München, 2003, S. 1215–1216, hier: 1216 neben Laure Cinti-Damoreau und Adolphe Nourrit, mit denen sie in der Uraufführung von Meyerbeers Robert le diable am 21. November 1831 in der Partie der Alice auf der Bühne stand; dieselbe Rolle sang sie auch 1832 in London am Drury Lane Theatre.Dorus-Gras, Julie, in: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon, Bd. 4, K.-G.-Saur-Verlag, München, 2003, S. 1215–1216, hier: 1216 Später übernahm sie auch die ursprünglich für Cinti-Damoreau komponierte Koloratur-Rolle der Isabelle und soll laut Escudier den beiden ganz verschiedenen Partien in gleicher Weise musikalisch gerecht geworden sein.Marie & Léon Escudier: Mme. Dorus-Gras, in: Études biographiques sur les chanteurs contemporains : précédées d’une Esquisse sur l’art du chant, Tessier, Paris, 1840, S. 182–201, hier: 190 f
Am 9. April 1833 heiratete sie Victor Gras (1800–1876),François-Joseph Fétis: Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique. 2. Auflage. Supplément et Complément, hrsg. von Arthur Pougin, Band 1. Firmin-Didot, Paris 1878, S. 415; .Kimberly White: Dorus-Gras, Julie (née van Steenkiste), in: Female singers on the French Stage, 1830–1848. Cambridge University Press, Cambridge, 2018, S. 148 ersten Geiger der Pariser Oper, und fortan nannte sie sich Dorus-Gras.Marie & Léon Escudier: Mme. Dorus-Gras, in: Études biographiques sur les chanteurs contemporains : précédées d’une Esquisse sur l’art du chant, Tessier, Paris, 1840, S. 182–201, hier: 190
Zu den Partien, die für die Dorus-Gras komponiert wurden, gehörten der Page Oscar in Aubers Le Bal masqué (1833), Prinzessin Eudoxie in Halévys La Juive (1835) und die Königin Marguerite in Meyerbeers Les Huguenots (1836). Nachdem sich 1835 die Cinti-Damoreau aus der Grand Opéra zurückgezogen hatte, war Julie Dorus-Gras einige Jahre lang der führende Koloratursopran dieser Institution.
Neben verschiedenen für sie komponierten Partien in Opern von Halévy sang sie am 10. September 1838 auch in der Uraufführung von Hector Berlioz’ erfolgloser Oper Benvenuto Cellini die Rolle der Teresa und am 10. April 1840 die Partie der Pauline in der Uraufführung von Gaetano Donizettis erster Grand opéra Les martyrs (der französischen Fassung von Poliuto). Großen Erfolg hatte sie auch in der ebenfalls für sie komponierten Partie der Ritta in La Xacarilla (1839) von Marco Aureliano Marliani.
Zu ihrem Repertoire gehörten außerdem die Donna Elvira in Mozarts Don Giovanni (1834) sowie die weiblichen Hauptrollen in Rossinis Guillaume Tell, in Spontinis Fernand Cortez, in Aubers Le Philtre, und in Le Rossignol von Louis Sébastien Lebrun, die sie alle von Cinti-Damoreau übernahm.Marie & Léon Escudier: Mme. Dorus-Gras, in: Études biographiques sur les chanteurs contemporains : précédées d’une Esquisse sur l’art du chant, Tessier, Paris, 1840, S. 182–201, hier: 189
Sie ging außerdem regelmäßig auf Konzert-Tourneen und trat in Toulouse, Metz, Nancy, Lille und Straßburg auf. 1839 machte sie bei einer solchen Tournee in London Furore.Marie & Léon Escudier: Mme. Dorus-Gras, in: Études biographiques sur les chanteurs contemporains : précédées d’une Esquisse sur l’art du chant, Tessier, Paris, 1840, S. 182–201, hier: 191–192
Ihre hervorragende Stellung an der Opéra wurde allerdings immer mehr von der Mätresse des Operndirektors Léon Pillet, der für ihre Herrschsucht berüchtigten Mezzosopranistin Rosine Stoltz, untergraben, die die Dorus-Gras als ihre schlimmste Rivalin hasste und ganz gezielt versuchte, sie zu vertreiben.
Schließlich beendete Julie Dorus-Gras 1845 ihre Karriere an der Pariser Opéra und trat in den nächsten Jahren bis 1850 vor allem in London auf. So sang sie 1847 in Covent Garden unter der Leitung von Berlioz die Titelrolle der Lucia di Lammermoor in englischer Sprache (die sie keineswegs gut beherrschte) und 1849 im selben Theater auch ihre angestammten Rollen der Elvire in La Muette de Portici, der Alice in Robert le diable und der Marguerite in Les Huguenots.Kutsch-Riemens meinen, dass mit Elvira die Rolle in Bellinis I puritani gemeint ist, anstelle der gleichnamigen Partie in La muette. Siehe: Dorus-Gras, Julie, in: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon, Bd. 4, K.-G.-Saur-Verlag, München, 2003, S. 1215–1216, hier: 1216
Laut White machte sie 1848 eine Amerika-Tournee, wie zuvor auch schon die Damoreau. Nach einem Konzert in Paris 1850 zog sie sich von der Bühne zurück.
Ihr weiteres Leben verbrachte sie in der französischen Hauptstadt, wo sie später Gesangsunterricht erteilte und im hohen Alter von 90 Jahren im Jahr 1896 verstarb. Sie wurde am 10. Februar 1896 auf dem Cimetière de Montmartre begraben,Begräbniseintrag im Register des Cimetière de Montmartre, Grabstelle: "31.3.15. Croix", Datum des Begräbnisses: 10. Februar 1896, Date de la Quittance: 9. Februar (französisch; abgerufen am 25. September 2022) um ihr genaues Sterbedatum herrscht in der Literatur ebenfalls eine gewisse Unklarheit, angegeben werden der 6., der 8. oder der 9. Februar.
Stimme und Kunst mini|hochkant=0.65|Julie Dorus als Ginevra in Halévys Guido et Ginevra, 1838