Jórunn skáldmær war eine altnordische Dichterin. Sie verfasste die Drápa Sendibítr.

Leben Es ist unbekannt, ob sie aus Norwegen oder Island stammte und wann genau sie lebte. Aufgrund des Inhaltes ihrer Dichtung wird oft angenommen, dass sie zu Beginn des 10. Jahrhunderts in Norwegen lebte.

Ihr Beiname skáldmær bedeutet Skaldenmädchen und weist auf eine junge unverheiratete Frau hin; offenbar wurde sie schon in jungem Alter berühmt. In den Skáldskaparmál ist sie die einzige weibliche unter 67 namentlich genannten Skalden. Die Formulierungen ihres Gedichtes zeugen von einer gewissen Autorität; möglicherweise agierte sie – wie so viele Skalden – als Ratgeber eines Herrschers. Unter den im Skáldatal aufgeführten Skalden aus dem Gefolge von Harald Schönhaar taucht sie jedoch nicht auf.

Werk Ihr Gedicht Sendibítr (altnordisch für „beißende Botschaft“) ist das längste heute bekannte Skaldengedicht, das von einer Frau verfasst wurde. Der Titel ist in der Heimskringla überliefert:

Von ihrer Drápa sind drei helmingar (Halbstrophen) und zwei vollständige Strophen erhalten. Die Heimskringla und die meisten Handschriften der Óláfs saga helga und der Óláfs saga Tryggvasonar en mesta zitieren nur die zweite (Halb-)Strophe, während die Strophen 3 bis 5 nur in der fragmentarischen Handschrift AM 75 c fol. überliefert sind, die offenbar mehr von dem Gedicht enthielt. Die erste (Halb-)Strophe wird in der Snorra-Edda zitiert.

Die Verse handeln von der Beilegung eines Konfliktes zwischen König Harald Schönhaar und Hálfdan dem Schwarzen, seinem Sohn, durch die Intervention des Skalden Guthormr Sindri zu Beginn des 10. Jahrhunderts. Hálfdan hatte ein Gehöft namens Sǫlvi am Fjord von Trondheim angegriffen und niedergebrannt; sein Bruder und Rivale Erik Blutaxt, der zuvor seinen Bruder Björn getötet hatte, um dessen Herrschaftsgebiet in Südnorwegen zu übernehmen, hatte in einem abseits gelegenen Gebäude übernachtet, entkam und berichtete seinem Vater, König Haraldr, von dem Angriff. Der erzürnte König zog eine Flotte gegen Hálfdan zusammen, der sich seinerseits auf Kampfhandlungen vorbereitete, doch der mit beiden befreundete Dichter Guthormr Sindri schlichtete den Konflikt. Hálfdan und Erik sagten zu, die ihnen ursprünglich zugestandenen Territorien zu behalten und nicht weiter ausdehnen zu wollen.

Das Gedicht zeigt die Macht der Dichtung. Übersetzungen können die verblüffende Wirkung und die gezielte ironische Verwendung typischer Kenningar nicht adäquat wiedergeben. Die letzte Zeile taucht auch in der Glymsdrápa des Þorbjörn hornklofi auf; möglicherweise kannten sich die beiden.

Rezeption Jórunn skáldmær ist die Hauptfigur in der 2013 uraufgeführten schwedischen Oper Jorun orm i öga von Marie Samuelsson mit Libretto von Kerstin Ekman.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Wikingerzeit Kategorie:Geboren im 9. oder 10. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 10. Jahrhundert Kategorie:Frau Kategorie:Skalde