Der Landkreis Stockach war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.

Geographie Lage Der Landkreis Stockach lag im Süden Baden-Württembergs.

Geographisch hatte der Landkreis Stockach im Norden mit der Hegaualb und dem Südosten des Großen Heubergs Anteil an der Schwäbischen Alb. Das südliche Kreisgebiet gehörte zum Hegau und reichte bis an den Überlinger See des Bodensees. Die Kreisstadt Stockach lag im Süden des Kreisgebiets.

Nachbarkreise Seine Nachbarkreise waren 1972 im Uhrzeigersinn beginnend im Norden Balingen, Sigmaringen, Überlingen, Konstanz, Donaueschingen und Tuttlingen.

Geschichte Bezirksamt Stockach Das Gebiet des späteren Landkreises Stockach gehörte vor 1800 zu verschiedenen Herrschaften, darunter zuletzt zum Oberamt Nellenburg in Vorderösterreich. Das Gebiet fiel 1805 an das Königreich Württemberg und gelangte durch den Grenzvertrag zwischen Württemberg und Baden 1810 an das Großherzogtum Baden, das zunächst mehrere Ämter, darunter die Ämter bzw. Bezirksämter Pfullendorf, Überlingen, Herdwangen, Meßkirch, Stetten und Stockach bildete, die sich im Laufe der Geschichte mehrmals veränderten bzw. teilweise aufgelöst wurden.Regierungsblatt des Großherzogtums Baden 1810, S. 356 Sie gehörten zum Seekreis. Ab 1864 gehörte das Amt Stockach, nun explizit Bezirksamt genannt, zum Kreis Konstanz im Landeskommissärbezirk Konstanz.Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1863, S. 399

Am 1. April 1883 wechselte die Gemeinde Aach vom Bezirksamt Stockach zum Bezirksamt Engen sowie die Gemeinde Mahlspüren im Tal vom Bezirksamt Überlingen zum Bezirksamt Stockach.Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Großherzogthum Baden 1883, S. 51 Am 1. Oktober 1936 wurde das Bezirksamt Stockach um sämtliche Gemeinden des aufgelösten Bezirksamts Meßkirch sowie die Gemeinden Aach, Eckartsbrunn und Honstetten des aufgelösten Bezirksamts Engen vergrößert.Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt 1936, S. 80

Landkreis Stockach Seit dem 1. Januar 1939 hieß das Bezirksamt Stockach Landkreis Stockach.

Der Landkreis fiel 1945 der Französischen Besatzungszone zu und gehörte zunächst bis 1952 zum neu umgrenzten südlichen Land Baden. Nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg 1952 gehörte der Landkreis Stockach zum Regierungsbezirk Südbaden. Durch die Gemeindereform ab 1970 veränderte sich das Kreisgebiet in zwei Fällen. Am 1. September 1971 vereinigte sich die Gemeinde Heinstetten mit der Stadt Meßstetten, Landkreis Balingen, und verließ somit den Landkreis Stockach. Am 1. April 1972 wurde die Gemeinde Beuren an der Aach mit der Stadt Singen (Hohentwiel), Landkreis Konstanz, vereinigt und verließ damit ebenfalls den Landkreis Stockach.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Stockach im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform aufgelöst. Seine Gemeinden wurden im Wesentlichen auf die Landkreise Konstanz und Sigmaringen verteilt; der Landkreis Konstanz wurde Rechtsnachfolger des Landkreises Stockach. Vier Gemeinden kamen zum Landkreis Tuttlingen und zwei zum Zollernalbkreis. Die Gemeinden des ehemaligen Landkreises Stockach gehören seitdem zu den Regierungsbezirken Freiburg und Tübingen.

Einwohnerentwicklung Bezirksamt Jahr Einwohner Quelle 1814 12.889 1834 17.173 1852 19.703 1871 19.818 1890 18.715 1910 19.246 1925 19.526 verwaltungsgeschichte.de: Landkreis Müllheim 1933 19.664 Landkreis Jahr Einwohner Ausländer/anteil 17. Mai 1939 36.216 13. September 1950 40.793 6. Juni 1961 47.219 31. Dezember 1963 49.450 1.434 / 2,9 %Heimat-Chronik. In: HEGAU – Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebiets zwischen Rhein, Donau und Bodensee. Heft 2 (18) 1964, S. 430. 27. Mai 1970 52.432 Alle Einwohnerzahlen – außer 1963 – sind Volkszählungsergebnisse.

Politik Landrat Die Oberamtmänner bzw. Landräte des Bezirksamts bzw. Landkreises Stockach 1806–1972:

Wappen Das Wappen des Landkreises Stockach zeigte in von Gold und Blau gespaltenem Schild vorne drei übereinander liegende blaue Hirschstangen, hinten einen rot bezungten goldenen Löwen, der in seinen Pranken eine silberne Hellebarde an rotem Stiel hält. Das Wappen wurde vom Innenministerium Baden-Württemberg am 24. Oktober 1963 verliehen.

Die Hirschstangen waren Wappensymbole der Herren von Nellenburg, deren Sitz in Stockach war. Die Blasonierung wurde dem Wappen der Grafen von Veringen entlehnt. Der Löwe entstammt dem Wappen der Herren von Zimmern, welche die Herrschaft über das Gebiet um Meßkirch innehatten.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch das Kreisgebiet führte keine Bundesautobahn (die A 81 existierte damals noch nicht). Daher wurde der Kreis nur durch die Bundesstraßen 31, 14, 313 und mehrere Kreisstraßen erschlossen.

Gemeinden Zum Landkreis Stockach gehörten ab 1936/1939 zunächst 59 Gemeinden, davon 3 Städte.

Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang im Landkreis Stockach machten am 1. Juli 1972 die Gemeinden Hindelwangen und Wiechs, die sich mit der Stadt Stockach bzw. mit der Gemeinde Steißlingen vereinigten. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Stockach schließlich am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.

Die größte Gemeinde des Landkreises war die Kreisstadt Stockach. Die kleinste Gemeinde war Schwackenreute.

In der Tabelle stehen die Gemeinden des Landkreises Stockach vor der Gemeindereform. Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Volkszählungsergebnisse in den Jahren 1961 und 1970. frühere Gemeinde heutige Gemeinde heutiger Landkreis Einwohneram 6. Juni 1961 Einwohneram 27. Mai 1970 Aach, Stadt Aach Konstanz 1274 1427 Altheim Leibertingen Sigmaringen 236 222 Beuren an der Aach Singen (Hohentwiel) Konstanz 519 640 Bietingen Sauldorf Sigmaringen 267 261 Bodman Bodman-Ludwigshafen Konstanz 1118 1181 Boll Sauldorf Sigmaringen 415 423 Buchheim Buchheim Tuttlingen 608 613 Eigeltingen Eigeltingen Konstanz 1105 1367 Engelswies Inzigkofen Sigmaringen 461 516 Espasingen Stockach Konstanz 534 529 Gallmannsweil Mühlingen Konstanz 215 224 Glashütte (Baden) Stetten am kalten Markt Sigmaringen 359 393 Göggingen Krauchenwies Sigmaringen 746 749 Gutenstein Sigmaringen Sigmaringen 521 503 Hartheim Meßstetten Zollernalbkreis 518 564 Hausen im Tal Beuron Sigmaringen 520 560 Heinstetten Meßstetten Zollernalbkreis 636 704 Heudorf bei Meßkirch Meßkirch Sigmaringen 319 335 Heudorf im Hegau Eigeltingen Konstanz 478 453 Hindelwangen Stockach Konstanz 543 621 Honstetten Eigeltingen Konstanz 512 452 Hoppetenzell Stockach Konstanz 510 496 Kreenheinstetten Leibertingen Sigmaringen 531 558 Krumbach Sauldorf Sigmaringen 328 365 Langenhart Meßkirch Sigmaringen 219 247 Leibertingen Leibertingen Sigmaringen 604 628 Liptingen Emmingen-Liptingen Tuttlingen 1005 1073 Ludwigshafen am Bodensee Bodman-Ludwigshafen Konstanz 1565 1900 Mahlspüren im Hegau Stockach Konstanz 331 323 Mahlspüren im Tal Stockach Konstanz 400 443 Mainwangen Mühlingen Konstanz 222 192 Menningen Meßkirch Sigmaringen 389 444 Meßkirch, Stadt Meßkirch Sigmaringen 3770 4514 Mühlingen Mühlingen Konstanz 622 657 Münchhöf Eigeltingen Konstanz 270 253 Nenzingen Orsingen-Nenzingen Konstanz 988 1140 Orsingen Orsingen-Nenzingen Konstanz 674 829 Raithaslach Stockach Konstanz 313 299 Rast Sauldorf Sigmaringen 358 327 Reute im Hegau Eigeltingen Konstanz 207 180 Rohrdorf Meßkirch Sigmaringen 729 768 Rorgenwies Eigeltingen Konstanz 219 237 Sauldorf Sauldorf Sigmaringen 634 618 Schwackenreute Mühlingen Konstanz 125 122 Schwandorf Neuhausen ob Eck Tuttlingen 728 801 Schwenningen Schwenningen Sigmaringen 1132 1502 Sentenhart Wald Sigmaringen 759 280 Stahringen Radolfzell am Bodensee Konstanz 677 745 Steißlingen Steißlingen Konstanz 1979 2682 Stetten am kalten Markt Stetten am kalten Markt Sigmaringen 3329 4067 Stockach, Stadt Stockach Konstanz 5953 6364 Volkertshausen Volkertshausen Konstanz 1435 1737 Wahlwies Stockach Konstanz 1116 1218 Wasser Sauldorf Sigmaringen 435 456 Wiechs Steißlingen Konstanz 160 169 Winterspüren Stockach Konstanz 529 532 Worndorf Neuhausen ob Eck Tuttlingen 489 560 Zizenhausen Stockach Konstanz 1356 1322 Zoznegg Mühlingen Konstanz 680 647

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen STO zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1972 ausgegeben.

Seit dem 1. März 2021 wird das Unterscheidungszeichen STO im Landkreis Sigmaringen im Rahmen der Kennzeichenliberalisierung wieder ausgegeben. Im Landkreis Konstanz ist es seit dem 1. April 2021 ebenfalls wieder erhältlich.

Literatur Franz Götz: Amtsbezirke und Kreise im badischen Bodenseegebiet. Ihre Entwicklung seit 1803 und ihre wichtigsten Organe. Chronologische Übersicht und Personalien. Herausgegeben im Auftrag der Landkreise Konstanz, Stockach und Überlingen in Verbindung mit dem Verein für Geschichte des Hegaus e. V. (Hegau-Bibliothek Band 17). Radolfzell: Verlag Huggle und Meurer, 1971. Landkreis Stockach. (= Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl; Heft 59). Hrsg. vom Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Bearbeitung und Druck Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 1972.

Einzelnachweise

Stockach Kategorie:Politik (Landkreis Konstanz) Stockach Kategorie:Aufgelöst 1973