Peggy Sue hat geheiratet (Originaltitel: Peggy Sue Got Married) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1986 von Francis Ford Coppola. Die Komödie stellt eine gerade getrennt lebende Hausfrau und Mutter in den Mittelpunkt, die nach einem Ohnmachtsanfall in ihre High-School-Zeit zurückversetzt wird. Mit dem Bewusstsein einer reifen Frau ausgestattet bietet sich ihr die Chance, die gemachten Fehler in ihrem Leben zu korrigieren. Neben der Koproduktion übernahm TriStar Pictures auch den Vertrieb. Der Film brachte der Hauptdarstellerin Kathleen Turner ihre bislang einzige Oscar-Nominierung ein.
Handlung Peggy Sue ist nach 25 Jahren zu einem Jubiläumsklassentreffen eingeladen. Ihr Ehemann Charlie ist ebenfalls eingeladen, jedoch haben die beiden sich erst kürzlich voneinander getrennt, weil Charlie, ein lokal bekannter Ramschkönig, sich lieber mit seinen Verkäuferinnen vergnügt, als sich um seine Familie zu kümmern. Um den Nachfragen nach Charlie beim Klassentreffen zu entgehen, lässt Peggy Sue sich von ihrer Tochter Beth zum Klassentreffen begleiten. Dank ihres Kleides, das sie schon zu ihrem ehemaligen Abschlussball trug, und ihrer attraktiven Tochter Beth fällt das Gespräch zunächst nicht wie befürchtet auf ihre Trennung von Charlie. Doch das Thema wird selbstverständlich angesprochen. Schließlich ist allen ehemaligen Mitschülern bekannt, dass Charlie und Peggy Sue sofort nach der Highschool heiraten mussten, weil Peggy schwanger war. Als wären diese Fragen nach Charlie nicht schlimm genug für sie, taucht er dann auch noch persönlich auf der Feier auf, was Peggy Sue noch mehr zusetzt.
Genau wie beim Abschlussball werden auf dem Jubiläumsklassentreffen „King“ und „Queen“ der Abschlussklasse gewählt. Neben dem damaligen Außenseiter und Nerd Richard Norvik, der mittlerweile mit Computern zum Milliardär geworden ist, wird Peggy Sue ausgewählt. Zunächst möchte sie nicht zur Ehrung auf die Bühne gehen, aber schließlich macht sie es. Während der kurzen Ansprache an ihre ehemaligen Mitschüler fällt sie in Ohnmacht.
Als sie wieder erwacht, findet sie sich im Jahr 1960 bei einer Blutspendenaktion wieder. Zuerst glaubt sie, sie sei während des Klassentreffens verstorben, doch je mehr sie von ihrer alten Zeit wiederentdeckt, desto mehr wird ihr klar, dass sie wohl wirklich eine Zeitreise unternommen haben muss. Die Erkenntnis fällt ihr schwer, schließlich ist sie eine gestandene Mutter, Hausfrau und Erwachsene gewesen, die sich nun den Zwängen der Jugend unterwerfen muss. Nicht nur, dass sie den Mathematiklehrer wegen der Nutzlosigkeit von Algebra kritisiert, sie darf sich nicht einmal mehr alkoholhaltige Getränke gönnen. Allerdings sieht sie auch die Chance, Dinge in ihrem Leben zu korrigieren. So trennt sie sich zuerst von Charlie und nähert sich dann ihren Mitschülern Michael Fitzsimmons und dem Außenseiter Norvik an. Des Weiteren versucht sie die Beziehung zu ihrer jüngeren Schwester Nancy zu intensivieren, damit sie sich später nicht mit ihr auseinanderlebt.
Da Peggy Sue die Zukunft und alle ihre Entwicklungen bis ins Jahr 1985 bereits kennt, weiß sie, welche Investitionen in Technologien sich lohnen werden. Nachdem sie Norvik davon überzeugt hat, dass sie aus der Zukunft kommt, erzählt sie ihm all die Geheimnisse um High-Tech wie z. B. Stereoanlagen, Taschenfernseher, Mikrowellenherde und Strumpfhosen. So verbringt sie immer mehr Zeit mit ihm und erzählt ihm von erfolgreichen Dingen aus der Zukunft.
Das verärgert Charlie, denn er liebt Peggy Sue sehr und versucht es ihr auch immer wieder zu gestehen und zu beweisen. Doch diese hat ihn und seine Lügen satt, widmet sich viel lieber dem angehenden Poeten Fitzsimmons und nähert sich ihm nicht nur intellektuell, sondern auch körperlich. Als Charlie von dem nächtlichen Treffen erfährt, ist er außer sich und offenbart Peggy Sue erneut seine Gefühle. Er könne ihr jeden Fehltritt verzeihen, nur dürfe sie ihm nicht seine Liebe verwehren. Peggy Sue erkennt, dass Charlie nie so sein wollte, wie er in der Zukunft ist. Sie hingegen weiß, dass er immer in ihrem Herzen sein wird und er sich dadurch immer wieder Fehler erlauben darf. Allerdings will sie damit nichts mehr zu tun haben.
Stattdessen besucht sie ihre innig geliebten Großeltern, die vor langer Zeit verstarben, und genießt diese erneuten Augenblicke mit ihnen. Nachdem sie ihrem Großvater erzählt hat, dass sie aus der Zukunft kommt, nimmt er sie mit zu seiner Logenvereinigung, einer Geheimorganisation älterer Männer, die einst von einem Zeitreisenden gegründet wurde. Dort führen die Mitglieder der Loge ein geheimes uraltes Ritual durch, das Peggy Sue wieder in ihre Zeit versetzen soll. Außerhalb des Gebäudes wütet ein größerer Sturm, es gewittert und der Strom fällt aus. Als das Licht wieder angemacht wird, ist Peggy Sue verschwunden und die Logenmitglieder bejubeln ihren scheinbaren Erfolg. Doch es war Charlie, der sie in einem unachtsamen Moment während des Rituals entführte und ihr erneut seine Liebe gesteht. Und abermals verweigert sich Peggy Sue ihm, da sie aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen nie wieder mit ihm verheiratet sein möchte. Doch Charlie lässt sich nicht entmutigen und schenkt ihr ein Medaillon als Zeichen und Beweis seiner Liebe. Obwohl es sich, nachdem sie es geöffnet hat, um Kinderbilder von ihr und Charlie handelt, glaubt sie im ersten Moment, dass es sich um die Bilder der gemeinsamen Kinder handelt. Dieser Gedanke führt anschließend auch dazu, dass sie sich wieder auf Charlie einlässt und mit ihm schläft.
Am nächsten Morgen erwacht sie wieder im Krankenhaus ihrer Gegenwart, an der Seite des gealterten Charlie, der mehrere Tage nach ihrem Zusammenbruch beim Klassentreffen an ihrer Seite am Krankenbett wachte. Sie selbst hält ihre Erinnerungen für einen Traum und wehrt Charlie trotz aller Liebesbekundungen ab. Erst als sie ein Buch von Fitzsimmons mit einer persönlichen Widmung ihrer gemeinsamen Nacht erhält, erkennt sie, dass sie wirklich in der Vergangenheit war. Nun sieht sie wieder eine Chance auf eine Versöhnung mit Charlie. Und getreu dem Motto ihrer Großmutter, ein guter Apfelstrudel halte die Familie zusammen, schlägt sie Charlie vor, vielleicht einmal gemeinsam einen Strudel zu backen.
Produktion Nachdem ursprünglich Penny Marshall für die Regie und Debra Winger für die Titelrolle vorgesehen war, übernahm Francis Ford Coppola die Regie. Er besetzte dabei nicht nur seiner Tochter Sofia Coppola für eine Nebenrolle, sondern auch seinen Neffen Nicolas Cage für die männliche Hauptrolle. Auf Cage fiel seine Wahl, da er ihn nach Valley Girl bereits für seinen Film Cotton Club in der Hauptrolle besetzt hatte, und zufrieden mit dessen Arbeit war. Doch sowohl Cage als auch TriStar Pictures waren nicht begeistert. Erst nach Coppolas Intervention spielte Cage schließlich die Rolle des Charlie. Da ihm lange unklar war, in welchem Genre sich der Film bewegen würde, entwickelte er die Figur – nach Rücksprache mit Coppola – nach dem Vorbild von Pokey, einer Zeichentrickfigur aus Gumby, und lebte dies vor der Kamera exzessiv aus. Schon während der Dreharbeiten stand Cage wegen ständiger Kritik an seiner Darstellung kurz vor der Entlassung. Insbesondere Turner war verwundert, dass sie „einen Jerry Lee Lewis auf LSD“ als Partner hatte.: („Every day I was going to be fired. Kathleen (Turner) was not happy with the performance. She thought she was going to get the boy from Birdy (1984) and instead she got Jerry Lewis on acid!“) Es wurde die letzte Zusammenarbeit zwischen Coppola und Cage.
Auch Coppola mochte den Film anfangs nicht, sodass er ihn intensiv umschreiben ließ. Insbesondere war ihm wichtig, dass bei der Überarbeitung des Drehbuches der Kleinstadtcharme nach Vorbild von Thornton Wilders Unsere kleine Stadt hineingeschrieben wurde.Gene D. Phillips, Rodney Hill: Francis Ford Coppola: Interviews, University Press of Mississippi, 2004, Seite 158. So orientiert sich der Film stark am letzten Akt des Theaterstückes von Wilder, in dem die verstorbene Hauptfigur Emily an einem Tag als unsichtbarer Gast das Leben ihrer Familie und Freunde beobachtet und dabei die Nichtigkeit vieler alltäglichen Dinge bemerkt. Insgesamt schrieb Coppola nahezu das ganze Drehbuch um, damit aus einer seichten Komödie ein eher sentimentales Drama wurde. Er entfernte skurrile Szenen, wie etwa eine Hypnoseszene, in der ein Schüler Peggy Sue hypnotisiert, damit sie ihre Bluse öffnet, und setzte stärker auf eine tiefe Melancholie.Gene D. Phillips: Godfather: The Intimate Francis Ford Coppola, The University Press of Kentucky, 2004, Seite 249.
Im Originaldrehbuch war auch eine Nebengeschichte um Rosalie geschrieben, die im Rollstuhl sitzt. So versucht Peggy Sue zu verhindern, dass sie sich bei einem Turnier verletzt („I think you should give up diving. It's dangerous.“), doch Rosalie, der auch zwei Gratulationsszenen hineingeschrieben wurden, tut dies als Spinnerei ab, da sie sowohl die Beste im Land sei als auch täglich mindestens drei Stunden trainiere („Don't be silly, I'm the best in the county. [...] I spend three hours a day practicing. I have trainers, I know what I'm doing.“). Nachdem Peggy Sue später von Charlie entführt wird und dessen Liebesgeständnisse gehört hat, meint sie nur, dass sie nicht verrückt genug sei, ihn ein zweites Mal zu heiraten, denn schließlich konnte sie nicht einmal Rosalie helfen („I might be crazy, but I'm not crazy enough to marry you twice. There's a lot of things I can't change. I can't even think about them. I tried. But I couldn't even help Rosalie.“). In der deutschen Version wurde daraus die Dialogzeile, dass sie sich nicht einmal selbst retten konnte.
Hintergrund Buddy Hollys Lieder: „Peggy Sue“ & „Peggy Sue Got Married“ Der titelgebende Song Peggy Sue Got Married von Buddy Holly wird nicht nur im Soundtrack des Films benutzt. Sowohl er als auch Hollys Hit Peggy Sue weisen insbesondere auch eine inhaltliche Nähe zu dem Film auf. Während der im September 1957 erschienene Song Peggy Sue von der einzig wahren Liebe zu einer Frau namens Peggy Sue handelt,Hollies Peggy Sue Lyrics auf lyricsfreak.com, abgerufen am 29. Juni 2011 so handelt dessen im Dezember 1959 aufgenommene Fortsetzung Peggy Sue Got Married von der Enttäuschung, dass Peggy Sue bereits vergeben und mit dem Falschen verheiratet sei.Peggy Sue Got Married auf songtexte.com, abgerufen am 13. August 2021Peggy Sue Got Married auf muzikum.eu, abgerufen am 29. Juni 2011 Der Film behandelt ebenfalls beide Themen und zeigt anfänglich das Thema des titelgebenden Liedes und dass sie mit dem Falschen verheiratet ist. Im Mittelteil des Filmes wird wiederum das Thema des Erfolgshits gezeigt, denn Charlie versucht nach anfänglichen Schwierigkeiten Peggy Sue permanent seine ewig währende Liebe zu beweisen. Und so kommt der Film zu seinem eigenen Schluss, dass Peggy Sue nicht mit dem Falschen verheiratet sei, sondern Probleme zu einer Ehe gehören.
Die am Anfang des Films verwendete Version Buddy Hollys von Peggy Sue Got Married ist ursprünglich das Demotape gewesen, das er wenige Wochen vor seinem Tod im privaten Rahmen auf seiner Akustikgitarre einspielte. Ungewöhnlich ist dabei, dass Holly mit Peggy Sue Got Married eines der ersten Sequels in der Rockgeschichte schrieb.Peggy Sue Got Married auf songfacts.com, abgerufen am 29. Juni 2011 Die Version selbst war lange Zeit eher unbekannt, da diese Aufnahmen nach dessen Tod im Studio stark bearbeitet wurden. Am 30. Juni wurde Peggy Sue Got Married im Coral Records' Studio A in New York City mit zusätzlichen Instrumenten und Hintergrundgesang versehen und anschließend auf dem Album The Buddy Holly Story veröffentlicht.
Anachronismen