Wienhausen (niederdeutsch ) ist eine Gemeinde im Landkreis Celle in Niedersachsen. Seit dem 12. August 2011 führt Wienhausen offiziell den Beinamen „Klostergemeinde“.Statistisches Bundesamt – Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2011

Geografie Lage Wienhausen liegt südöstlich von Celle an der Aller. Die Gemeinde ist Verwaltungssitz der Samtgemeinde Flotwedel mit den Gemeinden Bröckel, Eicklingen, Langlingen und Wienhausen. Die Gemeinde Wienhausen grenzt an die Gemeinden Nienhagen, Ahnsbeck, Lachendorf und Hohne.

Gemeindegliederung Für die Gemeinde sind sechs Ortsteile ausgewiesen:plz-suche.org Wienhausen Bockelskamp mit Flackenhorst Oppershausen () Offensen () Schwachhausen () Nordburg ()

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Wienhausen war 1052 als Huginhusen.1022–1038 besaß der Hildesheimer Bischof in „Huginhusen“ einen großen Wirtschaftshof (Löffler, Eugenie; Dörries, Hans; Weber, Hans, Zentralkommission für Wissenschaftliche Landeskunde von Deutschland – Eine vergleichende Städtegeographie, Band 27, Stuttgart 1929, S. 258). Hier könnte auch die am früheren Zusammenfluss von Aller und Oker gelegene Mundburg des Bischofs Bernward von Hildesheim (950/960–1022) im Jahre 998 gelegen haben. Es wird zwar auch der Ort Müden am heutigen Zusammenfluss von Aller und Oker für die Burg angenommen, jedoch hatte Bernward privat im nahen Schepelse und in Wathlingen lt. Horst Gädtke Grundbesitz.Vgl. Matthias Blazek, Günther Bütepage: Dorfgeschichte Wiedenrode. Langlingen 2004, S. 13. Auch liefen hier in Wienhausen die wichtigen Wege von Wittingen und Hankensbüttel her zusammen.

Herzog Otto I. das Kind schenkte seiner Tante Agnes von Landsberg ein Haus, „Domus Ottonis“ (Ottos Haus) genannt, nebst Ländereien und Waldungen im Celler Stadtgebiet urkundlich 1243 mit der Befugnis, es dem Kloster Wienhausen überlassen zu dürfen.Matthias Blazek: Dorfgeschichte Ottenhaus – Eine Spurensuche. mit Unterstützung von Wolfgang Brandis, Archivar der Lüneburger Klosterarchive, Celle 2005, S. 6.

1715 wurde der Gartenkünstler Georg Ludwig Charbonnier am Jagdschloss Wienhausen angestellt.Helmut Knocke: Charbonnier. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 84, online über Google-Bücher

Am 12. April 1945 wurde Wienhausen durch das 335. und 333. Regiment der 84. U.S. Infanterie-Division eingenommen.Celle Heute: „Kriegsende vor 70 Jahren“ Nur wenige Tage zuvor, zwischen dem 6. und 8. April 1945 gelangten KZ-Transportzüge mit dem Ziel KZ Bergen-Belsen bzw. Neuengamme durch Wienhausen.Siehe: http://found-places.blogspot.de/2012/08/zusammenhange-der-auffindung-von.html Einer der Züge wurde am 8. April 1945 bei einem alliierten Bombenangriff auf Celle getroffen. Im Folgenden ereigneten sich die tragischen Ereignisse, die als Massaker von Celle in die Geschichte eingingen. Nachweislich hielt einer der Züge (vermutlich der zweite) auf der ehemaligen Bahnstrecke Celle – Gifhorn bei Wienhausen. Bei dem Halt wurden verstorbene Häftlinge vergraben und es gibt Hinweise darauf, dass noch Lebende ermordet wurden.Siehe: http://found-places.blogspot.de/2012/08/zusammenhange-der-auffindung-von.html Im Mai 1947 wurden die Leichen exhumiert und auf dem Waldfriedhof in Celle bestattet.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Bockelskamp, Nordburg, Offensen und Oppershausen eingegliedert.

Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Wienhausen setzt sich aus 15 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Dies ist die gemäß § 46 NKomVG festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 3001 und 5000, die einer Samtgemeinde angehört. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:Ergebnis Kommunalwahl 2021

Die letzten Kommunalwahlen ergaben die folgenden Sitzverteilungen: Wahljahr CDU SPD Grüne LUB FDP UB parteilos Gesamt 2021 6 3 3 1 1 1 - 15 Sitze 2016Ergebnis Kommunalwahl 2016 8 3 2 1 0 - 1 15 Sitze 2011 8 3 2 2 0 - - 15 Sitze 2006 8 4 1 1 1 - - 15 Sitze 2001 8 5 0 2 0 - - 15 Sitze

Bürgermeisterin Ehrenamtliche Bürgermeisterin ist Kerstin Ackermann (SPD). Ihr Stellvertreter ist Jörg Iffländer (Grüne).

Wappen Blasonierung: „In Silber über grünen Schildfuß, darin ein silberner Bach, eine rote Kirche mit Stufengiebel, drei gotischen Fenstern und spitzbedachten seitlichen Treppentürmen. Der Schildfuß und die Portalstelle sind belegt mit einem goldenen Schild, darin ein rotbewehrter blauer Löwe, zwischen dessen Vorderpranken ein rotes Herz schwebt (Wappen des Landkreises Celle). Der Stufengiebel ist beseitet von zwei grünen Eichenblättern“.

Städtepartnerschaften Seit Juli 1985 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Portbail aus Frankreich.

Kirchen Wienhausen ist Teil der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wienhausen und des Kirchenkreises Celle.

Die römisch-katholischen Christen, die in Wienhausen wohnen, sind als Teil der deutschen Kirche Mitglied im Bistum Hildesheim.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Siehe auch Liste der Baudenkmale in Wienhausen und Liste der Bodendenkmale in Wienhausen Kloster Wienhausen, ehemaliges Zisterzienserinnen-Kloster, bekannt für seine Sammlung wertvoller gotischer Bildteppiche aus dem 14. und 15. Jahrhundert und gotischer Truhen und Schränken. Hier wurden die ältesten bekannten Brillengestelle und das Wienhäuser Liederbuch gefunden. Das Kloster wurde um 1230 von Agnes von Landsberg, Tochter von Konrad II. von Landsberg, Schwiegertochter Heinrich des Löwen, etwa 15 Kilometer von Celle entfernt in Wienhausen an der Aller gegründet. St.-Marien-Kirche des Klosters und der getrennt stehenden hölzernen Glockenturm. Die Anfänge der Kirche reichen vermutlich in das ausgehende erste Jahrtausend. Die ältere Wassermühle von 1591 war Rathaus (1968 bis 2003) und ist seit 2011 das Kulturhaus Wienhausen Die jüngere Wassermühle Wienhausen stammt vom Ende des 18. Jh. Vor dem Kulturhaus steht der Stamm der Blasek-Eiche, der an das Geschenk Kaiser Heinrichs III. um 1052 an den Bischof von Hildesheim erinnern soll: Huginhusen = Wienhausen. Wohn- und Wirtschaftsgebäude Hauptstraße 1 aus der ersten Hälfte des 17. Jh. in Fachwerk; heute Cafe Kulturhaus Wienhausen, früher Mühlengebäude und im 20. Jh. Rathaus Hofanlage Burgstraße 1 in Nordburg vom 16. bis 19. Jh. Hofanlage Burgstraße 5 in Nordburg vom 17. bis 19. Jh. Wohn- und Wirtschaftsgebäude Hauptstraße 1 aus der ersten Hälfte des 17. Jh. in Fachwerk Pfarramt Hauptstraße 3 von 1906 Wohnhaus Mühlenstraße 8 aus dem 19. Jh. als Teil des Landgutes Wienhausen Maria-Magdalenen-Kapelle von 1657 in Oppershausen

Regelmäßige Veranstaltungen Teppichausstellung im Kloster vom 31. Mai bis 3. Oktober Regelmäßige Gottesdienste in der Evangelisch-lutherischen Marienkirche Regelmäßige Gottesdienste in der Freien ev. Gemeinde Weihnachtsmarkt am Dorfplatz vor dem alten Rathaus im Dezember jeden Jahresweihnachtsmarkt-deutschland.de.

Naturdenkmäler Eiche auf der Allerwiese mit einem Brusthöhenumfang von 7,40 m (2016). Fabianeiche beim Kloster mit einem Brusthöhenumfang von 6,90 m (2016).

Verkehr Die Landesstraße 311 führt durch Wienhausen, in etwa 3,5 Kilometer Entfernung verläuft die Bundesstraße 214 von Celle nach Braunschweig, die im Westen auch das Gemeindegebiet nutzt. Wienhausen besaß einen Bahnhof an der Bahnstrecke Gifhorn Stadt–Celle, der Schienenpersonenverkehr wurde 1981 eingestellt. Weitere Haltepunkte existierten in den Ortsteilen Offensen und Bockelskamp. Rund ein Kilometer nordöstlich des Ortsteils Oppershausen liegt das Segelfluggelände Oppershausen. Die Aller, die das Gemeindegebiet durchfließt, kann nur an vier Stellen auf Brücken überquert werden.

Persönlichkeiten Ehrenbürger Helmut Siuts (1994, langjährige Pflege und Förderung der Chormusik, Ehrenchorleiter des Männergesangvereins Wienhausen)

Söhne und Töchter des Ortes

Edgar Bramstedt (* 1937), Brigadegeneral des Heeres der Bundeswehr

Persönlichkeiten, die im Ort gewohnt haben oder wohnen Hanna Fueß (1886–1972), Heimatschriftstellerin (von 1951 bis 1972 im Damenstift Kloster Wienhausen) Hans Jürgen Baden (1911–1986), evangelischer Theologe, Honorarprofessor und Schriftsteller, bis 1951 Pfarrer in Wienhausen Wilhelm Pahls (* 1936), Automechaniker, Kaufmann, Evangelist, Prediger und Gründer des Missionswerks Die Bruderhand Albert Heinemann (1938–2023), Jurist und Landtagsabgeordneter (CDU) Frieder Gadesmann (1943–2014), evangelischer Theologe und Erziehungswissenschaftler (von 1949 bis 1965 im Ortsteil Bockelskamp) Karl-Heinrich Langspecht (1950–2011), Jurist und Landtagsabgeordneter (CDU)

Literatur Otto Weltzien: Kloster Wienhausen. Celle o. J. Johannes Wiebe: Kloster Wienhausen. In: Landkreis Celle (Hrsg.): Der Speicher. Faßberg 1978, S. 247 ff. Bernhard Otte: Ballholen (in Bockelskamp). In: Landkreis Celle (Hrsg.): Der Speicher. Faßberg 1978, S. 307 ff. Georg Santelmann: Die Oppershäuser Kapelle. In: Landkreis Celle (Hrsg.): Der Speicher. Faßberg 1978, S. 258. Horst Appuhn: Kloster Wienhausen. Wienhausen 1986, ISBN 3-9801316-0-2. Chronic des Klosters Wienhausen, ursprünglich bis 1692, nachträglich bis 1793 geschrieben, Chronik und Totenbuch des Klosters Wienhausen, bearb. von Horst Appuhn. Wienhausen 1986, ISBN 3-9801316-6-1. Matthias Blazek: Chronik 75 Jahre Ortsfeuerwehr Wienhausen 1930–2005. Wienhausen 2005. Matthias Blazek: Im Schatten des Klosters Wienhausen – Dörfliche Entstehung und Entwicklung der Dörfer im Flotwedel, ausgeführt und erläutert am Beispiel der Dörfer Bockelskamp und Flackenhorst. ibidem-Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8382-0157-3. Wolfgang Berner, Bernhard Meißner: Wienhausen - Mehr als nur ein Klosterort. epubli, Berlin 2025, ISBN 978-3-565-05658-3.

Weblinks

Klostergemeinde Wienhausen - Chronik auf der Website der Samtgemeinde Flotwedel

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Celle Kategorie:Ort in der Lüneburger Heide

Kategorie:Ort an der Aller Kategorie:Ersterwähnung 1052