Der Salzert ist eine Trabantensiedlung im Südosten Lörrachs mit insgesamt rund 2500 Einwohnern im Jahr 2022. Seine Größe und die vorhandene Infrastruktur verleihen dem 1963 gegründeten Wohnplatz den Charakter eines Stadtteils. Nach Erweiterungen des Gebietes und einer zusätzlichen Straßenanbindung in den 1970er und 1980er Jahren waren die 1990er Jahre durch eine grundlegende Sanierung vieler baufällig gewordener Wohngebäude geprägt. Die Besiedlungsstruktur des Salzerts ist eine Mischung aus mehrgeschossigen Sozialwohnungen im Südteil sowie Ein- und Mehrfamilienhäusern im Nordteil.
Das Zentrum des 31,5 Hektar großen Besiedlungsgebietes liegt auf (Ladenzentrum).
Lage und Geographie mini|Luftbild von Norden: der Bergrücken hinter dem Salzert gehört zur Eisernen Hand Auf dem Gebiet östlich vom Stadtteil Stetten und südlich der östlichen Kernstadt gelegen, einer ehemaligen Allmendwiese,Walter Franke: Der Salzert und seine 25jährige Geschichte, S. 33. ist die Siedlung von viel Wald und Natur umgeben. Sie liegt inselartig und damit etwas isoliert von der Stadt auf einer Hochfläche zwischen dem Gretherhof im Norden, dem hohen Schädelberg im Westen, dem Maienbühl im Südwesten sowie der südlich gelegenen Eisernen Hand, einem zur Schweiz gehörenden, aber nach Deutschland ragenden Gebietszipfel, der bis aufragt. Die Deutsch-Schweizer Landesgrenze, die südlich vom Salzert als Naturgrenze durch den Wald verläuft, liegt nur etwa 300 Meter vom Südteil des Besiedlungsgebiets entfernt. Der den Salzert umgebende Wald ist dem Naturpark Südschwarzwald zugeordnet.
Das rund 31,5 Hektar große besiedelte Gebiet des Salzerts hat eine nach Nordwesten ausgerichtete Hanglage und erstreckt sich in seiner Höhe von bis . Damit liegt der Wohnplatz etwas über 100 Meter über dem Talboden der durch Lörrach fließenden Wiese. Naturräumlich befindet sich der Salzert auf dem Höhenrücken des Dinkelbergs. Geologisch liegt der Wohnplatz auf einer etwa 200 Meter dicken Schicht aus Muschelkalk, darunter befindet sich eine Schicht aus Buntsandstein.Walter Jung, Gerhard Moehring: Unser Lörrach 1982. Eine Grenzstadt im Spiegel der Zeit. Lörrach, 1982, S. 31.
Geschichte Name mini|Bereits auf einer Karte von 1893 hieß das Gebiet „Salzert“ bzw. „Im Salzert“. Die genaue Bedeutung der Gewannbezeichnung Salzert ist nicht überliefert. Allerdings bildeten der Salzert, der Leuselhardt (früher: Lüslert), Wilert, Vorengele und Rieder Wald den gemeinsamen Teil eines gemeinschaftlichen Triebwaldes. Die Endung hart, herd oder hardt gibt also einen Hinweis auf hirtengenossenschaftlich genutzte Hölzer. Die Gewannbezeichnung Vorengele wurde bereits 1660 von St. Albanberain als „vor Engelins Reutin“ genannt; es ist also die Reute – das urbar gemachte Land – eines gewissen Engel(hardt) und damit auch ein ehemaliger Waldboden.Karl Herbster: Lörracher geschichtliche Erinnerungen. Rebmann, Lörrach 1948, S. 50. Internet Archive
Planungsphase Bereits im Jahr 1952 wurde das Wohnbauprojekt Salzert als Reaktion auf die große Wohnungsnot vom damaligen Bürgermeister Karl Arzet betrieben. Von Beginn an war von einer „Siedlung für kleine Leute“ die Rede. Durch den Ausschluss von Immobilienspekulation hoffte man, preiswerte und für weite Teile der Bevölkerung erschwingliche Grundstücke zu schaffen. Zunächst waren 800 Bauplätze zu je 300 Quadratmetern und einem Kaufpreis von 1500 DM geplant. Nach den ersten Berechnungen äußerte sich Arzet am 12. März 1953 zu dem Wohnprojekt wie folgt:Walter Franke: Der Salzert und seine 25jährige Geschichte, S. 34.
Im August 1953 kam es zu Baugrunduntersuchungen. Das Projekt war anfänglich in der Bevölkerung umstritten. Das führte zu langen Diskussionen im Stadtparlament, deshalb wurden erst im Januar 1957 Ausschreibungen durchgeführt. Neben 450 privaten Bewerbern im Februar 1957 meldete sich auch die Wohnbau Lörrach als Bauherr.Otto Wittmann et al., Stadt Lörrach (Hrsg.): Lörrach: Landschaft – Geschichte – Kultur. S. 42.
Bereits 1958 stellte man an der höchsten Stelle des zukünftigen Wohngebietes einen Wasserbehälter auf. Im selben Jahr wurde im November ein Ideenwettbewerb Waldsiedlung Salzert ausgeschrieben, zu dem 18 Entwurfsbeiträge eingereicht wurden. Der erste Preis errang der Ingenieur Wolfgang Liebert aus Schopfheim.Walter Franke: Der Salzert und seine 25jährige Geschichte, S. 35. Sein Plan sah vor, das Besiedlungsgebiet in zwei große Wohngebiete aufzuteilen, die im südlichen Teil von zwei Ringstraßen umfasst werden sollten. Im März 1959 wurde das Projekt im Hebel-Gymnasium der Öffentlichkeit vorgestellt. Einer der größten Stolpersteine war dabei die wegetechnische Erschließung. Zum Bau der Steinenstraße von Stetten aus musste man auf einer Länge von 500 Metern Kalksteinausläufer wegsprengen.Walter Franke: Der Salzert und seine 25jährige Geschichte, S. 36.
Im Februar 1960 wurde die Gesamtplanung zunächst vom Stadtrat mit zwölf Zustimmungen und drei Enthaltungen beschlossen. Im Juni desselben Jahres stimmte auch das Regierungspräsidium Freiburg zu. Das Projekt wurde durch den damaligen Oberbürgermeister Egon Hugenschmidt vorangetrieben. Als Vorleistung wurde 1962 der Steinenweg als damals noch einzige Zufahrtsstraße von Stetten ausgebaut. Die am 29. Oktober 1962 eingeweihte Straße hatte 1,2 Millionen DM gekostet und erforderte 16.000 Kubikmeter Kiessand. Im selben Jahr schloss man die Allmendnutzung ab.
Bau und Eröffnung Der Spatenstich erfolgte am 16. April 1963 – im selben Jahr begann etwas später die Erschließung des Bühl in Brombach. Die auf einem Berg gelegene Siedlung war durch den großen Gemeindewald Stettener Wald umgeben und zu diesem Zeitpunkt nur über den Steinenweg aus Richtung Stetten zu erreichen. In dieser ersten von drei Bauphasen entstanden 1200 neue Wohnungen. Der Spatenstich für die ersten drei Wohnblöcke mit insgesamt 78 Wohnungen der Städtischen Wohnbau erfolgte am 8. Juni mit den Häusern Röttelnblick 14–18. Bereits im Dezember 1964 konnte die erste Familie in den Salzert ziehen.Walter Franke: Der Salzert und seine 25jährige Geschichte, S. 37.
Die infrastrukturelle Erschließung der Siedlung geriet ins Stocken, als klar wurde, dass erst 1965 das erste Haustelefon freigeschaltet werden konnte. Grund dafür waren die Kosten von 200.000 Mark für das erforderliche Leitungsnetz, welche die Deutsche Post zunächst nicht tragen mochte. Der Abgeordnete Walter Faller thematisierte diesen Missstand im damaligen Bundestag in Bonn. Am 24. Juni 1964 wurde die erste Telefonzelle auf dem Salzert in Betrieb genommen. Zu Beginn der Debatte wurde behauptet, diese müsse der Bevölkerung zunächst genügen.
Als Mitte der 1960er Jahre die Bewerbung Lörrachs als Standort für die Pädagogische Hochschule aktuell war, erwog Oberbürgermeister Hugenschmidt, das Ackerland des Gretherhofs nördlich vom Salzert dafür zu nutzen. Letztlich wurde dieser Vorschlag allerdings verworfen und die Pädagogische Hochschule Lörrach wurde zentrumsnäher in Lörrach errichtet.Wittmann et al., Stadt Lörrach (Hrsg.): Lörrach: Landschaft – Geschichte – Kultur. S. 536.
Am 26. November 1966 wurden ein Kindergarten und Gemeinderäume im Luise-Scheppler-Haus eröffnet. Ein Jahr später begann die Planung des Ladenzentrums. Der Bau eines benachbarten Hochhauses begann. Ein Hochhaus, welches ursprünglich als Hotel geplant war, wurde schließlich zum Apartmenthaus umgebaut.Walter Franke: Der Salzert und seine 25jährige Geschichte, S. 38. Die Evangelische Kirchengemeinde Lörrach formierte in den 1960er Jahren die Evangelische Friedens- und Salzertgemeinde, die rund 1000 Gemeindeglieder zählte.Beschreibung der Evangelischen Salzertgemeinde, zuletzt aufgerufen am 17. Mai 2019 Das Gemeindezentrum der Friedensgemeinde wurde im Mai 1998 auf dem Salzert eröffnet.Evangelische Kirchengemeinde Lörrach: Salzertgemeinde, zuletzt aufgerufen am 17. Mai 2019 Am 22. und 23. Februar 1967 wurde aufgrund des Adolph-Bermpohl-Orkans Katastrophenalarm ausgelöst. Das Sturmtief riss mehrere Dachteile von Ein- und Mehrfamilienhäusern ab und verursachte weitere Schäden.
Im Sommer 1967 wurden die Wohnblöcke der Städtischen Wohnbau am Röttelnblick fertiggestellt. Die bauliche Umsetzung des Ladenzentrums begann im Mai 1968. Zu diesem Zeitpunkt gab es 431 Haushalte; 1628 Lörracher lebten auf dem Salzert. Nach 14-monatiger Bauzeit konnte im Oktober 1969 das Ladenzentrum eröffnet werden. Gleichzeitig wurde die ärztliche Versorgung durch einen Arzt vor Ort sichergestellt. Im April 1970 eröffneten ein kleines Postamt und eine Gaststätte.Walter Franke: Der Salzert und seine 25jährige Geschichte, S. 39.
Erweiterungen der 1970er und 1980er Jahre mini|Salzert: Röttelnblick (1972) Anfang der 1970er Jahre waren die katholischen Einwohner des Salzert in Stetten eingepfarrt. Bemerkenswert war die ökumenische Zusammenarbeit. Seit September 1972 gab es ökumenische Gottesdienste für die Salzertgemeinde in der Kirche St. Fridolin.
In den 1970er Jahren aufkommende Pläne, acht- bis sechzehnstöckige Wohnhochhäuser zu erstellen, stießen bei der Bevölkerung des Salzerts auf Protest. Letztlich kam es zum Bau von vier achtgeschossigen Blockhäusern am östlichen Waldrand nahe dem Hochbehälter. Ein erster Baustopp aufgrund einer Einstweiligen Verfügung des Verwaltungsgerichtshofs wurde im Juni 1974 wieder aufgehoben.Walter Franke: Der Salzert und seine 25jährige Geschichte, S. 40.
Nicht zuletzt die fortwährende Bautätigkeit und Erweiterung des Wohnquartiers überlastete die einzige Zufahrtsstraße über Stetten. Deswegen formierte sich Ende der 1970er Jahre eine Initiative auf dem Salzert, die forderte, das Quartier über die Rheinfelder Straße an die Stadt anzuschließen und nach dem Ausbau diese an die B 316 einzufädeln. So erhielt der Salzert Ende der 1980er Jahre über die Salzertstraße eine zweite Verkehrsanbindung im Nordwesten.
Wandel und Sanierung mini|Südöstliches Wohnblockareal von der Luft aus (2012) Der Salzert galt aufgrund des tristen Erscheinungsbildes der Gebäude und sichtbarer Baumängel in den 1990er Jahren als sozialer Brennpunkt. Die Wohnbau Lörrach begann den bestehenden Wohnungsbestand zu sanieren. Bei Neubauten wurden neuste Standards berücksichtigt. Auf einem dreieckigen Grundstück direkt am Eingang der Salzert-Siedlung wurde 1993 die Wohnanlage Dreispitz für rund vier Millionen Mark fertiggestellt. 1994 erhielt die Wohnanlage den Deutschen Bauherrenpreis.Deutscher Bauherrenpreis: Deutscher Bauherrenpreis. Hohe Qualität – Tragbare Kosten im Wohnungsbau. Lörrach, Wohnanlage „Dreispitz“, Fridolin-Engel-Straße., zuletzt abgerufen am 28. Mai 2019
Im Jahr 2004 wohnten im Salzert bereits 2625 Einwohner. Die Wohnbau Lörrach kam in einem Zustandsbereich 1997 zu folgender Einschätzung:
Die vier markanten Hochhäuser am Waldrand waren am meisten gefährdet, als Brennpunkt ausgegrenzt zu werden. Ihr Abriss wurde erwogen.Wüstenrot Stiftung und Deutsch-Französisches Institut (Hrsg.): Lörrach: Soziales Quartiersmanagement als zweite Chance für Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus. in Stadtentwicklung und Integration Jugendlicher in Deutschland und Frankreich, Wüstenrot Stiftung, 2010, ISBN 978-3-933249-71-5, S. 135 (PDF, S. 5). Die Stadt Lörrach investierte über 13 Millionen Euro, um eine Ghettobildung zu verhindern. In Lörrach wurde dringend Wohnraum benötigt. Seit der zweiten Hälfte der 2010er Jahre ist deshalb eine Erweiterung des Siedlungsgebietes nach Norden hin in der Diskussion.Die Oberbadische: Wird der Salzert überfordert?, Artikel vom 12. Februar 2018, zuletzt abgerufen am 17. Mai 2019 Eine Erweiterung nach Süden ist aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht möglich.Südkurier: Aufatmen bei Bürgerinitiative: Lörracher Salzert-Süd wird kein Baugebiet, Artikel vom 5. Juni 2017, aufgerufen am 3. Juli 2019
Nach 2510 Einwohnern gemäß Zensus 2011 und 2470 Einwohner nach Zensus 2022 ist die Bevölkerung seit dem Höchststand in den 2010er Jahren wieder leicht sinkend.
Ortsbild und Infrastruktur Besiedlungsgebiet und Gebäude