mini|Pfarrkirche St. Johann Baptist in Egmating von Südosten (2022) Die Kirche St. Johann Baptist und Michael in Egmating im bayerischen Landkreis Ebersberg ist eine römisch-katholische Pfarrkirche. Der um das Jahr 1150 oder um 1200 errichtete romanische steinerne Kirchenbau ist als Baudenkmal geschützt und weist eine Länge von 16,30 m sowie eine Breite von 10,30 m auf. Der Turm steht auf einer Grundfläche von 6,20 m mal 6,20 m und hat eine Höhe von 33 m. Der Bau liegt auf dem höchsten Punkt des letzten welligen Moränenausläufers und überblickt von dort nach Westen die sich anschließende Münchner Schotterebene. Bis zum Jahr 1846 führte eine Brücke vom Schloss Egmating zu der Kirchenanlage. Kirche und Schloss im Verbund stellen das gewachsene Zentrum Egmatings dar.

Die Pfarrei Egmating gehört zum Erzbistum München und Freising. Früher hatte die Pfarrei Egmating größere strukturelle Bedeutung. 1315 gehörten zum Dekanat Ehmuetingen – so wurde Egmating in dem Dokument geschrieben – die sechs nachstehenden Pfarreien jeweils mit ihren Filialkirchen: Egmating, Hohenbrunn, Zorneding, Anzing, Landsham und Neuching. Hinzu kam, dass der Pfarrei Egmating die Filialkirchen Pframmern, Kreuz und Münster, Schlacht und eine Holzkirche in Lindach unterstanden.

Kirchenpatron St. Johann Baptist und Michael mini|hochkant|Erzengel Michael Seit Beginn des 16. Jahrhunderts wird als Kirchenpatron der hl. Johannes der Täufer resp. St. Johann Baptist erwähnt. Diesen Namen trägt die Kirche heute noch. Eine entsprechend prominent platzierte Johannesfigur steht auf dem rechten Seitenaltar, der auch dem heiligen Johannes gewidmet ist.

An der Südwand des Chorraums befindet sich eine Figur des heiligen Michael. Früher standen beide Figuren im Hochaltar. Im „Kuchelholzbuch“ von 1517 ist nur der heilige Michael als Schutzpatron der Kirche genannt. In den darauffolgenden Jahrhunderten wird in Beschreibungen und Verzeichnissen der Name St. Johann Baptist oder der Doppelname St. Johann Baptist und St. Michael erwähnt. Der Grund der Nennung des St. Michael geriet über die Jahrhunderte in Vergessenheit. Das erzbischöfliche Ordinariat hielt die Nennung des heiligen Michael in den Beschreibungen und Verzeichnissen in der Folge für zufällig, weshalb es am 1. März 1941 das Doppelpatrozinium für rechtswidrig erklärte. Seitdem trug die Pfarrkirche den Namen St. Johann Baptist. 2003 wurde im Zuge von Renovierungsarbeiten ein Brief vom 12. Mai 1514 im Hauptaltar entdeckt. Der Brief erklärte, dass der Weihbischof Matthias Schach – um 1500 Prior des Kartäuserklosters Prüll bei Regensburg – den Hauptaltar im Jahr 1514 dem Erzengel Michael widmete.Andreas Zimmiok: Altar gibt Schatz preis. In: Münchner Merkur Nr. 292, 19. Dezember 2003. Das Erzbistum München und Freising führt die Egmatinger Pfarrkirche nunmehr wieder unter dem Doppelnamen St. Johann Baptist und Michael. Auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führt das Baudenkmal unter diesem Namen.

Geschichte des Standortes bis zur Erbauung des steinernen Kirchenbaus Bronzezeit Kreisheimatpfleger Thomas Warg vermutet, dass es eine bronzezeitliche unbefestigte Handelsroute auf der Hangkante entlang der Münchner Schotterebene gab, die vermutlich von Kleinhelfendorf über Aying, Egmating, Orthofen, Oberpframmern nach Norden führte. Auf dieser Hangkante liegt auch der Standort der Kirche.

Keltische Siedler Das Gebiet um Egmating war spätestens ab 500 vor Christus von den Kelten besiedelt, allerdings wurde die keltische Kultur in der Römerzeit völlig aufgesogen. Hinweise auf eine keltische Besiedlung des konkreten Kirchenstandortes sind nicht bekannt.

Römische Siedler mini|Rätischer Donaulimes Eine große befestigte römische Militärstraße, die sogenannte Via Julia, führt auf dem Weg von Augsburg nach Salzburg durch Kleinhelfendorf, wenige Kilometer südlich von Egmating, in Ost-West-Richtung. In unmittelbarer Nähe zu Kleinhelfendorf liegt das Römerkastell bzw. die Straßenstation „Isinisca“. Von dort zweigte sehr wahrscheinlich eine kleinere Straße nach Norden in Richtung Regensburg ab. Der Heimatforscher und Kreisheimatpfleger Thomas Warg ist sich sicher, dass es eine solche Straße gab und diese mit großer Wahrscheinlichkeit von „Isinisca“ über Aying, Egmating, Orthofen, Oberpframmern, Pöring, Zorneding und Anzing nach Neufarn und schlussendlich nach Regensburg führte. Eindeutige Nachweise der Straßen wurden jedoch nicht gefunden, weshalb ihre Existenz nicht belegt ist. Thomas Warg vermutet, dass es daran liege, dass es sich bei dieser Straße um den vorgenannten bronzezeitlichen Handelsweg auf der Hangkante der Endmoräne handelte, der es nicht erforderlich machte, ihn durch den römischen Schichtbau zu ersetzen, weshalb kein Straßenbauwerk auffindbar ist. Dass es eine bedeutende Route in dieser Gegend gegeben haben muss, belegen starke Indizien. So berichtet der Bischof Arbeo von Freising, dass 652 der heilige Emmeram von Regensburg auf seiner Reise von Regensburg nach Rom in Kleinhelfendorf gemartert worden sei. Auch die vielen Fiskalgüter, Schlösser und Ämter, die sich auf der vermuteten Straßenführung befanden, sprechen als starkes Indiz für die herausragende strukturelle Bedeutung der Straße. Durch Funde und Ausgrabungen ist belegt, dass es etwa 150 m westlich und damit hangabwärts der Kirche St. Johann Baptist und Michael an einem zwischenzeitlich versiegten Bach eine römische Siedlung aus der römischen Kaiserzeit gab. Der Egmatinger Pfarrer Kurt Riemhofer berichtet, dass es auf dem Standort des Kirchturms vermutlich zusätzlich ein kleines römisches Militärlager mit Wehr- bzw. Aussichtsturm in Holzbauweise gab. Zugrunde gelegt, dass der Kirchenstandort vermutlich an einer bedeutenden römischen Straße lag, es bereits eine frühe Besiedlung – keltisch und römisch – gab und sich der Standort auf dem höchsten Punkt der letzten Anhöhe vor der Münchner Schotterebene mit herausragender strategischer Weitsicht befindet, drängt sich diese Vermutung geradezu auf.

Germanische Siedler Die sogenannten „ing“-Orte – wie Egmating einer ist – weisen auf die ältesten germanischen Ortsnamen hin. Sie drücken im Allgemeinen den Führungsanspruch eines Herren über einen Personenverband aus. Die „ing“-Orte sind als „bei den Leuten des …“ zu verstehen, im vorliegenden Fall bei den Leuten des Ehamot – Ehamotinga. Schriftliche Überlieferungen hierzu gibt es nicht. Ohne dass es sich beweisen ließe, wird aufgrund des Ortsnamens angenommen, dass eine Besiedlung des Ortes spätestens in den ersten Jahrhunderten nach Christus erfolgte. Der Historiker Michael Holzmann deutet die sprachliche Herkunft der „ing“-Orte auf dieselbe Weise, ordnet sie zeitlich allerdings bayernweit der Völkerwanderung nach dem Niedergang des römischen Reiches im 5. Jahrhundert nach Christus zu. Zu dieser Zeit nach dem Abzug der Römer migrierten einige germanische Stämme von nördlich der Donau sowie östlich des Rheins auf das Gebiet des heutigen Freistaates Bayern und ließen sich dort nieder (siehe auch Geschichte der Bajuwaren). Heute gibt es etwa 45.000 Orte mit „ing“ im Namen in Bayern.

Frühmittelalter Eine erste urkundliche Erwähnung des Ortes und eines Kirchenstandortes aus dem Jahre 802 finden sich in den „Freisinger Akten“ bzw. den „Freisinger Matrikeln“. Die Urkunde bezeugt eine Schenkung des Priesters Adalfried an das Freisinger Bistum. Der Priester verschenkte seinen Besitz in Egmating und in Kreuzpullach für das Seelenheil seiner Eltern und seiner Brüder. Es lässt sich daher zwanglos vermuten, dass es einen Vorgängerbau der heute noch existierenden Steinkirche in Holzbauweise gab. Die Liste der Bodendenkmäler des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege spricht von untertägigen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Befunden im Bereich der Kath. Pfarrkirche St. Johann Baptist und Michael in Egmating und ihrer Vorgängerbauten. Genaueres zu Art und Gestalt dieser Vorgängerbauten ist allerdings nicht belegt.

Baugeschichte des steinernen Kirchenbaus Romanik mini|Der heutige Grundriss der Pfarrkirche Bei dem um das Jahr 1150 oder 1200 entstandenen und bis heute in großen Teilen erhaltenen romanischen Bau handelt es sich um eine sogenannte Chorturmkirche. Sie zeichnet sich – für die Romanik typisch – dadurch aus, dass sich der Chorraum im untersten Geschoss des Kirchturms befindet. Der Turm ist nach Osten ausgerichtet. Charakteristisch für die romanische Bauweise sind neben Rundbögen auch die dicken Grundmauern von Langhaus und Turm sowie wenige kleine Fenster, durch welche der Innenraum nur schwach beleuchtet wird. An der südlichen Kirchenfassade konnten noch im Jahr 1994 – besonders auf der Empore – die Konturen mehrerer romanischer Schlitzfenster entdeckt werden. Die Kirche wird durch den Haupteingang auf der Nordseite, welche bei romanischen Bauten die beliebte Eingangsseite war, betreten. Bei Renovierungen Mitte der 1950er Jahre konnten am Westgiebel des Langhauses und an der Westwand des Turms Spuren von ursprünglich zwei Seitenschiffen entdeckt werden. Dies deutet darauf hin, dass es sich bei dem Bau ursprünglich um eine stattliche und einem Dekanat würdige dreischiffige Basilika handelte.

Gotik Bei den Renovierungsarbeiten entdeckten die Bauforscher auch Spuren von Anläufen mindestens zweier älterer Dachstühle. Der romanische Dachstuhl mit einer Dachneigung von 45° wurde wohl durch einen Brand zerstört und in gotischer Bauweise wiederaufgebaut. Dieser gotische Dachstuhl brannte ebenfalls ab. An einem Balken auf der Südseite des Dachstuhls ist die Jahreszahl 1618 eingeschrieben. Als der Dachstuhl – wohl um das Jahr 1618 – (wieder)-aufgebaut wurde, erhöhten die Baumeister die Mauern des Langhauses in Backstein um ca. 2,5 m und erstellten den heutigen Dachstuhl mit einer Dachneigung von 51°. Zweck dieser Erhöhung war der Umbau der zuvor flach gedeckten Innendecke in eine gotische Deckenarchitektur mit hohem gotischem Kreuzrippengewölbe, das heute noch sichtbar ist.

Das Portal auf der Nordseite wurde im 15. Jahrhundert gotisch verändert. Anfang des 17. Jahrhunderts ließen die Schlossherren der Hofmark Egmating – die Adelsfamilie Schrenck – einen Anbau als Grablege auf der Nordseite des Langhauses errichten. Dieser Anbau auf der Nordseite ist noch teilweise in Form des Gewölbes in der Vorderhalle erhalten. Anders als bei einem Seitenschiff ist der Anbau durch die Außenwand vom Inneren des Langhauses getrennt und nur über zwei Türen verbunden. An einige Mitglieder der Adelsfamilie erinnern heute noch drei rote Marmorplatten, die in die Nordwand des Anbaus eingemauert sind. Durch den bloßen einseitigen Anbau verliert das Langhaus seine ursprüngliche Symmetrie, da der Turm nicht mehr zentrisch auf der östlichen Stirnseite steht und sich die Dachneigungen von Langhaus und Anbau unterscheiden. Der Anbau war bis zum Jahr 1846 durch eine Brücke mit dem Schloss Egmating verbunden. Dieser Überweg ermöglichte vermutlich den Schlossbewohnern einen ungehinderten Zugang zur Pfarrkirche. Die Schlossbewohner konnten in einer kleinen privaten Kapelle im Anbau über der Sakristei durch ein mit Naturholz eingerahmtes Fenster dem Gottesdienst beiwohnen. Obwohl die Brücke vom Schloss zu der Kapelle nicht mehr existiert, ist das Fenster heute noch vorhanden. Es befindet sich in der Nordwand des Chorraums einige Meter über dem Boden.

Barock mini|Michael Wening: Schloß E(g)mating; Kupferstich (1696–1701)