mini|Selb, Martin-Luther-Platz mini|Stadtkirche St. Andreas mini|Porzellanmarkt auf dem Selber Marktplatz

Selb () ist eine Große Kreisstadt und Hochschulstadthttps://www.hochfranken-live.de/index.php/news/13288-hochschulstadt-selb-gruesst-am-ortseingang.html im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge (Regierungsbezirk Oberfranken in Bayern) und liegt direkt an der tschechischen Grenze. Sie gehört der grenzüberschreitenden Mikroregion Freunde im Herzen Europas an. Überregional ist Selb als Porzellanstadt bekannt und liegt an der Bayerischen Porzellanstraße. Im Landesentwicklungsprogramm Bayern ist Selb zusammen mit der tschechischen Nachbarstadt Aš als Oberzentrum ausgewiesen. Seit 2021 ist Selb mit der Außenstelle der Hochschule Hof auch Hochschulstandort.

Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt im Nordosten Bayerns relativ nahe an Sachsen (ca. 20 km entfernt) und Thüringen (ca. 30 km entfernt). Selb befindet sich im oberen Eingangsbereich des nach Nordosten geöffneten, hufeisenförmigen Fichtelgebirges; nahe Berge sind der Kornberg im Westen, der Wartberg und der Hengstberg im Osten. Durch das Stadtgebiet fließt die Selb. Tschechien grenzt unmittelbar an; ein Grenzübergang zur benachbarten Stadt Aš (Asch) befindet sich nördlich zwischen den Gemeindeteilen Lauterbach und Wildenau.

Nachbargemeinden

Gemeindegliederung

Es gibt 45 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Geyermühle und Krippnermühle zählen zum Gemeindeteil Mühlbach, Schafhaus, Siedlung Kappel und Unterfurth zum Gemeindeteil Selb, Grünfleck und Siedlung Vielitz zum Gemeindeteil Selb-Plößberg und die Frohringmühle zum Gemeindeteil Mittelweißbach. Mooslohe zählt zu keinem Gemeindeteil.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Buchwald, Erkersreuth, Heidelheim, Hohenberger Forst (Gemarkungsteil 3), Längenau, Lauterbach (Gemarkungsteil 1), Mühlbach, Oberweißenbach, Selb, Selber Forst, Selb-Plößberg, Silberbach, Spielberg, Steinselb, Unterweißenbach, Vielitz (Gemarkungsteil 1). Die Gemarkung Selb hat eine Fläche von 11,951 km². Sie ist in 6410 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1864,40 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Dürrloh, Hafendeck, Heuloh, Linden, Ludwigsmühle, Neuhof, Papiermühle, Reuth, Selber Vorwerk, Sommermühle und Stopfersfurth.

Nachbarorte Nordöstlich grenzt Schönwald direkt an Selb. Etwas mehr als 10 km in südwestlicher Richtung befinden sich Kirchenlamitz und Marktleuthen; im Süden sind Höchstädt im Fichtelgebirge und Thiersheim und im Südosten Hohenberg an der Eger benachbart. Hinter der Staatsgrenze nach Tschechien liegen Hazlov (im Osten) und Aš (im Nordosten).

Geschichte mini|hochkant=1.3| Bis zum 19. Jahrhundert Die Kolonisation im 12. Jahrhundert brachte Siedler aus dem bayerischen Raum in die Region um Selb. Ein Adelsgeschlecht, das sich „de Selewen“ nannte, ist seit 1135 nachgewiesen. 1281 wurde Selb erstmals urkundlich erwähnt, als es von Kaiser Friedrich II. zusammen mit dem benachbarten Aš (Asch) im heutigen Tschechien an den Feldhauptmann Vogt Heinrich von Plauen verpfändet wurde und der römisch-deutsche König Rudolf von Habsburg darüber eine Urkunde ausstellen ließ. 1357 wurde Selb als Reichslehen an das Geschlecht der Forster übertragen, weil von dort aus der Egerer Reichsforst verwaltet wurde. 1412 wurde Selb an die Burggrafen von Nürnberg verkauft. Diese schufen 1437 das Sechsämterland, so genannt, weil die Verwaltungsaufgaben dezentral auf sechs Amtsstädte verteilt waren. Eines dieser sechs Ämter war Selb. 1426 verlieh Markgraf Friedrich I. von Bayreuth-Brandenburg der Stadt ein erstes Stadtrecht (das sogenannte Wunsiedler Stadtrecht). Selb blieb Zentrum des markgräflichen Forstes und bevorzugtes Jagdrevier der Bayreuther Fürsten. Die Hirschgeweihe im Stadtwappen erinnern an die jagdgeschichtliche Bedeutung der Stadt. In Selb existierte im 16. Jahrhundert ein mittelalterliches Leprosorium „vor dem Erkersreuther Tor“, es wurde als „Siechhaus“ bezeichnet.

mini|Schausteinbruch auf der Häusellohe Nach mehreren Besitzerwechseln und kriegerischen Zerstörungen in den darauffolgenden Jahrhunderten erlangte Selb bis weit ins 18. Jahrhundert Bedeutung als Bergbaustandort in Verbindung mit Hammer- und Eisenschmelzwerken. Die bedeutendsten Hammerwerke (Wenden-, Kaiser-, Schwarzen- und Hendelhammer) nutzten die Wasserkraft der Eger. Bergbau wurde im Steinbruch auf der Häusellohe (heutiger Schausteinbruch) betrieben. Das dortige sehr feinkörnige Granitvorkommen, das keine Eisenbeimengungen enthält, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem zur Herstellung von technischen Walzen für die Porzellanindustrie und von Mühlsteinen genutzt.

Selb war im 18. Jahrhundert eine Handwerkerstadt mit etwa 1500 Einwohnern und mit Zünften der Schreiner, Zimmerleute, Gerber, Müller, Schuster und Weber. 1709 errichtete der Papiermacher Johann Georg Jäger eine Papiermühle. Sie war der erste Industriebetrieb der Stadt, der bis in die 1970er Jahre Bedeutung für die Druckindustrie hatte.

Nach dem Friedensschluss von Wien 1809 wurde Selb am 30. Juni 1810 bayerisch. Am 17. Juni 1836 wurde es zur Stadt erhoben. Durch die Unachtsamkeit einer Magd gerieten am 18. März 1856 die Gebäude bei der alten Apotheke in Brand. Das sich schnell ausbreitende Feuer, bekannt als „Selber Brand“ zerstörte die Stadt und damit auch den mittelalterlichen Stadtkern. Nur wenige Gebäude überstanden den Feuersturm unversehrt, darunter die Gottesackerkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit von 1612 und die sogenannte Pechhütte von etwa 1583, ein kleiner profaner Fachwerkbau, in dem das Pechsiederhandwerk ausgeführt wurde; diese beiden Gebäude befanden sich außerhalb des Stadtkerns. Insgesamt wurden 221 Häuser und 408 Nebengebäude in Schutt und Asche gelegt, 624 Familien (über 3500 Personen) wurden obdachlos.

mini|Hutschenreuther-Werk in der Stadtgeschichte auf Porzellan am Welzel-Haus Um 1857 entwickelte sich Selb zur Porzellanstadt. Die durch den Selber Brand arbeitslos gewordenen Weber fanden teilweise wieder Arbeit, als Lorenz Hutschenreuther 1857 die erste Porzellanfabrik auf der Ludwigsmühle errichtete. Seine Pioniertat bestand darin, dass er die industrielle Serienfertigung von Porzellan ermöglichte. Das „weiße Gold“ wurde für Normalbürger erschwinglich.

mini|Rosenthal-Manufakturgebäude (heute Outlet Center) Der Anschluss 1864 an die Bahnstrecke Hof–Eger begünstigte die einsetzende rasante Industrieentwicklung in Selb. Es gründeten sich die Porzellanfabriken Jakob Zeidler & Co., J. Rieber, Rosenthal, Krautheim, Müller, Heinrich & Co., Jäger & Werner, Gräf & Krippner, Krautheim & Adelberg, Zeidler & Purucker, Gebr. Hofmann und die Oberfränkische Porzellanfabrik. 1900 hatte Selb bereits 7200 Einwohner. Es gab 20 Porzellanfabriken mit zusammen 100 Rundöfen.

20. Jahrhundert Am 1. Juli 1919 wurde Selb aus dem Landkreis Rehau ausgegliedert und zur kreisfreien Stadt erklärt.Bekanntmachung über die Kreisunmittelbarkeit der Stadt Selb. Vom 2. Juli 1919 (Gesetz- und Verordnungsblatt für den Freistaat Bayern, Nr. 39/1919, S. 330). 1930 war die Stadt auf 14.200 Einwohner angewachsen. Die Zahl der Porzellanfabriken war jedoch im Zuge der Weltwirtschaftskrise und der Inflation der 1920er Jahre gesunken. Die meisten Fabriken waren durch Fusionen auf andere Unternehmen übergegangen. Die übrig gebliebenen entwickelten sich zu Weltmarken. Heute noch sind die weltweit bekannten Marken Rosenthal und Hutschenreuther in Selb ansässig.

Bei der Reichstagswahl von 1933 stimmten im Kreis Rehau 58 % für die NSDAP. In Selb lebten 1932 12 Juden, die sich in der Zeit des Nationalsozialismus Verfolgungen ausgesetzt sahen. Heute erinnern vier Stolpersteine in der Stadt an die ermordeten jüdischen Bürger Rosa und Willi Rosenthal, Isidor Waldmann und Erna Ziegler.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Selb von amerikanischen Truppen eingenommen. 3500 Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten kamen in die Stadt. Durch die neue Grenzziehung fielen für die Porzellanindustrie die Tschechoslowakei und Sachsen als Märkte und Rohstoffquellen weg.

Im Zuge der Gebietsreform wurde Selb am 1. Juli 1972 als Große Kreisstadt dem Landkreis Wunsiedel zugeordnet.

In den 1990er Jahren erfuhren die Bereiche Tafel- und Luxusgeschirr eine Krise. Die Zahl der Arbeitsplätze in den Porzellanunternehmen ging von 5000 im Jahr 1965 auf weniger als 1000 zurück. Technisierung, Rationalisierung und die Verlagerung der Produktion ins Ausland, um Kosten einzusparen, leiteten in der Stadt und der Region einen einschneidenden Strukturwandel ein.

21. Jahrhundert Im 21. Jahrhundert prägen zahlreiche andere Branchen die Wirtschaftsstruktur in Selb. An diesem Industriestandort haben sich neben der keramischen Industrie vor allem der Maschinen- und Anlagenbau, die Automobilzulieferindustrie und die Kunststoffverarbeitung etabliert.

Auch ist die Ansiedlung von Outlet-Kaufhäusern und dem Bau eines Outlet-Einkaufszentrums zu erwähnen. Viele dieser Geschäfte nutzen als Gebäude alte Fabrik- und Lagerhallen.

Zum Tag der Einheit, am 3. Oktober 1990, wurde bei der Musikschule in Absprache mit Oberbürgermeister Werner Schürer die Einheits-Linde gepflanzt. Daneben steht ein Granitpfahl mit Hinweis auf weltweite demokratische Entwicklungen 1989/90.Silke Meier: Drei Bäume erinnern an Einheit in: Frankenpost 4. Oktober 2015, abgerufen am 22. Dezember 2023 2015 pflanzte Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch zusammen mit Werner Erhardt das Baumdenkmal für die Deutsche Einheit anlässlich des 25. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung in der Pfaffenleithe.

Seit 2021 ist Selb Hochschulstandort, mit einer Außenstelle der Hochschule Hof.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1978 wurden die Gemeinden Erkersreuth, Heidelheim, Lauterbach, Längenau, Mühlbach, Oberweißenbach, Selb-Plößberg (bis zum 5. Juli 1953 Plößberg bei Selb), Silberbach, Spielberg und Unterweißenbach sowie Gebietsteile der aufgelösten Gemeinden Lauterbach und Vielitz eingegliedert. Zum 1. April 2013 wurde das gemeindefreie Gebiet Selber Forst vollständig sowie ein Teil des gemeindefreien Gebiets Hohenberger Forst eingemeindet.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2019 sank die Einwohnerzahl von 19.275 auf 14.981 um 4.294 Einwohner.

Die Zahl der Einwohner entwickelte sich wie folgt:Statistik Bayern, S. 6 (abgerufen am 16. März 2013; PDF; 1,3 MB).

Datum Einwohner 1. Dezember 1840 6.141 1. Dezember 1871 7.405 1. Dezember 1900 10.766 16. Juni 1925 17.554 17. Mai 1939 17.637 13. September 1950 24.336 6. Juni 1961 24.532 27. Mai 1970 24.039 25. Mai 1987 19.615 31. Dezember 1991 19.771 Datum Einwohner 31. Dezember 1995 19.533 31. Dezember 2001 17.870 30. Juni 2005 17.156 31. Dezember 2010 15.894 9. Mai 2011 15.425 31. Dezember 2015 14.928 8. November 2017 16.500 18. Oktober 2018 16.59030. September 201914.9818. Januar 202115.698

Politik Stadtrat Die vergangenen fünf Kommunalwahlen führten entsprechend der Stimmenanteile (für 2026 siehe Diagramm) zu den folgenden Sitzverteilungen im Stadtrat:

Partei / Liste 2002 2008 2014 2020 2026 CSU/Freie Wähler Selb 11 12 9 – – Aktive Bürger 5 6 8 9 8 SPD 8 6 7 5 5 CSU – – – 6 5 Freie Wähler Selb – – – 3 2 Bündnis 90/Die Grünen – – – 1 1 AfD – – – – 3 Summe 24 24 24 24 24

Bürgermeister (seit 1912) mini|hochkant=1.15|Rathaus von Selb mini|hochkant=0.65|Ulrich Pötzsch ist Bürgermeister seit 2013 1912–1920: Heinrich Marquart 1920–1929: Viktor Häublein 1930–1934: Kurt Schröter 1934–1945: Fritz Eichinger (NSDAP) 1945–1948: Hans Feßl 1948–1956: Franz Bogner (SPD) 1956–1988: Christian Höfer (SPD) 1988–2001: Werner Schürer (SPD) 2001–2013: Wolfgang Kreil (CSU/Freie Wähler) seit 2013: Ulrich Pötzsch (Aktive Bürger)

Wappen

Städtepartnerschaften Selb unterhält Städtepartnerschaften mit dem französischen Beaucouzé, den tschechischen Orten Pardubice (deutsch Pardubitz) und Aš (deutsch Asch) sowie dem japanischen Mizunami.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater