Die St.-Josefs-Kirche in Nowa Wieś () ist ein neugotisches Bauwerk aus dem zu Ende gehenden 19. Jahrhundert. Bis 1945 war sie das zentrale Gotteshaus für das evangelische Kirchspiel Neu Bartelsdorf in Ostpreußen, und sie ist heute eine Filialkirche der römisch-katholischen Pfarrei Butryny (Wuttrienen) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Das 460-Seelen-Dorf Nowa Wieś gehört zur Gmina Purda (Landgemeinde Groß Purden) und liegt im Westen der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 17 Kilometer südöstlich der Stadt Olsztyn (Allenstein).

Die Kirche steht auf der Ostseite der Nach Nowy Ramuk (Neu Ramuck) führenden Straße.

Kirchengebäude Baugeschichte Die Gründung einer Kirche in Neu Bartelsdorf erfolgte am 2. Oktober 1810 durch evangelische Christen aus de Region Neidenburg (polnisch Nidzica)/Jedwabno (1938 bis 1945 Gedwangen, polnisch Jedwabno).GenWiki: Neu Bartelsdorf (Kreis Allenstein) Im Ort wurde 1828 eine Schule als evangelische Konfessionsschule in einem überwiegend römisch-katholischen Gebiet errichtet. Gehörte das Dorf auch zur Pfarrei der Kirche Allenstein, so wurde doch auf Wunsch der Kirchenglieder die Zugehörigkeit zur Kirche in Jedwabno geändert. Im Jahre 1845 wurde eine ehemalige Jesuitenbesitzung an die evangelischen Siedler vergeben.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 1, Göttingen 1968, S. 276 Kirchlicher Zentralort allerdings war das Dorf Gelguhnen (polnisch Jełguń).GenWiki: Neu Bartelsdorf (Ev. Kirchspiel)

Bereits 1856 begann man mit der Führung eigener Kirchenbücher, in denen die Taufen, Trauungen und Begräbnisse dokumentiert wurden.Evangelisches Zentralarchiv: Kirchenbücher Neubartelsdorf, Kreis Allenstein/Ostpreußen

Der Plan, in Gelguhnen eine eigene Kirche zu errichten, zerschlug sich. Im Jahre 1871 wurde das evangelische Kirchspiel Neu Bartelsdorf aus der Taufe gehoben, dem ab 1874 ein eigener Pfarrer zugeteilt wurde.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1969, S. 101 Die Gottesdienste fanden in einer Scheune statt. Dann aber reiften die Pläne zur Errichtung einer Kirche in Neu Bartelsdorf. Die Vorarbeiten allerdings zogen sich noch eine Zeitlang hin, doch am 22. November 1883 fand die Grundsteinlegung für den Kirchenbau statt.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 118

Baubeschreibung Der Kirchbau erfolgte in den Jahren 1883 bis 1888 auf einem von dichtem Wald umgebenen Hügel im Dorf.Polska Niezwykła: Nowa Wieś. Kościół pw. św. Józefa (polnisch) Errichtet wurde ein massives Gebäude im Stil der Neugotik aus rotem Backstein auf rechteckigem Grund, mit Kapellen- und Sakristeianbau. Das Giebeldach wurde mit Ziegeln gedeckt. Der vorgelegte hochaufragende Turm war mit einem Spitzdach versehen. Er nahm zwei Glocken auf.

Das Interieur der Kirche war schlicht und einfach.Visit Olsztyn: Kościół św. Józefa w Nowej Wsi (polnisch) Zum Inventar gehörten Altar und Kanzel sowie ein Taufbecken. Auf der Westempore installierte man die Orgel.

Die Kirche überstand die beiden Weltkriege relativ unbeschadet. Im Jahre 1968 wurde sie in das Denkmalschutzverzeichnis eingetragen, bevor sie 1978 in das Eigentum der Römisch-katholischen Kirche überging. Einige bauliche Arbeiten wurden vorgenommen, um sie den veränderten liturgischen Gebräuchen anzupassen. Das Gotteshaus wurde dem Hl. Josef gewidmet.

Kirchengemeinde Kirchengeschichte Zu dem im Jahre 1871 gegründeten Kirchengemeinde in Neu Bartelsdorf gehörten im Jahre 1912 insgesamt 620 Gemeindeglieder. Sie wohnten nicht nur in Neu Bartelsdorf, sondern auch in den Nachbarorten wie Layß (polnisch Łajs), Kopanken (Kopanki), Neu Kaletka (Nowa Kaletka) oder Wuttrienen (Butryny), wo bereits seit Langem eine römisch-katholische Pfarrei bestand. In den Folgejahren wuchs das Kirchspiel Neu Bartelsdorf auf 30 Orte an.

Die Kirche in Neu Bartelsdorf war patronatslos.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 490 Die 1874 eingerichtete Pfarrstelle war bis 1945 ununterbrochen besetzt. Die Pfarrei war eingebettet in den Superintendenturbezirk Allenstein des Kirchenkreises Ermland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ließen die evangelische Gemeinde Neu Bartelsdorf fast bis zur Unkenntlichkeit schrumpfen. Eine Wiederbelebung blieb ohne Erfolg. Die hier heute lebenden evangelischen Gemeindeglieder orientieren sich zur Christus-Erlöser-Kirche Olsztyn (Allenstein) innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Bis 1945 waren in das Kirchspiel Neu Bartelsdorf 30 Orte und Wohnplätze eingepfarrt: Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Alt Kaletka1938–1945 Teerwalde Stara Kaletka Koschno Kośno Alt Ramuck Stary Ramuk Lallka1938–1945 Kleinramuck Lalka Balden Bałdy Lanskerofen Łańsk Baldenofen Bałdzky Piec Layß Łajs Bruchwalde Bruchwałd Masuchen Mazuchy Dzuchen1938–1945 Grabenau Wald Dziuchy Mendrienen Mędrzyny Friedrichsstädt Pokrzywy Neu Bartelsdorf Nowa Wieś Gelguhnen Jełguń Neu Przykopp1932–1945 Neu Grabenau Nowy Przykop Groß Przykopp Neu Ramuck Nowy Ramuk Jagdsee Neu Wuttrienen Chaberkowo Kalborno1934–1945 Kalborn Kaborno Purden (Forst) Purda Leśna Kaletka Kaletka Przykopp (Dorf)1932–1945 Grabenau sowie:Przykopp (Forst)1934–1945 Wilhelmshütte Przykoppsowie:Przykopiec Klein Przykopp Rykowitz1938–1945 Rickenhof Rykowiec Klein Purden Purdka Wuttrienen Butryny Kopanken Kopanki Wygodda1938–1945 Waldruh Wygoda

Pfarrer Von 1874 bis 1945 amtierten an der Kirche Neu Bartelsdorf als evangelische Geistliche die Pfarrer: August Rudolf Krosta, 1874–1876 Ernst Albrecht Chr.R. Sapatka, 1876–1882 Gottfried F.J. Hassenstein, 1882–1888 Karl Michael Otto Mensing, 1888–1898 Georg Fioltin, 1899–1911 Herbert Lipp, 1912–1913 Georg Foltin, 1914–1925 Ernst Foltin, 1925–1930 Ernst Burdach, 1930–1932 Harry Goronczy, 1932–1834 Werner Prüße, 1934–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern Neu Bartelsdorf haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt: Taufen: 1856 bis 1944 Trauungen: 1856 bis 1944 Begräbnisse: 1856 bis 1944.

Weblinks

Einzelnachweise

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