mini|hochkant=1.5|Der Niederfriedhof in Döbeln Der Niederfriedhof ist eine evangelische Begräbnisstätte in Döbeln. Er wurde 1585 geweiht und steht als Sachgesamtheit unter Denkmalschutz.

Lage mini|Zugang zum Friedhof 2022 Der Niederfriedhof befindet sich im Süden Döbelns an der Straße Am Viadukt 7 und hat eine Größe von rund 4,4 Hektar.Maria Lotze: Stolperweg wird saniert. In: Döbelner Anzeiger, 11. Mai 2013, S. 9. Im Westen verläuft die Hainichener Straße, die im Bereich des früheren Parkfriedhofs direkt am Friedhofsareal entlangführt; im Süden schließen sich Gartenparzellen sowie dahinter der Urnenfriedhof mit Krematorium an. Urnenfriedhof und Niederfriedhof sind die einzigen noch genutzten Friedhöfe der Stadt Döbeln.Döbeln hat zwei Friedhöfe mit verschiedenen Tarifen. In: Döbelner Anzeiger, 22. November 2008, S. 17.

Der Friedhof hat mehrere Zugänge: Der Hauptzugang zum Friedhof erfolgte bis 1880 über einen „breiten Bogen für Fuhrwerk und eine[n] schmalen für Fussgänger“; das „malerisch wirkungsvolle Thor“ mit „reich geöffneter Gewändearchitektur und drei nach oben sehr stark verjüngten toscanischen Pilastern“Cornelius Gurlitt: Nieder-Gottesacker. In: Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Amtshauptmannschaft Döbeln. C.C. Meinhold und Söhne, Dresden 1903, S. 38. wurde 1880 abgebrochen. In der Gegenwart erfolgt der Zugang durch das Bahnviadukt hindurch. Weitere Zugänge liegen an der Ost- und Südseite des Areals, darunter auch die größere hintere Einfahrt am Hirtenberg, unweit der Hainichener Straße.

Die Anlage des Friedhofs im Bereich des Hirtenbergs führt zu einer Hanglage des Friedhofs, der stellenweise bis zu 11 Prozent Gefälle besitzt.Jens Hoyer: Freie Fahrt zur Trauerfeier. Die Kapelle auf dem Niederfriedhof ist umgebaut worden. Treppen steigen ist nicht mehr nötig. In: Döbelner Anzeiger, 21. Juni 2019, S. 8. Die Hanglage wird teilweise durch Treppen aufgefangen.

Geschichte Anlage des Friedhofs mini|Döbeln um 1780 mit Niederfriedhof (Mitte) und alter Friedhofskirche Die Pestepidemie sorgte in Döbeln im 15. Jahrhundert für zahlreiche Todesfälle. Bereits Mitte der 1470er-Jahre hatte man daher außerhalb der Stadtmauern vor dem Obertor den sogenannten Neuen NicolaikirchhofSpäter Alter Oberfriedhof in Abgrenzung zum jetzigen Oberfriedhof an der Dresdner Straße angelegt. Er befand sich unweit des Wappenhenschstifts und ergänzte den ebenfalls für Bestattungen genutzten Alten Nicolaikirchhof um die St. Nicolaikirche. Während der Jahre 1584 und 1585 starben infolge der Pest erneut überdurchschnittlich viele Bewohner der Gegend, was dazu führte, dass beide Nicolaikirchhöfe überfüllt waren und man „nur zum theil grosse Löcher machte, und etliche Todten zugleich einsenckte, doch die Stellen nicht zulänglich seyn wollten“III: Vom Nieder-Gottes-Acker, und dasiger Kirche. In: Constantin Mörbitz: M. Constantini Mörbitzens, Archi-Diac. zu Döbeln, Chronica Doebelensia, oder Ausführliche Beschreibung Der Churchfl. Sächsischen Stadt Döbeln: zusammt Denen merckwürdigsten Geschichten, so sich daselbst begeben, Und einem zweyfachen Anhange; Aus Glaubwürdigen Uhrkunden und Original-Documenten zusammen getragen. Gottfried Zimmermann, Leisnig 1727, S. 79..

Für die Anlage eines neuen Friedhofs erwarb man von Christoph Vogel im Juli 1585 für 250 GuldenCarl W. Hingst: Chronik von Döbeln und Umgegend. Carl Schmidt, Döbeln 1872, S. 158. Land vor dem sogenannten Hirtenberg. Der neue Friedhof wurde am 22. Juli 1585 durch Pfarrer Grützner geweiht und erhielt zunächst den Namen Maria-Magdalena-Friedhof.Carl Ferdinand Schmeißer: Geschichte der Niedergottesacker-Kirche zu Döbeln. Aus alten Urkunden und Chroniken gesammelt. Seidel, Döbeln 1856, S. 6. Bereits am Einweihungstag fanden sieben Bestattungen statt. Von 1586 bis 1590 erfolgte der Bau der Friedhofsmauer durch Georg Mörbitz und Baltus Wildfeuer. Durch Spenden von Privatpersonen und die Arbeit von Fuhrleuten, Bauern und Tagelöhnern konnte 1602 ein Pflasterweg von der damaligen Niederbrücke zum Friedhof angelegt werden.III: Vom Nieder-Gottes-Acker, und dasiger Kirche. In: Constantin Mörbitz: M. Constantini Mörbitzens, Archi-Diac. zu Döbeln, Chronica Doebelensia, oder Ausführliche Beschreibung Der Churchfl. Sächsischen Stadt Döbeln: zusammt Denen merckwürdigsten Geschichten, so sich daselbst begeben, Und einem zweyfachen Anhange; Aus Glaubwürdigen Uhrkunden und Original-Documenten zusammen getragen. Gottfried Zimmermann, Leisnig 1727, S. 81.

Kirchen- und Kapellenbau Der Friedhof besaß zunächst keine Kapelle, sodass Leichenpredigten auf einer Steinkanzel im Freien gehalten werden mussten. Der Grundstein für die Kapelle in der Mitte des FriedhofsCarl Ferdinand Schmeißer: Geschichte der Niedergottesacker-Kirche zu Döbeln. Aus alten Urkunden und Chroniken gesammelt. Seidel, Döbeln 1856, S. 5. wurde im Juni 1619 gelegt, doch kamen die Bauarbeiten durch den Dreißigjährigen Krieg zum Erliegen, wobei zu der Zeit die Außenwände der Kapelle standen. Erst 1662 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Der Rohbau war 1664 fertiggestellt, die Einweihung der Kirche, die den Namen Heilig-Geist-Kirche erhielt, erfolgte am 16. November 1670. Die erste Leichenpredigt in der Kirche wurde am 2. Februar 1671 gehalten.III: Vom Nieder-Gottes-Acker, und dasiger Kirche. In: Constantin Mörbitz: M. Constantini Mörbitzens, Archi-Diac. zu Döbeln, Chronica Doebelensia, oder Ausführliche Beschreibung Der Churchfl. Sächsischen Stadt Döbeln: zusammt Denen merckwürdigsten Geschichten, so sich daselbst begeben, Und einem zweyfachen Anhange; Aus Glaubwürdigen Uhrkunden und Original-Documenten zusammen getragen. Gottfried Zimmermann, Leisnig 1727, S. 90. Beisetzungen fanden auf dem Friedhof und in der Kirche statt, wobei die Kirche bereits 1621 als Begräbnisstätte genutzt worden war. Während des Siebenjährigen Krieges wurde in der Kirche des Niederfriedhofs 1756 und 1757 der sonn- und festtägliche Gottesdienst für preußische Regimenter abgehalten, bis sie zu klein wurde und der Gottesdienst in die Stadtkirche verlegt werden musste.Carl W. Hingst: Chronik von Döbeln und Umgegend. Carl Schmidt, Döbeln 1872, S. 203.

Traditionell wurden noch im 19. Jahrhundert auf dem Niederfriedhof die Bewohner der Niederstadt beigesetzt, während die Bewohner der Oberstadt auf dem Oberfriedhof ihre letzte Ruhe fanden. Das Territorium reichte dabei im Osten bis zu der „westlichen Häuserreihe der Kreuz- und Stadthausgasse“ und im Westen bis zu dem „Barthel’schen Fabrikgrundstücken sammt Zubehör, und der Staupitzmühle“; hinzu kamen die eingepfarrten Rittergüter und Dörfer, „welche auf dem linken Muldenufer gelegen sind“.Carl W. Hingst: Chronik von Döbeln und Umgegend. Carl Schmidt, Döbeln 1872, S. 350. Von der Regel ausgenommen waren Erbbegräbnisse. Erst Anfang 1854 erhielt der Niederfriedhof eine Begräbnisordnung, um der „große[n] Unregelmäßigkeit in Anlegung der Gräber und Erbbegräbnisse“ entgegenzuwirken.Carl W. Hingst: Chronik von Döbeln und Umgegend. Carl Schmidt, Döbeln 1872, S. 351.

Im Jahr 1852 wurde der Friedhof nach Süden hin erweitert, indem man angrenzende Gartengrundstücke aufkaufte. Das neue Areal erhielt eine Friedhofsmauer; die Weihe des neuen Bodens erfolgte am 20. November 1853. Die alte Friedhofskirche war bereits 1850Carl W. Hingst: Chronik von Döbeln und Umgegend. Carl Schmidt, Döbeln 1872, S. 349; Carl Ferdinand Schmeißer: Geschichte der Niedergottesacker-Kirche zu Döbeln. Aus alten Urkunden und Chroniken gesammelt. Seidel, Döbeln 1856, S. 15; falsch 1856 bei Hans Friedrich Seidel: Döbeln. Begräbnisstätten von frühester Zeit bis in die Gegenwart (= Heimatgeschichtliche Beträge III). Saale-Druck, Naumburg 1993, S. 23. wegen Baufälligkeit geschlossen worden. Im Jahr 1856 wurde sie abgerissen. Der Neubau erfolgte auf dem neuen Friedhofsteil, rund 100 Meter südlich des bisherigen Kapellenstandorts. Die Grundsteinlegung fand am 26. März 1857 statt. Teile wie das spätgotische Maßwerk der Fenster, aber auch Teile der Inneneinrichtung, wurden von der alten Kapelle übernommen. Die Kirchweihe wurde am 23. November 1857 festlich begangen. Im Jahr 1864 erhielt der Friedhof abermals gen Süden eine Erweiterung mit Weihe im Jahr 1865. Im Jahr 1859 und 1868 wurde die Friedhofsmauer erneuert; der Verschönerungsverein der Stadt stiftete 1866 Bänke „mit kleinen Blumenanlagen in der Nähe“ auf dem Nieder- und Oberfriedhof.Carl W. Hingst: Chronik von Döbeln und Umgegend. Carl Schmidt, Döbeln 1872, S. 385.

Erweiterung zum Parkfriedhof mini|Blick vom neuen Parkfriedhof auf den Niederfriedhof, Kapelle noch mit Türmchen, Postkarte aus dem Jahr 1915 Im Jahr 1910 verstarb Kaufmann Carl Schlegel in Dresden und wurde auf dem Niederfriedhof beigesetzt. Schlegel, der im Mai 1910 der Stadt bereits den Marktbrunnen („Schlegelbrunnen“) gestiftet hatte, hinterließ der Stadt Döbeln im August 1910 testamentarisch rund 500.000 Reichsmark,Carl Schlegel stirbt vor 100 Jahren – Brunnen auf dem Obermarkt erinnert an den Wohltäter. In: Döbelner Allgemeine, 18. August 2010, S. 19. wovon 25.000 Mark für die Errichtung seines eigenen Grabdenkmals (1915, mit Grabfigur von Johannes Hartmann) und die gleiche Summe für die Erweiterung des Niederfriedhofs und die Pflege der Kirche St. Nicolai gedacht waren.Hans Friedrich Seidel: Döbeln. Begräbnisstätten von frühester Zeit bis in die Gegenwart (= Heimatgeschichtliche Beträge III). Saale-Druck, Naumburg 1993, S. 32. Der Industrielle Robert Tümmler hatte zur gleichen Zeit 30.000 Goldmark für den Kauf eines an den Niederfriedhof grenzenden Areals gestiftet, das auf sein Betreiben hin in Form eines Parkfriedhofs mit Erholungscharakter gestaltet wurde. Zur Inspiration war Tümmler mit Stadtbaudirektor Richter nach Hamburg-Ohlsdorf gereist, um den dortigen Parkfriedhof zu besichtigen.Andreas Tümmler: Verantwortung für die Gesellschaft. Robert Tümmler ruft Stiftungen für Belegschaft und Niederfriedhof ins Leben. In: Döbelner Allgemeine, 16. September 2009, S. 20. Der sogenannte „Parkfriedhof“ wurde ab 1910 an den Niederfriedhof südlich angrenzend angelegt und war zunächst vom Niederfriedhof getrennt. Neben dem eigenen monumentalen Grabdenkmal, das 1910 entstand und in dem zunächst Tümmlers 1905 verstorbene Gattin ihre letzte Ruhe fand, initiierte Tümmler auch den Bau einer Brunnenanlage, die rund 8000 Mark kostete.Dagmar Doms-Berger: Brunnen auf dem Niederfriedhof ist Teil der Robert-Tümmler-Stiftung. In: Döbelner Anzeiger, 26. Juni 2009, S. 17. Die Brunnenfigur Jesus. Der gute Hirte stammt von Johannes Hartmann und wurde von der Kunstgießerei Adalbert Milde & Co. Dresden gegossen. Sie war im Juni 1915 fertiggestellt; die Brunnenanlage mit Bänken wurde von Stadtbaumeister Richter geschaffen und am 24. Juni 1915 geweiht. Erst später wurde der Parkfriedhof mit dem Niederfriedhof verbunden.

Die Friedhofskapelle wurde im Inneren 1939 grundlegend saniert. Während des Zweiten Weltkriegs blieb der Friedhof unbeschädigt, doch verfielen zu DDR-Zeiten vor allem die Gehwege. Chronist Hans Friedrich Seidel bemerkte 1993, dass der Friedhof „in unseren Tagen [zwar] einen gepflegten Eindruck [bietet, …] jedoch noch immer die Nachwirkungen der sozialistischen Diktatur zu bemerken [sind]“.Hans Friedrich Seidel: Döbeln. Begräbnisstätten von frühester Zeit bis in die Gegenwart (= Heimatgeschichtliche Beträge III). Saale-Druck, Naumburg 1993, S. 36. Seit der Wende folgten daher umfassende Renovierungsarbeiten auf dem Friedhofsgelände, so wurden der Verwaltungsbau 2004 und 2009 grundsaniert sowie Einzelgrabstätten (u. a. Grabmal Tümmler) und die Gefallenengedenkstätten restauriert. Die Hauptwege des Friedhofs vor und hinter der Kapelle wurden ab 2006 saniert sowie ab 2010 Teile auch ausgebaut. Geld für den Friedhofsweg. In: Döbelner Allgemeine, 22. Juni 2011, S. 14. Die Sanierung des letzten Hauptwegabschnitts erfolgte 2013, 2019 erfolgten Wegerneuerungen um die Kapelle.