Das Unternehmen Zigeunerbaron war der Tarnname einer militärischen Operation der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg gegen sowjetische Partisanen im Raum südlich Brjansk vom 15. Mai bis 6. Juni 1943. Dabei wurde ein ganzes Panzerkorps gegen die Partisanen eingesetzt.
Planung Am 27. April erließ Hitler den „Grundlegenden Befehl Nr. 14 für die Bandenbekämpfung“. In ihm wurde festgelegt:
Das Unternehmen war als Treibjagd angelegt, in dessen Verlauf die Partisanenverbände von Osten nach Westen gegen das als Sperrlinie besetzte Desna-Ufer getrieben werden sollten.Erich Hesse: Der sowjetrussische Partisanenkrieg 1941 bis 1944. Göttingen 1993, S. 248.
Wegen des hohen Betriebsstoffverbrauchs musste die Genehmigung des OKW eingeholt werden.Klink: Gesetz des Handelns. S. 135.
Kräfteeinsatz Das Unternehmen wurde vom XXXXVII. Panzerkorps durchgeführt, ihm unterstandenAutorenkollektiv unter Leitung von Wolfgang Schumann: Deutschland im zweiten Weltkrieg. Berlin 1982, Bd. 3, S. 539.: 18. Panzer-Division 4. Panzer-Division 7. Infanterie-Division 10. Infanterie-Division (mot.) 292. Infanterie-Division 1 ungarische Panzerkompanie Panzeraufklärungsabteilung 9 1 Bataillon des Regiments Brandenburg 1 ungarische leichte DivisionHesse: Partisanenkrieg. S. 248. Ostkommando I/767 (einheimische Truppen)Hesse: Partisanenkrieg. S. 248. die Milizen KaminskisHesse: Partisanenkrieg. S. 248. Teil des III. Bataillons der Légion des volontaires français contre le bolchévismeJanusz Piekałkiewicz: Unternehmen Zitadelle. Augsburg 1997, S. 99. 1 flämisches BataillonPiekałkiewicz: Zitadelle. S. 99.
Dem standen auf Seite der Partisanen sechs Partisanen-Brigaden mit 6.000 Mann gegenüber.Hesse: Partisanenkrieg. S. 248.
Verlauf Laut Janusz Piekałkiewicz ließ die das Unternehmen in dem riesigen urwaldähnlichen Waldgebiet zu einem werden.Piekalkiewicz: Zitadelle. S. 99.
Der Fortgang wurde regelmäßig im Kriegstagebuch (KTB) des Wehrmachtführungsstabes im OKW vermerkt.Schumann: Deutschland im zweiten Weltkrieg. S. 539.
Am 23. Mai 1943 vermerkte das KTB z. B.:
Am 25. Mai:
Und am 27. Mai:
Laut der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges bombardierten an einzelnen Tagen bis zu 350 Flugzeuge die Partisanen.P.N. Pospelow (Vors. d. Red.): Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion. Berlin 1964, Band 3, S. 291.
Ergebnis Die Partisanenbrigaden wurden zerstreut, aber nicht vernichtet.Hesse: Partisanenkrieg. S. 248. Die restlose Beseitigung der Gefahr für die Nachschubwege konnte nicht einmal vorübergehend erreicht werden.Klink: Gesetz des Handelns. S. 137. Der Transportchef der Heeresgruppe Mitte Hermann Teske urteilte:
Das Kriegstagebuch des OKW wertete das Unternehmen als Erfolg. Die Eintragung vom 9. Juni 1943 lautet:
Zusammen mit den anderen Operationen gegen Partisanen beeinflusste das Unternehmen den Verlauf des Unternehmens Zitadelle. Es traten empfindliche Personalverluste ein, die durch den mangelhaft ausgebildeten Ersatz nicht voll ausgeglichen werden konnten. Der Munitionsmangel bei bestimmten Sorten wurde verschärft. Der Angriffsbeginn wurde verschoben.Klink: Gesetz des Handelns. S. 137.
Die immer wieder behauptete massive Einfluss der Partisanenaktivitäten auf die Vorbereitungen des Unternehmens ist hingegen ein Mythos der sowjetischen Geschichtspropaganda. Der tatsächliche Einfluss auf den Transport auf der Straße und auf den Schienen war minimal, so dass der Verkehr nie ernsthaft gefährdet und so nicht wahrnehmbar gestört wurde. Die sowjetischen Erfolgsmeldungen sind weit übertrieben. So meldeten die Partisanen Ende Juli 1943 die Zerstörung von 5.886 Schienen, die Wehrmacht meldete hingegen nicht einmal 500 Sprengstellen.Sebastian Stopper: Die Straße ist deutsch. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 59, 2011: 385-411.
Nach sowjetischen Angaben verlor die Wehrmacht 3.000 Soldaten bei den Kämpfen.Pospelow: Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges. Band 3, S. 291.
Einzelnachweise
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