Casino Royale ist ein Spielfilm aus dem Jahr 1967, eine Parodie auf die bis dahin erschienenen James-Bond-Filme. Der Titel entspricht dem ersten Bond-Roman von Ian Fleming.
Entstehungsgeschichte Bereits 1954 weckte der Roman Casino Royale das Interesse des Hollywood-Produzenten Gregory Ratoff. Für nur 6.000 US-Dollar erhielt er von Ian Fleming die Filmrechte. Damit ist Casino Royale der einzige Bond-Roman, für den sich die Produzenten Harry Saltzman und Albert Broccoli nicht die Rechte sichern konnten. (Im Jahr 1999, nach Broccolis Tod, erwarb seine Firma Eon bzw. Danjaq die Rechte an Casino Royale.)
Erst 1967 wurde aus dem Roman ein Kinofilm. Produzent Charles K. Feldman bemühte sich zunächst, Sean Connery als Hauptdarsteller zu gewinnen. Dieser verlangte aber eine Gage von einer Million US-Dollar, was Feldman damals zu teuer war. Später soll er zu Connery einmal gesagt haben, dass die Million am Ende doch billiger gekommen wäre als das nachher um den Film entstandene Chaos, das nicht zuletzt durch die Vielzahl anderer Stars zustande kam.
Feldman entschied sich dann dafür, aus dem Stoff eine Bond-Parodie zu machen. Er benötigte zahlreiche Regisseure und Drehbuchautoren, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Aufgrund der parodistischen Intention sowie der Schwierigkeiten am Dreh und beim Schnitt ähnelt der fertige Film Flemings Buch kaum. Einzig die Szenen, in denen Peter Sellers als einer von vielen in dem Film vorkommenden James Bonds im Casino gegen „Le Chiffre“ zum Glücksspiel antritt, sind in etwa dem Buch entnommen.
Handlung mini|280px|Bonds Villa: Mereworth Castle, Gemälde von 1746 SMERSH, eine weltweit agierende Geheimorganisation, hat damit begonnen, Agenten verschiedener Großmächte zu eliminieren und das Universum zu bedrohen. Die vier Geheimdienstchefs „M“, Ransome, Le Grand und Smernov sehen sich veranlasst, den bereits komfortabel im Ruhestand lebenden „Sir James Bond“ aufzusuchen, um ihn um Hilfe zu bitten. Der stotternde Bond ist sehr ungehalten darüber, dass sein Namensvetter eine Spur von toten weiblichen Agenten hinter sich herzieht und außerdem seine Fälle nur noch mit Hilfe unsinniger Gadgets des Waffenmeisters „Q“ zu lösen scheint. Bond hatte sich einst zurückgezogen, nachdem er seine heimliche Liebe Mata Hari hatte überführen und damit dem Henker ausliefern müssen.
Er will nichts mehr mit Geheimdiensten zu tun haben, selbst ein Schreiben der Königin kann ihn nicht umstimmen. Mit einem hinterhältigen persönlichen Angriff auf seine Abgeschiedenheit will „M“ ihn in den Dienst zurückzwingen. Bonds Herrenhaus wird von der britischen Armee bombardiert, wobei jedoch „M“ quasi als Kollateralschaden das Zeitliche segnet. Daraufhin erklärt sich Bond bereit, sich doch in den Fall einzumischen, was der beobachtenden SMERSH-Zentrale sofort zu Ohren kommt und bei ihr „Plan B“ auslöst, um Bonds Image als Saubermann zu zerstören und ihn selbst am besten gleich mit.
Bereits auf der Autofahrt nach Schottland zu „M“s Witwe, Lady Fiona McTarry, der er dessen bescheidene sterbliche Überreste überbringen soll, wird Sir James von Agenten überwacht. Lady Fiona ist von „M“s Ableben gar nicht überrascht. Ihr Hausgeist, der Graue Pfeifer, hat sie schon informiert und das ganze Haus ist voll mit trauernden weiblichen Verwandten, die sich an die Vorbereitung des traditionellen Haggis-Trauermahls machen. Einige von ihnen (allesamt Töchter von „M“, auch adoptierte) verhalten sich jedoch merkwürdig. An Bonds Jacke wird von Meg und Heather heimlich ein Knopf ausgetauscht, wobei man erfährt, dass „Mimi“ noch nie versagt habe. „Mimi“ entpuppt sich als Lady Fiona, die in der Nacht dann als „Witwenpflicht“ Bond zu verführen sucht – doch der bleibt standhaft. Da die Mädchen meinen, sie engagiere sich zu sehr für Bond, wird Mimi eingesperrt. Am nächsten Morgen geht Bond auf Moorschneehuhnjagd. SMERSH hat dafür einen Lastwagen zur mobilen Abschussbasis von fliegenden Moorschneehuhnbomben umfunktioniert, die von dem ausgetauschten Knopf an Bonds Jacke angelockt werden. Mimi hat sich befreien können und ist Bond bei der Abwehr von Bombengänsen behilflich. Anschließend will sie sich in ein Nonnenkloster in Berlin zurückziehen, das von der Internationalen Mütterhilfe geleitet wird.
Beim Verlassen von Schottland kann Sir James noch einen ferngesteuerten SMERSH-Milchlieferwagen eliminieren, der ihn in die Luft sprengen sollte. Bond sucht das Geheimdiensthauptquartier auf und wird dort strahlend von Miss Moneypenny begrüßt, der er einen dicken Kuss aufdrückt. Sie stellt sich jedoch als deren Tochter heraus. Und auch andere Personen erinnern Bond daran, dass er um einiges älter geworden ist. Er erfährt auch, dass die meisten Geheimagenten von weiblichen Gegenagenten in den Tod gelockt worden sind und der Ersatz-Bond nun für das Fernsehen arbeitet. Sein Neffe Jimmy Bond ist schon seit einiger Zeit in der Karibik verschollen. Bond beauftragt deshalb Moneypenny damit, neue „Bonds“ aufzutreiben, die allesamt als „Agent James Bond 007“ auftreten sollen.
Als erstes überzeugt sich Moneypenny mit „persönlichem Einsatz“ in der Nacht davon, dass Agent Cooper für den Job bestens geeignet ist. Sir James selbst engagiert die reichste Spionin der Welt, Vesper Lynd, die gerade den Eiffelturm gegen nukleare Sprengköpfe verscherbelt hat und sich die Nelson-Säule vom Trafalgar Square in London zugelegt hat. Vesper Lynd rekrutiert im Buckingham Club als nächsten Agenten Evelyn Tremble, der ein ausgezeichneter Baccara-Spieler sein soll – er hat zumindest ein Buch darüber geschrieben. Vesper lädt Tremble zu sich nach Hause ein, wo dieser auf ein amouröses Abenteuer hofft; als er eintrifft, entsorgt sie gerade eine Leiche. Nach einer (zumindest angedeuteten) Liebesnacht testet Vesper Trembles Verkleidungsfähigkeiten (als Hitler, Napoleon und Toulouse-Lautrec) und heuert ihn an, um den vermeintlichen Chef von SMERSH, den berüchtigten Le Chiffre, im Baccara zu besiegen. Im Hauptquartier erhält Tremble vom Waffenmeister „Q“ für seine Mission eine Armbanduhr mit eingebauter Fernsehkamera sowie eine schusssichere Weste.
Bond erfährt inzwischen, dass die Internationale Mütterhilfe in Berlin von SMERSH betrieben wird, und entschließt sich, seine uneheliche Tochter Mata Bond (aus der Liebschaft mit Mata Hari) auf die Organisation anzusetzen. Er ahnt jedoch nicht, dass der wahre Boss der Organisation, Dr. Noah, jemand aus seiner Umgebung und daher über jeden Schritt bestens informiert ist.
In Berlin findet Mata mit Hilfe des Agenten Carlton Towers heraus, dass Le Chiffre das Geld der Organisation beim Kartenspiel verloren hat und es mit einer Auktion von geheimen Filmaufnahmen wiederbeschaffen muss. Sollte Le Chiffre scheitern, müsste er sterben. Mata kann die Filme, die zur Versteigerung vorgesehen waren, vernichten und selbst entkommen. Le Chiffres Stellvertreter wird wegen seines Versagens in einer Telefonzelle in die Luft gesprengt, was auch die Berliner Mauer mit einreißt. Le Chiffre will sich nun das Geld bei einem Baccara-Turnier beschaffen.
Inzwischen kommen Evelyn Tremble (als James Bond 007) und Inspektor Mathis in Frankreich an, um im Casino Royale gegen Le Chiffre anzutreten. Doch im Hotel wartet schon Miss Langbein auf Tremble, die ihn im Auftrag von Le Chiffre verführen und töten soll. Tremble lässt sich tatsächlich verführen und mit einer Schlaftablette im Champagner einschläfern. Doch dann wird er von Vesper geweckt, die ihm mitteilt, sie habe „Miss Langbein schon erledigt“.
Im Casino muss Tremble feststellen, dass Le Chiffre eine Röntgenbrille trägt und so sämtliche Kartenwerte seiner Gegenspieler erkennen kann. Am Kartentisch verwickelt Tremble Le Chiffre in unsinnige Gespräche, in deren Verlauf Vesper die Röntgenbrille gegen eine normale Brille austauschen kann. So kann Tremble sein Spiel gegen Le Chiffre gewinnen. Doch draußen wird Vesper mittlerweile von Le Chiffres Leuten entführt. Tremble nimmt in „Pink-Panther“-Manier in seinem Formel-3-Rennwagen die Verfolgung auf.
Doch auch Tremble wird gekidnappt. Le Chiffre will von ihm das Geld zurück. Aber Tremble widersteht der Folter. Erst als tausend Schotten den Raum besetzen, wird die Lage problematisch. Unter ihnen ist auch Peter O’Toole, der Tremble fragt, ob er Richard Burton sei. Plötzlich taucht Vesper auf, die mit einem in einem Dudelsack versteckten Maschinengewehr alle Schotten erschießt. Dann richtet sie ihre Waffe gegen Tremble mit den Worten „Vertrauen sie nie einer reichen Spionin“, bevor sie ihn erschießt. Da Le Chiffre das Geld nicht mehr zusammenbringen kann, wird auch er von Dr. Noahs Männern erschossen.
Währenddessen ist Mata von einem UFO entführt worden. Agentin Mimi gibt Sir James und Moneypenny den Hinweis, im Casino Royale weiterzusuchen. Dort werden sie in das Geheimversteck von Dr. Noah gelockt, aber Sir James kann Dr. Noah enttarnen; es ist der kleine „verschollene Neffe“ Jimmy Bond, der mit Hilfe von Bakterien alle Frauen schön machen und alle Männer, die größer sind als er, vernichten will. Aber einer Agentin namens The Detainer gelingt es, Jimmy mit einer Pille, die explodiert, sobald Jimmy 400 Mal gehickst hat, zu vergiften.
Unterdessen entkommen Sir James, Mata, Moneypenny und Cooper, treffen auf Detainer und können gemeinsam fliehen. Während Cooper die Frauen in Sicherheit bringt, versucht Sir James Hilfe zu holen, wird aber von Vesper aufgehalten. Doch die französische Fremdenlegion, die amerikanische Kavallerie und ein Indianertrupp sind schon auf dem Weg. Bond greift sich Vesper, die vor Schreck einen Kassierer tötet. Es kommt zu einer wilden Schlägerei, bei der auch Jean-Paul Belmondo, George Raft und William Holden auftauchen. Schließlich hickst Jimmy ein letztes Mal und das Casino fliegt in die Luft. Im Himmel angekommen, wo bereits Sir James, Jimmy und Vesper eingetroffen sind, taucht der Geist von Evelyn Tremble auf und bringt Jimmy an einen viel heißeren Ort, nämlich in die Hölle.
Besetzung und Synchronisation Die deutsche Synchronfassung wurde von der Ultra-Film in München erstellt. Rolle Darsteller Synchronstimme Evelyn Tremble / James Bond / 007 Peter Sellers Manfred Schott Vesper Lynd / 007 Ursula Andress Eva Pflug Sir James Bond David Niven Friedrich Schoenfelder Le Chiffre Orson Welles Otto Preuss Mata Bond / 007 Joanna Pettet Heidi Treutler „Die Geheimwaffe“ / 007 Daliah Lavi Rose-Marie Kirstein Dr. Noah / Jimmy Bond Woody Allen Horst Sachtleben Agentin Mimi / Lady Fiona McTarry Deborah Kerr Gisela Uhlen Ransome William Holden Paul Klinger Le Grand Charles Boyer Harald Wolff McTarry / „M“ John Huston Klaus W. Krause französischer Legionär Jean-Paul Belmondo Klaus Kindler Dudelsackbläser Peter O’Toole Reinhard Glemnitz Miss Langbein Jacqueline Bisset Helga Trümper Paule Ronnie Corbett Gerd Duwner Inspektor Mathis Duncan Macrae Paul Bürks „Q“ Geoffrey Bayldon Thomas Reiner „Q“s Assistent John Wells Horst Raspe Kassierer im Casino Graham Stark Erich Ebert Le Chiffres Vertreter Vladek Sheybal Leo Bardischewski er selbst George Raft Wolf Petersen Cooper / 007 Terence Cooper Hans von Borsody Miss Moneypennys Tochter Barbara Bouchet Rosemarie von Schach Butterblümchen Angela Scoular Eva Berthold Peg Elaine Taylor Ruth Küllenberg Frau Hoffner Anna Quayle Ingrid Ohlenschläger Casino-Direktor Colin Gordon Jaspar von Oertzen Smernov Kurt Kasznar Eliza Gabriella Licudi Heather Tracey Crisp Meg Alexandra Bastedo Hadley Derek Nimmo Taxifahrer / Carlton Towers Bernard Cribbins Steuerungsagentin in Schottland Tracy Reed Casino-Türsteher John Bluthal Chic Chic Murray John Jonathan Routh Offizier der britischen Armee Richard Wattis Erster Dudelsackpfeifer Percy Herbert Agentin im Kontrollraum Penny Riley Hauptmann der Garde Jeanne Roland „M“s Chauffeur (Cameo) John Le Mesurier
Drehorte mini|Das Schloss der McTarrys, Killeen Castle
Vereinigtes Königreich:Siegfried Tesche: Der große James Bond-Atlas. Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2008, ISBN 978-3-577-07305-9, S. 96/97. Pinewood Studios, London