Die Mittlere Brücke (übliche Bezeichnung, offizieller Name aber Mittlere Rheinbrücke) ist der älteste Rheinübergang von Basel. Sie liegt bei Rheinkilometer 166,53Rheinschifffahrtspolizeiverordnung, mehrere Stellen und gilt als Grenze zwischen Hochrhein und Oberrhein. Die erste Brücke an diesem Ort wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut und war damals die unterste feste Brücke bis zur Mündung. Sie stand – mit Veränderungen – bis 1903, als sie durch die heutige Brücke ersetzt wurde. Bis zur Eröffnung der Wettsteinbrücke im Jahr 1879 war die Mittlere Brücke der einzige Basler Rheinübergang.Noch vor der Wettsteinbrücke verband vom Januar bis zum März 1857 kurzfristig die Dufourbrücke, eine militärische Pontonbrücke, die beiden Rheinufer. Obwohl es eine militärische Brücke war, stand sie der Bevölkerung offen und wurde rege benutzt. Auch die Eisenbahnbrücke wurde vor der Wettsteinbrücke gebaut, sie stand aber nicht zur allgemeinen Benutzung offen, und sie stand ohnehin weit ausserhalb der damaligen Stadt.

Erste Brücke mini|Basel vor 1356. Das sogenannte «älteste Stadtbild von Basel» ist die einzige bekannte Stadtansicht von vor dem grossen Erdbeben. Holzschnitt aus dem 15. Jahrhundert, nach einem verschollenen Gemälde. Urheber unbekannt Das exakte Baudatum der ersten Basler Rheinbrücke ist nicht bekannt. Zum ersten Mal erwähnt wird sie in zwei Urkunden aus dem Jahre 1225, mit denen die Klöster St. Blasien und Bürgeln als Gegenleistung für ihren finanziellen Beitrag an den Brückenbau vom Brückenzoll befreit werden. Deshalb wird als Baujahr meistens 1225 genannt. Es ist jedoch unklar, ob die Brücke zu diesem Zeitpunkt bereits stand, gerade in Bau oder gar erst geplant war. Zum ersten Mal konkret fassbar ist die fertiggestellte Brücke für das Jahr 1244, in dem ein «Johannes an der Rheinbrücke» urkundlich erwähnt wird.Nach dem grossen Erdbeben von 1356 wütete in Basel ein mehrere Tage dauernder Grossbrand, dem auch das gesamte Staatsarchiv zum Opfer fiel. Deshalb gibt es nur wenige schriftliche Quellen über die Zeit vor 1356. Auch die erwähnten Dokumente zur Kostenbeteiligung der Klöster St. Blasien und Bürgeln wurden nicht in Basel, sondern in den Klöstern gefunden.mini|Basel um 1493. Holzschnitt von Wilhelm Pleydenwurff in der Schedelschen Weltchronik mini|Die Brücke um 1760. Kupferstich von David Herrliberger nach einer Vorlage von Emanuel Büchel

Als treibende Kraft hinter dem Brückenbau kann, auch ohne genaues Baujahr, Heinrich von Thun betrachtet werden, der von 1216 bis 1238 Fürstbischof von Basel war. Dabei kann die Erschliessung der Gotthardroute nicht der Auslöser gewesen sein, denn diese erlangte erst im 14. Jahrhundert ihre grosse Bedeutung für den Fernhandel.Ausserdem wurden für den Fernhandel wo immer möglich Wasserwege benutzt, so dass die Rheinbrücke diesbezüglich keinen nennenswerten Vorteil bedeutet hätte. Der Basler Historiker Werner Meyer vermutet, dass der Bau der Brücke ein Bestandteil der regionalen Machtpolitik Heinrichs war, der nach dem Tod des letzten Zähringers von 1218 erfolglos versuchte, seine Herrschaft nach Norden auszudehnen. Die Zähringer hatten im 12. Jahrhundert in der Region eine Vormachtstellung erlangt und diese unter anderem durch den Bau der Brücke in Rheinfelden gefestigt. Nach dem Aussterben der Dynastie entbrannte wohl ein Verteilungskampf um die verwaisten Gebiete. Auch der Einbezug der Klöster St. Blasien und Bürgeln, die mit dem Aussterben der Zähringer ihren Schutzherrn verloren hatten, kann vor diesem Hintergrund gesehen werden.W. Meyer, Beitrag Die zähringisch-bischöfliche Auseinandersetzung um Kleinbasel. In: Jahresbericht 1980 der Archäologischen Bodenforschung. Publiziert in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Band 81, Basel, 1981.

Bereits in römischer Zeit hatten mehrere Brücken den Rhein überspannt, so z. B. in Augusta Raurica (Augst) und Brisiacus (Breisach) (aber keine in Basel), doch waren diese nach dem Abzug der Römer verfallen. Erst im Hochmittelalter entstanden wieder feste Brücken über den Rhein. Zum Zeitpunkt des Baus der Basler Brücke standen oberhalb von Basel, also zwischen Basel und dem Bodensee, bereits mehrere Brücken (so z. B. in Rheinfelden, Laufenburg und Konstanz), unterhalb von Basel, also zwischen Basel und der Nordsee, stand aber noch keine. Erst 1263 wurde in Breisach, rund 50 km nördlich von Basel, die erste Brücke über den Oberrhein gebaut, die nächste kam gar erst 1388 in Strassburg dazu. (Die Breisacher Brücke wird teilweise bereits auf 1212 datiert, so dass sie also auch schon vor der Basler Brücke gestanden wäre.)

Der Standort bei der Birsigmündung bot sich an, da hier das Grossbasler Ufer sehr niedrig ist.

Bau mini|Die Brücke um 1642. Kupferstich von Matthäus Merian, aus der Topographia Germaniae, Band «Helvetiae, Rhaetiae et Valisiae»|links Im Basler Staatsarchiv liegt eine auf den 2. Dezember 1223 datierte Urkunde über einen Kredit, den der Bischof bei Juden aufnahm und wofür er als Pfand Teile des Münsterschatzes hinterlegte. Ein Zusammenhang mit dem Brückenbau wird zwar nicht erwähnt, kann aber vermutet werden. Zu dieser Zeit waren wegen des Zinsverbots für Christen Kreditaufnahmen bei Juden üblich, und auch die Hinterlegung sakraler Objekte als Pfand war nichts Aussergewöhnliches.Caspar Battegay, Naomi Lubrich: Jüdische Schweiz. 50 Objekte erzählen Geschichte. Christoph Merian Verlag, Basel 2018, S. 34 Die älteste Urkunde, die den Brückenbau erwähnt, datiert von 1225 und betrifft Beiträge der Klöster St. Blasien und Bürgeln.

Auf der Kleinbasler Seite des Rheins wurden fünf Steinpfeiler erstellt. Auf der Grossbasler Seite hingegen war das Flussbett zu tief und die Strömung zu stark, als dass dort mit den Mitteln des 13. Jahrhunderts Steinpfeiler hätten gemauert werden können. Deshalb wurden auf dieser Seite acht Stelzen aus Eichenpfählen errichtet.

Die Brücke hatte kein Geländer und die Lattung des Verkehrswegs («Fahrbahn» wäre nicht ganz richtig, denn wahrscheinlich waren die Wagen gegenüber Fussgängern und Reitern in der Minderheit) lag lose auf den hölzernen Trägern, damit die Brücke bei Eisgang keinen Stau erzeugte. Auch liess die Brücke sich so langstreckig unbrauchbar machen, falls im Kriegsfall sich ein Gegner des rechten Rheinufers mit Kleinbasel bemächtigte.

Betrieb und Umbauten mini|Die Brücke um 1854/55, also noch vor dem letzten grösseren Umbau von 1858. Linke Hälfte einer Stereo-Fotografie von Claude-Marie Ferrier mini|Die Brücke nach dem Umbau von 1858 mini|Diese Steinbank von 1858 steht heute in den Langen Erlen Die Holzpfeiler der linken Rheinseite wurden immer wieder unterspült und durch Hochwasser, Treibgut oder Eisschübe beschädigt. So soll etwa im Jahre 1275 eine gewaltige Flut die Brücke zum Einsturz gebracht und etwa hundert Bürger in den Tod gerissen haben. Im Juli 1424 wurden drei Holzpfeiler fortgespült, worauf wenige Tage danach fünfzehn Personen von der notdürftig reparierten Fahrbahn in den Rhein stürzten. Aber auch die Steinpfeiler mussten laufend gegen die drohende Unterspülung gesichert und von Beschädigungen repariert werden. Diese hohen Unterhaltskosten konnten durch den Brückenzoll nur teilweise gedeckt werden.

1392 wurde anlässlich der Vereinigung von Gross- und Kleinbasel auf dem fünften, damals äussersten Steinpfeiler eine kleine Kapelle, das «Käppeli», errichtet. Die Kapelle diente gleichzeitig zur Beschwerung des Pfeilers, der damit den Hochwassern besser standhalten sollte.

1457 wurde der steinerne Teil der Brücke um ein sechstes Joch verlängert, welches nach dem Bürgermeister Hans von Bärenfels das «Bärenfelser Joch»«Joch» bedeutet hier Pfeiler. Diese alte Bezeichnung kommt daher, dass früher die Pfeiler von Holzbrücken die Form eines Jochs hatten, auf das dann die Fahrbahn gelegt wurde. genannt wurde. Im Gegenzug fiel ein Holzpfeiler weg.

Ursprünglich war der Grossbasler Brückenkopf durch ein Stadttor, das Rheintor, gesichert. Das Baudatum des Rheintors ist nicht belegt, es ist aber wahrscheinlich, dass es zusammen mit der Brücke erstellt wurde. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts, also bis zur Vereinigung von Gross- und Kleinbasel, war der letzte Teil der Brücke auf der Grossbasler Seite zudem als Zugbrücke ausgeführt. Später entwickelte sich das Rheintor immer mehr zu einem Verkehrshindernis, so dass es 1839, also schon 20 Jahre vor dem Grossratsbeschluss zur Stadterweiterung und der Schleifung der Stadtmauern, abgerissen wurde.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Kleinbasler Ufer die Toranlage mit dem ersten Pfeiler abgerissen. 1858 reduzierte man die sieben hölzernen Joche um eines, verschob die Kapelle auf das neuerrichtete nunmehr sechste Joch und beschwerte die übrigen Pfeiler mit 22 Steinbänken. Diese Steinbänke gelangten nach dem Abbruch der ersten Brücke in den Margarethenpark und in die Langen Erlen, wo sie noch heute zu finden sind. Ab 1895 führte auch die erste Basler Strassenbahnlinie, die die beiden Basler Bahnhöfe verband, über die Brücke.

Die Richtstätte am Käppelijoch Die Brücke diente auch als Richtstätte. Beim Käppelijoch wurde das Todesurteil durch Ertränken vollstreckt, indem Kindsmörderinnen, Ehebrecherinnen und Diebinnen an Händen und Füssen gefesselt in den Fluss geworfen wurden. Falls sie auf der Höhe des etwa 800 m entfernten Thomasturms, also an der damaligen Stadtgrenze, noch lebend aus dem Rhein gefischt wurden (was vor allem die Nonnen des Klingentalklosters zum grossen Unwillen der Obrigkeit immer wieder taten), wurde ihnen die Todesstrafe erlassen und sie wurden stattdessen aus der Stadt verbannt.Vgl. Elisabetha Rink, Trudi Wenk: Leben und Hinrichtung der Anna Hauswirth 1724–1759. In: Jahrbuch z’Rieche 1987 (online) Wie weit dabei auch damals bereits bekannte WiederbelebungsmethodenVgl. Jens Scholz, Peter Sefrin, Bernd W. Böttiger, Volker Dörges, Volker Wenzel: Entstehung der modernen Notfallmedizin. In: Notfallmedizin. Georg Thieme Verlag, 2012, S. 29. angewandt wurden, ist nicht belegt. Wiederbelebungsmassnahmen bei Ertrunkenen und auch Hingerichteten, die vom Bürsten der Extremitäten bis hin zu Intubationen gingen, waren seit der frühen Neuzeit europaweit bekannt und verbreitet. So oder so überlebten aber offenbar «zu viele» Verurteilte, so dass das Ertränken 1634 durch Enthaupten ersetzt wurde.Das letzte Todesurteil wurde in Basel am 4. August 1819 vollzogen, als drei Männer enthauptet wurden. 1872 wurde in Basel-Stadt die Todesstrafe abgeschafft.

Eine weitere Strafform, die vom Käppelijoch aus erfolgte, war das Schwemmen: Gefesselt und an ein Seil gebunden wurden die Sträflinge dreimal unter der Rheinbrücke durchgeschwemmt.

Das Ende Durch die Regulierung des Oberrheins im 19. Jahrhundert erhöhte sich die Strömungsgeschwindigkeit des Rheins bis oberhalb von Basel merklich.Heute wird die Strömung durch die Staustufe der Kraftwerke Birsfelden und Kembs wieder gebremst. Dies führte zu einer verstärkten Erosion und damit zu einer Vertiefung des Flussbetts und beschleunigte die Unterspülung der Pfeiler, deren mittelalterliche Fundamente dieser erhöhten Belastung nicht mehr gewachsen waren. Das Bärenfelserjoch wurde so stark beschädigt, dass wegen akuter Einsturzgefahr ein neuer, stärkerer Pfeiler gebaut werden musste. Die nötigen Unterhaltsarbeiten wurden immer aufwändiger und teurer, so dass der Grosse Rat 1899 beschloss, die Brücke durch einen Neubau zu ersetzen. Gegen den Beschluss wurde das Referendum ergriffen, er wurde aber noch im gleichen Jahr durch die Volksabstimmung bestätigt.basler-bauten.ch

Am 27. Mai 1903 diente die alte Rheinbrücke letztmals dem Verkehr; am Tag darauf begann der Abbruch.

Heutige Brücke mini|Alte Rheinbrücke im Jahr 1902 mini|Notbrücke 1903–1905