miniatur|Badebekleidung um 1910
Als Badebekleidung wird Kleidung bezeichnet, die zum Schwimmen oder Baden getragen wird. Sie bedeckt in jeweils unterschiedlichem Ausmaß den Körper. Frauen tragen zum Schwimmen in der Regel einen Badeanzug (schweiz. Badkleid, Badekleid). Ein zweiteiliger Anzug wird als Bikini bezeichnet. Männer tragen in der Regel Badehosen oder einteilige Schwimmanzüge.
Badekleidung für beide Geschlechter mini|Badeanzug für Damen, 1858 mini|Badekleidung für Männer erlaubte mehr Haut, 1891
Gesellschaftsbäder, Badanlagen oder Badestrände, wie wir sie heute kennen, wurden erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts populär. Davor wurde – wenn überhaupt – nur in den bereits seit dem Mittelalter bekannten Bade- oder Kurorten gebadet und das meistens in Wannenbädern. In diesen hatte die Badekleidung keine wesentliche Bedeutung, die Privatsphäre erlaubte nacktes Baden und durch die fehlende Schwimmmöglichkeit war auch schwere Baumwollkleidung kein Problem. Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten richtigen (Strand-)Badeanstalten in Europa auf. Diese wurden zunächst – streng nach Geschlechtern getrennt – in möglichst undurchsichtiger und wollener Kleidung besucht, alles andere galt insbesondere bei Damen als unsittlich. Gewobene Baumwolle ist wenig elastisch, wird nass sehr schwer und trocknet nur sehr langsam. Während um 1900 immerhin für den Turn- und Schwimmsport der Herren bequemere und elastischere Wirk- und Strickwaren gesellschaftsfähig wurden, wurden Frauen, die sich ebenso kleideten, gebüßt oder gar verhaftet, so etwa Annette Kellerman 1907.Monika Burri: Bodywear – Geschichte der Trikotkleidung, 1850–2000; ISBN 978-3-0340-1132-7; Chronos Verlag; Zürich 2012; Seite 235 Eigentliche Sport- und Bademode begann sich erst mit dem Hygiene- und Gesundheitsdiskurs, dem Reformkleiddiskurs der Körperkulturbewegungen und den damit einhergehenden Gesundheits- und Lebensberatungen herauszubilden.Monika Burri: Bodywear – Geschichte der Trikotkleidung, 1850–2000; ISBN 978-3-0340-1132-7; Chronos Verlag; Zürich 2012; Seite 246, nach Laqueur und Callagher 1987 Diese Bewegungen ermöglichten die breite Akzeptanz bequemerer Bekleidung insgesamt und der Befreiung des weiblichen Körpers insbesondere vom Korsett. Badebekleidung im heutigen Sinn ist seit der Zwischenkriegszeit populär. Die erste schweizerische Bade-Modeschau fand 1930 im Lido (Seebad) in Luzern statt.Monika Burri: Bodywear – Geschichte der Trikotkleidung, 1850–2000; ISBN 978-3-0340-1132-7; Chronos Verlag; Zürich 2012; Seite 256
Badekleidung wurde im frühen 20. Jahrhundert immer häufiger auch an Stränden gefordert, wo zuvor das Nacktbaden toleriert worden war. Neben dem vorgeblichen Sittenzerfall durch das Nacktbaden bestehen durchaus kommerzielle Interessen daran, Badekleidung vorzuschreiben: Die Bademode, an der ein ganzer Industriezweig gut verdient und mit der sich Personen auch gern selbst in Szene setzen, ist an Nacktbadestränden bedeutungslos.Rüdiger Fikentscher (Hrsg.): Badekulturen in Europa; Mitteldeutscher Verlag; Halle (Saale) 2010; ISBN 978-3-89812-724-0; Seite 12 Dem Schutz vor Kälte und Nässe dient die zeitweise immer knapper werdende Bademode ebenfalls nicht.
Obwohl sie bei Frauen öfter anzutreffen sind, werden Badekappen sowohl von Männern als auch von Frauen getragen. Dies ist zum einen auf die frisurschützende Funktion einer Bademütze und zum anderen auf die nur noch in wenigen Bädern bestehende Pflicht zum Tragen einer solchen Kopfbedeckung zurückzuführen. Während Männer beim Schwimmsport oft mit rasiertem Haupthaar antreten, verwenden Frauen ebenfalls eng anliegende Badekappen.
Badeschuhe, meist in Form von Sandalen, dienen im Schwimmbad als Schutz vor Fußpilzerkrankungen, am steinigen Strand – ebenso wie Schwimmschuhe – hingegen eher der Vorbeugung vor Fußverletzungen. Hier werden sie oft auch während des Schwimmens anbehalten.
Wettkampfschwimmkleidung kann je nach Ausführung für Männer und Frauen auch lange Ärmel und Beine haben. Verbreitet sind neben herkömmlichen Schwimmanzügen und Hosen auch solche, die aufgrund ihrer glatten Oberfläche den Wasserwiderstand vermindern und damit die Geschwindigkeit erhöhen können. Es gibt Badeanzüge mit spezieller Oberflächenstruktur, die einen geringeren Wasserwiderstand erzeugen sollen. Einige Hersteller bieten solche Badeanzüge ausdrücklich für Männer und Frauen an, andere Hersteller differenzieren Männer- und Frauenmodelle. Diese „Bodyskin“-Anzüge beinhalten meistens auch den Kunststoff Neopren, da die Oberfläche bei diesem Stoff noch geringeren Widerstand ermöglicht.
Moderne Badebekleidung für beide Geschlechter besteht aus Stoffen, die sich kaum mit Wasser vollsaugen und im nassen Zustand nicht schwerer werden. Auch trägt man sie direkt auf der Haut, also ohne Unterwäsche. In einigen Frei- und Schwimmbädern ist das Tragen von langen Shorts verboten. Es werde viel Wasser mit den Bermudashorts aufgesaugt und aus dem Becken getragen. Dieses Wasser müsse dann wieder aufgefüllt werden und mache die Umgebung des Bassins rutschig. Auch könnten sich in den Taschen der Shorts Abfälle wie Taschentücher oder Zigarettenstummel befinden.Schwimmbad-Bermudas runter! In: Die Zeit, Nr. 14/2008
Unterschied zwischen Freizeit und Sport mini|Badebekleidung bei den Olympischen Spielen 1896 Je nachdem ob Badebekleidung für den professionellen Schwimmsport oder das Baden in der Freizeit gedacht ist, bestehen deutliche Unterschiede. Beim Freizeitschwimmen sind gute Schwimmleistungen eher nebensächlich, während Bequemlichkeit, Zugang zu Sonnenlicht, Erotik und das Vorhandensein von Taschen wünschenswert sind. Im Profisport ist es im Gegensatz dazu wünschenswert, dass die Kleidung wenig Reibung erzeugt und nicht behindert. Viele Männer tragen beim Freizeitschwimmen Badehosen mit weiten Beinen, die bis zu den Knien reichen können (Badeshorts). Vorteile dieser Freizeitvariante sind Bequemlichkeit, Mode und die Tatsache, dass Badeshorts auch vor oder nach dem Baden, beispielsweise auf dem Weg nach Hause, weiterhin getragen werden können, da diese einen Großteil der Oberschenkel bedecken und damit unter Umständen kaum von herkömmlichen Shorts zu unterscheiden sind. Insbesondere bei jüngeren Generationen wird vermehrt eine Unterhose unter den Badeshorts getragen. Vorteil ist, dass der Schwimmer bei Verlust der Badeshorts, beispielsweise durch Sprünge oder absichtliches Herunterziehen durch andere, nicht nackt ist, was bei vollen Bädern zu sehr unangenehmen und peinlichen Situationen führen kann. Unter rationalen Gesichtspunkten gibt es aber keinen wirklichen Vorteil. In vielen Schwimmbädern ist das Tragen von Unterwäsche im Wasser hingegen aus hygienischen Gründen verboten. Des Weiteren steigt die Gefahr von Nieren- und Blasenentzündungen. Bei Frauen hat sich der Bikini im Freizeitbereich durchgesetzt. Dies liegt einerseits am größten Zugang zum Sonnenlicht und andererseits daran, dass mit einem Zweiteiler am besten modische Akzente gesetzt werden können. Aber auch Tankinis und Burkinis sind im Freizeitbereich eine oft gesehene Alternative hierzu, welche jedoch ähnlich wie eine Badeshort sehr viel Wasser aufsaugen und über sehr ungünstige Strömungseigenschaften verfügen.
Wird Schwimmen als Sport (sowohl Breiten- als auch Leistungssport) ausgeübt, kommt fast ausschließlich eng anliegende Badebekleidung zum Einsatz. Dies liegt an dem weit verringerten Wasserwiderstand im Vergleich zu herkömmlicher Badebekleidung. Weiterhin saugt sich diese regelmäßig weniger stark mit Wasser voll und besitzt strömungsgünstigere Eigenschaften aufgrund anderer Materialien. Männer tragen hierbei knappe Badehosen ohne Beine (Briefs), Badehosen mit langen Beinen bis knapp über Kniehöhe (Jammer) oder auch Varianten dazwischen. Frauen tragen in der Regel einen eng anliegenden Badeanzug, welcher ebenfalls eine bessere Strömungseigenschaft verfügt als ein Zweiteiler. Im Freiwasser wird insbesondere bei kälteren Temperaturen oftmals auf einen Neoprenanzug zurückgegriffen. Im Sommer können zusätzlich UV-Shirts getragen werden, um vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Auch wenn bei dieser Form der Badebekleidung der Hauptaspekt auf dem sportlichen Schwimmen liegt, gibt es dennoch eine Vielzahl verschiedener Formen, Varianten und Farbkombinationen, um modische Aspekte nicht beiseite zu lassen. Daneben werden oft Schwimmbrillen getragen, welche die Augen vor Bakterien schützen und die Orientierung verbessern sollen. Auch Badekappen und eine Ganzkörperrasur kommen zur Begünstigung der Strömungseigenschaften und des verbesserten Wassergefühls vermehrt zum Einsatz.
Bei Wettkämpfen tragen Schwimmer beiderlei Geschlechts sehr dicht anliegende Badeanzüge, die möglichst viel Haut verdecken. Diese sind oft aus besonderen Materialien, die im Vergleich zu gewöhnlicher Badekleidung eine noch geringere Reibung aufweisen. Dies stand des Öfteren unter Kritik, weil einige Kritiker der Ansicht sind, dass der Schwimmsport so zur Materialschlacht verkomme. Die FINA hat deshalb spezielle Richtlinien erlassen, welche Schwimmanzüge bei internationalen Wettkämpfen zugelassen sind.Liste der von der Fina zugelassenen Badekleider und Reglement für die Zulassung neuer Badekleider Die Richtlinien schreiben vor, dass die Schwimmkleidung für Herren höchstens vom Bauchnabel bis zu den Knien und für Damen höchstens vom Nacken bis zu den Knien reichen dürfen. Sie müssen außerdem aus „textilem Material“ sein. Die nationalen Verbände folgen der Vorlage in weiten Teilen. Wettkampfspezifische Schwimmbrillen sind noch einmal etwas flacher und weniger auf Komfort ausgelegt als die allgemeine Variante. Badekappen gehören bei wichtigeren Wettkämpfen ebenso zum obligatorischen Spektrum der Badebekleidung, da Haare eine (geringe) Bremswirkung im Wasser entfalten. Daher wird auch eine Ganzkörperrasur, insbesondere bei wichtigen Wettkämpfen, von Athleten beiderlei Geschlechts durchgeführt.
Spezielle Badebekleidung wird auch während eines Triathlons getragen. Hierbei wird zwischen Ein- und Zweiteilern unterschieden, welche unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich bringen. Tendenziell eignen sich Einteiler dabei eher bei kürzeren Distanzen. Letztlich ist die Wahl jedoch Geschmackssache. Sowohl Ein- als auch Zweiteiler werden während eines Triathlons grundsätzlich nicht gewechselt. Sie bestehen aus Materialien, welche auch für das Laufen und Radfahren geeignet sind.
Geschichte
mini|Schwer trocknende, primär nicht durchscheinende Badebekleidung einer Familie im Jahr 1927 In der Antike, also auch in den Thermen Roms, war das Nacktbaden zumindest für Männer generell üblich. Nach dem Untergang des Römischen Reiches scheint dann Badebekleidung (und Badekultur ganz generell) für eine längere Zeit in Vergessenheit geraten zu sein. Nach einer kurzen Renaissance des Badens in Form von Badestuben zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert verschwand das Baden wegen damit (angeblich) übertragener Krankheiten wie der Syphilis wieder.
Im 18. Jahrhundert kamen dann wieder vermehrt Meinungen auf, die den Vorteil des Waschens mit Wasser betonten. Es wurde, auch an Stränden, nur nach Geschlechtern getrennt gebadet. Um diese Geschlechtertrennung zu wahren, kamen am Meer etwa Badekarren in Mode. Durch die Schwierigkeit, im Wasser die Geschlechter voneinander getrennt zu halten, wurde Badebekleidung nun erstmals überhaupt nötig. Bei der Eröffnung der ersten Volksbäder mit Schwimmhallen zu Ende des Jahrhunderts blieb die Badekleidung erhalten, obwohl die Geschlechtertrennung durch Stundenpläne hier wieder sehr einfach durchführbar war.
Die frühen Badeanzüge bestanden aus Woll- oder Baumwollstoff oder Trikot, der im nassen Zustand schwer ist und nur langsam trocknet. Die primäre Aufgabe der Badeanzüge jener Zeit war, im Wasser nicht durchscheinend zu werden. Zuweilen wurden in die Röcke Gewichte eingenäht, damit sie auch im Wasser ungefähr die Form behielten.
Badekleidung für Frauen miniatur|Die Stummfilmdarstellerin Edith Roberts 1918 am Strand