Der FK Vojvodina (offiziell auf Serbisch: Фудбалски клуб Војводина – ФК Војводина, Fudbalski klub Vojvodina – FK Vojvodina), gewöhnlich Vojvodina, ausgesprochen , meist kurz Voša, ist die Fußballabteilung von SD Vojvodina, einem serbischen Sportverein aus Novi Sad, der gegenwärtig in der SuperLiga spielt, der höchsten Spielklasse im serbischen Fußball.

In seiner über 100-jährigen Geschichte war der FK Vojvodina einer der erfolgreichsten Vereine im ehemaligen Jugoslawien. Zu den Zeiten des Sozialistischen Jugoslawien (1945–1992) wurde Vojvodina 1966 und 1989 Jugoslawischer Meister, 1957, 1962 sowie 1975 Vizemeister und beendete die Saison 1991/1992 auf den 3. Platz. Das jugoslawische Pokalfinale erreichte der Verein 1951 und belegt zudem in der ewigen Tabelle der jugoslawischen Liga den 5. Platz.Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation: Ewige Tabelle der 1. jugoslawischen Fußballliga.

Auf internationaler Bühne erreichte Vojvodina 1967 im Europapokal der Landesmeister das Viertelfinale, verlor jedoch knapp gegen den späteren Sieger Celtic Glasgow. 1968 erreichten sie erneut das Viertelfinale eines europäischen Pokals, diesmal des Messestädte-Pokals, dem Vorläufer des UEFA-Pokals. Der erste europäische Titel war der Gewinn des Intertoto-Cup 1976. 1977 folgte der Gewinn des Mitropapokals, wo Vojvodina bereits 1957 das Finale erreichte. Der letzte große internationale Erfolg war das Erreichen des UEFA-Intertoto-Cup-Finales 1998, wo man Werder Bremen unterlag.

Von 1993 bis 1997 erreichte der Klub in der 1. Liga der Bundesrepublik Jugoslawien (1992–2003) fünfmal in Folge den 3. Platz und war Finalist des Pokals 1997. Der Verein wurde 2009 einmalig Serbischer Vizemeister und erreichte den 3. Platz 2007, 2008, 2011, 2012, 2013, 2017 und 2020. Zudem gewann man 2014 und 2020 den Serbischen Pokal, in dem man auch 2007, 2010, 2011, 2013 und 2024 das Finale erreichte. Damit ist Vojvodina, neben den Belgrader Klubs Roter Stern und Partizan, der zurzeit dritterfolgreichste Verein in Serbien und ein ständiger Konkurrent um die Meisterschaft und den Pokalsieg.

Geschichte 1914–1918: Die Gründungsjahre 300px|mini|Gemälde der Proklamation der Serbischen Vojvodina durch die Nationalversammlung 1848. Am 6. März 1914 traf sich in Novi Sad eine Gruppe von Studenten des serbisch-orthodoxen Gymnasiums in der Weberei von Sava Šijakov, die sich in der Temeriner-Straße 12 befand, und gründet mit Hilfe von serbischen Intellektuellen und Handwerker einen Fußballverein. Der Verein wurde im Verborgenen gegründet, weil die ehemaligen österreichisch-ungarischen Behörden größere organisierte Versammlungen von serbischen Jugendlichen in der Region Vojvodina nicht erlaubten, die überwiegend von Serben bewohnt war. Den Verein erhielt den Namen Vojvodina, um die Erinnerung an die Gebietseinheit der Serben in der Serbischen Vojvodina am Leben zu halten, in dem die Serben, zumindest auf dem Papier, die gleichen Rechte wie alle anderen Bürger in der Habsburger Monarchie erhielten, für die sie zuvor seit Jahrhunderten gekämpft hatten. Die Vojvodina war eine Art serbisches Herzogtum, dessen Name sich aus dem serbischen Vojvodstvo für Heerführung bzw. von Vojvoda ableitete, was „derjenige, der Krieger anführt“ oder Heerführer bedeutet.

Unter den Gründern an diesem Tag befanden sich unter anderem der zukünftige Textilindustrielle Milenko Šijakov und der zukünftige Universitätsprofessor Vladimir Milićević. Milenko Hinić, der später Chemiker wurde, sowie die zukünftigen Rechtsanwälte Radenko Rakić und Kamenko Ćirić, ebenso wie Gojko Tosić, Đorđe Živanov, Branko Gospođinački und der zukünftige Doktor der Rechtswissenschaften Kosta Hadži.

Das erste Spiel der Vereinsgeschichte war gegen den lokalen Verein FK Šajkaš in der Ortschaft Kovilj, das man mit 5:0 gewann. Vojvodina spielte in leuchtend blauen Farben sowie weißen Shorts, und die Mannschaft bestand vor allem aus Schülern und Studenten, die in den Sommerferien aus Prag, der heutigen Hauptstadt der Tschechischen Republik, nach Hause kamen. Schließlich sollte es bei diesem einzigen Spiel bleiben, denn kurz danach brach der Erste Weltkrieg aus. Daraufhin verboten die österreichisch-ungarischen Behörden alle serbischen Organisationen und Vereine in Novi Sad, und Vojvodina stand zum ersten Mal kurz vor der Auflösung.

1918–1941: Das Millionärs-Team 200px|mini|Die Flagge des FK Vojvodina. Während des Ersten Weltkrieges kam der Sport zum Erliegen, doch nach der Befreiung der Region Vojvodina durch die Streitkräfte Serbiens, wurde die Arbeit im Verein auf Initiative der serbischen Studenten aus Prag wieder fortgesetzt. Als erster Vereinspräsident wurde Milenko Šijakov ausgewählt, der Sohn des Weberei-Besitzers Sava Šijakov, der Ort der Versammlung, wo zuvor Vojvodina gegründet wurde. Der Doktor Živko Bajazet, der langjährige Präsident der kaufmännischen Bank Serbiens sowie Mitglied des Sokol-Turnbewegung, sollte der erste Sekretär des Vereins werden. Vojvodina wurde ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und durch großzügige Spenden wie z. B. von Maks Grin und Daka Popović, den Novaković-Brüdern, Ilija Balabušić und durch Mitglieder des Dunđerski-Familie finanziert.

Ein Teil der damaligen Vojvodina Spieler und des Managements, die in Prag studierten, waren zugleich auch Mitglieder von Slavia Prag. Der tschechische Verein unterstützte Vojvodina in den schwierigen Zeiten vor und während des Ersten Weltkriegs und trug zur Entwicklung des Klubs bei. 1920 wurde das erste Set roter und weißer Trikots von Prag nach Novi Sad gebracht. Während der Vereinssitzung am 23. Juli 1922 wurde beschlossen, dass zu Ehren von Slavia Prag die roten und weißen Farben der Trikots die offiziellen Vereinsfarben des Klubs werden sollten. Das Vereins-Logo wurde auch teilweise von Slavia Prags-Logo abgeleitet, wo jedoch der rote Stern des tschechischen Teams mit dem blauen Stern ersetzt wurde, damit Vojvodinas Logo alle Farben der serbischen Flagge erhielt. Am 28. Juni 1924, am Vidovdan, ein serbischer Gedenk- und Feiertag, wurde gemeinsam mit dem jüdischen Fußballklub Juda Makabi das Stadion Karađorđe in Betrieb genommen. Bis dahin spielten beide Klubs im Stadion des ungarischen Fußballklubs UTK. Benannt wurde es nach dem Anführer des ersten serbischen Aufstandes gegen die osmanische Besatzung im 19. Jahrhundert Đorđe Petrović, genannt Karađorđe. Der erste Trainer sowie technischer Direktor und Chef-Organisator von Vojvodina wurde der Doktor der Rechtswissenschaften Kosta Hadži, einer der Begründer und der bedeutendsten Personen des Vereins, sowie der Gründer des Fußballverbands von Novi Sad.

Unter seiner Führung gewann Vojvodina 1926 die regionale Liga von Novi Sad, den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Vojvodina war damals der erste Klub der Spielern professionelle Verträge anbot, sowie Spieler aus dem Ausland verpflichtete, so z. B. den Tschechen Josef Čapek und die Ungarn Sándor Dudás sowie Abraham Saraz. Einer der besten und einflussreichsten Vojvodina Spieler zu der Zeit war Stürmer Dušan Marković, der von 1921 bis 1935 für den Verein spielte. Ende der 1930er Jahre begann Vojvodina mit der Verpflichtung zahlreiche Spieler, die später als die Millionäre bzw. das Millionärs-Team bekannt wurden. Einer der Bekanntesten unter ihnen war Jožef Velker, der zu einem der bedeutendsten Spieler des Vereins wurde. 1932, 1934 und 1935, sowie von 1937 bis 1940 gewannen die Millionäre die Novi Sad Liga. Seitdem hatte Vojvodina einen ernsthaften Anspruch auf den Gewinn der ersten jugoslawische Liga. Während der Saison 1940/41 spielte Vojvodina um den Titel, jedoch wurde die letzte Phase der Meisterschaft unterbrochen, denn ohne vorherige Kriegserklärung oder Ultimatum griffen am 6. April 1941 die Armeen des nationalsozialistischen Deutschlands und seiner Verbündeten Italien und Ungarn das Königreich Jugoslawien an, was schließlich zur Mobilisierung der jugoslawischen Streitkräfte führte und die Fortsetzung des Wettbewerbs unmöglich machte.

1941–1944: Die Tragödie während des Zweiten Weltkriegs Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Königreich Jugoslawien 1941 von den Achsenmächten überfallen, besetzt und aufgeteilt. Teile Nordserbiens bzw. der heutigen AP Vojvodina fielen an Kroatien, das unter der Herrschaft der faschistischen Ustaša-Bewegung unter Ante Pavelić stand, an das Königreich Ungarn, einschließlich Novi Sad, oder stand unter deutscher Verwaltung. Eine der ersten Entscheidungen der ungarischen Besatzer war der Verbot des FK Vojvodina und die Beschlagnahmung seines Eigentums.

Große Teile des Vereinsarchivs wurden von den neuen Behörden zerstört und die meisten Trophäen, die bis zu diesem Zeitpunkt gewonnen wurden, gingen dadurch für immer verloren. Die Besatzung war von schweren Übergriffen gegen die lokale Zivilbevölkerung begleitet. Zahlreiche Serben, Juden, Roma sowie Zivilisten anderer Ethnien wurden massakriert bzw. ermordet, darunter auch Frauen, Kinder und ältere Menschen, in Konzentrationslagern verschleppt, z. B. ins KZ Šarvar, oder aus ihrer Heimat vertrieben.

280px|mini|links|Mahnmal in Petrovaradin an die Opfer des Massakers von Novi Sad durch ungarische Truppen 1942.

Unter den Betroffenen befanden sich auch zahlreiche Mitglieder des Vereins. Diese Kriegsverbrechen provozierten bzw. begünstigten den Widerstand der Bevölkerung in den besetzten Gebieten. Zahlreiche Bürger aus allen ethnischen Gruppen – hauptsächlich Serben, aber auch einige antifaschistischen und pro-serbische lokale Ungarn, Slowaken und andere – schlossen sich dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus an und kämpften gemeinsam gegen die faschistische Besatzung ihrer Heimat, unter ihnen auch zahlreiche Mitglieder und Spieler des Vereins.

Besonders tragisch war das Jahr 1942, als es zur berüchtigten Razzia in Novi Sad kam. In einer einzigen Aktion ungarischer Truppen wurden über 4000 lokale Serben, Juden und Roma ermordet. Die meisten Opfer forderte das Massaker von Novi Sad unter General Ferenc Feketehalmy-Czeydner, als der ungarische Befehlshaber vom 21. bis 23. Januar 1246 Zivilisten erschießen ließ. Ebenso wurden mehrere hundert Zivilisten unter das Eis der zugefrorenen Donau geworfen und ertränkt. Während dieser Zeit kam fast die gesamte Mannschaft von Vojvodina, darunter Božidar Petrović, die Brüder Milan und Pera Simin, Dušana Šućov, Svetozar Džanić, Milan Stoja, Živko Brzak und Radovan Bozin, sowie zahlreiche Vereinsoffizielle und Anhänger des Klubs ums Leben. Heute erinnert eine in Bronze gegossene Skulptur im Ortsteil Petrovaradin, auf der ein Mann, eine Frau und ein Kind zu sehen sind, an die schreckliche Tat. Dahinter befinden sich Tafeln, auf denen in serbischer und hebräischer Schrift die Namen der identifizierten Opfer eingraviert sind.

1944–1962: Die Goldene Generation Nach dem Einrücken der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee in Novi Sad Ende 1944 begann langsam die gesamte Reorganisation des sportlichen Lebens. An einen geordneten Spielbetrieb war zunächst nicht zu denken. Vojvodina hatte fast seine ganze Mannschaft verloren, ebenso zahlreiche Vereinsmitglieder und Fans. Dennoch leiteten die überlebenden Vereinsmitglieder, Spieler und der übriggebliebene Vorstand, angeführt von Kosta Hadži, Đuro Živić, Branko Milovanović und Aleksandar Kanazir, die Wiederaufnahme des Spielbetriebs kurz nach der Befreiung wieder ein. Am 24. Juli 1946 beschlossen jedoch die neuen kommunistischen Behörden die Fusion von drei Vereinen aus Novi Sad: FK Vojvodina, FK Slavija und FK Radnički unter dem neuen Namen FK Sloga. Diese Entscheidung traf auf viel Widerstand in der Bevölkerung, die den Verein weiterhin Vojvodina nannte. Der Verein spielte zunächst in der zweiten Liga, bis er 1948 den Aufstieg in die 1. jugoslawische Liga erreichte. 1950, nach langen Widerstand der Fans, wurde der Verein wieder in Vojvodina umbenannt. 1951 erreichte Vojvodina zum ersten Mal das jugoslawische Pokalfinale.