mini|Signatur von Justus Heinrich Müller, 1817 Justus Heinrich Müller (* 29. September 1783 in Kassel; † 28. Oktober 1825 in GöttingenZum abweichenden Todesdatum 29. Oktober 1825 vgl. Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8 (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 19. Mai 2023), S. 777.) war ein deutscher Architekt und Baubeamter.

Ausbildung und Wirken Justus Heinrich Müller studierte Architektur bei Heinrich Christoph Jussow an der Kunstakademie Kassel.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5 (Digitalisat auf d-nb.info, abgerufen am 20. Mai 2023), S. 411. Wohl ab 1801 war Müller unter Jussows Leitung in der kurhessischen Bauverwaltung angestellt. Am 23. April 1803 immatrikulierte er sich an der Georg-August-Universität Göttingen im Fach Mathematik und studierte bis 1805.

Müllers mutmaßliches Erstlingswerk als selbständiger Architekt und „Entreprenneur“Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8 (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 21. Mai 2023), S. 774. war das 1809 errichtete Gewächshaus im Botanischen Garten in Göttingen, mit dem sich Müller 1810 erfolgreich um die Anstellung als Distriktsingenieur für öffentliche Bauten im Leine-Departement des Königreichs Westphalen bewarb.Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8 (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 19. Mai 2023), S. 774. Er war dort zuständig für Kasernen-, Brücken- und Gefängnisbauten sowie Aufträge aus Fürstenhäusern.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5 (Digitalisat auf d-nb.info, abgerufen am 20. Mai 2023), S. 411 f. Am 17. November 1811 wurde ihm auch das Amt des Universitätsarchitekten in Göttingen (als Nachfolger von Heinrich Julius Oppermann) übertragen,Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5 (Digitalisat auf d-nb.info, abgerufen am 20. Mai 2023), S. 412. wo er zunächst zusammen mit Friedrich Weinbrenner den Umbau der Paulinerkirche zur Universitätsbibliothek plante und durchführte. Nach dem Ende des Königreichs Westphalen bewarb sich Müller auch auf die Stelle des Klosterbaumeisters, die er am 5. April 1814 erhielt, wobei er sich gegen seinen Vorvorgänger Georg Heinrich Borheck durchsetzen konnte, der seine alte Stelle wieder begehrte. In der Folge war Müller zusätzlich zuständig für die Bauten der Klosterämter Weende, Diemarden, Mariengarten, Marienstein und Reinhausen. Die von allen vorgesetzten Seiten anerkannte Amtsführung Müllers führte im Zusammenhang mit der territorialen Neugliederung nach dem Wiener Kongress zur Übertragung noch weiterer Aufgaben: 1817 wurden ihm auch die Dominal-Bau-Angelegenheiten in den Ämtern Bovenden und Neuengleichen anvertraut.Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8 (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 19. Mai 2023), S. 772 f. Schließlich unterstand Justus Heinrich Müller als Architekt also drei Dienstherren – der Universität, der Klosterkammer und der königlichen Domänenkammer.Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8 (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 19. Mai 2023), S. 773. Seine stattlichen Einkünfte waren einem Professor vergleichbar, wenn man Vergütungen für spezielle Aufgaben und Privataufträge hinzurechnet.

Müller zog sich 1825 auf einer Baustelle eine lebensgefährliche Erkältung zu, der mit einer vierwöchigen Kurreise nach Ems und Wildungen nicht zu begegnen war und die zum frühen Tod im Alter von nur 42 Jahren führte. Nachfolger im Amt des Universitätsbaumeisters wurde Otto Praël.Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8 (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 19. Mai 2023), S. 773 f.

Lehrtätigkeit Bereits im Februar 1809 erhielt Müller die Erlaubnis als privater Lehrbeauftragter Vorlesungen an der Universität Göttingen halten zu dürfen. Seine Lehrangebote zur Architektur, die ein Teil der mathesin applicataJohannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8 (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 20. Mai 2023), S. 771. waren, behandelten praktische Geometrie, ökonomische Baukunst, höhere Architektur, Unterricht im Planzeichnen und in einzelnen Teilen der Mathematik. Doch musste Müller das Angebot 1812 wegen seiner umfangreichen praktischen Aufgaben als Baubeamter größtenteils wieder einstellen. So kündigte er im Sommersemester 1812 nur noch eine einzige Veranstaltung für Frühaufsteher an: „Die practische Geometrie [...] Hr. Districts-Baumeister Müller verbunden mit Uebungen in militärischen und topographischen Vermessungen, drey Mahl wöchentlich, des Morgens von 5 bis 8 Uhr.“

Familie Justus Heinrich Müller war der Sohn des Kammerdieners Johann Heinrich Müller und dessen Ehefrau Christina Müller geb. Schad. Der Vater diente bei Friedrich Wilhelm Freiherr von Veltheim (1743–1803). Veltheim war zunächst Kammerherr, dann Oberhofmarschall am Kasseler Hof und zudem Präsident der Kunstakademie. 1800 beauftragte Veltheim die Projektierung seines Braunschweiger Palais an Heinrich Christoph Jussow,Abbildung des Jussow-Entwurfs bei Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5 (Digitalisat auf d-nb.info, abgerufen am 21. Mai 2023), S. 122, Abb. 67. der dann wahrscheinlich Justus Heinrich Müllers Studium in Kassel ermöglichte.

Müller heiratete 1818 in Genin bei Lübeck Dorothee Jewe (1793–1854). Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Die Witwe Müller übersiedelte kurz vor ihrem Tod 1854 nach München zu ihrem Sohn, dem Bildhauer Ernst Müller.

Bauten und Entwürfe 1809: Neues Gewächshaus im Botanischen Garten Göttingen, Untere Karspüle (abgebrochen) 1808–1812: (Nach Vorentwurf von Friedrich Weinbrenner von 1803Maike Kamp, Christian Scholl: Friedrich Weinbrenner. Entwürfe zum Umbau der Göttinger Paulinerkirche zur Universitätsbibliothek (1803). In: Marion Hilliges und Christian Scholl (Hrsg.): Gilly, Weinbrenner, Schinkel. Baukunst auf Papier zwischen Gotik und Klassizismus. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2016, ISBN 978-3-86395-264-8, S. 123–136. (Digitalisat auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 21. Juni 2024)) Umbau der Paulinerkirche in Göttingen für die Universitätsbibliothek mit horizontaler Teilung durch Einziehen einer Zwischendecke; Papendiek 12 (1944 kriegszerstört, wiederaufgebaut ohne den historischen Büchersaal im Obergeschoss)Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8 (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 19. Mai 2023), S. 774 f.Christian Freigang: Architektur und Städtebau von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1866. In: Ernst Böhme, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt. Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluss an Preußen – Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648–1866). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36197-1, S. 765–812, hier S. 793. bis 1816: Vollendung der Sternwarte Göttingen (nach ersten Entwürfen von 1802 von Georg Heinrich Borheck, die von August Leopold Crelle überarbeitet wurden), Geismar Landstraße 11Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8 (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 19. Mai 2023), S. 775. 1819: eisernes Stakett für das Grabmal Erichs I. in Hann. Münden, in der St.-Blasius-Kirche 1821: Umbau eines Hauses zur Tierarzneischule in Göttingen, Groner Landstraße 1 (nach 1892 abgebrochen)Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831), Teil II Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemesters 1812. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2005, ISBN 3-938616-14-8 (Digitalisat auf library.oapen.org, abgerufen am 19. Mai 2023), S. 775 f. 1821: Planung zur Sicherung des Wartturms auf der Burg PlesseSiegfried Dost: Otto Praël und die Burg Plesse. In: Das Kleine Plesse-Lesebuch. Festschrift für Karl Heinz Lies anläßlich seines 70. Geburtstages am 31. Mai 1991. Redaktion Thomas Moritz, Gudrun Keindorf. Erich Goltz, Göttingen 1991, S. 54–63, hier S. 55. 1821–1822: Neubau der Universitäts-Apotheke in Göttingen, Markt 6 1821–1822: Ausbau der St.-Nikolai-Kirche zur Universitätskirche in Göttingen, Nikolaikirchhof 1Ines Barchewicz, Steven Reiss: St. Nikolai. In: Jens Reiche und Christian Scholl (Hrsg.): Göttinger Kirchen des Mittelalters. Göttingen: Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, ISBN 978-3-86395-192-4 (Digitalisat auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 20. Mai 2023), S. 232–265, hier S. 232, 237, 255, Abb. 170 (Planzeichnung Müllers).