Jugoslawiendeutsche ist ein Sammelname für alle im früheren Jugoslawien, hauptsächlich nördlich von Save und Donau, lebenden deutschsprachigen Minderheiten. Während ihre Zahl vor dem Zweiten Weltkrieg etwa eine halbe Million betrug, bezeichnen sich heute in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens kaum noch zehntausend Personen als Deutsche.

Geschichte Ursprünge In Jugoslawien lebten vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 500.000 Menschen deutscher Abstammung: Im Banat, der Batschka und in Syrmien waren dies Donauschwaben, während die in Slowenien lebenden, nur wenige zehntausend zählenden „Volksdeutschen“ (Gottscheer, Zarzer sowie deutschsprachige Stadtbevölkerung besonders in der Untersteiermark) als Altösterreicher bezeichnet wurden.

Die in Slowenien ansässigen deutschen Bevölkerungsgruppen, obgleich zahlenmäßig weitaus geringer als die Donauschwaben, lebten dort teilweise bereits wesentlich länger als letztere. Die älteste Gruppe bildeten die Bewohner der Sprachinsel Zarz in Oberkrain, die um 1200 aus dem Hochpustertal gekommen waren.Wilhelm Baum (1981): Deutsche und Slowenen in Krain, S. 19. Sehr alt war auch die 1940 etwa 12.500 Menschen umfassende Gruppe der Gottscheer in Unterkrain, deren Vorfahren aus Kärnten und Osttirol im 14. Jahrhundert von den Ortenburgern angesiedelt worden waren.Wilhelm Baum (1981): Deutsche und Slowenen in Krain, S. 111.Adolf Hauffen (1895): Die deutsche Sprachinsel Gottschee, S. 14. Die Donauschwaben kamen dagegen zwischen dem 17. und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Land.Hans Gehl (2003): Donauschwäbische Lebensformen an der mittleren Donau: interethnisches Zusammenleben und Perspektiven, S. 15.

Je nach Herkunft, Zuwanderungszeit und Wohngebiet entwickelten sich verschiedene Gruppen mit gemeinsamer Kultur und Dialekt. Die Gruppen blieben oft unter sich, wobei es aber auch viele Ehen zwischen Deutschen und Einheimischen, insbesondere mit kroatischen Katholiken, in diesem Gebiet gab.

1931 betrug die Zahl der Deutschsprachigen in Jugoslawien rund 500.000.

Königreich Jugoslawien Die wirtschaftliche Lage der Donauschwaben im Jugoslawien der Zwischenkriegszeit war nur geringfügig besser als diejenige der Ungarn und Serben. Obwohl es auch viele landlose donauschwäbische Bauern gab, wurden bei der jugoslawischen Bodenreform keine Volksdeutschen berücksichtigt. Muttersprachlicher Deutschunterricht beschränkte sich weitgehend auf einzelne deutschsprachige Grundschulklassen in den ersten vier Schuljahren, doch nahmen hieran 1932 immerhin 78 % der donauschwäbischen Kinder teil – weit mehr als bei den Volksdeutschen in Slowenien. Der Mangel an deutschsprachigen Lehrern verhinderte eine bessere Versorgung mit muttersprachlichem Unterricht.Josef Volkmar Senz, Das Schulwesen der Donauschwaben in Jugoslawien, München 1969, S. 20. Die 1922 gegründete Deutsche Partei war ab 1923 mit acht, nach 1925 und 1928 mit fünf Abgeordneten im jugoslawischen Parlament vertreten.Zoran Janjetović: Die Donauschwaben in der Vojvodina und der Nationalsozialismus. S. 220 f. In: Mariana Hausleitner, Harald Roth (Hrsg.): Der Einfluss von Faschismus und Nationalsozialismus auf Minderheiten Ostmittel- und Südosteuropa, IKGS Verlag, München 2006, ISBN 3-9809851-1-3, S. 219–235.

Die größte und wichtigste Vereinigung der Jugoslawiendeutschen war der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund, dem Anfang der 1930er Jahre etwa zehn Prozent der Volksdeutschen angehörten. Führende Bundespersönlichkeiten waren Stefan Kraft, Johann Keks, Georg Grassl, Matthias Giljum, und Christian Ludwig Brücker. Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus im Deutschen Reich kam es auch bei den Donauschwaben zu Auseinandersetzungen zwischen Traditionalisten katholischer Prägung und nationalsozialistisch orientierten „Erneuerern“ (mit Vertretern wie Branimir Altgayer, Jakob Awender, Johann Wüscht oder Gustav Halwax), die von der zunehmenden Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Volksdeutschen in Jugoslawien sowie von der Unterstützung durch das nationalsozialistische Deutschland über die „Volksdeutsche Mittelstelle“ profitierten und besonders innerhalb des Kulturbundes an Einfluss gewannen. 1939 setzten sich die „Erneuerer“ unter dem späteren „Volksgruppenführer“ Sepp Janko im Kulturbund endgültig durch. Der Bund wurde zur nationalsozialistischen Massenorganisation ausgebaut, welche die gesamte Volksgruppe organisieren sollte. Janko behauptete Ende 1940, 98 Prozent der Volksdeutschen seien Mitglieder des Kulturbundes gewesen.Zoran Janjetović: Die Donauschwaben in der Vojvodina und der Nationalsozialismus. S. 222 ff.

Zweiter Weltkrieg Viele der jugoslawischen Donauschwaben im wehrfähigen Alter dienten beim Überfall auf Jugoslawien in der jugoslawischen Armee und standen damit deutschen Truppen gegenüber. Andere wählten stattdessen die Flucht in die Steiermark, nach Ungarn oder Rumänien oder versteckten sich bis zum Eintreffen der deutschen Truppen.

Nach der Kapitulation der jugoslawischen Armee wechselten die deutschen Männer der Batschka zur ungarischen Armee, waren aber auch aufgerufen, sich freiwillig in die SS zu melden. Die Anwerbung der SS-Freiwilligen ging in der Batschka durch Begeisterung der Angeworbenen und der Terrorisierung der Zögernden vor sich. Während der Anwerbung, im Februar und März 1942, war die Behelligung jener, die sich zurückhielten, auf der Tagesordnung. An ihre Häuser wurde die Inschrift »Verräter« gepinselt, ihre Fenster wurden eingeschlagen und sehr oft kam es zu Handgreiflichkeiten. Abgesehen von einzelnen Vorfällen jedoch, ging die Anwerbung der SS-Freiwilligen in der Batschka unter großer Begeisterung der Volksdeutschen vor sich. So meldeten sich 90 Prozent der Batschkadeutschen im Alter von 18 bis 30 Jahren freiwillig zur Waffen-SS.

Die jüngsten Jahrgänge wurden nach Prag zur Grundausbildung gebracht und danach an die Ostfront befohlen. Die älteren Jahrgänge meldeten sich mehrheitlich zur „Hipo“ (Hilfspolizei), um den Kriegsdienst zu umgehen. 1942 wurde die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ aufgestellt. Obwohl anfänglich die Bezeichnung Freiwilligen Division eingeführt und auch weiter beibehalten wurde, deutete sich bereits in dem Werbungsaufruf vom 1. März 1942 an, dass auch in Serbien volksdeutsche Rekruten flächendeckend eingezogen werden sollten.

Alle wehrpflichtigen deutschen Männer der Vojvodina vom 17. bis zum 50. Lebensjahr wurden bald darauf unter Androhung „strengster Strafen“ eingezogen, sofern sie nicht in der Landwirtschaft unabkömmlich waren. Über das zahlenmäßige Verhältnis zwischen „echten“ Freiwilligen, regulär Einberufenen und mit Gewalt zum Dienst in der „Prinz Eugen“ gepressten Volksdeutschen lassen sich keine zuverlässigen Angaben machen.Thomas Casagrande: Die Volksdeutsche SS-Division „Prinz Eugen“. Die Banater Schwaben und die nationalsozialistischen Kriegsverbrechen. Campus, Frankfurt 2003, ISBN 3-593-37234-7, S. 194 ff. Leicht mehr als die Hälfte der „Freiwilligen“ soll aus dem Kreis Pančevo stammen. Mit der Aufstellung der „Prinz Eugen“ wurde vom „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler erstmals die „rassische Auslese“ und das „Freiwilligkeitsprinzip“ für die Waffen-SS fallengelassen. Das Banat stellte etwa 22.000 Mann zur Waffen-SS, die Batschka ebenfalls etwa 22.000 Mann, Kroatien etwa 17.500. Zur Wehrmacht kamen weniger als 2.000 Mann.Immo Eberl, Konrad G. Gündisch, Ute Richter, Annemarie Röder, Harald Zimmermann: Die Donauschwaben. Deutsche Siedlung in Südosteuropa, Ausstellungskatalog, Hrsg. Innenministerium Baden-Württemberg, Wissenschaftliche Leitung der Ausstellung: Harald Zimmermann, Immo Eberl, Mitarb. Paul Ginder, Sigmaringen, 1987, ISBN 3-7995-4104-7.S. 177. Die „Prinz Eugen-Division“ wurde vor allem durch eine große Zahl von Kriegsverbrechen bekannt. Eine ihrer schrecklichsten Gräueltaten war Ende März 1944 das Massaker in der Umgebung von Otok.Charles W. Ingrao, Franz A. J. Szabo, The Germans and the East, Purdue University Press 2008, S. 354.Thomas Casagrande, Die volksdeutsche SS-Division „Prinz Eugen“, Campus Verlag 2003, S. 277.

Beim 7. Nürnberger Prozess gegen die Kriegsverbrecher wurde die Zahl ihrer Opfer mit 2.014 beziffert. Männer, Frauen und Kinder wurden regelrecht niedergemetzelt, die Dörfer geplündert.Klaus Schmider: Der jugoslawische Kriegsschauplatz (Januar 1943 bis Mai 1945) In: Karl-Heinz Frieser (Hrsg.): Die Ostfront 1943/44 – Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 1030.Martin Seckendorf; Günter Keber; u. a.; Bundesarchiv (Hrsg.): Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941–1945) Hüthig, Berlin 1992; Decker/Müller, Heidelberg 2000. Reihe: Europa unterm Hakenkreuz Band 6, ISBN 3-8226-1892-6, S. 59, 320f. Die Anklagebehörde in Nürnberg stellte auch fest, dass die „Freiwilligkeit“ der Volksdeutschen eine bloße Vorspiegelung, bewusste Täuschung und Irreführung gewesen sei.Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozess, S. 119 ff.

Bereits ab März 1941, also noch vor Beginn des Balkanfeldzuges, lieferte das Reich Waffen in großem Umfang an die Donauschwaben.Martin Seckendorf; Günter Keber; u. a.; Bundesarchiv (Hrsg.): Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941–1945) Hüthig, Berlin 1992; Decker/Müller, Heidelberg 2000. Reihe: Europa unterm Hakenkreuz Band 6, ISBN 3-8226-1892-6, S. 35 f. Es wurde eine „Selbstschutzorganisation“ aufgestellt, die Deutsche Mannschaft, die im Rücken des jugoslawischen Heers in den Kampf eingriff, an einigen Plätzen auch den deutschen Truppen den Weg öffnete. Zum Dienst in der Deutschen Mannschaft wurden ab September 1942 alle 17–60-Jährigen, die sich nicht im aktiven Wehrdienst befanden, zwangsverpflichtet.Thomas Casagrande: Die Volksdeutsche SS-Division „Prinz Eugen“. Die Banater Schwaben und die nationalsozialistischen Kriegsverbrechen. Campus, Frankfurt 2003, ISBN 3-593-37234-7, S. 196. Nach der Kapitulation kollaborierten viele Donauschwaben in Jugoslawien mit den Besatzungsmächten Deutschland und Italien und beteiligten sich an Besatzungsaufgaben. Die jugoslawischen Beamten im Banat wurden vertrieben und durch Deutsche ersetzt.Martin Seckendorf; Günter Keber; u. a.; Bundesarchiv (Hrsg.): Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941–1945) Hüthig, Berlin 1992; Decker/Müller, Heidelberg 2000. Reihe: Europa unterm Hakenkreuz Band 6, ISBN 3-8226-1892-6, S. 35 Die von den Nationalsozialisten für das Gebiet Serbiens eingesetzte Marionettenregierung Nedić erkannte die Deutsche Volksgruppe im Banat und Serbien im Juli 1941 als Person des öffentlichen Rechts an und ermöglichte ihr die Selbstverwaltung. Dadurch übte die donauschwäbische Volksgruppenleitung die Gebietsherrschaft in enger Zusammenarbeit mit der deutschen Militärverwaltung aus. Im Banat wurde eine eigene Polizeitruppe aus Donauschwaben aufgestellt, die Banater Staatswache,Martin Seckendorf; Günter Keber; u. a.; Bundesarchiv (Hrsg.): Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941–1945) Hüthig, Berlin 1992; Decker/Müller, Heidelberg 2000. Reihe: Europa unterm Hakenkreuz Band 6, ISBN 3-8226-1892-6, S. 59, 251 die im Bundesarchiv als „Grenz- und Wacheinheit der SS“ geführt wird.Bundesarchiv, N 756 Nachlass Wolfgang Vopersal, Bandfolge 3.3.4 Grenz- und Wacheinheiten der SS, 325a, dort unter Banater Schwaben