mini|alt=George Simon|George Simon George Simon (geb. 23. April 1947, St. Cuthbert’s Mission, British Guiana; gest. 15. Juli 2020, Spanien) war ein Künstler und Archäologe aus Guyana. Er gehörte zum Volk der Lokono-Arawak.Neil Marks: Leading Artist and Anthropologist George Simon, A. A. is a Special Person. In: Kaieteur News. kaieteurnewsonline.com vom 5. Juni 2011.Michelle Loubon: In: Guardian (Trinidad and Tobago). 19. Februar 2012. Er war der Gründer und Mentor der Lokono Artists Group, einer Künstlergruppe von indigenen Künstlern aus Guyana, die hauptsächlich in Simons Heimatort St. Cuthbert’s Mission aktiv waren.Alim Hosein: In: Stabroek News. landofsixpeoples.com vom 29. September 2002.Al Creighton: The Rise of Amerindian Art. In: Stabroek News. stabroeknews.com vom 31. Oktober 2010Al Creighton: In: Stabroek News. landofsixpeoples.com vom 20. Oktober 2002. Simon galt weithin als einer der führenden guyanischen Künstler seiner Generation, und seine Gemälde (Acryl auf Leinwand, Papier oder Twill) zeichnen sich durch ihre Erkundung der indigenen Kultur und der guyanischen Umwelt aus.Anne Walmsley, Stanley Greaves: Art in the Caribbean: An Introduction. New Beacon Books, London 2010: S. 135–136.Al Creighton: In: Stabroek News. landofsixpeoples.com vom 22. September 2002.Al Creighton: In: Stabroek News. stabroeknews.com vom 28. Juni 2009. Er wurde auch für seine Leistungen als Pädagoge, seine Bemühungen, Möglichkeiten für indianische Künstler in Guyana zu schaffen, und für seine Arbeit als Archäologe gewürdigt.

Leben Jugend mini|alt=Fotografi von George Simon in der Schule in St. Cuthbert’s Mission, Guyana.|George Simon, ganz links in der Schule in St. Cuthbert’s Mission.

George Simon wurde am 23. April 1947 als Sohn von Olive und Mark Simon in der St. Cuthbert’s Mission am Mahaica River im damaligen Britisch-Guayana (heute Guyana) geboren. Sein Vater war Holzfäller und seine Mutter Hausfrau. Simon besuchte die Schule der St. Cuthbert’s Mission bis zu seinem 12. Lebensjahr. In einem Interview von 1994/95 sprach Simon über seine frühen Jahre und erinnerte sich an die Art und Weise, wie die Missionsschule Ausdrucksformen der indianischen Kultur unterdrückte: „Jeder der im Unterricht Arawak sprach, wurde geschlagen […] Im Allgemeinen wurde die indianische Kultur entmutigt und wir fühlten uns minderwertig.“„Anyone found speaking Arawak in class was flogged […] In general, Amerindian culture was discouraged and we were made to feel inferior“ Anne Walmsley: A Talent(ed) Digger: Creations, Cameos and Essays in Honour of Anna Rutherford. Rodopi, Amsterdam 1996.

Als er 12 Jahre alt war, wurde Simon von James William Pink adoptiert – einem englischen anglikanischen Priester, der zu dieser Zeit in der Region Mahaica-Berbice diente. Anschließend zog Simon mit seinem Pflegevater nach Linden und dann nach Georgetown, wo er an der Christ Church Secondary School Englisch, Mathematik, Geographie, Hygiene, Physiologie und Kunst studierte.

England 1970 zogen Simon und sein Pflegevater nach Essex, England. Von 1972 bis 1974 studierte Simon Kunst am Thurrock and Basildon College in Grays, Essex. 1975 schrieb er sich an der University of Portsmouth ein, wo er einen Bachelor in Bildender Kunst mit besonderem Schwerpunkt auf Kunstgeschichte und Kunst des 19. Jahrhunderts machte. 1978 schloss er sein Studium mit Auszeichnung ab.

Guyana 1978 kehrte Simon nach Guyana zurück und begann als Dozent für Kunst an der Burrowes School of Art und später an der Universität Guyana zu arbeiten. Während dieser Zeit schloss Simon eine enge Freundschaft mit dem guyanischen Archäologen, Anthropologen und Romanautor Denis Williams, und 1985 lud Williams Simon ein, als sein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Walter Roth Museum of Anthropology zu arbeiten. Simon arbeitete bis 1992 im Walter Roth Museum und begann in dieser Zeit seine Ausbildung in Archäologie und Anthropologie unter der Anleitung von Williams.Anne Walmsley, George Simon: Art Looking Inland: George Simon Talks to Anne Walmsley. In: Kyk-Over-Al. Dezember 1995 vol. 46/47: S. 72.

Im Rahmen seiner Arbeit am Walter Roth Museum nahm Simon an zahlreichen anthropologischen Expeditionen in verschiedene Teile Guyanas teil. Diese Expeditionen hatten tiefgreifende Auswirkungen auf sein Leben und seine künstlerische Entwicklung. Kurz nachdem er zum Walter Roth Museum gekommen war, wurde er gebeten, eine Expedition zu einer Wai-Wai-Gemeinschaft im Süden Guyanas zu leiten. Die Expedition blieb einen Monat lang im Wai-Wai-Dorf Sheparyimo und führte anthropologische Arbeit in der Gemeinschaft durch. Simon fertigte während seines Besuchs in Sheparyimo eine Reihe von Skizzen über Wai-Wai-Personen, Architektur und Artefakte an, und seine Erfahrungen dort lieferten die Inspiration für eine Gemäldesammlung mit dem Titel „Wai-Wai-Serie“ (Wai-Wai Series). Viele der Expeditionen, an denen er teilnahm, beinhalteten Fahrten auf dem Essequibo-Fluss, und seine Faszination für diesen Fluss führte zu seiner Essequibo-Serie (Essequibo Series).Anne Walmsley, George Simon: Art Looking Inland: George Simon Talks to Anne Walmsley. In: Kyk-Over-Al. Dezember 1995 vol. 46/47: S. 72–74.

Als Simon einige Jahre später in einem Interview mit der Kunstkritikerin und Historikerin Anne Walmsley über seine Erfahrungen in Sheparyimo sprach, erzählte er: „Dies war meine erste Erfahrung im Amazonasgebiet und im Zusammensein mit den indigenen Völkern des Amazonas, von denen ich lernen konnte Parallelen zu meinem eigenen frühen Leben ziehen.“„This was my first experience of being in the Amazon and of being with the indigenous peoples of the Amazonas, from whom I could draw parallels with my own early life.“ Er sprach auch allgemeiner über die Art und Weise, wie alle Expeditionen, an denen er teilnahm, seine Sichtweise und insbesondere seine Beziehung zur indianischen Kultur in Guyana veränderten. Er erklärte, dass er vor dieser Zeit sehr wenig in Guyana gereist sei und sich aufgrund der Zeit, die er in England verbracht habe „teilweise von seinem Volk und dieser Art von Leben abgeschnitten“ gefühlt habe („partially cut off from [his] people and that kind of life“). Seine Arbeit am Walter Roth Museum ermöglichte es ihm daher sich mit „seinem Volk zu vereinen“ („reunited with [his] people“) und seine eigene „Amerindianness“ zu erschließen.Anne Walmsley, George Simon: Art Looking Inland: George Simon Talks to Anne Walmsley. In: Kyk-Over-Al. Dezember 1995 vol. 46/47: S. 72–73.

Lokono Artists Group mini|alt=Fotografie von George Simon und der Lokono Artists Group|Simon mit Mitgliedern der Lokono Artists Group. „Puffy“ Clenkien, Telford Taylor, Oswald Hussein (stehend), Foster Simon, George Simon und Lynus Clenkien (v. l. n. r.). In diesen Jahren arbeitete Simon auch hart daran, die Ausbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für indianische Künstler in Guyana zu verbessern. Er war besorgt darüber, dass die Indianer aus seinem Dorf „in ihrer Ausbildung nicht sehr weit kommen“ („not going very far in their education“) und gründete im August 1988 eine Zeichen- und Designwerkstatt in der St. Cuthbert’s Mission.Anne Walmsley, George Simon: Art Looking Inland: George Simon Talks to Anne Walmsley. In: Kyk-Over-Al. Dezember 1995 vol. 46/47: S. 68. Die Werkstatt diente für zahlreiche Künstler zur Ausbildung und hat seither einige Künstler hervorgebracht, die eine eigene Karriere gemacht haben, darunter Oswald („Ossie“) Hussein, Roaland Taylor und Lynus Clenkien.Al Creighton: In: Stabroek News. landofsixpeoples.com vom 22. September 2002.Anne Walmsley, George Simon: Art Looking Inland: George Simon Talks to Anne Walmsley. In: Kyk-Over-Al. Dezember 1995 vol. 46/47: S. 56. Diese Künstler – inklusive Simon – werden oft insgesamt als die Lokono Artists Group bezeichnet.Anne Walmsley, George Simon: Art Looking Inland: George Simon Talks to Anne Walmsley. In: Kyk-Over-Al. Dezember 1995 vol. 46/47: S. 169.

Im Februar 1991 organisierte Simon eine Ausstellung seiner eigenen Arbeiten zusammen mit der Arbeit von neun anderen Künstlern der Lokono Artists Group in der Hadfield Foundation. Die Ausstellung trug den Titel Contemporary American Art. Laut Alim Hosein, Dozent an der Universität von Guyana, stellte die Ausstellung eine „Grundlagenverschiebung in der guyanischen Kunst“ („ground shift in Guyanese art“) dar:

Contemporary Amerindian Art begründete eine Tradition von Ausstellungen indianischer Kunst, die meistens im Rahmen des Amerindian Heritage Month organisiert werden.Alim Hosein: In: Stabroek News. landofsixpeoples.com vom 30. September 2001.

Weiteres Studium in England 1992 kehrte Simon nach England zurück um einen Master in Field and Analytical Techniques in Archäologie am University College London zu machen. Er erhielt den MA 1994 und kehrte dann wieder nach Guyana zurück.ANSCAFE (Anthony N. Sagba Caribbean Awards for Excellence): An Interview with Mr. George Simon. (MP4) (Video). Youtube: ANSCAFE. 2012. 10.46 minutes.

Reisen im Tschad, Frankreich, Kanada und Haiti Im Dezember 1998 verließ Simon Guyana und begann eine Reihe von Reisen, die bis 2002 andauerten. Nach seiner Abreise aus Guyana zog er zunächst nach Afrika in den Tschad, wo er im Sprachenzentrum der Abteilung für öffentliche Angelegenheiten der US-Botschaft arbeitete (United States Embassy Public Affairs Department’s Language Centre). Während dieser Zeit arbeitete er mit einer Gruppe tschadischer Künstler zusammen, um in N’Djamena ein Kunstatelier und eine Galerie namens „House of African Art“ (Haus der afrikanischen Kunst) zu gründen. Simon organisierte 1999 zusammen mit den Künstlern eine Ausstellung ihrer Kunstwerke in der Galerie. Simon arbeitete auch als Manager für eine lokale Musikgruppe, H’Sao, die bei den Frankophonie-Spielen in Quebec, Kanada, eine Bronzemedaille gewann.

2001 zog Simon nach Frankreich, wo er als Artist-in-Residence in der Galerie Epices et Arts (Kunst und Gewürze-Galeri) in Lyon arbeitete. Die Galerie zeigte im Dezember eine Ausstellung seiner Werke.

2002 ging Simon nach Montreal in Kanada. Dort organisierte er unter anderem eine Performance Amerindianischer Tänzer und Musiker im Rahmen eines Guyana Festival welches im Mai 2002 vom Guyanischen Konsulat in Toronto veranstaltet wurde.

Im Juli 2002 reiste Simon nach Haiti, wo er eine kleine Schule, die Escola Nueva, begründete, wo er Englisch, Kunst und Musik unterrichtete. Auch wenn er in Haiti nicht lange blieb, hatte er künstlerisch eine produktive Phase, weil:

Simon verließ Haiti und kehrte Mitte August 2002 nach Guyana zurück.

Zurück in Guyana Nach seiner Rückkehr nach Guyana übernahm Simon eine Stelle als Dozent für Kunst, Archäologie und Anthropologie sowie Koordinator der Amerindian Research Unit an der Universität von Guyana. Er begann mit dem Bau eines Kunstzentrums in seiner Heimatstadt St. Cuthbert’s Mission, welches im September 2002 eröffnet wurde. Das Kunstzentrum sollte es lokalen Künstlern ermöglichen, ihre Werke auszustellen. Im selben Monat nahm Simon an einer Ausstellung indianischer Kunst im Castellani House (der Heimat der National Art Gallery Guyanas) mit dem Titel Moving Circle teil.

„Berbice Archaeology Project“ mini|alt=George Simon bei der Arbeit im Berbice Archaeology Project 2009. Zwei Männer beim Graben in dunklem Erdboden.|Simon bei der Arbeit im Berbice Archaeology Project, 2009.