Les chevaliers de la table ronde (deutsch: ‚Die Ritter der Tafelrunde‘) ist eine Opéra bouffe (Pariser Operette) in drei Akten von Hervé (Musik) mit einem Libretto von Henri Chivot und Alfred Duru. Sie wurde am 17. November 1866 im Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris uraufgeführt.
Handlung
Kurzfassung
Erster Akt. Die Zauberin Mélusine veranstaltet einen Ausverkauf ihrer Zaubermittel. Die Ritter Amadis des Gaules, Ogier-le-Danois, Renaud de Montauban und Lancelot du Lac wollen diese Gelegenheit nutzen, um ihren Freund Roland aus Mélusines Haus zu befreien, den sie mit einem Liebeszauber an sich gefesselt hat. Der Zauberer Merlin ruft ein Turnier am Hof des Herzogs von Rodomont aus. Einer der Preise ist die Hand von dessen Tochter Angélique. Roland ist sogleich von ihrem Bildnis bezaubert, wird aber von Mélusine ins Haus zurückgebracht. Die anderen Ritter tragen sich in die Teilnehmerliste ein. Merlin ist nicht nur Zauberer, sondern als Schulmeister auch für Angéliques Erziehung zuständig. Den Unterricht führt sein Gehilfe Médor aus, der die Stelle aus Liebe zu Angélique angenommen hat. Rodomont hat sie als Preis ausgelobt, um sie möglichst schnell unter die Haube zu bringen, denn er ist pleite. Weil seine Frau Totoche trotzdem äußerst teure Kleidung trägt, befürchtet er, dass sie einen Liebhaber hat. Das Geld hat sie in Wirklichkeit durch den heimlichen Verkauf seiner Krone erhalten, die sie mit Merlins Hilfe durch eine billige Nachbildung ersetzen will. Sie wollte sich damit für ihren Geliebten, Rodomonts Seneschall Sacripant, schön machen. Roland gibt den anderen zu verstehen, dass auch er kämpfen wolle, und Amadis befreit ihn rechtzeitig aus Mélusines Gefängnis.
Zweiter Akt. Während Totoche, Angélique und Sacripant die letzten Vorbereitungen für das Turnier treffen, erfährt Rodomont von einem Streik der Troubadoure. Sacripant beruhigt ihn damit, dass Médor mit einem Freund kostenlos aufspielen wolle. Totoche gerät in Panik, als Rodomont nach seiner Krone verlangt, obwohl die Nachbildung noch nicht fertig ist. Glücklicherweise liefert Merlin diese gerade noch rechtzeitig. Das ganze Theater hat soviel Zeit gekostet, dass das Turnier ohne den Herzog stattfinden musste. Roland hat Angéliques Hand gewonnen, wurde aber beim Kampf verletzt. Rodomont ertappt seine Frau dabei, wie sie Merlin aus Dankbarkeit umarmt. Er hält den Zauberer nun für ihren Liebhaber. Nach der Siegerehrung treten die Spielleute auf. Médors Begleiter ist die verkleidete Mélusine. Sie verabreicht Roland heimlich ein Schlafmittel. Bei der Suche nach Riechsalz entdeckt Rodomont in der Tasche seiner Frau ein Bündel Rechnungen, die er ihr als Beweis ihrer Untreue vorhält. Totoche glaubt, es gehe um die unterschlagene Krone, und gesteht, dass Merlin ihr geholfen habe. Mélusine und Médor entführen unterdessen den schlafenden Roland. Médor zieht dessen Rüstung an und übernimmt unbemerkt den Platz als Bräutigam bei Angéliques Hochzeit ein. Rodomont lässt Totoche und ihren vermeintlichen Liebhaber Merlin festnehmen.
Dritter Akt. Mélusine hat für Roland einen neuen prächtigen Palast bauen lassen, dessen Einweihung sie groß feiern will. Da ihr Schlaftrunk überdosiert war, schläft er noch immer, obwohl bereits zwei Wochen vergangen sind. Sacripant, Merlin und Totoche mischen sich als Gaukler verkleidet unter die Gäste. Rodomont sucht nach Roland, der seine Tochter nach der Hochzeitsnacht sitzengelassen hat. Auch seine Frau und sein Freund Sacripant sind verschwunden. An dessen Stelle ist Médor in seine Dienste getreten. Angélique und Médor finden Roland in dem Moment, in dem er aus seinem langen Schlaf erwacht. Angélique begrüßt Roland freudig als ihren geliebten Ehemann. Der kann sich natürlich weder an die Hochzeit noch an die Hochzeitsnacht erinnern. Sie trägt ihm ein Lied vor, das er (in Wirklichkeit Médor) in dieser Nacht gesungen hat. Médor stimmt darin ein, und Angélique erkennt an seiner Stimme, wer damals wirklich mit ihr im Bett lag. Als Rodomont Mélusine von der Hochzeit seiner Tochter mit Roland erzählt, entgegnet sie, dass das nicht stimmen könne, denn sie habe ihn schon vor der Zeremonie entführt. Rodomont vermutet, Sacripant habe in der Ritterrüstung gesteckt, und stellt ihn zur Rede. In die Enge getrieben gibt Sacripant sein Verhältnis mit Totoche zu. Rodomont zieht wütend sein Schwert, um ihn zu töten, doch Totoche behauptet, sie wolle dies selbst tun, da Sacripant sie belästigt habe. Rodomont gibt ihr das Schwert, das sie sogleich an Sacripant weiterreicht. Die beiden bedrohen Rodomont, bis er in die Scheidung einwilligt und Totoche eine Pension bewilligt. Roland verzichtet auf die mit Médor vermählte Angélique und gibt sich mit Mélusine zufrieden.
Die folgende Inhaltsangabe bezieht sich auf die Erstausgabe von 1866.
Erster Akt
mini|hochkant=1.5|Presse-Karikatur von 1866
Ein öffentlicher Platz einer Stadt im Mittelalter; im Hintergrund das Tor zu Rodomonts Schloss; links das Haus des Zauberers Merlin II
Im Hintergrund ein großes Tor mit einer Mauer an jeder Seite; über der Tür stehen die Worte „Schloss des Herren Rodomont“. Auf der Mauer steht: „Verteidigungsposten, unter Geldstrafe“. Links im Vordergrund ein Haus mit Türmen und einem Schild mit den Worten „Merlin II, Zauberer, Nachfolger seines Vaters – Mädchenpensionat, Familienbildung“. Rechts vorne ein vergoldetes und bunt bemaltes Haus mit einem großen vergitterten Fenster; über der Tür ein Schild: „Mélusine, Zauberin, patentiert s. g. d. g. – Räumungsverkauf – Großer Rabatt“.
Szene 1. Das Volk eilt begeistert zum Verkaufsstand der Zauberin Mélusine, die heute alle ihre Mittel mit Rabatt anbietet (Chor: „Pour la vente que se prépare“ – Air und Couplets Mélusine: „Oui je suis l’enchanteresse“).
Szene 2. Die Ritter Amadis, Ogier, Renaud und Lancelot sorgen sich um ihren Kameraden Roland, der aus Liebe zu Mélusine den Verstand verloren hat und seit sechs Monaten in ihrem Haus festgehalten wird. Da dies die Ehre des gesamten Ritterstands und der Tafelrunde gefährdet, wollen sie Roland befreien. Die Gelegenheit ist günstig, denn sie wissen, dass Mélusine außer Haus ist. Sie klopfen an ihrer Tür und rufen nach Roland.
Szene 3. Zum Entsetzen der Ritter ist Roland bereits völlig verweichlicht und hat kein Interesse mehr an weiteren Abenteuern.
Szene 4. Eine Trompete verkündet das Eintreffen des Zauberers Merlin (Chor: „Entendez-vous, c’est la trompette“), der zu einem Turnier am Hof des Herzogs von Rodomont einlädt. Als erster Preis sind ein Paar vergoldete Leuchter ausgelobt. Der zweite Preis ist eine goldene Uhr. Als Trostpreis für den dritten Platz gibt es die Hand der Prinzessin Angélique, Rodomonts Tochter, die im Gegensatz zur Uhr nicht gegen Bares eingetauscht werden darf. Roland findet ihr Bildnis wunderschön, während Amadis und Lancelot mehr Interesse an den anderen Preisen zeigen.
Szene 5. Die Ritter einschließlich Roland wollen sich bei Merlin als Teilnehmer eintragen. Roland allerdings bekommt Ärger mit Mélusine, weil er unerlaubt das Haus verlassen hat. Um ihn zum Bleiben zu motivieren, erzählt sie ihm von einem neuen luxuriösen Schloss, das sie gerade für ihn gebaut habe. Sie führt ihn in Haus zurück.
Szene 6. Die übrigen vier Ritter betreten Merlins Haus.
Szene 7. Merlin ruft nach seinem Mitarbeiter, dem Ménestrel Médor. Dieser erklärt dem Publikum, dass er bei dem Zauberer eine Stelle als Schulmeister angetreten habe, um die Nähe von dessen Schülerin Angélique zu kommen, die er liebt.
Szene 8. Angéliques Unterricht gestaltet sich nicht ganz einfach, weil sie sehr naiv ist und sich nur schwer konzentrieren kann. Sie bittet Médor, ihr das Wort „Liebe“ zu erklären (Duett Médor/Angélique: „Amour quel mot doux et touchant“). Médor greift schließlich zu einem Beispiel, das er zugleich als Musikunterricht versteht (Couplets Médor: „Isaure était seulette“).
Szene 9. Rodomont ertappt seine Tochter im Gespräch mit dem jungen Mann und ist empört über dieses unangemessene Verhalten. Sein Seneschall Sacripant stimmt ihm zu, und beide beschweren sich bei Merlin. Rodomont hat aber noch andere Probleme: Obwohl sein Vermögen völlig aufgebraucht ist, schwelgt seine Frau Totoche im Luxus. Er fragt sich, woher das Geld kommt – womöglich wird sie von einem Liebhaber ausgehalten (Air Rodomont: „Mon œil est assez vif“). Er schwört sich, den Schuldigen zu entlarven. Als er Angélique erzählt, dass sie den Sieger des Turniers heiraten soll, kann sie es kaum erwarten, endlich die von Médor beschriebenen Freuden der Liebe kennenzulernen. Ein kurzer Wutausbruch Rodomonts führt dazu, dass Sacripant seine Stellung quittieren will und sein noch offenes Gehalt einfordert. Rodomont muss ihn mit seinem Mantel abspeisen. Seine für ihn ungewohnte Armut treibt ihn zur Verzweiflung. Sie ist auch der Grund dafür, dass er seine Tochter schnellstmöglich verheiraten will.
Szene 10. Totoche kommt mit ihrer Hofdame Fleur-de-Neige hinzu. Sie ist völlig aufgeregt, weil ihr Mann sie der Untreue verdächtigt. Um ihn vom Gegenteil zu überzeugen, braucht sie von Merlin dringend einen gewissen Gegenstand (Air Totoche: „Dans ma poitrine palpitante“). Der soll aber erst morgen bereit sein. Als Rodomont eintritt, gibt sie vor, ihre Schwiegertochter Angélique abholen zu wollen. Rodomont bezweifelt das. Er bemerkt, dass sie ihre kostspielige Kleidung niemals von seinem Geld hätte finanzieren können.
Szene 11. Das Volk jubelt dem Herzog zu. Er lädt alle zur morgigen Feier ein.
Szene 12. Die Ritter treffen unter Fanfarenklängen ein und werden vom Volk begeistert empfangen (Finale: „Ecoutez il vont venir“). Die Enttäuschung darüber, dass Roland nicht dabei ist, vergeht schnell, als dieser aus dem vergitterten Fenster von Mélusines Haus verkündet, dass auch er am Turnier teilnehmen wolle. Amadis reißt das Gitter heraus und befreit ihn aus seinem Gefängnis. Auf dem Weg zu Rodomont singen alle ein fröhliches Rondo („Toujours par voie et par chemin“).
Zweiter Akt
Empfangshalle im Schloss des Herzogs von Rodomont
Im Hintergrund ein großes Fenster mit Balkon, das mit großen Vorhängen verschlossen wird. Über dem Fenster Rodomonts Waffen. Türen in den Wänden. Rechts ein Arbeitstisch. Links ein Podium.
Szene 1. Totoche, Angélique und Sacripant arbeiten gemeinsam an den Vorbereitungen für das Turnier (Terzett: „Travaillons, travaillons, travaillons“ – Couplets: „Je dois en essuyant un pleur“).
Szene 2. Sacripant weist Rodomont auf einen Streik der Troubadoure hin, die Geld sehen wollen. Rodomont überlegt daher, seine goldene Krone zu verpfänden – den letzten Rest seines einstigen Reichtums. Bei diesen Worten bricht Totoche vor Schreck beinahe zusammen. Sacripant versichert Rodomont, dass Merlins Assistent kostenlos aufspielen und sogar einen Kollegen mitbringen werde. Als Fleur-de-Neige den Ritter Roland ankündigt, lässt Rodomont in aller Eile die Wohnung aufräumen. Roland teilt ihm mit, dass er um Angélique kämpfen und ihr öffentlich seine Liebe erklären wolle. Angélique gibt ihm ihre Schärpe als Glücksbringer.
Szene 3. Totoche hat ein schlechtes Gewissen wegen ihres Verhältnisses mit Sacripant. Obwohl sie ihrem Mann eigentlich eine gute Ehefrau sein wollte, verachtet sie ihn inzwischen (Couplets Totoche: „Mon époux est désagréable“). Sie gesteht Sacripant, dass sie Rodomonts Krone verkauft habe, um sich für ihn, Sacripant, schön machen zu können. Merlin habe versprochen, eine Nachbildung aus Zink herzustellen, doch die sei nicht rechtzeitig fertig geworden.
Szene 4. Vor Beginn des Turniers sucht Rodomont nach seiner Krone. Sacripant versucht vergeblich, etwas Zeit zu schinden, doch letztlich bleibt Totoche nichts anderes übrig, als zu gestehen, dass sie die Krone nicht mehr hat.