Hermine Hanel (geboren im September 1874 in Prag, Österreich-Ungarn; gestorben 19. Juni 1944 in München) war eine böhmisch-deutsche Schriftstellerin. mini|Franz von Lenbach: Hermine Hanel (1900) Leben Hermine „Mizzi“ Hanel war die einzige Tochter des Eisenwarenhändlers Wilhelm Hanel (1846–1906Für das Sterbejahr: ), der aus einer vornehmen katholischen Prager Patrizierfamilie stammte, und seiner ersten Frau Hermine Oestreicher (1842–1874), die aus einer vielköpfigen, wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie aus Neuhaus stammte. Ihre Eltern hatten standesamtlich und nicht kirchlich geheiratet, was seinerzeit ein Novum war. Ihre Mutter starb bald nach der Geburt an Kindbettfieber, National Archiv Prag, Anmeldungskarte der Familie Wilhelm Hanel beim Polizeidirektion und Hanel wuchs bei den Eltern der Mutter auf und blieb auch in deren Haushalt, als ihr Vater erneut heiratete.Archiv der Stadt Prag, Anmeldungskarte der Familie beim Prager Magistrat Sie erhielt zunächst Unterricht durch einen Hauslehrer, ging dann auf ein Lyceum und mit vierzehn in ein Internat in Dresden. Ab 17 lebte sie wieder im Haushalt der Großmutter. Sie heiratete 1894 den um 20 Jahre älteren Geschäftsmann Theodor Stein (* 1854), der eine Brauerei besaß und später eine Kunsteisfabrik gründete. Dazu trat sie dem jüdischen Glauben bei. Die Ehe verlief unglücklich, und 1899 wurde geschieden.Archiv der Stadt Prag, Anmeldungskarte Theodor Stein und seiner Frau Hermine beim Prager Magistrat

Hanel veröffentlichte mehrere Berichte und Skizzen in deutschsprachigen Prager Zeitungen und im Wiener Tagblatt, angeregt durch Johann von Chlumecký. Im Prager Tagblatt schrieb sie unter dem Titel „Los vom Fischbein“ (so viel wie Korsett) ein frauenemanzipatorisches Feuilleton. Nach der Scheidung ließ sie sich in München im Zeichnen ausbilden, zog dann nach Wien und lebte seit 1905 endgültig in München. 1909 heiratete sie den Münchener Architekten Ludwig Deiglmayr (1866–1937Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Kriegsstammrollen 1914–1918, Band 22, LNr. 1; ), mit dem sie drei Kinder hatte.

Sie schrieb Berichte über bildende Kunst für Tageszeitungen, Essays, Märchen und Novellen, Reisebücher und Skizzen. Zu mehreren Bilderbüchern verfasste sie die Texte und illustrierte sie. Sie publizierte auch unter dem Pseudonym Dodd.

Zu ihren Förderern gehörten Arthur Schnitzler, der ihren Schreibstil kritisierte, Franz Graf Thun-Hohenstein und Johann Baron Chlumecký.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurde sie von der Reichsschrifttumskammer aus rassistischen Gründen mit einem Schreibverbot belegt. Sie starb im Zweiten Weltkrieg nach einem alliierten Luftangriff auf München.

Werke (Auswahl) Dodd: Lola. Roman. 1897 Dodd: Frauen. Dresden: Pierson, 1898 Aus dem Wald und Wiesenreich. Eine Vogel-, Frosch-, Schnecken- und Käferiade. 1904 Aus einer alten Stadt. Eine Prager Geschichte. 1905 Liese und Marie. Ein lustiges Bilderbuch. Straubing: Attenkofer, 1911 Eva : Ein Münchener Roman. München : Parcus, 1918 Was der Kalender erzählt: Ein deutscher Märchenkranz. Illustrationen Hans Baluschek. Grunewald : Klemm, 1919 Junge Ehe. Roman. Illustrationen Hermine M. Hanel. München: Hans Sachs, 1913 Tauelfen. In: Jugendblätter für Unterhaltung und Belehrung Jg. 61, 1915 Spätgeboren : Roman. Umschlagzeichnung Hermine Hanel. München : Parcus, 1920 Das Haus des Lebens und andere Novellen. München : Parcus, 1921 Tonis Abenteuer im Englischen Garten. Illustrationen Hermine M. Hanel. München : Parcus, 1926 Mondscheinchen. Märchen. In: Manfred Kyber: Das Pantoffelmännchen und anderes. 1926 Der Siebenschläfer, der den Frühling verschlief. Märchen. In: Der Tanzknopf und anders. Märchenbilderbuch von Toni Rothmund. 1927 Das zärtliche Känguruh und andere Märchen. Holzschnitte Lilli Deiglmayr. München : Staatsschule für angewandte Kunst, 1929/30 Die Geschichte meiner Jugend. Leipzig : Koehler & Amelang, 1930 Die Gräfin d'Agoult. Kulturgeschichtlicher Roman. Berlin : Die Buchgemeinde, 1932

Literatur (umgekehrt chronologisch) Anna-Dorothea Ludewig: Biographien jüdischer Frauen: Hermine Hanel (1874–1944). In: Medaon. Bd. 18 (2024), Heft 34 (online). Susanne Blumesberger: Hermine Hanel, in: biografiA – Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, S. 1178f. Wilma A. Iggers: Hermine Hanel. In: Dies.: Frauenleben in Prag. Ethnische Vielfalt und kultureller Wandel seit dem 18. Jahrhundert. Böhlau, Wien 2000, ISBN 3-205-98759-4, S. 195–223 (Auszüge aus der Autobiografie), S. 416 (Kurzbiografie).

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