Der Thüringentag der nationalen Jugend war eine von 2002 bis 2016 einmal jährlich jeweils um das letzte Maiwochenende in einer anderen Stadt in Thüringen stattfindende Veranstaltung mit Festival-Charakter, bei der Redner aus dem Spektrum der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands und der Freien Kameradschaften sowie mehrere Rechtsrock-Bands und Liedermacher auftraten. Organisiert wurde das Festival federführend von der NPD unter Mithilfe der Freien Kameradschaften. Ab 2009 wurde die Organisation mehrmals von den Freien Kameradschaften alleine übernommen. Die Teilnehmerzahl schwankte zwischen 130 und 370 Personen. Bei der Jubiläumsauflage von 2011 wurden 800 Besucher verzeichnet.

Hintergrund Nach dem „Aufstand der Anständigen“ im Jahr 2000 ging die Zahl der Rechtsrock-Konzerte bundesweit beträchtlich zurück und die Polizei sorgte aufgrund der „Konzertverordnungen“ dafür, dass zahlreiche rechtsextreme Konzerte nicht stattfinden konnten oder abgebrochen werden mussten. Zur selben Zeit verstärkte die NPD ihre Bemühungen, im „vorpolitischen Bereich“ aktiv zu werden und durch Rechtsrock anpolitisierte Jugendliche für die Partei zu gewinnen. Eines der neuen Konzepte ist, Konzerte mit Neonazi-Bands als politische Veranstaltungen der NPD anzumelden. Neben den Bands treten Redner aus dem NPD- und Kameradschaft-Spektrum auf, um zum einen den Veranstaltungen einen politischen Charakter zu geben und zum anderen, um die Jugendliche mit den rechtsextremistischen Positionen und Forderungen bekannt zu machen. Das Angebot wird durch Informations- und Verkaufsstände ergänzt, bei dem sich rechtsextreme Organisationen und Herausgeber von Zeitungen und Zeitschriften, aber auch Rechtsrock-Versände und Labels ihrem Publikum vorstellen und Material zum Verkauf anbieten.

Zu diesen Konzerten, die sich mittlerweile oft zu jährlichen Veranstaltungen entwickelten und Festival-Charakter haben, gehört zum Beispiel das Pressefest der Parteizeitung der Partei Die Heimat (bis 2023 NPD), Deutsche Stimme mit 7000 Besuchern am 7. August 2004 im ostsächsischen Mücka.

Veranstaltungen 2002 in Jena Der 1. Thüringentag der nationalen Jugend fand am 1. Juni 2002 in Jena statt. Geplant war, das Festival demonstrativ auf dem Marktplatz im historischen Zentrum der Stadt stattfinden zu lassen, doch konnte es juristisch an einen Platz am Stadtrand abgedrängt werden. Versammlungsleiter war der Rechtsextremist Ralf Wohlleben, der bei den Folgeveranstaltungen sowohl als Redner als auch als Mitorganisator auftrat. Als Veranstalter firmierten der NPD-Kreisverband Jena und die Nationale Jugend Jena. Letztere war eine im Oktober 2001 gegründete Jugendorganisation aus dem Umfeld der Kameradschaft Nationaler Widerstand Jena, die die Errichtung und Finanzierung eines „nationalen Jugendzentrums“ durch die Stadt Jena forderte. Das Jahr 2002 hatte die NPD-nahe Gruppierung zum Kampf- und Aktionsjahr der Nationalen Jugend Jena erklärt. Neben einer Demonstration war der erste Thüringentag die größte Aktion dieser Gruppe, bei der Christian Kaiser als Sprecher der Nationalen Jugend Jena auftrat. Die weiteren Redner hatten überregionale Bedeutung: Peter Borchert (NPD Schleswig-Holstein), Gerd Ittner (Bürgerinitiative Ausländerstopp Nürnberg), Patrick Wieschke (NSAW) und Frank Schwerdt, der Bundesgeschäftsführer der NPD und Landesvorsitzende der NPD Thüringen. Infostände wurden von der Schülerzeitung Mitteldeutsches Sprachrohr, dem Club 88 aus Neumünster, der Kameradschaft Karlsruhe, der Kameradschaft Ostara, der dem Märkischen Heimatschutz und der Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft eingerichtet. Für die musikalische Untermalung sorgten Martin Rühlemann aus Daasdorf (als „Völkischer Vagant“), ein weiterer Liedermacher sowie die Leipziger Band Selection, die mehrere Landser-Titel coverte. Laut der konservativen Schätzung des Verfassungsschutzberichts nahmen „etwa 130 Angehörige des rechtsextremistischen Spektrums aus Thüringen und anderen Bundesländern“ an der Veranstaltung teil. Insgesamt wurden sechs Personen wegen Verdachts des Verwendens von Kennzeichnen verfassungswidriger Organisationen festgenommen, darunter ein Mitglied der Band Selection, der einen Aufnäher der verbotenen rechtsextremen Organisation Blood and Honour trug. Matthias Quent sprach auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung hingegen von 350 Teilnehmern.

Diese erste Veranstaltung wurde von NPD und rechtsextremer Szene als großer Erfolg gewertet. Die im Anschluss an die Veranstaltung von der NPD veröffentlichten Pressemitteilungen lassen Charakter und Zielsetzung deutlich erkennen: „Das gesamte Gebiet um den Hölleinplatz herum, lautete das Fazit der Initiatoren, (war) an diesem Tag national befreit … Wir konnten in aller Öffentlichkeit unsere Kultur ausleben, neue Kontakte untereinander knüpfen und uns einen schönen Tag unter Kameraden machen.“

2003 in Gotha Im folgenden Jahr fand die Veranstaltung am 31. Mai in Gotha statt. Etwa 350 Personen beteiligten sich an dieser zweiten Auflage der Veranstaltung. Diesmal traten als Redner und Rednerinnen Ralf Wohlleben (Jena), Michael Burkert (Friedrichroda), Ivonne Mädel (Meiningen), ein „Kamerad Fabian“ sowie erneut Gerd Ittner (Nürnberg) auf. Neben wiederum zwei Liedermachern trat die Band Odessa auf, deren Name wiederum deutlich auf die neonazistische Ausrichtung des Konzerts verweist, da es sich um die Abkürzung der Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen handelt, deren Existenz allerdings nicht belegt ist. Dabei handelte es sich neben einem Rechtsrockkonzert um die größte rechtsextreme Veranstaltung des Freistaates.

2004 in Saalfeld Für die dritte Veranstaltung dieser Reihe, die am 29. Mai 2004 in Saalfeld unter dem Motto „Kapitalismus abschaffen – Globalisierung bekämpfen! Für eine starke nationale Jugendkultur!“ stattfand, steigerten der Anmelder Ralf Wohlleben und sein Stellvertreter, der Gothaer Neonazi Sebastian Reiche, noch einmal ihre Bemühungen. Bei den Rednern handelte es sich erneut um Ivonne Mädel, Michael Burkert, Patrick Wieschke, der erst kurz vorher aus der Haft entlassen worden war, und Frank Schwerdt, zu denen in diesem Jahr eine „Kameradin Mareike“ vom Mädelring Thüringen und Kurt Hoppe, der Thüringer Landesvorsitzender der Deutschen Partei (DP) hinzu kamen. Es handelte sich um den ersten öffentlichen Auftritt des Mädelrings. Die beiden Liedermacher Conny und Max sowie die Neonazi-Band Blood Revenge aus Nordrhein-Westfalen sorgten für die musikalische Untermalung. Die Teilnehmerzahl betrug nach Angaben von NPD und Verfassungsschutz 250 bis 300 Personen. Während das bürgerliche Engagement gegen die rechtsextremistische Veranstaltung zaghaft blieb, hatten vereinzelt Angehörige der autonome Antifa-Szene versucht, den „Thüringentag“ zu stören.

2005 in Weimar Im Vergleich zu den Vorjahren hielten sich Werbung und Aufwand für den 4. Thüringentag der Nationalen Jugend am 28. Mai 2005 in Weimar deutlich in Grenzen. Das Motto lautete „Heimat und Kultur erhalten! Gegen Kapitalismus & Globalisierung vorgehen! Die revolutionäre deutsche Jugendbewegung stärken!“. Wie schon 2002 in Jena blieb den Neonazis der zentrale Theaterplatz mit dem Deutschen Nationaltheater und dem Goethe-Schiller-Denkmal verwehrt, den sie ursprünglich demonstrativ besetzen wollten. Als Redner waren die schon fast obligatorischen NPDler Schwerdt, Wieschke und Burkert angekündigt. Statt der erwarteten etwa 500 Besucher fanden nur etwa 150 Neonazis, zum Teil mit Familie, den Weg nach Weimar. Parallel sprachen sich im Stadtzentrum etwa 2000 Bürger und Gäste von Weimar bei einer Demonstration und einem Fest gegen Neonazis und für Toleranz und kulturelle Vielfalt aus. Das rechtsextreme Festival wurde gegen 16 Uhr durch eine Verfügung der Stadt Weimar aufgelöst, weil nach Auffassung der Stadt der Charakter einer Versammlung nicht mehr gegeben war. Dadurch konnten sowohl die NSBM-Band Asatru aus Bautzen als auch SKD nicht spielen.

Etwa 2000 Personen demonstrierten weitgehend friedlich gegen die rechtsextreme Veranstaltung. Spektakulärste Aktion war die Verhüllung des Weimarer Nationaltheaters mit der Aufschrift „Weimar sagt NEIN!“

2006 in Altenburg Der 5. Thüringentag fand am 20. Mai 2006 im ostthüringischen Altenburg statt. Er wurde vom Altenburger Neonazi Thomas Gerlach und der Kameradschaft „Nationale Sozialisten – Altenburger Land“ organisiert. Die Veranstaltung war von der Stadt per Auflage von dem zunächst dafür vorgesehenen Marktplatz auf den Nordplatz im Neubaugebiet Altenburg-Nord verlegt worden. Hier trafen sich nach Polizeiangaben etwa 250 Personen der rechtsextremen Szene. Als Redner traten mehrere Vertreter der NPD wie Frank Schwerdt, Ralf Wohlleben und der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Wartburgkreis Hendrik Heller sowie die Freien Nationalisten Isabell Pohl, Thomas Gerlach und ein weiterer Redner aus dem Altenburger Land auf. Neben der lokalen Hatecore-Band Eternal Bleeding spielten die Black-Metal-Band Eugenik aus Gera und Civil Disorder aus Magdeburg. Eine Laienspielgruppe führte einen Auszug aus dem Altenburger Prinzenraub auf. Protest gegen die Neonazi-Veranstaltung artikulierte sich bei einer Demonstration der Antifa mit etwa 200 Teilnehmern und bei einem Bürgerfest mit ungefähr der gleichen Zahl Besucher. Gegen drei Neonazis wurden Verfahren wegen Tragens von NS-Symbolen aufgenommen.

2007 in Eisenach Der 6. Thüringentag fand am 19. Mai 2007 im westthüringischen Eisenach statt. Er stand unter dem Motto „Hier bleiben und anpacken – Thüringens nationale Jugend bleibt im Land!“. Ihre als Volksfest präsentierte Politveranstaltung begannen die Neonazis im Jahr 2007 auf dem Eisenacher Heinrich-Erhardt-Platz, wo auch der Thüringentag stattfinden sollte. Hier trafen sich nach Polizeiangaben etwa 370 Personen der rechtsextremen Szene. Im Vorfeld baten die Veranstalter wie gewohnt um unauffällige Kleidung der Teilnehmer. Bekannte Szene-Kleidung (Consdaple), Springerstiefel, Zahlenkombinationen wie „88“ oder „18“ waren unerwünscht, ebenso sollten zwielichtige Tattoos der Besucher nicht sichtbar sein, also im Vorfeld abgedeckt werden. Als Redner traten mehrere Vertreter der westthüringischen NPD und der Eisenacher Kameradschaft auf, allen voran thüringenweit bekannte Rechtsextremisten wie Frank Schwerdt, Thorsten Heise und Patrick Wieschke sowie die im Wartburgkreis und Eisenach aktiven Neonazis Hendrik Heller und Danny Pfotenhauer. Es spielten neben dem aus Reden bestehenden Programm die rechtsextremen Bands Carpe Diem, Vae Victis Deutschland und Nordglanz. Des Weiteren gab es eine Aufführung von Wagners Tannhäuser mit dem Sängerkrieg auf der Wartburg. Aufgeführt wurde dieses Stück von der „Thüringer Theatergruppe“, die seit dem Thüringentag 2006 in Erscheinung tritt. Groß gefeiert wurde der Beitritt des 452. Mitglieds der Thüringer NPD. Die NPD versuchte vor allem durch volksfestartige Angebote in Augenschein zu treten. So gab eine Spielstraße, eine Hüpfburg sowie für Kinder eine kostenlose Bratwurst.