Wilfried Weinke (* 22. Januar 1955 in Fockbek) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler, Publizist und Kurator zeitgeschichtlicher Ausstellungen.

Leben

Ausbildung Wilfried Weinke wuchs in Schleswig-Holstein auf. Nach dem Abitur an der Herderschule in Rendsburg und dem Zivildienst studierte er Germanistik, Geschichte, Politik und Pädagogik an der Universität Hamburg. Seine Ausbildung zum Gymnasiallehrer schloss er mit dem Zweiten Staatsexamen ab.

Ausstellungen Von 1986 bis 1988 beteiligte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum für Hamburgische Geschichte an der Erstellung der Ausstellungen „Ehemals in Hamburg zu Hause: Jüdisches Leben am Grindel. Bornplatz-Synagoge und Talmud-Tora-Schule“Museum für Hamburgische Geschichte (Hrsg.): Ehemals in Hamburg zu Hause: Jüdisches Leben am Grindel. Bornplatz-Synagoge und Talmud-Tora-Schule. Hamburg-Porträt 22. Hamburg (o. J.) sowie „Wir sind die Kraft! Arbeiterbewegung in Hamburg von 1914 bis 1945“.Volker Ullrich: Ein muskelbepackter Prolet greift ein. Ausstellung in Hamburg: „Wir sind die Kraft“. In: Frankfurter Rundschau. 23. November 1988; Gudrun Reher: „Raus, raus, los ins Rathaus rauf. Es ist Revolution!“ – „Wir sind die Kraft. Arbeiterbewegung in Hamburg von den Anfängen bis 1945. Zur Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte.“ In: Hamburger Rundschau. 24. November 1988 Von 1989 bis 1991 wirkte Weinke maßgeblich an dem Aufbau des Hamburger Schulmuseums mit.Pum: Als die Schulbank noch drückte. Neues Museum zeigt Ausstellungsstücke aus dem Unterricht in Kaiserzeit und Nationalsozialismus. In: Hamburger Abendblatt. 17. Juni 1991; Mechthild Bausch: Unterricht im kaiserlichen Klassenzimmer. Prominente Ex-Schüler weihten Hamburger Schulmuseum in der Rudolf-Roß-Schule ein./10 000 Exponate zur Schulgeschichte der letzten hundert Jahre/Rosemarie Raab stellt Finanzierung in Aussicht. In: taz Hamburg. 22. Oktober 1991

Jüdische Biografien Die Ausstellung zum jüdischen Leben am Grindel wurde zunächst 1986/87 in HamburgGisela Schütte: Jüdisches Leben am Grindel. Talmud-Tora-Schule zeigt bis zum 21. September Dokumentation. In: Die Welt. Hamburg, 29. August 1986; Rup: Einblicke in jüdische Vergangenheit Hamburgs. Senatorin eröffnet eine einmalige Ausstellung am Grindel. In: Hamburger Abendblatt. 29. August 1986; Arie Goral: Ehemals in Hamburg zu Hause: Bilder einer Ausstellung. In: Allgemeine Jüdische Wochenzeitung. 19. September 1986. und 1987/88 in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem gezeigtErnie Meyer: A vanished metropolis. In: The Jerusalem Post Magazine. November 20, 1987; gs: Von der Erinnerung eingeholt. Ausstellung über jüdisches Leben am Grindel erregt in Jerusalem Aufsehen. In: Die Welt. Hamburg, 12. Dezember 1987.. Weinke erweiterte gemeinsam mit Ursula Wamser die Materialgrundlage der Ausstellung um ausgewählte Biografien, insbesondere zu Menschen jüdischer Herkunft, die sich am Widerstand gegen die Nationalsozialisten beteiligt hatten. Als das Buch unter dem Titel „Ehemals in Hamburg zu Hause. Jüdisches Leben am Grindel“Volker Ullrich: Unwiederbringlich verloren. In: Die Zeit. 8. November 1991.; Eckart Krause: Dienlich der eigenen Standortsuche. „Jüdisches Leben am Grindel“ ist auch ein Stück Universitätsgeschichte. In: uni hh. Berichte Meinungen aus der Universität Hamburg. 22. Jg., Nr. 4, Oktober 1991, S. 44–46. erschien und die Senatskanzlei Hamburg es ehemaligen jüdischen Bürgern Hamburgs als Geschenk sandte, wandten sich zahlreiche Überlebende und deren Nachfahren an die Herausgeber, um weitere Erinnerungen und Dokumente weiterzugeben oder um Hilfe bei der eigenen Spurensuche zu erhalten.

Zu ihnen zählte auch die in Hamburg geborene und in Kalifornien lebende Lucille Eichengreen (1925–2020). Für die von Ursula Wamser übersetzten Lebenserinnerungen Lucille Eichengreens vermittelte Weinke einen Hamburger Verlag, in dem diese bemerkenswerte Lebensgeschichte einer Überlebenden der deutschen Judenverfolgung erstmals erschien.Lucille Eichengreen: Von Asche zum Leben. Lebenserinnerungen. Aufgeschrieben unter Mitarbeit von Harriet Chamberlain. Vorwort und Übersetzung von Ursula Wamser. Hamburg 1992. – Spätere deutsche Ausgaben erschienen im Donat Verlag (2001) und im Konkret Literatur Verlag (2009).

Er organisierte und moderierte für Lucille Eichengreen über mehrere Jahre Lesereisen, die sie in zahlreiche Hamburger Schulen, Hochschulen und öffentliche Podiumsveranstaltungen führten. Anlässlich ihres 90. Geburtstages gab er die Publikation „Ich kann nicht vergessen und nicht vergeben. Festschrift für Lucille Eichengreen“ mitheraus.Ursula Wamser, Wilfried Weinke (Hrsg.): „Ich kann nicht vergessen und nicht vergeben.“ Festschrift für Lucille Eichengreen. Hamburg 2015

Intensive Recherchen zu dem jahrelang in Hamburg, später in Frankfurt am Main lebenden Autor Arthur Sakheim sowie der persönliche Kontakt zu seinem in den USA lebenden Sohn George ermöglichten im Sommer 2007 die von Weinke kuratierte Ausstellung „Profundes Wissen und brennende Liebe. Der Theaterkritiker, Schriftsteller und Dramaturg Arthur Sakheim (1884–1931)“ in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg – Carl von Ossietzky.Frank Keil-Behrens: Vaters Land. Hamburg zeigt eine Ausstellung über den Theatermann Arthur Sakheim. Ein Rundgang mit seinem Sohn George. In: Jüdische Allgemeine. 5. Juli 2007

Exilliteratur Seit 1991 freiberuflich tätig, veröffentlichte Weinke zur deutsch-jüdischen Geschichte Hamburgs, zur Literatur und Fotografie im Exil. Langjährige Recherchen zu dem Hamburger Autor Heinz Liepman mündeten in der von ihm kuratierten Ausstellung „Heinz Liepman. Schriftsteller, Journalist, Emigrant, Remigrant“, die 2006 im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum in Osnabrück.Marie-Luise Braun: Facettenreiches Bild. Remarque-Zentrum zeigt Ausstellung zu Heinz Liepman. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 1. Dezember 2006 und anschließend in der Finanzbehörde HamburgFK: Finanzbehörde würdigt Heinz Liepman. In: Die Welt. Hamburg, 14. November 2007; Frank Keil-Behrens: Der Heimkehrer. Eine Ausstellung in Hamburg über den Autor Heinz Liepman. In: Jüdische Allgemeine. 22. November 2007, Frank Scheerer: Pogromangst im Vaterland. Eine Ausstellung in Hamburg zeigt den Lebensweg des jüdischen Schriftstellers Heinz Liepman. In: Jungle World. 22. November 2007 gezeigt wurde. Seine Nachforschungen zu Liepman schloss Weinke 2015 mit einer Promotion an der Universität Hamburg ab, die 2017 unter dem Titel „Ich werde vielleicht später einmal Einfluß zu gewinnen suchen… Der Schriftsteller und Journalist Heinz Liepman (1905–1966) - Eine biografische Rekonstruktion“.Claudia Kühner: Ein vielseitig begabter Kämpfer. Eine umfangreiche Biografie widmet sich dem Schriftsteller, Journalisten und Literaturvermittler Heinz Liepman. Er hat die renommierte Zürcher Agentur Liepman gegründet. In: Tages-Anzeiger. Zürich, 6. Mai 2017; Rezension von Max Bloch. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Berlin, 65. Jg., Heft 11, 2017, S. 988–990. als Buch erschien. 2020 gab Weinke den von Justin Steinfeld im Exil verfassten Roman „Ein Mann liest Zeitung“ als Neuauflage erstmals in Originalfassung heraus.Stefan Gärtner: In all ihrer Verlumptheit. Wenn der Faschismus über Deutschland kommt: Justin Steinfelds dokumentarischer Exilroman „Ein Mann liest Zeitung“. In: Junge Welt. 5./6. Dezember 2020; tha: „Im Exil mehr Güte gefunden als jemals in Hamburg“. Justin Steinfelds Roman „Ein Mann liest Zeitung“ ist noch einmal neu erschienen. In: Hamburger Abendblatt. 11. Januar 2021 Im Frühjahr 2025 folgte eine biografisch kommentierte Neuausgabe des 1933 verfassten Exilromas „Das Vaterland. Ein Tatsachenroman aus Deutschland“ von Heinz Liepman.Bernd Philipsen: Der Beginn der Barbarei. Zeitdokument und packender Exilroman von 1933: „Das Vaterland“ von Heinz Liepman ist neu erschienen. In: Shz (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag) vom 14. Februar 2025; Christian Schröder: Exilroman „Das Vaterland“. Maul halten und „Hurra“ brüllen. In: Tagesspiegel. 8. April 2025.

Publizist und Ausstellungskurator Von 1994 bis 2002 konzipierte und leitete er im Internationalen Haus Sonnenberg, St. Andreasberg/Oberharz, Erwachsenenbildungsseminare zur deutsch-jüdischen Geschichte und Literatur. Diesen Interessensgebieten gelten auch seine Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Werken, Lexika, Jahrbüchern wie Zeitungen. Seit 1993 publizierte er im New Yorker „Aufbau“, der „Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung“, später „Jüdische Allgemeine“, Berlin. Von 1996 bis 2011 war er regelmäßiger Beiträger der „Tribüne - Zeitschrift zum Verständnis des Judentums“ in Frankfurt.Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums: Sach- und Autorenregister 1962–1999. Heft 1-152. Bearbeitet von Ute Stiepani. Frankfurt am Main 2011 (mit eingelegter CD des Sach- und Autorenregisters von 2000–2011); Katrin Diehl: Mit ruhigem Ton. Tribüne. Die „Zeitschrift zum Verständnis des Judentums“ wird 50. In: Jüdische Allgemeine, 8. Dezember 2011.

Artikel und Buchrezensionen erschienen ebenfalls in „Aus dem Antiquariat“, Frankfurt, der „tageszeitung“, Hamburg und Berlin, der Wochenzeitung „Die Zeit“ sowie „Tachles“, Zürich. Neben seiner Rezensionstätigkeit hält er Vorträge auf wissenschaftlichen Tagungen, bei Ausstellungseröffnungen, Erinnerungsveranstaltungen wie den „Tagen des Exils“ in Hamburg„Von Hamburg nach Australien. Der Fotograf Francis Reiss.“ Vortrag im Stadtteilarchiv und Kulturhaus Eppendorf, 2. Juli 2017; „Hamburg war und blieb Ihre teure Heimatstadt…“ Lesung und Vortrag in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg – Carl von Ossietzky -, 6. November 2018 oder bei der Verlegung von Stolpersteinen.Har: Drei Stolpersteine für NS-Opfer. In: Hamburger Abendblatt. 20. November 2003; DW: „Stolperstein“ erinnert an Max Mendel. In: Die Welt. Hamburg, 21. März 2005; Gabriela Fenyes: Der Tausendste. Hamburg: Stolperstein erinnert an jüdischen Sozialdemokraten. In: Jüdische Allgemeine. 7. April 2005