mini|Drei-Nagel-Motiv in der Kirche am Lorenziberg mini|Sörger Gruppe erreicht Lorenziberg mini|Sörger Gruppe bei Mairist im Anmarsch auf den Magdalensberg mini|Ankunft auf dem Magdalensberg mini|Vierbergler umrunden die Kirche Magdalensberg mini|Vierbergler startbereit auf dem Magdalensberg mini|Kreuzbussen vor Sörg

Der Vierbergelauf ist eine um 1500 erstmals beschriebene Wallfahrt über den Magdalensberg, Ulrichsberg, Veitsberg und Lorenziberg rund um St. Veit an der Glan in Kärnten. Sie findet am „Dreinagelfreitag“ (benannt nach den drei Nägeln, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde), dem zweiten Freitag nach Ostern, statt. Die über 50 km lange Strecke, die mit einer Mette am Magdalensberg beginnt, wird innerhalb von 17 Stunden zurückgelegt, wobei je nach Ausgangspunkt bis zu 2500 Höhenmeter zu überwinden sind.

Tausende Teilnehmer aus ganz Kärnten, aus den anderen Bundesländern und dem benachbarten Ausland nehmen mittlerweile alljährlich an dieser traditionellen Wallfahrt teil.

Geschichte Ursprungstheorien Von Historikern wurde der Ursprung des Vierbergelaufes manchmal im Mittelalter, manchmal in prähistorischer Zeit, meist aber im Altertum angesetzt:

Franz Franzisci beschrieb 1879 den Vierbergelauf als eine Wallfahrt zur Verehrung der Leidenswerkzeuge Christi, die wohl aus der Zeit der Kreuzzüge stammt.Franz Franzisci: Culturstudien über Volksleben, Sitten und Bräuche in Kärnten. Nebst einem Anhang: Märchen aus Kärnten. Wien 1879, S. 44–48. Nach der Theorie von Georg Graber aus dem Jahre 1912 gehört der Brauch zu einem weit verbreiteten Bergkult, der auf einen keltischen Sonnenkult zurückgeht.Georg Graber: Die Vierberger. Ein Beitrag zur Religions- und Kulturgeschichte Kärntens. In: Carinthia I 102 (1912), S. 1–87. Ernst Klebel vertrat 1927 die Meinung, dass die Einführung des Dreinageltages als Feiertag im Jahre 1353 der Ausgangspunkt der Wallfahrt war und diese ihre endgültige Form in der Zeit Kaiser Friedrichs III. (1452–93), nach dem Vorbild der Jubelablasswallfahrt in Rom, fand.Ernst Klebel: Zur Geschichte der Pfarren und Kirche Kärntens. In: Carinthia I 115 (1925), S. 1–47; Carinthia I 116 (1926), S. 1–63 und Carinthia I 117 (1927), S. 81–144. Nachdem Rudolf Egger nach Ausgrabungen am Ulrichsberg ein keltisches Heiligtum nachweisen konnte, stellte er 1948 die Vermutung auf, dass einst vier keltische Stämme jeweils im Besitz eines heiligen Berges gewesen seien und dass ein alljährlich gemeinsamer Besuch dieser Berge als Ausdruck ihres politischen Zusammenschlusses denkbar wäre.Rudolf Egger: Karnburg und Maria Saal. In: Carinthia 136–138 (1948), S. 198–206. Josip Šašel hob 1952 die Bedeutung der Slowenen als Traditionspfleger hervor. In Abwandlung der These von Rudolf Egger war für ihn der Vierbergelauf anfangs ein konzentrischer Lauf mehrerer Prozessionen auf den Magdalensberg zu. Auf Grund einer slowenischen Sagenüberlieferung stellte er den Lauf in Beziehung zu einer Prozession, die ursprünglich vor der Frühjahrsackerung zur „Mater terrae“ stattgefunden habe.Josip Šašel: Leteče procesije ob Gosposvetskem polju (Dt. Zusammenfassung: Laufende Prozessionen am Zollfelde). In: Slovenski Etnograf 5 (1952), S. 143–159. Leopold Kretzenbacher betonte 1957 die Bedeutung des Wallfahrtstermins am Dreinagelfreitag für das großteils bambergische Kärnten im Spätmittelalter, ohne dass er eine Kultkontinuität aus der Römerzeit grundsätzlich bestritt.Leopold Kretzenbacher: Kärntner Volkserinnerungen an die Reichsheiligtümer. Zum mittelalterlichen Wallfahrtstermin des „Dreinagelsfreitag“ im bambergischen Kärnten. In: Carinthia I 147 (1957), S. 803–828.

Zur Kelten-Theorie Die Theorie der Ausbildung des Vierbergelaufes in keltisch-römischer Zeit stützt sich vor allem auf die antike Stadt auf dem Magdalensberg mit einem Mars-Latobius-Heiligtum (Siehe auch: Jüngling vom Magdalensberg) und die Kultstätte der Isis-Noreia am Ulrichsberg. Ein zweites Isis-Noreia-Heiligtum befand sich unterhalb des Schlosses Hohenstein in der Nähe der Ortschaft Pulst. Dieses befindet sich genau im Schnittpunkt jener Linien, die den Ulrichsberg mit dem Lorenziberg und den Veitsberg mit dem Magdalensberg verbinden.

Bei der Theorie mit den vier keltischen Stämmen kann am ehesten den Latobikern der Magdalensberg und den Norikern der Ulrichsberg zugeordnet werden. Von Veits- und Lorenziberg sind keine antike Funde bekannt, daher muss bezweifelt werden, ob hier überhaupt keltische Heiligtümer bestanden haben. Als andere mögliche Mitglieder des hypothetischen Stammesbundes kämen die Karner und eventuell die Helvetier in Frage. Obwohl Fachleute heute die Kelten-Theorie ablehnen, ist sie in der Bevölkerung noch sehr verbreitet. Hauptgrund dafür ist, dass dieser vermeintlich heidnische Ursprung des Laufes in den Volksschulen gelehrt wurde und Georg Grabers Ansichten in Lehrerkreisen lange unangreifbar waren, da dieser Landesschulinspektor war. Auch wurde diese Theorie durch Bertl Petreis populäres Buch „Jahrtausende ziehen mit uns“ gestärkt.

Zur Mittelalter-Theorie Die heidnischen Heiligtümer am Magdalens- und Ulrichsberg wurden nach der Christianisierung des römischen Reichs zerstört und am Ulrichsberg eine Kirche errichtet, die aber schon bald den Awarenstürmen nach 591 zum Opfer fiel. Damit erlosch praktisch das Christentum in Kärnten bis zur Missionung durch Bischof Modestus in der Mitte des achten Jahrhunderts.

Herausbildung des Vierbergelaufes 1353 setzte Papst Innozenz VI. auf Betreiben von Kaiser Karl IV. das „Hochfests der Heiligen Lanze samt Kreuznagel“ mit dem Termin des Freitags nach dem Weißen Sonntag ein.

Die Heilige Lanze, in der ein Kreuznagel Christi eingearbeitet ist, war Teil der römisch-deutschen Reichskleinodien. Nach den Hussitenkriegen wurden sie 1424 von Prag nach Nürnberg gebracht, wo sich die Heiliggeistkirche zum Kultzentrum für die heilige Lanze entwickelte. Nürnberg liegt im Einflussbereich des Bistums Bamberg, dessen Domschatz ebenfalls einen heiligen Nagel besitzt. Für die Verehrung des heiligen Nagels bildete in Bamberg der Dreinageltag den bedeutendsten Termin. Bamberg besaß seit dem 11. Jahrhundert in Kärnten bedeutende Besitzungen, wie die Gegend um Villach, besonders südlich der Drau, wesentliche Teile des Gailtales, das Kanaltal, St.Leonhard, Wolfsberg, das Hochstift Griffen und Besitz zu Feldkirchen und Dietrichstein. Der Einfluss Bambergs zeigt sich durch die Einführung des im Bamberg Dom verehrten heiligen Veit als Kirchenpatron in Kärnten, sowie die zahlreichen den Stiftern des Bamberger Bistums geweihten Heinrich- und Kunigundenkirchen und -kapellen. Gegen den Einfluss Bambergs auf die Entstehung des Vierbergelaufes spricht aber, dass der Lauf außerhalb der Bamberger Besitzungen stattfindet.

Nachdem die Kreuzauffindung und der Dreinageltag bereits am Magdalensberg gefeiert wurden, erfuhr der Dreinagelkult durch die Übersiedlung der Familien Gleismüller und Kaltenhauser, Bergbauunternehmer und Kaufleute, im 15. Jahrhundert aus Nürnberg nach St.Veit, eine besondere Förderung. Ein anderer wichtiger Impuls dürfte vom Kärntner Herzog Friedrich ausgegangen sein, der 1440 König und 1452 Kaiser, und damit zum Hüter der Reichsheiligtümer wurde Friedrich war mindestens zehnmal in der Herzogstadt St.Veit und stand mit Hans Kaltenhauser dem Jüngeren in näherer Verbindung, der im Jahre 1471 eine heute verschollenes Schmerzensmann-Relief auf dem Magdalensberg stiftete und den Kirchenbau auf dem Lorenziberg unterstützte. Die Familie Gleismüller traten am Magdalensberg und in Zweikirchen als Stifter auf.

Als erste der vier Bergkirchen wird die Kirche am Magdalensberg 1262 als Helenenkirche urkundlich erwähnt, sie wurde von den Osterwitzerin der Zeit der Kreuzzüge errichtet. Die Heilige Helena soll in Jerusalem das Kreuz Christi gefunden haben, daher besitzt die Kirche als Reliquie einen Splitter des Kreuzes. In den sechziger Jahren des 15. Jahrhunderts erfolgte ein Neubau der Kirche. Eine Sankt-Lorenz-Kirche am Gauerstall taucht erstmals 1496 in Urkunden auf, nachdem ein Vorgängerbau schon 1330 bestanden haben könnte. In dieser Kirche wurden besonders die drei heiligen Nägel verehrt. Das älteste schriftliche Zeugnis der Veitskirche am Göseberg stammt aus dem Jahre 1580, aber bereits um 1500 ist einmal vom Berg „Sacti Viti“ die Rede. Die Heiligen Veit und Laurentius sind die Schutzpatrone der Stadt St.Veit. Daher können die Kirchen auf Göseberg und Gauerstall auf städtische Stiftungen zurückgeführt werden. Die früheste schriftliche Erwähnung der Kirche am Ulrichsberg stammt aus dem Jahre 1485; sie dürfte nicht vor der Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet worden sein. Der Berg der im Mittelalter als „mons Carinthus“, „Chernperch“, oder „Kernperg“ genannt wurde, wird nach 1500 Ulrichsberg genannt. Da Kärnten zwischen 1473 und 1483 von fünf Türkeneinfällen betroffen war und zwischen 1480 und 1490 der Ungarnkönig Matthias Corvinus Teile Kärntens besetzte, wurde die Kirche dem heiligen Ulrich geweiht, der 955 an der Schlacht auf dem Lechfeld beteiligt war, und damit die Bedrohung des Deutschen Reiches durch die Ungarn zu beenden half. 1490 gab es in Kärnten auch noch eine Heuschreckenplage. Diese Notzeit im späten 15. Jahrhundert wurde zum Auslöser für volkstümliche beschwerliche Wallfahrten, um den Kreuzestod Christi nachzuempfinden.

1300 rief Papst Bonifazius VIII. erstmals ein Heiliges Jahr aus. Jedem, der das Bußsakrament und die heilige Kommunion empfing, sowie die sieben wichtigsten Kirche an einem Tag besuchte, wurde ein Ablass der Sünden gewährt. Die sieben Kirchen waren die Lateranbasilika, der Petersdom, Sankt Paul vor den Mauern, Santa Maria Maggiore, Santa Croce in Gerusalemme, Sankt Laurentius vor den Mauern und San Sebastiano fuori le mura. Später wurde die Zahl der zu besuchenden Kirchen auf vier reduziert und jedes 25-Jahr-Jubiläum der Geburt oder des Todes Christi zum Heiligen Jahr ausgerufen. Zunächst bezog sich dieses Ablassprivileg nur auf Rom; 1390 wurden in München, Prag und Magdeburg jeweils vier Jubiläumskirchen bestimmt, bei deren Besuch man den Ablass gewinnen konnte. Die Päpste Bonifatius IX., Nikolaus V. und Sixtus IV. verliehen auch einzelnen Kirchen außerhalb Roms das Privileg des Jubelablasses. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Kaiser Friedrich einen solchen Ablass für Kärnten erwirken wollte. Jedenfalls gestattete Papst Alexander VI. 1500 auch den von Rom entfernt wohnenden Christen einen solchen Jubelablass durchzuführen. Daher ist es wahrscheinlich, dass spätestens 1500 ein Vierbergelauf durchgeführt wurde.

Weitere Geschichte des Vierbergelaufes Die älteste schriftliche Nachricht über den Vierbergelauf stammt aus den Kollektanten des Wiener Domherrn Ladislaus Sunthaym und findet sich unter den Vorarbeiten zu einer Geschichte der Steiermark und Kärntens. Da darin die Kirche am Ulrichsberg bereits erwähnt wird, der Fund des Jünglings vom Magdalensberg aber nicht, ist dieses Schriftstück wahrscheinlich zwischen 1485 und 1502 entstanden, sicher jedoch vor dem 23. April 1510. In diesem Dokument wird berichtet, dass Kärntner Frauen mit bloßen Füßen am Tag der Kreuzesnägel Christi schweigend über die genannten vier Berge gelaufen seien.

Das nächste Schriftstück über die Wallfahrt stammt aus dem Jahre 1578 von Michael Gothard Christalnick, der einige Zeit in St. Veit und Umgebung als evangelischer Prediger wirkte. Er schreibt in seiner „Historica Carinthiaca“ über das arme Volk, welches noch im Papsttum liege, auf die vier Götzenberge laufe, je einmal um die Altäre gehe, sich davor verbeuge, wieder davonlaufe und glaube, damit Gott einen gefallen zu tun.

Da die Protestanten den Vierbergelauf ablehnten, wurde er in der Zeit der Gegenreformation von der katholischen Amtskirche gefördert. 1592 nahm daher der Gurker Dompropst Karl Grimming mit zahlreichen Klerikern und Beamten an der Wallfahrt teil.