200px|mini|Lage Brasiliens in Südamerika Die Geschichte Brasiliens umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Föderativen Republik Brasilien von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie beginnt mit der Besiedlung durch Indianerstämme unterschiedlicher Herkunft vor Tausenden von Jahren.

Der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral, der 1500 im Nordosten Brasiliens landete, gilt gemeinhin als europäischer Entdecker Brasiliens. Vom 16. bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Land eine portugiesische Kolonie. 1822 erklärte Brasilien seine Unabhängigkeit und wurde zu einer konstitutionellen Monarchie, dem Kaiserreich Brasilien. 1889, ein Jahr nach der Abschaffung der Sklaverei, folgte auf einen Militärputsch die Gründung einer Republik. Nach mehreren Phasen der Diktatur im 20. Jahrhundert, einschließlich eines 21-jährigen Militärregimes ab 1964, wurde ab 1985 die Demokratie gestärkt.

Das vorkoloniale Brasilien Die ältesten Spuren menschlichen Lebens wurden in Höhlen der Serra da Capivara im Bundesstaat Piauí gefunden, die auf ein Alter von bis zu 20.000 bis 30.000 Jahre hinweisen. Die Paläo-Indianer erreichten die Südspitze Amerikas wahrscheinlich um 10.000 v. Chr. Skelettfunde belegen, dass die Küstengebiete des heutigen Brasilien um circa 8000 v. Chr. bewohnt waren.

Traditionell wird vertreten, dass die ökologischen Bedingungen im Amazonasbecken das Aufkommen von bevölkerungsstarken Hochkulturen wie im Andenraum nicht zuließen und man deshalb von einer dünnen Bevölkerung aus nomadischen oder halbnomadischen Gruppen von Jägern und Fischern ausgehen muss, die in geringem Umfang auch Ackerbau trieben.

Jüngst haben Forscher die Hypothese aufgestellt, dass die Aktivitäten der einheimischen Völker vor der Kolonialisierung weit über das bisher angenommene Ausmaß hinausgingen. Demnach hätten die Ureinwohner durch systematische Anpflanzung und Verbreitung von Pflanzenarten sowie Bodenverbesserung (Verbreitung der Terra Preta) das Ökosystem des Amazonasbeckens erst geschaffen. Auch ihre Ansiedlungen – etwa auf der riesigen Flussinsel Marajó – seien demnach weit größer gewesen als bisher angenommen.

Ähnliches gilt für den äußersten Westen Brasiliens. In der Provinz Mato Grosso fanden sich zahlreiche geplante Orte, deren Größe den zeitgenössischen europäischen kaum nachsteht, und in denen Fischzucht und Landwirtschaft bis in die Zeit um 1500 betrieben wurde. Sie waren durch ein Straßennetz (Peabiru) miteinander verbunden. Man nimmt an, dass die Bevölkerung dieser Orte durch Epidemien verschwunden ist.Vgl. „Lost towns“ discovered in Amazon, in: BBC News vom 28. August 2008.

Die Zeit der Entdeckungen Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus (1492) wurde die neue Welt im Vertrag von Tordesillas (1494) zwischen Spanien (genauer: dem Königreich Kastilien sowie der Krone von Aragonien) einerseits und Portugal andererseits aufgeteilt. Das damals noch unbekannte Brasilien fiel in die portugiesische Hälfte. Voraussetzung für eine legitime Herrschaft war dabei die konsequente Katholisierung der Einheimischen, mit der ab 1587 offiziell der Jesuitenorden beauftragt wurde.Rüdiger Zoller: Religion in Brasilien, erschienen in: Markus Porsche-Ludwig, Jürgen Bellers (Hrsg.): Handbuch der Religionen der Welt. Bände 1 und 2, Traugott Bautz, Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-727-5, S. 509.

Offiziell wurde Brasilien am 22. April 1500 durch den portugiesischen Seefahrer Pedro Álvares Cabral entdeckt. Welcher Europäer Brasilien wirklich entdeckte, ist jedoch umstritten. Der spanische Seefahrer Vicente Yáñez Pinzón segelte bereits 1499 entlang der Ostküste des heutigen Brasilien bis zum Mündungsgebiet des Río de la Plata (heutiges Argentinien). Der portugiesische Seefahrer, Geograph und Astronom Duarte Pacheco Pereira soll sogar schon Ende 1498 die Küsten der heutigen brasilianischen Staaten Pará und Maranhão sowie das Mündungsgebiet des Amazonas befahren haben.

Nach französischen Aufzeichnungen des 15. Jahrhunderts soll der Kapitän Jean Cousin 1488 an Bord eines aus Dieppe stammenden Schiffs des Reeders Jehan Ango zu einer Reise nach Westafrika aufgebrochen, aber durch die Äquatorialströmung in Höhe der Azoren abgetrieben und nach zwei Monaten an eine fremde Küste und einen gewaltigen Strom gelangt sein, den er Maragnon nannte. Nach kurzem Aufenthalt überquerte er den Atlantik erneut, lief Westafrika an und kehrte von dort 1489 nach Dieppe zurück.

Cabral landete am 22. April 1500 in der Nähe des heutigen Porto Seguro an und nahm das neu gefundene Land für den portugiesischen König Emanuel I. (Manuel I.) in Besitz.Stefan Rinke, Frederik Schulze: Kleine Geschichte Brasiliens. C. H. Beck, München 2013, S. 19. Die bei der Landung angetroffenen Tupí-Indianer leisteten den Europäern keinen Widerstand. Portugal hielt die Entdeckung zunächst geheim, um im Wettlauf um neue Kolonien einen Vorteil zu behalten. Spätestens aber seit 1507 wurde der neu entdeckte Kontinent in Europa bekannt, als der deutsche Kartograph Martin Waldseemüller eine Karte Südamerikas veröffentlichte, auf der auch Porto Seguro eingezeichnet ist.

Nachdem reiche Vorkommen von Brasilholz (port.: Pau Brasil / Pau Verzím) ausgemacht wurden, bekam das neue Land den Namen Brasilien. Brasilholz eignet sich zur Farbgewinnung und zur Herstellung edler Möbel. Damit wurde es zum ersten Exportprodukt der Kolonie und bildete die Grundlage für eine erste wirtschaftliche Nutzung des Landes. Aufgrund der massiven Abholzung ist Brasilholz heute vom Aussterben bedroht und steht unter Naturschutz.

Im Jahr 1503 entdeckte eine Expedition von Gonçalo Coelho, dass auch die Franzosen sich anschickten, in Brasilien zu landen. Der französische König hatte im Juli 1503 Binot Paulmier de Gonneville beauftragt, das „Südland“ (Terra Australis) zu finden. Dabei gelangte sein Schiff, die L’Espoir, an die brasilianische Küste. De Gonneville zeigte sich erstaunt darüber, wie selbstverständlich sich die Indígenas dem Schiff näherten, für sie erwartet unbekannte europäische Werkzeuge benutzten und den Zweck der Bordgeschütze kannten. 1530 wurde eine neue Expedition von Martim Afonso de Sousa nach Brasilien gesandt, um die Franzosen zu bekämpfen und die ersten Kolonialstädte zu gründen. 1625 wurden die Franzosen endgültig aus Brasilien vertrieben.

Besiedelung 150px|mini|Zuckerrohr König Johann III. ließ die brasilianische Küste in zunächst fünfzehn, dann zwölf Zonen, Kapitanate genannt, portugiesisch capitanias hereditárias oder auch capitanias donatárias, einteilen.Stefan Rinke, Frederik Schulze: Kleine Geschichte Brasiliens. C. H. Beck, München 2013, S. 22. Er vergab diese an Adlige und Personen aus dem Mittelstand. Zur wirtschaftlichen Entwicklung setzte man vor allem auf den Anbau von Zuckerrohr, da Zucker zu jener Zeit ein teures Gut war. Um Arbeitskräfte für die Plantagen zu bekommen, wurden Indianer im näheren Hinterland gefangen.

Nicht alle der Siedler, die von Portugal nach Brasilien kamen, waren Freiwillige: Das portugiesische Gesetzbuch kannte zu jener Zeit 200 Vergehen, die mit Verbannung geahndet wurden. Außerdem ließ die Kolonialmacht Einwanderer aus allen Ländern zu, die einzige Voraussetzung war, dass sie dem katholischen Glauben angehörten.

Da viele der Indianer auf den Plantagen sich das Leben nahmen oder an europäischen Krankheiten starben, wurden 1538 die ersten afrikanischen Sklaven importiert. Die Afrikaner wurden nach ihrer Verschleppung zwangsweise getauft, behielten jedoch faktisch ihre traditionellen Religionen bei. Dies war die Ursache für die Entstehung der typisch brasilianischen synkretistischen Kulte Candomblé und Umbanda.

Um 1600 war Brasilien der größte Zuckerproduzent der Welt. Wenige Jahre später war der Dreieckshandel in vollem Schwung: Manufakturprodukte wurden in Afrika gegen Sklaven verkauft, die Sklaven wurden in Süd- und Nordamerika gegen Edelmetalle, Zucker, Kakao und Gewürze eingetauscht und diese wurden nach Europa gebracht.

Kolonialisierung und Erschließung

1549 wurde São Salvador da Bahía de Todos os Santos (das heutige Salvador da Bahia) zur Hauptstadt über alle Capitanias der Kolonie Brasilien erklärt und ein Generalgouverneur (der sich zuweilen Vizekönig nennen durfte) eingesetzt. Von 1565 bis 1567 zerstörte Mem de Sá, ein portugiesischer Kolonialoffizier und der dritte Generalgouverneur Brasiliens, die zehn Jahre alte französische Kolonie France Antarctique in der Guanabara-Bucht. Er und sein Neffe Estácio de Sá gründeten daraufhin im März 1567 Rio de Janeiro.

Das Hinterland wurde ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts von Bandeirantes-Expeditionen erkundet, die Sklaven und Bodenschätze (vor allem Gold) suchten.Richard Konetzke: Die Indianerkulturen Altamerikas und die spanischportugiesische Kolonialherrschaft (= Fischer-Weltgeschichte, Band 22: Süd- und Mittelamerika I). Fischer, Frankfurt am Main, 52.–56. Tsd., 1971, ISBN 3-436-01213-0, S. 73. Obwohl die Portugiesen versuchten, mit Festungen an der Küste das Land abzuschotten und keine Konkurrenten zuzulassen, eroberte im Jahre 1624 eine Flotte der Niederländischen Westindien-Kompanie unter dem Kommando von Jacob Willekens und Piet Pieterszoon Heyn mit 26 Schiffen die Stadt Bahia, die sie im Folgejahr jedoch wieder an die Portugiesen verloren. Mit dieser Aktion begann der bis 1661 andauernde Niederländisch-Portugiesische Krieg. 1629 setzten sich die Niederländer in „Mauritsstad“, dem heutigen Recife (Pernambuco), fest. Der Nordosten erlebte unter der Herrschaft der Westindischen Kompanie unter Führung von Johann Moritz von Nassau-Siegen eine kurze Blüte. Mit Hilfe der 1649 gegründeten Allgemeinen Gesellschaft des Brasilienhandels (Companhia Geral do Comércio do Brasil) sollte vor allem der Kampf gegen die Niederländer unterstützt und der für das Mutterland immer wichtiger werdende Überseehandel zwischen Brasilien und Portugal gesichert werden. Die Portugiesen errangen im Februar 1649 einen bedeutenden Sieg in der zweiten Schlacht von Guararapes. 1654 gaben die Niederlande auf und die Kontrolle über Gesamtbrasilien an die Portugiesen zurück.

Während des 17. Jahrhunderts gründeten entflohene Sklaven im Nordosten Brasiliens Siedlungen, die vorbildlich verwaltet und von einem Heer verteidigt wurden. Erst 1699 wurde – nach zahlreichen Niederlagen der Kolonialtruppen – der letzte dieser Quilombos, Palmares, zerstört.

1696 wurde im Hinterland von Rio de Janeiro Gold gefunden, wenig später auch Diamanten und andere Bodenschätze. Dies wurde die Grundlage für die Entwicklung reicher Barockstädte wie Ouro Preto. Seit Ende des 17. Jahrhunderts verlagerte sich der wirtschaftliche Schwerpunkt mehr und mehr in den Süden Brasiliens. Dem wurde 1763 dadurch Rechnung getragen, dass die Hauptstadt von Salvador nach Rio de Janeiro verlegt wurde.

Mit Ende des 18. Jahrhunderts mehrten sich Aufstände gegen die portugiesische Herrschaft. Der wichtigste Aufstand war die „Inconfidência Mineira“ in Minas Gerais, deren Anführer Tiradentes 1792 hingerichtet wurde. Gleichzeitig geriet man im Süden auf dem Gebiet des heutigen Uruguay, wo die Bandeirantes die Westgrenze des Kolonialreiches über die Linie des Vertrags von Tordesillas hinausgeschoben hatten, mit Spanien und dem Vizekönigreich des Río de la Plata aneinander.

Ab 1805 wurde in Brasilien Kaffee angebaut, nachdem die ersten Kaffeebohnen durch Francisco de Mello Palheta 1727 ins Land geschmuggelt worden waren.

Periode des Königreichs