PC/GEOS (Personal Computer/ Graphical Environment Object System) ist eine grafische Benutzeroberfläche für PC-kompatibles DOS und damit eine Version von GEOS für IBM-PC-kompatible Computer. Es ist auch unter den Bezeichnungen GeoWorks Ensemble, GeoWorks DTP, IBM SchoolView, NewDeal Office und Breadbox Ensemble bekannt und wurde 1990 von dem US-Unternehmen GeoWorks Corporation vorgestellt, zwischenzeitlich von dem US-Unternehmen NewDeal Inc. und seit 2000 von Breadbox Computer Company, LLC mit Firmensitz in Florida weiterentwickelt und vertrieben. Nachdem der Geschäftsführer von Breadbox 2015 verstorben war, bemühte sich der Leipziger GEOS-Entwickler Falk Rehwagen um die Rechte und erwarb schließlich PC/GEOS. 2018 gab er den Großteil der Quelltexte frei, die seitdem auf GitHub veröffentlicht werden.

Einsatz Die grafische Benutzeroberfläche PC/GEOS lässt sich auf Computersystemen einsetzen, auf welchen ein zu MS-DOS kompatibles Betriebssystem installiert ist. Das dafür erforderliches DOS-kompatible Betriebssystem ist jedoch nicht Bestandteil von PC/GEOS, sondern muss bereits vorhanden sein oder separat erworben werden.

PC/GEOS nutzt und erweitert dann Fähigkeiten von DOS. Im Einsatz als DOS-Erweiterung fungiert es als DOS-Programmstarter sowie Dateimanager. Beim Start eines DOS-Programms wird PC/GEOS selbst dabei bis auf eine kleine Ladefunktion heruntergefahren und nach Beenden des DOS-Programms wieder gestartet.

Unter DR-DOS registriert sich PC/GEOS jedoch statt TASKMGR als grafisches Menüsystem für den präemptiven Protected Mode-Multitasker (KRNL386.EXE bzw. EMM386 /MULTI) von DR-DOS und erlaubt so den nahtlosen Betrieb mehrerer parallel ablaufender DOS- und GEOS-Anwendungen gleichzeitig.

PC/GEOS ersetzt die DOS-CLI durch dialogbasierte Bedienung unter Einsatz einer Maus und anderen Eingabegeräten. Es bietet verschiedene wählbare Bedienoberflächen. Im PC/GEOS-Lieferumfang und zusätzlich erhältlich sind systemeigene und stark integrierte Layout- und DTP-Anwendungen, Büro-, Schul- und Internetsoftware.

Vorteile Der Vorteil gegenüber anderen Betriebssystemen und Bedienoberflächen liegt im geringen Ressourcenverbrauch von PC/GEOS. Es funktioniert aufgrund seiner geringen Hardwareanforderungen nicht nur auf aktuellen Personal Computern, sondern auch auf fast allen seit 1986 gebauten IBM-kompatiblen Computern. PC/GEOS eignet sich daher auch zum Einsatz auf Computern, auf denen aktuelle Produkte wie Windows 10, Linux-Distributionen oder macOS auf Grund ihrer hohen Anforderungen an die Hardware nicht lauffähig sind.

Nachteile Der größte Nachteil von PC/GEOS ist, dass es bislang ausschließlich als 16-Bit-Version für den Real Mode vorliegt. Durch die geringe Verbreitung bietet sich für professionelle Softwarehersteller kein lukrativer Absatzmarkt. Neben Software des PC/GEOS-Herstellers existiert daher kaum weitere käuflich erwerbbare Software. Spezielle Tastaturen oder Eingabegeräte für körperbehinderte Menschen werden vom Hersteller bislang nicht unterstützt.

System Benötigte Hardware PC/GEOS stellt als 16-Bit-System geringe Anforderungen an die Hardware. Ab einem Intel-8086-Mikroprozessor mit mindestens 512 KB RAM, mindestens Hercules- oder CGA-Grafikkarte sowie zuvor installiertem DOS-Betriebssystem kann das PC/GEOS Grundsystem ausgeführt werden. Optional erhältliche Software setzt jedoch zumindest eine EGA- oder MCGA-Grafikkarte voraus.

Der Hersteller empfiehlt für einen angenehmen Betrieb von PC/GEOS 4.x als Minimum einen 386er oder besser, 640 KB RAM, eine 15 MB große Festplatte und eine EGA-Karte. Das System soll von bis zu 32 MB zusätzlichem RAM stark profitieren.

Über 250, zumeist aus den Jahren 1990 bis ca. 2000 stammende Drucker mit parallelem und seriellem Anschluss, darunter PostScript-Drucker, werden unterstützt. USB-Drucker werden mangels USB-Treiber von einem auf DOS installiertem PC/GEOS nicht unterstützt.

PC/GEOS kann auf optischen Medien CD und DVD gebrannt sowie auf diversen RAM-Karten oder USB-Stick installiert werden. Es ist auf CD- und USB-Treiber im zugrundeliegenden Betriebssystem angewiesen, oder eine Festplattenemulation im BIOS, welche das Booten von CD oder USB-Stick beherrscht.

Die verschiedenen PC/GEOS Versionen unterstützen folgende weitere Hardwarestandards: PCs ab dem IBM-XT-Standard bis zu heutigen Modellen. PC/GEOS profitiert von mathematischen Co-Prozessoren. Die minimal benötigte CPU-Taktfrequenz liegt bei PC/GEOS 1.x bei 6 MHz, für PC/GEOS 2.x und 3.x bei 16 Megahertz, ab PC/GEOS 4.x bei 33 Megahertz. Ab PC/GEOS 3.0 wird VESA 1.02 bis 2.0 SVGA und vereinzelt XGA bei Echtfarben unterstützt. Spätere, nicht standardisierte und auf eigene Treiber angewiesene Grafikkarten werden nur sehr vereinzelt bei gewisser Kompatibilität zum VESA-Standard unterstützt. Es besitzt Treiber für Geräte zu Dateneingabe wie Tastaturen oder Mäusen. Zur Datenfernübertragung beispielsweise in Verbindung mit BBS oder dem Internet unterstützt PC/GEOS 4 AT-Modems aller Geschwindigkeiten, inklusive externe ISDN-Modems, die den AT-Befehlssatz unterstützen. Der Internet-Zugang über DSL und ISDN ist zudem über entsprechende externe Router möglich. Ab der Version 1.2 besitzt das System die Fähigkeiten zum Einsatz in einem Netzwerk und unterstützt, auch zur Umleitung der Druckerausgabe, zuvor installierte Novell NetWare, Artisoft LAN-Tastic, IBM LAN Manager und ab PC/GEOS 3.x zusätzlich Bay Networks PowerLAN, Microsoft-Windows-Netzwerk sowie zu DOS kompatible IP-Netzwerktreiber. Von einigen PC/GEOS-Versionen wie die Version 4 gab es auf Anfrage komplette Netzwerk-Versionen.

Benötigtes Betriebssystem PC/GEOS funktioniert auf zu MS-DOS bzw. PC DOS kompatiblen Betriebssystemen, wozu auch FreeDOS gehört.

Vorteil einer Installation auf MS-DOS-basierende Windows-Versionen (Windows 3.x und Windows 9x) ist der Umstand, dass sich PC/GEOS vieler Windows-Gerätetreiber, wie zum Beispiel für RAM, USB, Netzwerk und Drucker bedienen kann, was die Möglichkeiten gegenüber der Installation auf einem DOS-Betriebssystem erweitert.

PC/GEOS funktioniert auf OS/2 ab der Version 2 sowie auf dem OS/2 Nachfolgern Warp/4 und eComStation im Direktbetrieb.

Durch das Designkonzept von Windows NT (und seinen Nachfolgern), DOS-Programmen den direkten Zugriff auf die Hardware zu verweigern, funktioniert PC/GEOS unter Windows-NT-basierenden Betriebssystemen mit den normalen Geos-Treibern nur im Vollbild-Modus im DOS-Fenster. Je nach verwendeter Hardware und Windows-Treibern ist zudem unter Geos z. T. kein „Truecolor“-Modus, sondern nur ein 16-Farben-Modus möglich. Daher gibt es ab Geos 3.x noch ein paar spezielle Grafiktreiber, die es Geos ermöglichen, unter Windows in einem Fenster zu laufen. Leider sind diese Treiber nicht sehr stabil und laufen z. T. nur, wenn Windows in einem Grafikmodus mit 16-bit Farbtiefe läuft. Auch Tonein- und -ausgabe ist nur mittels Emulatoren (VDMSound, DOSBox …) möglich. Geos-Programme, die zum Abspielen von Audio-CDs dienen, brauchen ebenfalls Emulatoren, da MSCDEXNT deutlich weniger kann als sein DOS-Pendant MSCDEX.

PC/GEOS kann auf Datenträgern installiert werden, die u. a. mit den FAT-Dateisystemen FAT12, FAT16 und FAT32 formatiert wurden.

Emulatoren Neben einer Direktinstallation auf DOS oder auf MS-DOS-basierende Windows-Versionen kann PC/GEOS auf nicht zu DOS kompatiblen Systemen wie Windows XP, Linux-Distributionen, macOS (vormals „Mac OS X“ bzw. „OS X“) ab einer Taktfrequenz der CPU von ungefähr 1 Gigahertz auch mit Hilfe eines zuvor installierten Emulators wie DOSEMU oder DOSBox in brauchbarer Geschwindigkeit ausgeführt werden.

Andreas Bollhalder hat eine QEMU-Installation mit FreeDOS und PC/GEOS 4 mit Breadbox Ensemble-Lite erstellt und bietet diese zum Download an. QEMU liegt hierfür mit angepasstem VGA-fähigem BIOS vor.

Mit Hilfe des kommerziellen Produkts Virtual PC für Mac OS X läuft PC/GEOS 4 am besten mit der ISUI-Oberfläche. Die Geschwindigkeit auf einem G4-Macintosh bewegt sich mit MS-DOS 7 auf 80486er-Niveau.

Systemaufbau und Kernel Das in der objektorientierten 8086-Assemblersprache Espire und einem ebenfalls objektorientierten Derivat der Programmiersprache C namens GOC entwickelte PC/GEOS bietet echtes präemptives Multitasking, Multithreading, dynamisch gelinkte Bibliotheken, Vektorschriften und seit 1990 ein erweitertes Dateisystem, welches lange Dateinamen sowie Dateikommentare unterstützt.

PC/GEOS benötigt mitsamt allen mitgelieferten Applikationen, darunter umfangreiche Bürosoftware, je nach Version, 5 bis 20 Megabyte Speicherplatz und gehört damit zur Gruppe der höchstmöglich optimiert programmierten Systeme.

Die Basis von PC/GEOS bildet ein je nach Version ca. 70 bis 100 Kilobyte kleiner 16 Bit-Kernel mit aufrufbaren Betriebssystemroutinen für präemptives Multitasking, dynamische Speicherverwaltung, Taskkommunikation, Objektunterstützung sowie Grafik- und Fensterverwaltung. Der Kernel bedient sich der von GEOS und DOS bereitgestellten Gerätetreiber.

GUI-Technologie Die komplett über Tastatur, sowie per Eingabestift oder Maus bedienbare Benutzeroberfläche bietet echtes WYSIWYG mit frei skalierbaren Vektorschriften und Vektorgrafik. Sie beruht auf einem geräteunabhängigen Koordinatensystem mit 72 Punkten pro Zoll und adaptiert Elemente der Unix-Oberflächen OpenLook und OSF/Motif.

Mit ISUI (Industry Standard User Interface), Motif, OpenLook und anderen sind bereits mehrere, frei erstellbare und weitgehend aus denselben Elementen zusammengestellte PC/GEOS Benutzeroberflächen entstanden. Seit dem Jahr 1999 ist ab der Version 3.0 neben Motif auch eine an Windows 9x angelehnte Desktop-Umgebung, die NewUI, aktuell auch ISUI genannt, verfügbar. GeoManager, der Hauptbestandteil von Motif, ist auch aus der NewUI startbar und dient dort als Dateimanager.

Da das Objektsystem in GEOS in der Lage ist, seinen Momentanzustand zu speichern, finden sich nach der Rückkehr von einem DOS-Programm alle Anwendungen im selben Zustand wie zuvor.

Treiber PC/GEOS greift als DOS-Erweiterung auf dessen Treiber zurück. Damit ist es auf die Geräteunterstützung des Wirtssystems angewiesen. Es kann dabei auch Erweiterungsspeicher wie EMS oder XMS nutzen. Einige wenige Treiber ermöglichen präemptives Multitasking unter DOS.

Anwendungssoftware Für PC/GEOS existieren ineinander greifende Büroanwendungen für Textverarbeitung, Datenbankverwaltung, Vektor- und Raster-Grafikprogrammen oder Tabellenkalkulation. PDF-Dateien können nur eingeschränkt betrachtet werden, da die Größe an Hauptspeicher sehr knapp bemessen ist. Der Hersteller Breadbox Computer Company vertrieb zum Stand 2005 58 optionale PC/GEOS-Applikationen, vorwiegend für den Büro- und Bildungsbereich. Daneben existieren 10 weitere kommerzielle und etwa 100 Sharewareprogramme. Aufgrund der Abhängigkeit zu DOS können unter PC/GEOS auch noch viele alte Spiele verwendet werden.

Internetsoftware Neben der Anwendersoftware gibt es auch Software für die Internetbenutzung, darunter einen HTML 3.2 fähigen-Webbrowser, einen POP3-E-Mail-Client und Newsreader sowie IRC-, FTP-, Instant-Messenger- und HTML-Editor-Software.

Die aktuelle Version 3.0 des Browsers WebMagick (früher Skipper) unterstützt weder JavaScript noch Stylesheets und ist nicht für Multimediainhalte wie Audio oder Video konzipiert.

Aufgrund der heute weit verbreiteten Javascript-, HTML5 und HTTPS-Nutzung ist PC/GEOS de facto vom Internet ausgeschlossen.

Sicherheit vor Computerviren Bei Benutzung von PC/GEOS sind Schutzmaßnahmen hauptsächlich gegen alte und nur noch selten im Umlauf befindliche DOS-Viren angebracht. PC/GEOS selbst kennt bislang keine Viren oder Schadprogramme.

Softwareentwicklung auf PC/GEOS