mini|Alexander Theodor von Middendorff (1855) mini|Middendorffs Wappen Alexander Theodor von Middendorff (, wiss. Transliteration ; * in Sankt Petersburg; † auf seinem Gut Hellenorm (estn. Hellenurme) in Livland/Estland) war ein deutsch-baltischer Zoologe und Entdecker in russischen Diensten.
Leben Middendorff wurde 1815 in Sankt Petersburg geboren, studierte 1823 bis 1835 an der Kaiserlichen Universität Dorpat, wurde 1839 an der Universität Kiew Professor für Zoologie und besuchte 1840 zu Forschungszwecken Lappland. Die Ergebnisse legte er im Rahmen des von Karl Ernst von Baer und Gregor von Helmersen herausgegebenen Werkes Beiträge zur Kenntniss des Russischen Reiches (Bd. 11, Sankt Petersburg, 1845) vor.Bericht über einen Abstecher durch das Innere von Lappland, während der Sommer-Expedition, im Jahre 1840. In: Beiträge zur Kenntniss des Russischen Reiches. Band 11, Sankt Petersburg 1845, S. 137–183. Digitalisat
Anschließend bereiste er im Auftrag der Russischen Akademie der Wissenschaften zwischen 1842 und 1845 den hohen Norden und Osten von Sibirien, wobei er insbesondere das Taimyrland untersuchte und bis an die Küsten des Ochotskischen Meeres und an den Oberlauf des Amur gelangte. Die Ergebnisse dieser Reise sind in der von ihm herausgegebenen Reise in den äußersten Norden und Osten Sibiriens während der Jahre 1843 und 1844 (4 Bände, Sankt Petersburg, 1848–1875) veröffentlicht. Darin sind auch viele Beobachtungen zur Verbreitung von Permafrostformen notiert.
Mehrere russische Autoren verbinden daher den Anfang der Permafrostforschung mit dem Namen Middendorff. Erwähnung verdient jedoch, dass der vielseitige Naturforscher Karl Ernst von Baer Initiator der Middendorffschen Expedition war, sich intensiv an der Bearbeitung von Middendorffs Resultaten beteiligte und Autor der Materialien zur Kenntniss des unvergänglichen Boden-Eises in Sibirien war.Karl Ernst von Baer, 1843: Materialien zur Kenntnis des unvergänglichen Boden-Eises in Sibirien. Kommentierte Veröffentlichung von 2001. Volltext Baer erfasste schon 1837 aufgrund von geothermischen Beobachtungen aus einem 116,7 m tiefen Schacht in Jakutsk die Bedeutung der Permafrostforschung. Ende der 1830er Jahre empfahl er daher die Entsendung einer Expedition zur Erforschung des Dauerfrostbodens in Sibirien und schlug von Middendorff als Leiter vor. Die dabei für ihn geschriebene Expeditionsanleitung umfasste 218 Seiten und enthielt fast alle damals bekannten Erkenntnisse über den Dauerfrostboden in Eurasien.
1845 wurde Middendorff zum Mitglied der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften gewählt, 1865 wurde er deren Ehrenmitglied. In den Denkschriften dieses Instituts veröffentlichte er unter anderem 1855 seine Abhandlung über die Isepiptesen Russlands, also über den Vogelzug; darin äußerte er die Vermutung, dass Zugvögel einen sie leitenden Magnetsinn besitzen könnten.A. von Middendorff: Die Isepiptesen Russlands. Grundlagen zur Erforschung der Zugzeiten und Zugrichtungen der Vögel Russlands. Buchdruckerei der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg, 1855. Zugleich erschienen in: Mémoires de l'Académie des Sciences de St.-Pétersbourg. VI. Série, Sciences naturelles. T. VIII, S. 1–143 (hier: S. 9).
Im September 1869 begleitete er den Großfürsten Wladimir auf dessen Reise nach Sibirien, als deren Ergebnis die Abhandlung über die Barabasteppe (1870) erschien. Im Sommer 1870 reiste er mit Wladimirs Bruder, Großfürst Alexis, mit dem er zuvor 1867 auch die Krim und das Mittelmeer besucht hatte, nach Island und Nowaja Semlja. 1868 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 169.
1878 machte er eine Reise nach Ferghana, die er in den Einblicken in das Ferghanathal (Sankt Petersburg 1881) beschrieb.
Der Middendorff-Laubsänger (Phylloscopus plumbeitarsus) wurde nach Alexander von Middendorff benannt.Jörg Brauneis: auf der Website HGON-Birdnet, 28. Oktober 2011, abgerufen am 4. Februar 2018. Er ist auch der Namensgeber für mehrere Kaps in der russischen Arktis, für den Middendorffberget auf Edgeøya im Archipel Spitzbergen, für den Middendorf-Fjord an der sibirischen Taimyrhalbinsel und den Middendorff-Gletscher auf der Rudolf-Insel Franz-Josef-Lands.G. P. Awetissow: Middendorff Alexandr Fjodorowitsch (06(18).8.1815–16(28).01.1894). In: Imena na Karte Rossijskoi Arktiki, Nauka, Sankt Petersburg 2003, ISBN 5-02-025003-1 (russisch).
Stationen auf Middendorffs Sibirischer Reise 1842 bis 1845 (Karte):Karte nach denen der bearbeiteten Ausgabe Leipzig 1953 (Koordinatenangaben größtenteils nach denen der entsprechenden Wikipedia-Ortsartikel)
Schriften (Auswahl) Sibirienreise Reise in den äussersten Norden und Osten Sibiriens während der Jahre 1843 und 1844 mit Allerhöchster Genehmigung auf Veranstaltung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg ausgeführt und in Verbindung mit vielen Gelehrten hrsg. von A. Th. von Middendorff (Bd. 4 bearbeitete er allein)
Band 1: Theil 1: Einleitung, Klimatologie, Geognosie, Botanik. 1848 Digitalisat Theil 2: Botanik. 1856 Digitalisat Band 2: Zoologie Theil 1: Wirbellose Tiere Digitalisat Theil 2, Lfg. 1.: Wirbeltiere: Säugethiere, Vögel und Amphibien Band 3: Theil 1: Über die Sprache der Jakuten. Otto von Böhtlingk. 1851. Digitalisat Theil 2: Jakutisch-deutsches Wörterbuch. Otto von Böhtlingk. 1851. Digitalisat Band 4: Uebersicht der Natur Nord- und Ostsibiriens Theil 1: Einleitung, Geographie, Hydrographie, Orographie, Geognosie, Klima und Gewächse. 1867 Digitalisat Theil 2, 1. Lief.: Die Thierwelt Sibiriens. Alexander Theodor von Middendorff 1867 Digitalisat Theil 2, 2. Lief.: Die Thierwelt Sibiriens. Alexander Theodor von Middendorff 1874 Digitalisat Theil 2, 3. Lief.: Die Eingeborenen Sibiriens. Alexander Theodor von Middendorff. 1875 Digitalisat Karten-Atlas (18 Tafeln). 1859.
Bearbeitungen Alexander Theodor von Middendorff: Auf Schlitten, Boot und Rentierrücken. Bearbeitet und herausgegeben von Gerolf Alschner. VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1953 Alexander Theodor von Middendorff: Auf Schlitten, Boot und Rentierrücken 1842–45. Hrsg. von Wieland Hintzsche. Edition Erdmann, 2013, ISBN 978-3-86539-855-0.
Literatur
Erki Tammiksaar, Ian Stone: Alexander von Middendorff and his expedition to Siberia (1842–1845). In: Polar Record Band 43, Nr. 3, 2007, S. 193–216. doi:10.1017/S0032247407006407
Weblinks
Труды А.Ф. Миддендорфа (Publikationsliste) Eintrag von Alexander Theodor von Middendorff in der Erik-Amburger-Datenbank beim Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung
Einzelnachweise
Kategorie:Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Hochschullehrer (Nationale Taras-Schewtschenko-Universität Kiew) Kategorie:Samische Studien Kategorie:Zoologe Kategorie:Naturforscher Kategorie:Entdecker (19. Jahrhundert) Kategorie:Russe Kategorie:Deutsch-Balte Kategorie:Geboren 1815 Kategorie:Gestorben 1894 Kategorie:Mann