mini|Silvia Koller (1918, Egon Schiele) mini|Silvia Koller, 1914 von ihrer Mutter Broncia Koller-Pinell porträtiert mini|Silvia Koller mit Vogelkäfig (1907, Broncia Koller-Pinell) Silvia Koller, auch Sylvia Koller (* 26. August 1898 in Nürnberg; † 23. September 1963 in Oberwaltersdorf), war eine österreichische Malerin.
Leben Silvia Koller kam 1898 als Tochter der österreichischen Malerin Broncia Koller-Pinell und deren Ehemann Hugo Koller in Nürnberg zur Welt. Dort arbeitete ihr Vater zu dieser Zeit in leitender Funktion für die Schuckertwerke. Das Paar hatte außerdem einen Sohn, den späteren Dirigenten Rupert Koller (1896–1976; kurzzeitig mit Anna Mahler verheiratet).
1903 zog die Familie nach Wien und im Jahr darauf nach Oberwaltersdorf in Niederösterreich, wo sich ein vom Großvater mütterlicherseits hinterlassenes Gut befand. Das Haus der Kollers entwickelte sich zu einem Treffpunkt für bildende Künstler, Musiker und Literaten.Silvia Koller. In: Hedwig Brenner: Jüdische Frauen in der bildenden Kunst: ein biographisches Verzeichnis. Band 2. Hartung-Gorre Verlag, Konstanz 2004, S. 195. Koloman Moser, der zunächst von Broncia Koller-Pinell für Gestaltungsaufgaben auf dem Gut engagiert worden war, wurde zu einem Freund der Familie und Mentor für Silvia Koller.
Nachdem Silvia Koller einen Jugendkurs bei Franz Čižek absolviert hatte, studierte sie von 1914 bis 1918 an der Kunstgewerbeschule in Wien. Dort gehörten Koloman Moser, Adolf Boehm und Rudolf von Larisch zu ihren Lehrern. Zurück in Oberwaltersdorf erhielt sie Zeichenunterricht von Egon Schiele, der sich dort zu dieser Zeit zusammen mit seiner Ehefrau im Erholungsurlaub befand (und noch im gleichen Jahr in Wien starb). Koller beschrieb diese Erfahrung in einem Tagebuch, das später für die Egon-Schiele-Forschung Bedeutung erlangte.vgl. Tobias G. Natter: Das Tagebuch der Silvia Koller. Anmerkungen zu seiner Bedeutung für die Egon Schiele-Forschung. In: Tobias G. Natter (Hrsg.): Broncia Koller Pinell. Eine Malerin im Glanz der Wiener Jahrhundertwende. Ausstellungskatalog. Wien 1993, S. 95–110. Von 1921 bis 1923 studierte sie an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin bei Karl Hofer, der auch häufig zu Gast in Oberwaltersdorf war. 1924 reiste sie nach Genf, wo sie sich bei Alexandre Blanchet weiterbildete, und dann weiter nach Paris.
Nach Abschluss ihrer Studien wirkte Koller als Künstlerin in Wien. Sie war Mitglied der Kunstschau und der Wiener Frauenkunst, deren Ausstellungen sie ab 1927 beschickte. 1925 nahm sie an der Ausstellung des Bundes Österreichischer Künstler im Wiener Künstlerhaus teil.Sabine Plakolm-Forsthuber: Künstlerinnen in Österreich 1897–1938. Malerei – Plastik – Architektur. Picus-Verlag, Wien 1994, S. 271.
Da ihre Mutter aus einer jüdischen Familie stammte, ist es wahrscheinlich, dass Silvia Koller nach dem „Anschluss“ Österreichs nicht mehr künstlerisch tätig sein durfte. 1937 kehrte sie zurück nach Oberwaltersdorf und pflegte ihren kranken verwitweten Vater. Sie war nicht mehr als Künstlerin aktiv, bis sie 1953 begann, an von Oskar Kokoschka geleiteten Kursen der Salzburger Sommerschule teilzunehmen. Aus der Zeit sind wieder Werke von ihr nachweisbar.Silvia Koller. In: lentos.at. Abgerufen am 10. Juli 2022.
Silvia Koller blieb nach ihrer Kindheit in regem Austausch mit ihrer Mutter, mit der sie auch über Fragen der Kunst korrespondierte. In der Zwischenkriegszeit stellte sie deren wichtigsten künstlerischen Kontakt dar.Julie M. Johnson: The Memory Factory: The Forgotten Women Artists of Vienna 1900. Purdue University Press, West Lafayette 2012, S. 156 (online). 1961 organisierte sie die erste posthume Ausstellung des Werks von Broncia Koller-Pinell.
Silvia Koller stand nicht nur ihrer Mutter mehrfach Modell (u. a. 1903, 1907, 1914), sondern auch Egon Schiele (1918), Anton Faistauer, Felix Albrecht Harta (1956) und Florian Jakowitsch (datiert 1966).Die Malerin Sylvia Koller. In: online.landessammlungen-noe.at. Abgerufen am 10. Juli 2022.
Werk Silvia Koller malte hauptsächlich Landschaften, Veduten, Porträts, Stillleben und Tierdarstellungen. Als Schülerin von Karl Hofer ist ihr Schaffen stark durch den Stil der Neuen Sachlichkeit beeinflusst.Lentos Kunstmuseum Linz: Gemälde – die Sammlung. Katalog. Lentos Kunstmuseum, Linz 2003, S. 212. Sie porträtierte Frauen der Wiener Gesellschaft und ihre Kinder, wobei sie die, häufig distanziert wirkenden, Modelle realistisch und ohne Beschönigung darstellt.
Ihre Werke befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Lentos Kunstmuseums Linz, der Universität für angewandte Kunst Wien, des Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, der Österreichischen Galerie Belvedere, des Langenzersdorf Museums sowie in den Landessammlungen Niederösterreich.
Werke (Auswahl) Sitzende, Bleistift, 1915, 63 × 45 cm, Signatur rechts unten: „Koller 1915 b.M.“ (bei Moser), Lentos Kunstmuseum Linz Sitzende, Kohle, 1915, 63 × 45 cm, Signatur rechts unten: „Koller 1915“ b.M. (bei Moser), Lentos Kunstmuseum Linz Tischrunde, 1918, Mischtechnik auf Karton, 62,00 cm × 72,00 cm, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig WienTischrunde. In: mumok.at. Abgerufen am 10. Juli 2022. Blumenstöcke, 1922, 50,7 × 39,5 cm, rechts unten signiert und datiert: „S.Koller, Ober- / Waltersdorf 1922“, Landessammlungen NiederösterreichBlumenstöcke. In: online.landessammlungen-noe.at. Abgerufen am 10. Juli 2022. Dame im roten Kleid, um 1922, Leinwand, 75 × 50 cm, Universität für angewandte Kunst Wien Bildnis Franz Becker, 1923, Leinwand, 90 × 68 cm, Universität für angewandte Kunst Wien Masken, um 1923, Kohle/Tempera auf Karton, 61 × 43 cm, Universität für angewandte Kunst Wien Opernloge, um 1923, Papier, 78 × 93 cm, Universität für angewandte Kunst Wien Arbeiterin, um 1923, Karton, 75 × 48,5 cm, Universität für angewandte Kunst Wien Stillleben mit Pflanzen, 1924, Leinwand, 87 × 64 cm, Universität für angewandte Kunst Wien Elefanten in der Manege, um 1924, Karton, 50 × 75 cm, Universität für angewandte Kunst Wien Mädchen mit Orange (Kinderbildnis), 1925, Öl auf Leinwand, 61 × 46 cm, Signatur rechts oben: „S. Koller 1925“, Lentos Kunstmuseum Linz Zwei sitzende Kinder, 1925, Farbkreide und Kohle, 42 × 37 cm, Signatur rechts unten: „S. Koller“, Lentos Kunstmuseum Linz Sitzendes Mädchen, 1926, Farbkreide und Kohle auf Papier, Lentos Kunstmuseum Linz Mädchenportrait, 1930, Öl auf Leinwand, 81 × 59 cm, Signatur rechts oben: S. Koller 1930, Lentos Kunstmuseum Linz Portrait einer Dame, 1930, Öl auf Karton, 72 × 54 cm, Lentos Kunstmuseum Linz Dame mit Schleier, ca. 1930, Öl auf Leinwand, 68 × 38 cm, Lentos Kunstmuseum Linz Der Bildhauer Charou porträtiert Broncia Koller, um 1930, Öl auf Leinwand, 54,5 × 44 cm, Langenzersdorf Museum, ausgestellt 2020 „Schätze der Moderne – 50 Jahre LEMU“Das Langenzersdorf Museum ist am 8., 12. und 13. Dezember geöffnet. In: meinbezirk.at. 4. Dezember 2020. Abgerufen am 10. Juli 2022. Portrait Rosemarie Koller, um 1930, Leinwand, 46 × 51 cm, Universität für angewandte Kunst Wien Blumengarten, 1933, Öl auf Leinwand, 59 × 81 cm, signiert und datiert links unten: „S. Koller / 1933“, Österreichische Galerie Belvedere (seit 1973 Dauerleihgabe Artothek des Bundes)Blumengarten. In: belvedere.at. Abgerufen am 10. Juli 2022. Broncia Koller auf dem Sterbebett, 1934, Leinwand, 73 × 54 cm, Universität für angewandte Kunst Wien Mädchen, Aquarell, 60,2 × 44,2 cm, links unten monogrammiert: „S.K.“, 1958, Lentos Kunstmuseum Linz Sitzender weiblicher Akt, Öl auf Leinwand, 89 × 69 cm, Lentos Kunstmuseum Linz Clown, Öl auf Karton, 45 × 42 cm, oben Mitte monogrammiert: „S.K.“, Lentos Kunstmuseum Linz Mutter mit Kind, Aquarell und Gouache auf Packpapier, 90 × 69,5 cm, Lentos Kunstmuseum Linz Junges Mädchen, Kohle auf dunkelgrauem Tonpapier, 63 × 50,5 cm, Lentos Kunstmuseum Linz
Ausstellungen (Auswahl) 1925: VI. Kunstschau des Bundes Österreichischer Künstler, Wiener Künstlerhaus 1927, 1930, 1931, 1933, 1936: Wiener Frauenkunst 1931: Die schaffende Österreicherin, Secession, Wien 1935: Herbstausstellung Wiener Secession 2020: „Schätze der Moderne – 50 Jahre LEMU“, Langenzersdorf Museum
Literatur Julie M. Johnson: The Memory Factory: The Forgotten Women Artists of Vienna 1900. Purdue University Press, West Lafayette 2012, S. 156, 159, 384. Silvia Koller. In: Hedwig Brenner: Jüdische Frauen in der bildenden Kunst: ein biographisches Verzeichnis. Band 2. Hartung-Gorre Verlag, Konstanz 2004, ISBN 3-89649-913-0, S. 195. Peter Baum, Brigitte Reutner, Elisabeth Nowak-Thaller: Lentos Kunstmuseum Linz: Gemälde – die Sammlung. Katalog. Lentos Kunstmuseum, Linz 2003, ISBN 3-902223-05-7, S. 212. Silvia Koller. In: Ingrid von der Dollen: Malerinnen im 20. Jahrhundert: Bildkunst der „verschollenen Generation“. Geburtsjahrgänge 1890–1910. Hirmer, München 2000, ISBN 3-7774-8700-7, S. 323. Michaela Pappernigg, Cornelia Reiter, Thomas Kahler: Kunst des 20. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Österreichischen Galerie des 20. Jahrhunderts. Band 2: G–K. Hrsg. von der Österreichischen Galerie Belvedere, Wien 1995, S. 254. Sabine Plakolm-Forsthuber: Künstlerinnen in Österreich 1897–1938. Malerei – Plastik – Architektur. Picus-Verlag, Wien 1994, ISBN 3-85452-122-7, S. 271. Heinrich Fuchs: Die österreichischen Maler der Geburtsjahrgänge 1881–1900. Band 1: A–L. Wien 1976, S. K 139. Wieland Schmied: Neue Sachlichkeit und magischer Realismus in Deutschland 1918–1933. Fackelträger-Verl. Schmidt-Küster, Hannover 1969, S. 26.
Weblinks Kurzbiografie Silvia Koller auf der Website der Österreichischen Galerie Belvedere Informationen über Silvia Koller und ihr Werk Sitzendes Mädchen auf der Website des Lentos Kunstmuseum Linz
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Österreich) Kategorie:Österreicher Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Geboren 1898 Kategorie:Gestorben 1963 Kategorie:Frau