mini|Aufgeschlagenes Kürschnersortiment gefärbter afghanischer Karakulfelle Ein Kürschnersortiment ist ein aus einer Fellart so zusammengestelltes Gebinde, dass es sich zur Herstellung einer Pelzjacke oder eines Pelzmantels eignet. Es bildet den Abschluss der Bewertung der veredelten Pelzfelle. Diese „Fellbunde“ sind Handelsprodukte des Rauchwarenhandels.

Allgemein Felle besitzen sehr unterschiedliche Eigenschaften. Die Felle einer Art unterscheiden sich im Hinblick auf ihre Verarbeitung, vor allem durch die Haarfarbe und Fellmusterung, die Haarlängen, die Haarstruktur, die Lederstärke, die Fellgröße und den Fellzustand. Die in ein Kürschnersortiment sortierten Felle sind, im Unterschied zum Rohsortiment, nicht mehr im entfleischten Zustand, sondern bereits zugerichtet und eventuell zusätzlich veredelt (zum Beispiel gefärbt, geschoren oder gerupft). Sie sollen sich so sehr ähneln und eignen, dass sie vom Kürschner durch Feinsortierung zu einem Kleidungsstück verarbeitet werden können. Die Kürschnerbunde einer Partie können, je nach ihrer Qualität, eventuell einen erheblich unterschiedlichen Handelspreis zugewiesen bekommen.

Felle, die nicht von für die Pelzherstellung gehaltenen Tieren stammen, wurden bereits zuvor einer Sortierung unterworfen, welche Form der Verwertung den höchstmöglichen Nutzen gewährleistet. Sie werden als Rohprodukt den verschiedenen Industrien zugeführt, der Rauchwarenwirtschaft für die Pelzverwertung, der Haarschneideindustrie für Filze, der Gerbereiindustrie für das Leder und mit dem geringsten Wert die Nutzung als Leim.

Bevor die Felle zum Kürschner kommen, sind sie in der Regel bereits in den verschiedenen Handelsstufen mehrfach nach unterschiedlichen Gesichtspunkten sortiert worden. Sammler, Aufkäufer, Rohwarenhändler, Rauchwarenhändler, Auktionshaus und Manipulanten haben beim Sortieren häufig voneinander abweichende und alle zusammen womöglich andere Gesichtspunkte als der Kürschner zu beachten. Nicht zuletzt spielt die Rentabilität eine wichtige Rolle.

Sortieren im Rauchwarengroßhandel mini|Am Sortierlager des VEAB – Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb, Leipzig (1950/51) Das Sortieren der Felle wird als „eine der schwierigsten und heikelsten Handlungen in allen Phasen der Pelzwirtschaft“ beschrieben. Aufgabe eines Rauchwarensortierers ist es, die einzelnen Felle einer Warenpartie in Bezug auf ihre Eigenschaften hinsichtlich Qualität, Größe, Glanz, bei naturfarbenen Fellen besonders der Färbung zu prüfen, miteinander zu vergleichen und in entsprechende Klassen zum Zweck der gemeinsamen Verarbeitung einzuordnen. Als schwierigstes Sortiment galt um 1950 die Klassifikation von Chinchillafellen und australischen Possumfellen wegen der zahlreichen feinen Farbnuancen, von gelockter Ware und Treibel wegen der Unzahl von Lockenformen, Haarlängen und Musterungen. Verfügte ein Rauchwarenhändler nicht über die erforderliche Sortimentskenntnis, verpflichtete er dafür erfahrene Spezialisten. Das zu seiner Zeit weltgrößte dänische Auktionshaus Kopenhagen Fur verfügte inzwischen über vollautomatische Sortieranlagen für Nerzfelle. Die hier in verschiedene Lots sortierten Rohfelle bedurften nach der Zurichtung wohl keiner größeren Nachsortierung durch den Rauchwarenhändler und konnten weitgehend problemlos in Kürschnersortimente aufgeteilt werden.

Die geeignetsten Räume zum Sortieren waren solche mit Nordlicht. Niemals sollten sie unmittelbar einfallendes Sonnenlicht haben. Tageslichtähnliche Leuchtmittel ermöglichen inzwischen ein gutes Sortieren beim beständigeren Kunstlicht. Auf einer Seite des Arbeitsraumes, meist auch Felllagerraum mit zusätzlicher Deckenabhängung, ist ein langer Sortiertisch aufgestellt.

Nach eventuellem Bestreichen das Felles gegen den Haarstrich und nach Augenschein werden die Felle in gleichmäßige Stapel „geworfen“, in der Regel hinter ein jeweils herausgefundenes Musterfell, das einen bestimmten Typ charakterisiert. Bei größeren Partien erfolgen mehrere Sortierstufen. Die einzelnen Arbeitsgänge erstrecken sich nach Bedarf und Fellart, nach Qualität, Locke, Moiré, Größe, Glanz und Farbe. Wenn aus einer sortierwürdigen Partie nach wiederholtem „Werfen“ und „Verwerfen“ eine Fellpartie so weit sortiert ist, dass mehrere Gruppen zusammen sind und sollen Kürschnersortimente daraus entstehen, so werden die Felle im letzten Gang jeweils in die für einen Mantel benötigten Fellbunde aufgeteilt. Kleinere Mengen werden zu Jackensortimenten gebunden, der überbleibende Rest findet eventuell für Besätze oder als sogenannte vom Kürschner nachgefragte „Zupasser“ Verwendung. Die Besatzindustrie verlangt jedoch ebenfalls nach zumindest grob sortierter Ware, da ihre nach Bestellung ausgeführten Aufträge dem Musterteil entsprechen sollen.

Das letztliche Zusammenstechen, Zusammenheften oder Zusammenschnüren der Felle erledigten früher in größeren Firmen sogenannte Markthelfer.

mini|Rauchwarenhändler beim Sortieren von Nerzfellen zu Kürschnersortimenten Um 1950 wurde vorwiegend sortiert: stückweise: Edelfuchsfelle, Bärenfelle, Vielfraßfelle, Fischermarderfelle, Seeotterfelle, Otterfelle paarweise: Edelfüchse, Marderfelle und Felle ähnlicher Größe (für Pelzkrawatten und ähnliches) im Bund zu 6 bis 8 Stück: Fohlenfelle, Kalbfelle (Mantelbund) im Bund zu 10 Stück: Zobelfelle (bereits als Rohfelle), Sealfelle (gefärbt) im Dutzend: Chinchillafelle, Kaninfelle (französische, gefärbt), Hasenwammen im 20er Bund: Murmelfelle, Kaninfelle (deutsche Veredlung), Sealbisam im 25er Bund: Hasenfelle im Bund zu 24, 30, 36 bis 50 Stück: Persianerfelle, Halbpersianerfelle und andere gelockte Sorten (Mantelbunde, die 24er und 30er entsprechend der Mode dieser Zeit dafür veranschlagten Menge) im 40er Bund: Zimmer: Hermelinfelle, Iltisfelle, Kolinskyfelle, Kaninfelle (seit 1946 in Leipzig) im 50er Bund: Murmelfelle, Kaninfelle (geringe Sorten), naturelle Bisamfelle zu 100 Stück (Hunderter): Fehrücken, das heißt 5 Bündchen à 20 in einer Hunderterschnur vereint.

Gebündelt werden vor allem rund zugerichtete Felle, zum Beispiel Nerzfelle, Marderfelle, Zobelfelle und Iltisfelle, indem ein Faden durch die Augenlöcher einer bestimmten Anzahl Felle gezogen und dann verknotet wird. Bei größeren Mengen wird dafür eine spezielle, gelochte Kunststoffscheibe verwendet. Schon früher wurde für kostbare, meist in Zimmern zu 40 Stück gehandelte Felle, wie Zobel, runde vierlöchrige Pappscheiben benutzt, an denen eine vierfädrige Henkelschnur befestigt wurde. Die größten Felle kommen beim rund gebundenen Sortiment nach außen, damit sie im Hängen die innen befindlichen Felle, die „den kürzeren Weg“ haben, abdecken. Gestochen werden offen zugerichtete Felle, wie Bisamfelle, Karakulfelle, Fohlenfelle, Lammfelle, Murmelfelle und Fuchsfelle. Die Felle werden dazu paarweise, Leder auf Leder zusammengelegt, die äußeren Felle meist mit dem Leder nach außen. Bei hochwertigen Artikeln wird das Leder der beiden äußeren Felle mit Stoff abgedeckt, damit es nicht verschmutzt.

Je nach Breite des Fells werden drei bis vier der Stärke des Leders entsprechende Stechnadeln mit verknoteten Heftschnüren versehen. Auf jede Nadel wird ein etwas zwanzigcentgroßes Stechleder aufgezogen. Im oberen Kopfteil werden die Nadeln mit einem Drücker durch das Bund gestochen und dieses gewendet. Auf die herausragenden Nadelspitzen kommt wiederum ein Stechleder, die Nadel wird mit der Flachzange durch das Bund gezogen und vor dem Stechleder dick verknotet. Vor allem bei großflächigen Fellen wird ein der Fellbreite entsprechender Streifen aus zäher Pappe unter die Stechleder gesetzt, um das Einreißen der Knoten durch das Leder zu vermeiden. Besteht das Bund aus offen zugerichteten Fellen, die mit dem Haar nach außen gebündelt werden, beispielsweise Füchse, wird der Pappstreifen in die Mitte des Bundes gelegt, um das Haar an der Außenseite nicht zu sehr zu verdrücken. An jedes der Bunde, ob gebündelt oder gestochen, kommt ein stabiler Henkel, um eine hängende Aufbewahrung zu ermöglichen. Abschließend wird jedes Bund plombiert und mit einem Etikett versehen, für Lagernummer, Stückzahlangabe usw.

Die kleinen Maulwurffelle wurden zuletzt fast ausschließlich als Felltafel gehandelt. In früherer Zeit als Schädlinge verfolgt, stehen Maulwürfe inzwischen fast überall unter Artenschutz. Kamen die Felle nicht als Pelzhalbfabrikat in den Handel, wurden sie wegen des feinen Leders nicht gestochen, sondern paarweise übereinandergelegt und zu je 50 Stück und verschnürt.

Die Menge der in ein Mantelbund sortierten Felle ist nicht nur von der Mode, sondern auch von der Größe der Felle abhängig. Ein Bund Persianer enthielt um 1975 etwa 24 bis 26 Felle, von der kleinsten Sorte etwa 30 Felle, die kleineren Breitschwänze etwa 35 bis 40 Felle. Die Felle eines Bundes sollten von annähernd gleicher Größe sein, mit einem Spielraum von etwa 5 cm. 1932 wurde jedoch aus Sicht eines Kürschners noch gewarnt: Der Rauchwarenhändler „geht beim Zusammenstellen der einzelnen Bunde von ganz anderen Gesichtspunkten aus wie der Kürschner. Es wird ihm nicht sosehr darauf ankommen, in ein Bund Felle ganz gleicher Qualität und Größe zu bringen, sondern er wird versuchen müssen, allen Bunden ein vorteilhaftes Aussehen zu geben. Dies wird erreicht, indem als Deckfelle für ein Bund einige große, gut aussehende Felle verwendet werden, während im Inneren des Bundes kleinere Felle untergebracht werden. Es ist deshalb empfehlenswert, beim Einkauf von gebündelten Fellen sich nicht von den Deckfellen blenden zu lassen, sondern auch das Innere des Bundes einer gründlichen Durchsicht zu unterziehen.“Fritz Hempe: Handbuch des Kürschners. Alexander Duncker, Leipzig (1932) zweite Auflage 1942, S. 12.

Bei der Auswahl der Felle wird ohnehin mehr auf übereinstimmende Qualität und Farbe geachtet als auf eine gleichmäßige Größe. Sind nicht genügend gleich große Felle vorhanden, kommen auch abweichende Größen in ein Bund. Dabei werden kleinere Felle nach der Mitte, größere nach außen gelegt (Deckfelle). Grundsätzlich bemüht sich der Sortierer, so wenig wie möglich „Rester“ übrig zu behalten, wobei die Qualität nicht leiden soll. Sind die Felle in Kürschnersortimente aufgeteilt, werden sie kalkuliert. Ein gebündeltes Kürschnersortiment besteht nicht unbedingt aus gleich großen, erstklassigen und qualitativ völlig gleichwertigen Fellen, da etwas abweichende Felle für die weniger sichtbaren Teile eines Kleidungsstücks genommen werden können. Andernfalls würde der betreffende Pelz bedeutend teurer werden. Anhand des vorgesehenen Durchschnittspreises werden für die einzelnen Bunde je nach Qualität unterschiedliche Verkaufspreise festgesetzt und in Verkaufslisten festgehalten. Oft wurden am Frankfurter Markt die Preise auf den Etiketten der Sortimente verschlüsselt vermerkt, aus Codewörtern wie SCHIFERCOD, PRYMNUTZIG, MAINLUSTER, BLEUMAISON, oder komplizierter, BLACKFOXES dividiert durch 2. Die Buchstaben stehen jeweils für die Zahlen 1 bis 9, die letzte Zahl ist meist die Null.Max Bachrach: Fur. A Practical Treatise. Verlag Prentice-Hall, Inc., New York 1949 (6. Auflage). S. 75–84 (englisch).Bernd Klebach: Der Brühl, die Niddastraße, das Pelzzentrum. Erinnerungen an 35 Jahre Rauchwarenbranche. Selbstverlag, Juni 2006, S. 12.

Sortieren beim Kürschner mini|Meister und Geselle beim Sortieren in der Kürschnerwerkstatt mini|Sortieren von Rotfuchsfellen mini|Arbeitstisch, kippbar zur Sortierplatte (USA, 1895) Der entscheidende Teil des Sortierens geschieht in der Kürschnerwerkstatt. Für den Endverarbeiter ist das Kürschnersortiment nur ein Rohsortiment, das so nicht ohne Weiteres zur Verarbeitung geeignet ist. Es ist nicht denkbar, die Felle, so wie sie dem Bund entnommen werden, für einen Mantel einfach neben- und übereinander zusammenzusetzen.