162px|Jacinto Benavente Der Spanier Jacinto Benavente erhält den Nobelpreis für Literatur. 178px|Ulysses, Umschlag der Erstausgabe Der Roman Ulysses von James Joyce erscheint in Paris. zentriert|350px|Trommeln in der Nacht, Bühnenbild der ersten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen, 1922 Das Drama Trommeln in der Nacht wird als erstes Stück Bertolt Brechts inszeniert.

Ereignisse Prosa Deutschsprachige Literatur

Februar: Franz Kafka beginnt vermutlich nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch während eines Erholungsaufenthaltes im Riesengebirge in Spindlermühle in der Nähe von Schloss Friedland mit der Arbeit an dem Roman Das Schloss. Im März stellt er seinem Freund Max Brod das Geschaffene vor. Den Sommer verbringt Kafka zur weiteren Erholung in Westböhmen in Plan, dort führt er den Roman weiter. Am 1. Juli wird er endgültig pensioniert, da eine Arbeitsfähigkeit nicht mehr zu erwarten ist. Im Herbst muss er zurück nach Prag, die Gesundheitsprobleme nehmen zu. Kafka legt nach dieser Unterbrechung das Romanfragment endgültig beiseite. Dezember: Felix Salten veröffentlicht – auf 1923 vordatiert – den Roman Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde.

Von dem evangelischen Pfarrer und Schriftsteller Artur Brausewetter erscheint der Roman Die Badejungen von Zoppot – einer von insgesamt rund 50 Romanen, die er in seinem Leben verfasste.

Englischsprachige Literatur

2. Februar: Der Roman Ulysses von James Joyce erscheint als Buch in Paris. 27. Oktober: Jacob’s Room, Virginia Woolfs dritter Roman, wird im eigenen Verlag, der Hogarth Press, veröffentlicht.

Sinclair Lewis veröffentlicht den satirischen Roman Babbitt, in dem die amerikanische Mittelschicht in der Zeit vor der Weltwirtschaftskrise dargestellt wird. F. Scott Fitzgerald veröffentlicht seinen zweiten Roman The Beautiful and Damned. Von Margery Williams erscheint das Kinderbuch The Velveteen Rabbit in Buchform. Der britische Schriftsteller Eric Rücker Eddison veröffentlicht den Fantasy-Roman The Worm Ouroboros.

Weitere Sprachen

Michail Afanassjewitsch Bulgakow veröffentlicht in der russischsprachigen Literaturzeitschrift Nakanune in Berlin die Erzählungen Aufzeichnungen auf Manschetten (18. Juni), Die Abenteuer Tschitschikows (24. September) und Die rote Krone (22. Oktober). Im selben Jahr erscheint auch die Kurzgeschichte Die Arbeiterkommune im Elpit-Haus in Heft 2 des Petrograder Krasny schurnal dlja wsech.

Von Ryūnosuke Akutagawa erscheint die japanische Kurzgeschichte Im Dickicht.

Lyrik

Februar: Rainer Maria Rilke verfasst den Gedichtszyklus Die Sonette an Orpheus. Am 11. Februar schließt er nach zehnjähriger Arbeit die Duineser Elegien ab.

Mit seinem homophilen Gedichtband Canções löst der Portugiese António Botto einen Literaturskandal aus. Das Werk wird nach der Veröffentlichung aus den Buchhandlungen konfisziert und verboten. Fernando Pessoa verfasst daraufhin für seinen verfolgten Freund die Streitschrift Antonio Botto und das Ästhetische Prinzip in Portugal, die den Künstler auch international bekannt macht. Der bengalische Lyriker Kazi Nazrul Islam veröffentlicht während der Kampagne der Nichtkooperation mit der britischen Kolonialmacht mehrere balladenhafte Gedichte, in denen er zur Einheit der Muslime und Hindus im revolutionären Kampf aufruft.

Dramatik

mini|hochkant|Trommeln in der Nacht, Erstdruck von 1922 12. August: Das Salzburger große Welttheater von Hugo von Hofmannsthal, als Nachdichtung von Calderóns Das große Welttheater, wird unter der Regie von Max Reinhardt in der Salzburger Kollegienkirche uraufgeführt. 29. September: Das Drama Trommeln in der Nacht wird als erstes Stück Bertolt Brechts inszeniert und unter Otto Falckenbergs Regie in den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Es spielen unter anderem Maria Koppenhöfer, Erwin Faber, Hans Leibelt und Kurt Horwitz. Zu den Premierengästen zählt Karl Valentin. Auch Brecht ist anwesend und tritt am Ende mit den Schauspielern auf die Bühne. Hermann Sinsheimer schreibt am nächsten Tag eine geradezu hymnische Rezension in den Münchner Neuesten Nachrichten. Der aus Berlin angereiste Theaterkritiker Herbert Ihering schreibt am 5. Oktober im Berliner Börsen-Courier: „Der vierundzwanzigjährige Dichter Bert Brecht hat über Nacht das dichterische Antlitz Deutschlands verändert“. Am 11. Oktober lobt die Kölnische Zeitung die „Revolutionskomödie“ des „jugendlichen Verfassers“ und nennt sie eine „schöne Talentprobe“. Am 20. Dezember hat das Stück auch am Deutschen Theater in Berlin Premiere. Es wird hier aber ein Misserfolg und nach wenigen Wochen abgesetzt. Bei den Proben vor der Premiere lernt Brecht Helene Weigel kennen.

Periodika

25. November: Die erste Ausgabe der bei der Johann Nepomuk Vernay Druckerei- und Verlags AG gedruckten österreichischen Tageszeitung Der Tag erscheint. Sie verfolgt eine linksliberale Linie und wendet sich an das liberale Bürgertum.

Religion

1. März: Der frisch gewählte Papst Pius XI. veröffentlicht das Apostolische Schreiben Cum proxime. 23. Dezember: Mit seiner Antrittsenzyklika Ubi arcano Dei verkündet der neue Papst Pius XI. sein Programm: pax christi in regno christi, Friede Christi in Christi Reich. Er macht sich ausdrücklich die pastoralen und politischen Anliegen seiner beiden Vorgänger Benedikt XV. und Pius X. zu eigen, verurteilt den „sozialen Modernismus“ und entwickelt positive Leitlinien für eine friedfertige Gesellschaftsordnung auf dem Fundament der katholischen Religion.

Medienhäuser und Verlage

mini|hochkant|Erste Ausgabe des Reader's Digest, Februar 1922 In New Jersey gründet das Ehepaar Lila Acheson Wallace und DeWitt Wallace die Zeitschrift Reader’s Digest. Die erste Ausgabe des Magazins erscheint am 5. Februar. 21. Juni: Wilhelm Goldmann gründet in Leipzig den Goldmann Verlag. Die deutsche Edition der Kriminalromane von Edgar Wallace wird zum Fundament für den verlegerischen Erfolg. 28. November: In New York City wird das Medienunternehmen Time Inc. gegründet, das im Laufe der Zeit zum größten Verleger in den Vereinigten Staaten aufsteigt.

Preise und Auszeichnungen

Der spanische Dramatiker Jacinto Benavente erhält „für die glückliche Weise, in der er die ehrenvollen Traditionen des spanischen Dramas weitergeführt hat“, den Nobelpreis für Literatur. Die Newbery Medal der Association for Library Service to Children wird erstmals verliehen: Hendrik Willem van Loon ist der erste Preisträger des Preises für Kinderliteratur. Francis Carco erhält den von der Académie française vergebenen Grand Prix du Roman.

Geboren

Januar bis März

1. Januar: Alois Vogel, österreichischer Schriftsteller († 2005) 2. Januar: Marie Bayerová, tschechische Übersetzerin deutschsprachiger Werke und Philosophin († 1997) 2. Januar: Blaga Dimitrowa, bulgarische Schriftstellerin und Lyrikerin († 2003) 4. Januar: Yamada Fūtarō, japanischer Schriftsteller († 2001) 10. Januar: Franz Kain, österreichischer Journalist, Schriftsteller und Politiker († 1997) 11. Januar: Jean-Pierre Moulin, Schweizer Journalist, Schriftsteller, Bühnenautor und Liedtexter († 2023) 13. Januar: Thomas Valentin, deutscher Schriftsteller († 1980) 14. Januar: Harald Zusanek, österreichischer Schriftsteller († 1989) 15. Januar: Franz Fühmann, deutscher Schriftsteller († 1984) 24. Januar: Anna Morawska, polnische Publizistin, Übersetzerin und Schriftstellerin († 1972) 25. Januar: Kurt Kranich, deutscher Journalist 30. Januar: Michel Peyramaure, französischer Journalist und Schriftsteller († 2023) 31. Januar: Marcel Jullian, französischer Autor, Publizist, Regisseur und Fernsehproduzent († 2004)

3. Februar: Andrej Lettrich, slowakischer Regisseur und Drehbuchautor († 1993) 5. Februar: Rudolf Lorenzen, deutscher Schriftsteller († 2013) 8. Februar: Erika Burkart, Schweizer Dichterin († 2010) 10. Februar: Árpád Göncz, ungarischer Schriftsteller, Übersetzer und Politiker († 2015) 13. Februar: Otto Tausig, österreichischer Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur († 2011) 14. Februar: Heinz Friedrich, deutscher Journalist und Verleger († 2004) 19. Februar: Władysław Bartoszewski, polnischer Historiker, Publizist und Politiker († 2015) 28. Februar: Ursula Rhode-Jüchtern, deutsche Kinderbuchautorin († 2011)

3. März: Alexandru Vona, rumänischer Schriftsteller, Architekt († 2004) 4. März: Iring Fetscher, deutscher Politologe und Autor († 2014) 4. März: Richard von Frankenberg, deutscher Automobilrennfahrer Journalist und Autor († 1973) 5. März: Pier Paolo Pasolini, italienischer Filmregisseur und Dichter († 1975) 7. März: Rolf Ulrici, deutscher Schriftsteller († 1997) 8. März: Heinar Kipphardt, deutscher Dramatiker († 1982) 12. März: Jack Kerouac, US-amerikanischer Schriftsteller († 1969) 21. März: Russ Meyer, US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor, Produzent († 2004) 27. März: Dick King-Smith, britischer Kinderbuchautor († 2011) 27. März: Dan Kurzman, US-amerikanischer Journalist und Sachbuchautor († 2010)

April bis Juni

2. April: Franz Ortner, österreichischer Journalist († 1988) 4. April: Máire Mhac an tSaoi, irischsprachige Dichterin und Prosaautorin († 2021) 9. April: Carl Amery, deutscher Schriftsteller und Umweltaktivist († 2005) 14. April: María Luisa Bemberg, argentinische Drehbuchautorin, Film- und Theaterregisseurin († 1995) 16. April: Kingsley William Amis, englischer Schriftsteller und Dichter († 1995) 16. April: John Christopher, englischer Science-Fiction-Autor († 2012) 19. April: Don Sharp, britischer Filmregisseur und Drehbuchautor († 2011) 21. April: Alistair MacLean, schottischer Schriftsteller († 1987) 24. April: Susanna Agnelli, italienische Politikerin und Autorin († 2009) 25. April: Miura Ayako, japanische Schriftstellerin († 1999) 27. April: Hans Bemmann, deutscher Schriftsteller († 2003)

5. Mai: Antonia Arnold, deutsche Schriftstellerin († 2007) 6. Mai: Julio Ardiles Gray, argentinischer Schriftsteller († 2009) 7. Mai: Dominique Aubier, französische Schriftstellerin († 2014) 10. Mai: Gunther Leupolt, Pädagoge, Studienrat, Autor heimatgeschichtlicher Literatur der Oberlausitz († 2017) 11. Mai: Fritz Senft, Schweizerischer Schriftsteller († 1997) 18. Mai: Orfila Bardesio, uruguayische Dichterin († 2009) 18. Mai: Ingeborg Bingener, deutsche Autorin und Politikerin († 2001) 28. Mai: José Craveirinha, mosambikanischer Dichter († 2003) 29. Mai: Eleanor Coerr, US-amerikanisch-kanadische Schriftstellerin († 2010) 30. Mai: Hal Clement, US-amerikanischer Science-Fiction-Schriftsteller († 2003)

1. Juni: Ruth Rehmann, deutsche Schriftstellerin († 2016) 2. Juni: Juan Antonio Bardem, spanischer Filmregisseur und Drehbuchautor († 2002) 2. Juni: Ruth Bunkenburg, deutsche Schauspielerin, Schriftstellerin und Hörspielsprecherin († 2015) 10. Juni: Robert Alan Aurthur, US-amerikanischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmproduzent († 1978) 10. Juni: Luís Romano de Madeira Melo, kapverdischer Schriftsteller und Poet († 2010) 17. Juni: Paul Schallück, deutscher Schriftsteller († 1976) 20. Juni: Hans Ulrich Graf, Schweizer Politiker und Verleger († 2010) 27. Juni: Delfried Kaufmann, deutscher Romanautor († 2015)

Juli bis September 2. Juli: Josef Guggenmos, deutscher Lyriker und Kinderbuchautor († 2003) 3. Juli: Corneille, niederländischer Maler, Bildhauer und Dichter († 2010) 5. Juli: Ilse Gräfin von Bredow, deutsche Schriftstellerin († 2014) 10. Juli: Enzo Barboni, italienischer Drehbuchautor und Regisseur († 2002) 11. Juli: Jerald terHorst, US-amerikanischer Journalist († 2010) 14. Juli: Ursula Lübbe, deutsche Verlegerin († 2016) 18. Juli: Georg Kreisler, österreichischer Kabarettist, Komponist, Satiriker und Schriftsteller († 2011) 26. Juli: Chairil Anwar, indonesischer Dichter († 1949) 30. Juli: Hansgeorg Stengel, deutscher Journalist, Schriftsteller, Satiriker und Kabarettist († 2003)