James Alexander Hepburn von Bothwell genannt vom Pfeiffer oder Jakob Alexander von Boswell (* um 1790 angeblich in Auchinleck (schottische Aussprache: Affléck),George Birkbeck Hill: Footsteps of Dr. Johnson (Scotland). London 1890, S. 290 (Google-Books); On Early English Pronunciation with Especial Reference to Shakespeare and Chaucer, Bd. I. Austin, Hertford 1869, S. 448 (Google-Books). in East Ayrshire, Schottland;Der ehemalige Lehrer James von Bothwell gen. vom Pfeiffer gebürtig zu Afleck in Schottland. 1840; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 441 Bezirksregierung Koblenz, Pass- und Fremdenpolizei, Nummer 6645). † zwischen 1848 und 1854, vermutlich 1849 in der Rheinprovinz) war ein Ingenieur, Gymnasiallehrer und Hochschullehrer, der in Kreuznach, Basel, Bern, Freiburg im Breisgau und Heidelberg wirkte. In der Deutschen Revolution 1848/1849 sympathisierte er mit demokratischen Bestrebungen.

Leben James Alexander Hepburn von Bothwell war ein Nachkomme von James Hepburn, 4. Earl of Bothwell, Ehemann der Maria Stuart, und nach eigenen Angaben vermutlich auch des Alexander Boswell, Lord Auchinleck.Siehe auch Ansprüche des Leutnants im 18. Infanterieregiment Theodor von Boswell in Fraustadt (Prov. Posen) an den Nachlass Alexander Boswells in London, 1835–1836; Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin (III. HA Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, Rechts- und kulturpolitische Abteilung, Auswanderungen, Erbschaften, Passangelegenheiten, Nr. 7102). Eine genauere Zuordnung zu dessen bekannten NachkommenPeter Martin: A Life of James Boswell. Yale University Press, New Haven 2000, passim (Google-Books) u. a. ist nicht möglich. Vielleicht hat Hepburn von Bothwell den Geburtsnamen seiner Mutter getragen, oder es handelte sich um einen nahen Verwandten des preußischen Generalmajors Robert von Boswell aus Kurland.Vgl. Johann Sembritzki: Genealogische Nachrichten. In: Altpreussische Monatsschrift 38 (1864), S. 250–289, bes. S. 258 (www.archive.org).„Boswell und Bothwell dieselbe Familie, daraus ein Offizier in der Königlichen Marine“; Rezension von Adels-Lexikon der preußischen Monarchie. In: Berliner Revue: social-politische Wochenschrift 4,1 (1856), S. 252 (Google-Books). Ein aus Schottland geflohener Lord James Bothwell soll sich im 17. Jahrhundert als Kaufmann in Tilsit niedergelassen haben, die Familie erhielt 1791 eine preußische Adelsanerkennung.Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, Bd. I. Manz, Regensburg 1860, S. 259 (Google-Books) u. a.

Nach einer Ausbildung zum Ingenieur, vermutlich im militärischen Dienst (Ingenieurkorps), beantragte James Bothwell Ende 1816, ihm „den freyen Gebrauch des physicalischen Cabinets“ der Universität Heidelberg zu gestatten.Zum Folgenden Friedhelm Nicolin: Hegel als Professor in Heidelberg. Aus den Akten der philosophischen Fakultät 1816–1818. In: Hegel-Studien 2 (1963), S. 71–98, bes. S. 76f (Google-Books); Ulrike Thomas: Die Pharmazie im Spannungsfeld der Neuorientierung. Philipp Lorenz Geiger (1785–1836). Leben, Werk und Wirken. Eine Biographie. (Quellen und Studien zur Geschichte der Pharmazie 36). Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart 1985, S. 82f. Am 3. August 1817 legte der Dekan Heinrich Voss der philosophischen Fakultät ein Habilitationsgesuch des nicht promovierten James Bothwell vor, das nach negativen Gutachten der Professoren Georg Wilhelm Muncke („ist … ein unverschämter Windbeutel“) und Leopold Gmelin („ist … oberflächlich und beschränkt“) von der Fakultät abgewiesen wurde, auch mit der Stimme von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der sich auf das Urteil der Fachkollegen verließ. Gleichwohl bat Bothwell Ende 1817 die Regierung des Großherzogtums Baden bzw. den Prorektor Karl Salomo Zachariae erfolglos um die Erlaubnis, im Sommer 1818 Vorlesungen in Physik an der Universität Heidelberg halten zu dürfen. Hegel schrieb dazu: Im Oktober 1817 logierte „Hr. von Bothwell-Pfeiffer von Heidelberg“ im Schwarzen Adler in München im Königreich Bayern.Königlich Baierischer Polizey-Anzeiger von München vom 18. Oktober 1817, S. 690 (Google-Books). 1817/18 bemühte sich Bothwell um eine Anstellung im preußischen Schuldienst, ohne entsprechende Qualifikationszeugnisse vorlegen zu können. Das Königreich Preußen versuchte in dieser Zeit, Quereinsteiger als Gymnasiallehrer zu gewinnen. Eine Prüfung vor dem Konsistorium in Köln (in den Fächern Latein, Griechisch, Deutsch, Geschichte, Geographie, Mathematik, Physik, Chemie, über Pädagogik überhaupt) und ein Gutachten von Georg Simon Ohm, Lehrer der Physik und Mathematik am Dreikönigsgymnasium, ergaben 1818 die Eignung „Geographie – untere Klassen, Mathematik – untere bis mittlere Klassen, Physik – alle Klassen“.Zeugnis und Protokoll über die Prüfung des A. von Bothwell. Anlage Gutachten des Oberlehrer Ohm und Sondervoten, 1818; HStA Konsistorium Köln 140 (6); Hans-Jürgen Apel: Die Auslese des Gymnasiallehrernachwuchses in Preußen (1815–1830). Beispiele aus den preußischen Rheinprovinzen zur Rekrutierung und beruflichen Qualifizierung von Gymnasiallehrern. In: Zeitschrift für Pädagogik 30 (1984), S. 297–322, bes. S. 314 und 317 (PDF des Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation). Bothwell wurde ohne feste Anstellung am 1819 gegründeten Königlich-preußischen Gymnasium in Kreuznach als „Gehülfslehrer“ für Mathematik und Physik eingesetzt. Als Direktor Gerd Eilers den Ingenieur Bothwell, den er für wissenschaftlich ungebildet und intrigant hielt, von der Schule entfernen wollte, reichte dieser in Berlin eine Denunziationsschrift gegen das Betragen der Lehrer und die Disziplin auf dem Gymnasium zu Kreuznach ein; eine 1821–1824 durchgeführte Untersuchung bestärkte jedoch die Position von Direktor Eilers, der Rückhalt beim Oberpräsidenten der Provinz Großherzogtum Niederrhein in Koblenz Karl von Ingersleben genoss.Gerd Eilers: Meine Wanderung durchs Leben. Zweiter Theil, S. 28 f. und S. 83–85; Eilers nennt den Namen nicht. Digitalisat Bothwell wich daraufhin in die Schweiz aus. Bereits 1821/22 bewarb er sich von dort aus wieder um eine Anstellung in preußischen Diensten.

1824 war Bothwell Dozent an der Philosophischen Fakultät der Universität Basel.Nicht nachweisbar in den Basler Vorlesungsübersichten von Universität und Pädagogium 1823/24. Professor für Physik war Peter Merian, Professor für Naturgeschichte und Leiter eines privaten Philotechnischen Instituts (bis 1817) Christoph Bernoulli. Anschließend wirkte er als öffentlicher Lehrer in Bern und soll wegen „Theilnahme an Demagogie“Ernst Brand: Die Auswirkungen der deutschen Demagogenverfolgungen in der Schweiz. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 47 (1948), S. 139–205; Schriftwechsel des Gesandten von Otterstedt mit dem Legationsrat von Arnim und dem Staatsminister von Bernstorff über Demagogen und Carbonaris (revolutionäre geheime Gesellschaften) in der Schweiz, 1824–1826; Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin (I. HA Rep. 81 Gesandtschaft Bern, Nr. 176). dort entlassen worden sei.Brief von Ignaz Heinrich von Wessenberg an Paul Usteri vom 20. November 1824 aus Konstanz; Der Briefwechsel 1805–1831 zwischen Ignaz Heinrich von Wessenberg und Paul Usteri, Teil II. (Quellen zur Schweizer Geschichte N.F. 12). Krebs, Basel 2008, S. 486–489 (Google-Books). 1825 bat er im Großherzogtum Baden um die Erlaubnis, Vorlesungen in Physik an der Universität Freiburg halten zu dürfen.

In einem Schiedsgerichtsverfahren zwischen dem badischen Karlsruher Kriegsrat Christoph Wilhelm Reich (1765–1838)1804 Rechnungsratsadjunkt, 1805 Oberkriegskommissar, 1808 Kriegsrat, 1814 geheimer Kriegsrat, 1832 pensioniert, auch Salinendirektor, entdeckte 1824 die ersten Erdölspuren bei Bruchsal, schürfte bei Oberschaffhausen auf Gips und besaß ein Silberbergwerk bei Nordrach im Kinzigtal sowie die Hälfte des Schieferbergwerks bei Ubstadt .Zu seinen Bergbauinteressen in Ubstadt und Langenbrücken vgl. und James von Bothwell 1826 in Freiburg im Breisgau wurde Reich durch den Hofgerichtsrat Karl Autenrieth, den Oberamtmann Karl von Stößer aus Emmendingen und den Hofgerichtsadvokaten Johann Baptist Bekk vertreten. Der Freiburger Professor Karl von Rotteck übernahm die Partei des Herrn von Bothwell.Brief an Friedrich Christian Rettig vom 29. Juli 1826 aus Freiburg; Rüdiger von Treskow: Erlauchter Vertheidiger der Menschenrechte! Die Korrespondenz Karl von Rottecks, Bd.II. Regesten. (Veröffentlichungen aus dem Archiv der Stadt Freiburg im Breisgau 26). Ploetz, Freiburg i. Br. 1990, S. 424 (Google-Books).

Für die Ausmalung der 1826 neu erbauten Pfarrkirche St. Hilarius in Bleichheim hat man sich im badischen Kreisdirektorium Freiburg für einen Künstler entschieden, „der das besondere Vertrauen des in Freiburg lebenden Engländers Professor James Bothwell genoß“. Kreisdirektorium und Generalvikariat waren mit einem Vertragsabschluss mit dem von Bothwell empfohlenen Freiburger Kunstmaler Heinrich Wengler einverstanden. So wurde am 9. Juli 1827 mit dem durch Bothwell vertretenen Maler ein Kontrakt für zwei Altarbilder um ein Honorar von 600 Gulden abgeschlossen.Josef Sauer: Die kirchliche Kunst der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Baden. In: Freiburger Diözesan-Archiv 57 (1930), S. 1–207, bes. S. 58. 1829 erhielt Professor Alexander James von Bothwell eine Strafe wegen des eigenmächtigen Drucks einer Titelvignette als Verstoß gegen die Presse- und Zensurbestimmungen.

1831–1834 lebte James Alexander von Bothwell aus Schottland in Edingen bei Heidelberg. Am 30. April 1834 immatrikulierte sich „James v Bothwell“, 44 Jahre alt, aus Aflek in Schottland, Konfession: presbyterial, zum Studium an der philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg.Matrikel der Universität, 1825–1840; Universitätsarchiv Heidelberg (UAH M9, Blatt 226, Nr. 39; Digitalisat der Universität Heidelberg). Er gab an, zuvor die Universität Freiburg besucht zu haben.

Zum Tod des Königs Friedrich Wilhelms III. von Preußen veröffentlichte Alexander James von Bothwell in Koblenz eine kleine Gedenkschrift. 1841 berichtete Alexander James Bothwell aus dem Assisenhof in Koblenz über den Prozess gegen den Metzger Valentin Hönes († 1842) aus Kreuznach, der wegen Ermordung des Gerbers Alexander Diehl am 15. August 1841 in einem Kaffeezelt auf der Pfingstwiese von einem Geschworenengericht gem. Art. 368 des Code d’instruction criminelle von 1808 nach den Artikeln 295, 296, 302 bzw. 12, 26, 36 des napoleonischen Code pénal von 1810Anselm Weber: Rheinisches Strafrecht im 19. Jahrhundert – deutsche Assisenhöfe urteilen nach französischen Gesetzen über Verbrechen. In: Wolfgang Bohnen, Lena Haase (Hrsg.): Kontrolle, Konflikt und Kooperation : Festschrift 200 Jahre Staatsanwaltschaften Koblenz und Trier (1820–2020). München, 2020, S. 57–76. zum Tode verurteilt wurde.

Der Heidelberger Professor Carl August Erb strengte 1842 eine Klage gegen Alexander James von Bothwell wegen einer Forderung über 385 Gulden 36 Kreuzer für Hausmiete an. Die beiden hatten am 23. April 1838 einen Faustpfandvertrag abgeschlossenen. Erb betrieb die Versteigerung eines Faustpfandes zur Befriedigung seiner Forderung. James v. Bothwell wurde deswegen vom Badischen Oberamt Heidelberg am 9. Dezember 1847 öffentlich zu einer auf den 6. Februar 1843 einberufenen „Tagfahrt“ zur Verhandlung der Klage vorgeladen.Vorladung Nr. 45.981 in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung vom 17. und 25. Dezember 1842 und 1. Januar 1843, S. 2804, 2869 und S. 6 (Google-Books); Karlsruher Zeitung vom 20. Dezember 1842, S. 2132. 1844 lebte „v. Bodwell, J., Privatm.“ in Koblenz, Nr. 1056, in der Casinostraße im Haus der Witwe Anna Mäckler.Neues Adress-Buch der Stadt Coblenz. Buet & Neinhaus, Koblenz 1844, S. 64 und 96 (www.dilibri.de des Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz Koblenz); nicht mehr aufgeführt im Jahr 1850.