miniatur|hochkant|Eduard Brücklmeier (1936) Eduard Robert Wolfgang Brücklmeier (* 8. Juni 1903 in München; † 20. Oktober 1944 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Jurist und Diplomat. Er war von 1927 bis 1940 auf verschiedenen Dienstposten in Teheran, Bagdad, Colombo, Kattowitz, London und Berlin, zuletzt mit der Amtsbezeichnung Legationsrat, für das Auswärtige Amt tätig. Er war engstens mit Graf Schwerin von Schwanenfeld, Graf Yorck von Wartenburg, Botho von Wussow und von Kessel befreundet und wurde im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.

Leben

Herkunft und Jurastudium miniatur|hochkant|Brücklmeier als Corpsstudent in München (1923) Eduard Brücklmeier entstammte gutbürgerlichen Verhältnissen. Er wurde 1903 als drittes von fünf Geschwistern des Justizrats und Rechtsanwalts Bruno Brücklmeier (1872–1943) und dessen Frau Albina Brücklmeier, einer Tochter des Hofkammersängers Franz Innozenz NachbaurDetlef Graf von Schwerin: Dann sind’s die besten Köpfe, die man henkt. Die junge Generation im deutschen Widerstand. S. 24., in München geboren.Auswärtiges Amt, Historischer Dienst (Hrsg.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945, S. 300. Er wuchs in Leipzig auf, wo sein Vater im Alter von 35 Jahren als jüngster bayerischer Rechtsanwalt an das Reichsgericht berufen wurde. Einer seiner Brüder war der spätere Regisseur Erich-Fritz Brücklmeier (1907–1960). Eduard Brücklmeier besuchte von 1908 bis 1915 die III. Höhere Bürgerschule und die humanistische Thomasschule zu Leipzig.Detlef Graf von Schwerin: Dann sind’s die besten Köpfe, die man henkt. Die junge Generation im deutschen Widerstand. S. 453. Er spielte in seiner Jugend Geige und interessierte sich für Geschichte. Auf Wunsch seines Vaters sollte er ursprünglich Berufsoffizier werden und besuchte dazu von 1915 bis 1923 die preußischen Kadettenanstalten in Karlsruhe und Naumburg (Saale) sowie die Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde.

Nach dem Abitur (1923) an der Staatlichen Bildungsanstalt (STABILA) in Berlin-Lichterfelde begann er aufgrund seiner Ablehnung des militärischen Drills ein Studium der Rechtswissenschaften und Nationalökonomie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dieses setzte er von 1925 bis 1927 an der Universität Leipzig, der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und der Universität Lausanne (Schweiz) fort. Während seines Studiums in München trat er auf Druck des Vaters, wie seine Brüder, dem pflichtschlagenden und farbentragenden Corps Bavaria bei.Kösener Korps-Listen 1960, 104, 1528Martin Pabst: Couleur und Braunhemd. Deutsche Studenten in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“. Verlags-Gemeinschaft Anarche, München 1993, ISBN 3-927317-88-8, S. 91. Im Jahr 1927 legte er das Referendarexamen (Erste Juristische Staatsprüfung) in Würzburg ab. Im selben Jahr wurde er an der Juristischen Fakultät der Universität Würzburg zum Dr. iur. promoviert.Dissertation: Die geschichtliche Entwicklung der Konsulargerichtsbarkeit und ihre Rechtsgestaltung für Deutschland im Anschluß an den Weltkrieg. Ab Mai 1927 begann er gemeinsam mit den nachmaligen Widerstandskämpfern Gottfried von Nostitz-Drzewiecky und Albrecht von KesselEckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. E-Books der Verlagsgruppe Random House GmbH, München 2010, ISBN 978-3-641-05091-7, S. 297. den dreijährigen Juristischen Vorbereitungsdienst in der Zentrale des Auswärtigen Amts in der Wilhelmstraße in Berlin. Im Jahr 1928 wurde er ebendort Attaché in der Abteilung V (Recht). Ein Jahr später legte er schließlich die Diplomatisch-Konsularische Prüfung ab.

Tätigkeit als Diplomat Stationen in Bagdad, Teheran, Colombo und Kattowitz Nach seiner Prüfung war er kurzzeitig in der Abteilung VI (Kultur) in Berlin tätig. Anschließend wurde er als Diplomat in deutsche Auslandsvertretungen eingesetzt. So begann er im Mai 1930 im Konsulat Teheran. Von Juni bis Dezember 1930 war er kommissarischer Vizekonsul im Konsulat Bagdad. Danach wurde er wieder an die Gesandtschaft Teheran berufen, diesmal als Attaché und kommissarischer Leiter. Sein Vorgesetzter war u. a. der spätere Widerstandskämpfer Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg. Dessen Nachfolger Wipert von Blücher schrieb später über Brücklmeier: „Er geht mit einer gewissen Frische an alles heran und verfügt über Entschlußfähigkeit. Er ist forscher Reiter, guter Polospieler und ausgezeichneter Skiläufer und Alpinist. Durch diese sportlichen Interessen und seine liebenswürdige, offene Art hat er sich bei seinen Altersgenossen im Diplomatischen Corps eine ausgezeichnete Stellung geschaffen und war vor allem bei sämtlichen Engländern überaus beliebt.“Detlef Graf von Schwerin: Dann sind’s die besten Köpfe, die man henkt. Die junge Generation im deutschen Widerstand. S. 80. Von Juli 1932 bis April 1933 war er im Konsulat Colombo (Ceylon) als Vizekonsul bzw. kommissarischer Leiter tätig. Danach kam er als Vizekonsul an das Generalkonsulat Kattowitz in Polen. Im April 1934 wurde er zum Legationssekretär ernannt. In Kattowitz hatte er u. a. Abwanderungsfragen, Verhaftungen und juristische Beratung der Deutschen Minderheit in Polen zu bearbeiten.Detlef Graf von Schwerin: Dann sind’s die besten Köpfe, die man henkt. Die junge Generation im deutschen Widerstand. S. 83. Da er nicht finanzielle Mittel aus einem Schwarzen Fonds für private Zwecke der Minderheiten zweckentfremden wollte, wurde er im November 1935, unter dem Vorwurf der missbräuchlichen Verwendung von Hilfsmitteln,Albrecht von Kessel, Peter Steinbach (Hrsg.): Verborgene Saat. Aufzeichnungen aus dem Widerstand 1933 bis 1945. Ullstein, Berlin 1992, ISBN 3-550-07209-0, S. 26. von Funktionären der nationalsozialistischen Jungdeutschen Partei (JdP) bei der NSDAP-Auslandsorganisation (NSDAP/AO) in Breslau-Carlowitz denunziert. Der damalige Generalkonsul Raban Adelmann von Adelmannsfelden und der Chef NSDAP/AO Otto Bene hielten ihn trotz dieser Umstände für charakterlich geeignet und Brücklmeier konnte seine Karriere fortsetzen.

Deutsche Botschaft in London miniatur|hochkant|Berufliche Station in der Deutschen Botschaft London Im Januar 1936 wurde er turnusgemäß in die Deutsche Botschaft London berufen, deren Leitung im Oktober vom Botschafter Leopold von Hoesch auf den späteren Außenminister Joachim von Ribbentrop überging. Ebendort bearbeitete er Fragen zur Rheinlandbesetzung durch die deutsche Wehrmacht.Detlef Graf von Schwerin: Dann sind’s die besten Köpfe, die man henkt. Die junge Generation im deutschen Widerstand. S. 87. Darüber hinaus war Brücklmeier 1936 der deutsche Vertreter im Komitee für Nichteinmischung in die Angelegenheiten Spaniens. Er lernte in London seine Frau Klothilde (Amschy) von Obermayer-Marnach, eine Tochter des österreichischen Offiziers Kurt von Obermayer-Marnach, kennen, die er im März 1937 in Zagreb heiratete. Mit ihr sollte er eine Tochter namens Monika (* 1939) bekommen. Diese ehelichte später in erster Ehe den österreichischen Industriellen Fritz Mandl.Sophie Lillie: Was einmal war. Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens. Czernin, Wien 2003, ISBN 3-7076-0049-1, S. 744. Zum 1. Dezember 1937 wurde Brücklmeier in die NSDAP aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.789.475),Bundesarchiv, R 9361-IX KARTEI/4660057. sein Aufnahmeantrag datierte auf den 15. Februar 1934, wurde aber wegen der Mitglieder-Aufnahmesperre der NSDAP nicht genehmigt.Brün Meyer (Hrsg.): Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP (SS). Unveränderter Nachdruck der Ausgabe 1938, Biblio-Verlag, Osnabrück 1996, ISBN 3-7648-2487-5, S. 234. Dieser Schritt wurde mit Machtantritt der Nationalsozialisten von höherrangigen Diplomaten begrüßt. Nichtsdestoweniger war seinen deutschen Vorgesetzten vor allem seine anglophilen Verhaltensweisen und Freizeitbeschäftigungen suspekt. Denn Brücklmeier sprach beispielsweise fließend Englisch und bewegte sich in der englischen Oberschicht nahezu perfekt. Er hoffte damals vergeblich, dass sich der geplante Krieg, wie es der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Ernst von Weizsäcker anstrebte, durch eine Zusammenarbeit zwischen der deutschen Opposition und der britischen Regierung unter Premierminister Neville Chamberlain verhindern lasse. Winston Churchill beendete später die Appeasement-Politik Großbritanniens.

Außenministerbüro in Berlin miniatur|Letzter Dienstposten im Auswärtigen Amt in der Wilhelmstraße in Berlin Im August 1938 wurde Brücklmeier gegen seinen Willen – er wollte ursprünglich an die Botschaft in Cairo oder Athen versetzt werden – durch den mittlerweile zum Außenminister ernannten von Ribbentrop, der ihn als wortgewandten Diplomaten sehr schätzte, kommissarisch in dessen von Erich Kordt geleitetes Büro nach Berlin versetzt. Ab Juli 1938 war er in der Politischen Abteilung, im Referat I/Völkerbund und für Militär- und Rüstungsfragen sowie im Ministerbüro tätig. Im September 1938 wurde er zum Legationsrat II. Klasse ernannt. Auf Antrag von Ribbentrops wurde er ohne sein Zutun im Dezember 1938 rückwirkend für den 31. Dezember 1937 in die SS (SS-Nummer 310.351) als SS-Obersturmführer, registriert beim Stab des SS-Hauptamts (SS-HA), aufgenommen.Detlef Graf von Schwerin: Dann sind’s die besten Köpfe, die man henkt. Die junge Generation im deutschen Widerstand. S. 89. Eine spätere Beschwerde beim SS-Obergruppenführer Werner Lorenz blieb erfolglos.Detlef Graf von Schwerin: Dann sind’s die besten Köpfe, die man henkt. Die junge Generation im deutschen Widerstand. S. 90. Er erhielt dann noch eine Beförderung zum SS-Hauptsturmführer. Von Ribbentrop nahm ihn bei Auslandsreisen nach Wien, Paris und Moskau mit.Detlef Graf von Schwerin: Dann sind’s die besten Köpfe, die man henkt. Die junge Generation im deutschen Widerstand. S. 188. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er wegen defätistischer Äußerungen gegenüber seinem Hausarzt, dem SS-Hauptsturmführer Fritz Karnitschnig, von ebendiesem denunziert und kurzzeitig von der Gestapo verhaftet. Vom Chef des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) Reinhard Heydrich wurde er am 10. Oktober 1939 persönlich verhört. Von Ribbentrop leitete gegen Brücklmeier ein Disziplinarverfahren ein, an dessen Ende er zum 26. Mai 1940 aus dem Auswärtigen Dienst entlassen und in den Ruhestand unter Beibehaltung der Bezüge versetzt wurde.

Berufliche Tätigkeit nach seiner Entlassung Brücklmeier wurde im Oktober 1940 als mittlerweile 37-jähriger Gefreiter zum Wehrdienst in der Wehrmacht in der Region Châlons-sur-Marne im besetzten Frankreich eingezogen.Detlef Graf von Schwerin: Dann sind’s die besten Köpfe, die man henkt. Die junge Generation im deutschen Widerstand. S. 454. Nach eigenen Aussagen übernahm er Reinigungsarbeiten an Beutematerial. Ab Januar 1941 arbeitete er als Wehrmachtsangestellter bei der Auslandsbriefprüfstelle in Berlin und anschließend als Kriegsverwaltungsrat im Heeresverwaltungsamt (Verwaltungsamt Ag VIII) des Oberkommandos des Heeres (OKH).Detlef Graf von Schwerin: Dann sind’s die besten Köpfe, die man henkt. Die junge Generation im deutschen Widerstand. S. 214. Er war für die Beschaffung tiefgekühlter Lebensmittel zuständig. Am 7. November 1941 wurde er nach einer erneuten sicherstellenden Akteneinsicht der Gestapo und SS aus der SS und im Oktober 1942 aus dem Verwaltungsdienst im OKH entlassen. Im November 1942 sollte er zum Landesschützen-Bataillon mit Marschbefehl an die Ostfront eingezogen werden. Dank einer Intervention von General Friedrich Olbricht, dem Widerstandskämpfer und Chef des Allgemeinen Heeresamtes im OKH, wurde er als unabkömmlich für die Heimatfront freigestellt. Nach längerer vergeblicher Suche fand er 1943 mithilfe des kaufmännischen Direktors Wilhelm Roloff, seines Vorgesetzter im Heeresverwaltungsamt, bei der Firma Nordsee GmbH in Berlin eine Anstellung.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus