mini|300px|Leonard Peter Schultz (stehend, zweite Person von rechts), Bikini-Atoll 1947 Leonard Peter Schultz (* 2. Februar 1901 in Albion (Michigan); † 17. Juli 1986), in seinen Publikationen meist als Leonard P. Schultz ausgewiesen, war ein US-amerikanischer Ichthyologe.
Leben mini|300px|Schultz (ganz rechts) in einer Gruppenaufnahme des Fakultätskollegiums des „College of Fisheries“ der University of Washington von 1929 Leonard Peter Schultz kam am 2. Februar 1901 als Sohn des Farmers Charles Albert Frederick Schultz und dessen Ehefrau Della, geborene Drum, in Albion in Michigan zur Welt. Dort besuchte er auch das College, welches er 1924 mit einem Bachelor-Grad abschloss. Anschließend studierte er Zoologie bei Carl Leavitt Hubbs an der University of Michigan, wo er 1926 seinen Mastergrad erhielt. 1927 unterrichtete er Zoologie am Michigan State Normal College in Ypsilanti, spielte offenbar aber auch mit dem Gedanken an eine Doktorarbeit in Ichthyologie an der University of Michigan.
Im selben Jahr wurde er von John Nathan Cobb über dessen Pläne informiert, am „College of Fisheries“ der University of Washington eine eigene Abteilung für Ichthyologie aufzubauen. Im Herbst 1928 übersiedelte Schultz nach Seattle und begann am College zu unterrichten. Gleichzeitig arbeitete er am Ausbau der Fischsammlung des College und an seiner eigenen Dissertation, da ihm für den Fall seiner Promotion eine Stellung als Assistenzprofessor in Aussicht gestellt worden war. Bereits wenige Monate nach Cobbs Tod am 13. Januar 1930 wurde das „College of Fisheries“ aufgelöst und alle Fakultätsmitglieder wurden entlassen, mit Ausnahme von Schultz, dem ein Posten am neuen „College of Science“ angeboten wurde. Dem drastischen Schritt folgten umgehend heftige Proteste der Studierenden, die sich per Telegramm an Roland H. Hartley, den damaligen Gouverneur des Bundesstaates Washington, um Unterstützung wandten. Die University of Washington beschloss daraufhin das ehemalige „College of Fisheries“ als eigenständige Abteilung („Department of Fisheries“) innerhalb des „College of Science“ weiterzuführen. Die Leitung wurde William Francis Thompson übertragen und Schultz übernahm kurz darauf wieder seine ursprünglichen Aufgaben an der neuen Abteilung.
Schultz promovierte 1932 am „Department of Zoology“ der University of Washington mit einer Arbeit über den Lebenszyklus einiger Neuweltlichen Ährenfische und übernahm noch im selben Jahr, wie ursprünglich vereinbart, eine Stellung als Assistenzprofessor. Er blieb in Seattle bis ihm Ende 1936 eine Stelle am United States National Museum der Smithsonian Institution (SI), samt Gehaltserhöhung, angeboten wurde.
Am 31. Dezember 1936 wurde Schultz offiziell zum Nachfolger von George Sprague Myers als Assistenz-Kurator der Abteilung für Fische am National Museum of Natural History bestellt. Wenig mehr als ein Jahr später, am 16. Januar 1938, wurde er zum hauptverantwortlichen Kurator („curator-in-charge“) der Abteilung für Fische ernannt. Schultz blieb auf dieser Stellung, bis er 1965 zum „Senior-Zoologen“ befördert wurde. Nach seiner Pensionierung 1968 war er am Museum auch weiterhin als Emeritus tätig.
Leonard Peter Schultz war ab dem 20. August 1927 verheiratet mit Dorothea Bowers Schultz, die ihren Ehemann als Lektorin und Illustratorin seiner zahlreichen Publikationen unterstützte. Schultz benannte ihr zu Ehren die Arten Dermosteira dorotheae , 1943 = Diplogrammus goramensis (, 1858) und Allomicrodesmus dorotheae , 1966 Das Paar hatte drei Kinder; einen Sohn, James (* 1929), sowie zwei Töchter, Marna Clarissa (* 1932), und Gloria Ann, nach denen er ebenfalls drei Taxa benannte: Pseudochromis jamesi , 1943, nach seinem Sohn, Thalassoma marnae , 1943, nach seiner älteren Tochter, stellte sich später als Jugendstadium von Thalassoma amblycephalum (, 1856) heraus und die Gattung Gloriella , 1941, nach seiner jüngeren Tochter, erwies sich als Synonym der Gattung Exallias & , 1905 Nach seinem Wechsel an das National Museum of Natural History wohnte die Familie in Takoma Park (Maryland), unterhielt jedoch auch ein Ferienhaus in der exklusiven freien Kommune Scientists Cliffs an der Chesapeake Bay.
Leonard Peter Schultz verstarb am 17. Juli 1986.
Schaffen Expedition zu den Phoenix- und Samoainseln 1939 Auf Vermittlung durch das United States Department of the Navy wurde Schultz 1939 von der SI abgestellt um als Naturwissenschaftler an einer Vermessungsmission der „USS Bushnell“ teilzunehmen. Die „Bushnell“ hatte den Auftrag die Gewässer um die Phoenix- und Samoainseln zu erkunden. Ihre Reise begann am 1. April 1939 in San Diego und am 11. April lief sie in Pearl Harbor ein. Unterwegs stellte Schultz Versuche an mit Unterwasserlampen Fische und Wirbellose anzulocken, hatte damit jedoch nur mäßigen Erfolg. Eine systematische Sammlungstätigkeit begann erst nachdem die „Bushnell“ am 23. April die Lagune der zu den Phoenixinseln gehörenden Insel Kanton erreicht hatte. Am 30. April erreichte die „Bushnell“ McKean.
Vom 3. bis zum 10. Mai wurde Swains Island besucht. Zurück auf Kanton fischte Schultz am 12. und 13. Mai im Bereich der Lagune. Am 14. Mai ließ er sich auf Enderbury absetzen, um die Insel zu erkunden und kehrte erst am 20. Mai auf die „Bushnell“ zurück. Ab dem 23. Mai lag das Schiff erneut vor Kanton und Schultz nutzte die Zeit wieder um in der Lagune zu fischen, bis die „Bushnell“ am 26. Mai die Phoenixinseln in Richtung Samoa verließ.
Am 1. Juni erreichte die „Bushnell“ die Bucht von Pago Pago auf Tutuila. Schultz nahm seine Sammlungstätigkeit wieder auf und setzte sie an verschiedenen Orten auf der Insel fort, bis sein Schiff am 9. Juni wieder in Richtung Ofu und Taʻū in See stach. In der Zeit vom 9. bis zum 21. Juni sammelte Schultz auf dem Rose-Atoll und hatte anschließend bis zum 26. Juni Gelegenheit seine bereits umfangreiche Sammlung zu ordnen, während die Besatzung der „Bushnell“ Tiefenmessungen am Ozeanboden vornahm. Am 27. Juni landete er auf Taʻū um zu fischen und erhielt dabei unerwartet freiwillige Unterstützung durch eine Gruppe einheimischer Kinder, die überaus geschickt darin waren, schwimmend und tauchend Fische in versteckten Felshöhlen und -nischen zu fangen. Die „Bushnell“ kehrte am nächsten Tag nach Pago Pago zurück, wurde dort jedoch wegen eines Grippefalles auf dem Flottenstützpunkt bis zu ihrem Auslaufen am 3. Juli unter Quarantäne gesetzt. Am 7. Juli erreichte die „Bushnell“ Hull Island, wo Schultz sich an Land absetzen ließ und bis zum 18. Juli blieb, um seinem Auftrag nachzukommen.
Nach zwei weiteren Tagen in den Gewässern vor Kanton und Enderbury trat die „Bushnell“ am 21. Juli die Heimreise an. Pearl Harbor wurde am 27. Juli erreicht. Den Aufenthalt auf Oʻahu verbrachte Schultz überwiegend am Bishop Museum in Honolulu, bevor er am 4. August die weitere Heimreise nach Washington, D.C. antrat, wo er am 18. August eintraf.
Von den knapp fünf Monaten, die Schultz unterwegs gewesen war, hatte er nur etwa 65 Tage nutzen können um Belegmaterial zu sammeln. Die übrige Zeit hatte er großteils zur Präparation genutzt. Trotzdem umfasste seine Ausbeute der Expedition mehr als 14.000 Fischpräparate und rund 3.000 weitere Belegstücke von anderen Wirbeltieren, Wirbellosen und Gesteinsproben. Schultz hatte bereits 1936 mit Experimenten zum Einsatz der unterirdischen Pflanzenteile der Tubawurzel für den wissenschaftlichen Fischfang begonnen. Die Wurzeln dieser Pflanze enthalten bis zu 5 % Rotenon, ein starkes Piscizid, und werden vor allem in Südostasien traditionell zum Fischfang eingesetzt. Die Fische werden durch das selektiv wirkende Gift betäubt und lassen sich relativ problemlos von der Wasseroberfläche aufsammeln. Die Methode war der Wissenschaft bereits zuvor bekannt, aber Schultz erweiterte sie während der Fahrt auf der „Bushnell“ um Anwendungsbereiche, die zuvor als nicht erfolgreich gewertet worden waren. Die Auswertung des Probenmaterials dauerte mehrere Jahre und resultierte in einer mehr als 300 Seiten umfassenden Publikation mit den Erstbeschreibungen von über 30 neuen Taxa, die 1943 veröffentlicht wurde.
Expedition nach Venezuela 1942 Nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg im Dezember 1941 wurden der Smithsonian Institution zwar keine speziellen Aufgaben zugewiesen, sie wurde jedoch als zuverlässige und unbürokratische Quelle für Informationen, insbesondere über den pazifischen Raum, geschätzt. Zudem verfolgte das State Departement ein Projekt, bei dem durch verstärkte wissenschaftliche Expeditionstätigkeit in lateinamerikanischen Ländern die, durch langjährige analoge Tätigkeiten, traditionell guten Beziehungen des Deutschen Reiches in dieser Region untergraben werden sollte. Tatsächlich beschränkte die SI im weiteren Kriegsverlauf ihre Expeditionstätigkeit im Ausland ausschließlich auf diesen Raum.
Schultz’ Expedition nach Venezuela erfolgte nach einer Einladung durch die Standard Oil Company of Venezuela (später Creole Petroleum Corporation) und stand unter der Schirmherrschaft nicht nur der Smithsonian Institution, sondern auch des State Departements. Er verließ Washington, D.C. am 1. Februar 1942 zunächst in Richtung Miami, von wo aus er am 3. Februar per Flugzeug mit Ziel Maracaibo weiterreiste. Nachdem er am nächsten Tag Caracas erreicht hatte, blieb er eine Woche in der Hauptstadt um bei den entsprechenden Behörden notwendige Genehmigungen zu erwirken. Zurück in Maracaibo blieb er zunächst Gast der Lago Petroleum Corporation bis seine Ausrüstung eingetroffen war. Die eigentliche Forschungstätigkeit begann erst ab dem 20. Februar 1942.
Das Hauptaugenmerk der Expedition lag in der Erforschung der Fischfauna des Maracaibo-Sees und seiner Zuflüsse. Bis zum 14. März erkundete Schultz die westliche Seite des Maracaibo-Sees bis zum Río Santa Ana im Süden. Vom 14. März bis zum 26. März arbeitete er am östlichen Ufer des Sees von der Mündung des Río Motatán nordwärts. Die Oberläufe der im Süden in den Maracaibo-See mündenden Flüsse wurden vom 27. März bis zum 4. April untersucht. Der Maracaibo-See selbst wurde vom 7. bis zum 23. April im Gebiet vor Lagunillas und Pueblo Viejo an der Ostküste und vom 29. April bis zum 5. Mai der Süden des Maracaibo-See und dessen Zuflüsse befischt.
Während der Geländearbeit wurde Schultz nicht nur durch Vertreter der Standard Oil Company of Venezuela und der Lago Petroleum Corporation unterstützt, sondern auch durch den venezolanischen Ornithologen William Henry Phelps, Jr. und nach Abschluss der wesentlichen Geländearbeiten verbrachte er als Gast von dessen Vater William Henry Phelps erneut einige Tage in Caracas. Zurück in Maracaibo begann er ab dem 14. Mai den lokalen Fischmarkt nach interessanten Exemplaren zu durchforsten, bis es ab dem 21. Mai Zeit wurde seine Ausrüstung und das umfangreiche Probenmaterial für die Verschiffung in die USA vorzubereiten. Schultz selbst verließ Maracaibo am 24. Mai per Flugzeug mit Ziel Miami und reiste von dort aus weiter nach Washington, D.C., das er am 26. Mai 1942 erreichte.
Die Ausbeute der knapp vier Monate dauernden Expedition erweiterte die Sammlungen des National Museum of Natural History um rund 34.700 Exemplare von Fischen sowie zahlreiche weitere Belegstücke von Krebstieren, Weichtieren, Amphibien, Reptilien und Insekten. Die Ergebnisse der Auswertung der Fischsammlung veröffentlichte Schultz zwischen 1944 und 1949 in einer ganzen Serie von Publikationen mit den Erstbeschreibungen von mehr als 50 zuvor unbekannten Taxa.
Operation Crossroads 1946/47 mini|300px|Übersichtskarte des Bikini-Atolls mini|300px|Explosionswolke des „Able-Tests“