English Dialect Dictionary Online (EDD Online) ist eine elektronische Version des English Dialect Dictionary (EDD). Sie wurde von Manfred Markus an der Universität Innsbruck initiiert und von ihm und seinem Team in der Zeit von 2006 bis 2022 erstellt. Die Buchversion des EDD wurde von dem Yorkshire-Dialektologen Joseph Wright 1898 bis 1905 veröffentlicht. Das sechsbändige Wörterbuch erfasst den Wortschatz der englischen Dialekte im 18. und 19. Jahrhundert, unter Einbezug der USA und anderer englischsprachiger Länder weltweit. Das EDD ist das umfassendste englische Dialektwörterbuch, das jemals veröffentlicht wurde. Die Innsbrucker Online-Version ermöglicht selektive Abfragen zu Parametern wie Komposita, Phrasen und Schreibvarianten sowie die Anwendung einer Reihe von Filtern und Subfiltern (Labels, Dialektgebiete, Quellen, etymologische Vorstufen und sogar Namen von Flora und Fauna). Gemäß den Grundsätzen des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), dem Hauptförderer von EDD Online, ist der Zugang zum Innsbrucker Server kostenlos.

Wrights EDD als Basis Wrights EDD in Buchform basiert seinerseits auf Dutzenden von Dialekt-Glossaren, die hauptsächlich von der English Dialect Society (EDS) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurden. Das EDD war insofern ein typisches Ergebnis des positivistischen Optimismus und Fleißes der Sprachwissenschaftler des neunzehnten Jahrhunderts. Seine 4.670 Seiten dokumentieren die Verwendung englischer Dialekte von 1700 bis 1903 in Großbritannien und den meisten englischsprachigen Ländern weltweit zu einer Zeit, als englische "Dialekte" noch hauptsächlich durch den Lebensraum der Sprecher und nicht, wie weitgehend heute, durch ihren sozialen Hintergrund definiert werden konnten.

Trotz seiner Stärken fiel das EDD bei seiner Veröffentlichung nicht auf allzu fruchtbaren Boden.Vgl. Gneuss beschreibt das Wörterbuch nur kurz und würdigt es mit einem halbherzigen Lob: „a dictionary, which, while not being perfect, has remained indispensible.“ Der Erste Weltkrieg (und auch der Zweite) schnitten die engen Beziehungen zwischen englisch- und deutschsprachigen Dialektologen und Sprachwissenschaftlern ab.1925 schrieb Elizabeth Mary Wright, wie sie später als Witwe in ihrer Biographie des Ehemanns Joseph Wright berichtet, dass „In recent years there has undoubtedly been a gradual falling off of the number of persons in this country interested in the serious study of the history of the language …“ Der Trend zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging dahin, strukturell zu argumentieren (vgl. die Veröffentlichung von de Saussures Cours de Linguistique Générale im Jahr 1916) und nicht in der detailorientierten Arbeitsweise der deutschen Neogrammatiker.

Später marginalisierte das Oxford English Dictionary traditionelle englische Dialekte, indem es sich auf die Entwicklung des englischen Southern Standard konzentrierte und auf das neue Interesse an den jüngsten Phasen englischer Varietäten weltweit reagierte.;

Traditionelle englische Dialekte sind jedoch repräsentativ für die Sprache, wie sie von der breiten Bevölkerung gesprochen wird.

Als solche waren sie, zumindest bis ins 19. Jahrhundert, die Grundlage für die historische Entwicklung des Englischen. Angesichts dieser Relevanz regionaler Dialekte entdeckten Wissenschaftler das EDD in den frühen 2000er Jahren neu.

Entstehung Das EDD Online-Projekt wurde 2006 (zunächst unter dem Namen SPEED: Spoken English in Early Dialects) von Manfred Markus initiiert. Es durchlief vier Phasen; EDD Online 4.0 entstand 2021 bis 2022. Die finanzielle Unterstützung kam hauptsächlich vom österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), aber auch vom Tiroler Wissenschaftsfonds und der Universität Innsbruck. Die Anzahl der Projektmitarbeiter variierte zwischen vier und sechs. Zu Beginn wurde das Projekt stark vom Kompetenzzentrum für Elektronische Datenverarbeitung der Universität Innsbruck (DEA) sowie dem Center for Digital Humanities der Universität Trier unterstützt. Später fungierten Joachim Masser und Martin Köll als Hauptprogrammierer.;

Der Text des EDD wurde zuerst gescannt, dann OCR-konvertiert. Die daraus resultierende Textversion wurde dann automatisch mit einer zweiten Version verglichen, die von einem chinesischen Unternehmen transkribiert wurde. Alle abweichenden Passagen wurden manuell bearbeitet. Der Text wurde danach in eine "vertikale" XML-Version übertragen, geparst (halbautomatisch) und an die Koordinaten von TEI angepasst. In langjähriger Arbeit wurde sodann die Benutzeroberfläche, die den Zugang zu den Einträgen und Inhalten des Wörterbuchs ermöglicht, erstellt. In der dritten Phase des Projekts wurden das Supplement und Wrights Corrigenda integriert.

EDD Online wurde von einigen Linguisten als wertvoller Beitrag zur Dialektologie gelobt. – Also see David Crystal’s praise in the book’s cover text. Allerdings waren und sind nicht nur Wissenschaftler die Zielgruppe des Innsbrucker Projekts, sondern auch dialektinteressierte Laien.

Struktur Der wesentliche Vorteil von EDD Online im Vergleich zur Buchform ist die Möglichkeit, Informationen herauszufiltern, die sich in den umfangreichen Einträgen verbergen. So können Benutzer neben der Suche nach den Lemmata (d. h. Haupteinträgen) des Wörterbuchs auch Rechtschreibvarianten, Definitionen, Zitate, Wortverbindungen (wie Komposita) und Phrasen oder einzelne Strings innerhalb dieser Kategorien aufspüren. Sie können ferner diese Parameter mit Filtern kombinieren, die von Dialektbereichen und Verwendungsbezeichnungen über phonetische und morphologische Aspekte bis hin zu Quellen, Etymologie und Zeitspannen reichen. Die Filter können auch miteinander kombiniert werden. Das Trunkieren und die Verwendung einer wildcard (*) kommen ins Spiel, wenn nicht ein bestimmtes Wort oder ein bestimmter string von Interesse ist, sondern Wörter oder strings mit bestimmten Filtern korreliert werden. Zum Beispiel können alle Lemmata (oder Wortverbindungen oder Phrasen), die der Isle of Wight oder einer anderen englischen, irischen, schottischen oder walisischen Grafschaft zuzuordnen sind, abgerufen werden. Nutzer können so ganz einfach eigene länderspezifische oder andere regionale Glossare erstellen.Manfred Markus. 2019. The Use of EDD Online 3.0 – A Short Guide. https://eddonline-proj.uibk.ac.at/edd (accessed 13 July 2022).-- Die Isle of Wight wird in Markus 2022 als Testfall benutzt (Manfred Markus. “Wright about Wight: a dialect glossary of the Isle of Wight based on EDD Online.” Journal of Linguistic Geography 2022: 1-11

Die Benutzeroberfläche bietet eine Reihe zusätzlicher Werkzeuge, wie z. B. eine Konkordanz von Zitaten; eine Quantifizierung der Ergebnisse mit automatischer Übertragung der Ergebniszahlen in Choropleth-Karten; und "Last-Result"-Suchen (d. h. die Ergebnisse einer ersten Abfrage sind für eine zweite verwendbar). Es gibt auch die Option, ein Bild der jeweiligen Passage in der ursprünglichen Papierversion des Wörterbuchs abzurufen.Manfred Markus. 2019. The Use of EDD Online 3.0 – A Short Guide. https://eddonline-proj.uibk.ac.at/edd (abgerufen am 13. Juli 2022).

Bedeutung für die Dialektologie Der Einfluss der Innsbrucker Plattform auf die Dialektologie, zumindest was die englische Sprache betrifft, ist beträchtlich. Mit diesem elektronischen Werkzeug können neue Analysemethoden, insbesondere die „dialektometrische“ Quantifizierung, angewendet werden.; Vgl. auch David Crystals Einschätzung auf dem Buchdeckel: ”it [the book by Markus] sets a new standard for research in dialectology.“ Zur turbulenten theoretischen Diskussion in der Dialektologie vgl. Die Dialektometrie, ein Begriff, der von J. Séguy und Hans Goebl im letzten Jahrhundert geprägt wurde, basiert auf der Zählung einer großen Anzahl dialektaler Merkmale und der Übertragung der Frequenzzahlen auf sog. Choropleth-Karten. Dieser methodische Ansatz beinhaltet, dass man den Fokus auf selektive Beobachtungen aufgibt, denn diese können für ein Dialektgebiet typisch sein oder auch nicht.

Die Dialektologie als akademische Disziplin ist uns vor allem aus dem 19. Jahrhundert mit ihrer traditionellen positivistischen oder neogrammatischen Methode überliefert. Grundlage wissenschaftlicher Evidenz war die eigene Erfahrung des Forschers oder seiner persönlichen Umgebung. Mit der Erstellung von Dialektatlanten, wie dem von Kurath in den USA, stand eine breite Faktengrundlage zur Verfügung. Dann stellte sich jedoch die Frage, wie die Daten zu interpretieren sind und wie Korpora genutzt werden können. Eines der jüngsten wissenschaftlichen Probleme waren die Grenzen von Rohdaten und die Präferenz für appraised data. In der Appraisal Analysis; stehen Einstellungs- und Bewertungsmerkmale im Mittelpunkt des Interesses. EDD Online ermöglicht eine solche Analyse, die Verbindungen zwischen den Strings eines Wörterbuchs voraussetzt (z.B. zwischen einem Lemma und einem damit gebildeten Kompositum). EDD Online ist insgesamt ein "geordnetes" Korpus.

Angesichts dieser theoretischen Implikationen repräsentiert und fördert EDD Online ein neues Konzept der Dialektologie, das auch in anderen neueren dialektologischen Projekten eine Rolle gespielt hat, z. B. in der Arbeit von Stefan Dollinger über kanadisches Englisch und in der dialekttheoretischen Forschung.Vgl. . -- Einen weniger theorielastigen Überblick über die Dialektverhältnisse im Deutschen bietet Karl-Heinz Göttert. Alles außer Hochdeutsch. Ein Streifzug durch unsere Dialekte. Berlin: Ullstein. Vgl. auch Manfred Markus. “Ist Dialekt die ‘Seele‘ der Sprache?“ Universitas 2021(8): 77-98. Die Einsicht, dass jeder Dialekt – genau wie der Standard einer Sprache – eher ein Sprachsystem als die Summe einzelner Beobachtungen ist, scheint immer mehr Unterstützung zu finden. EDD Online bietet sich an, weitere Belege für diese Erkenntnis zu liefern.

Der praktische Wert von EDD Online in seinen bisherigen drei Versionen wurde von einer Reihe von Wissenschaftlern weltweit anerkannt.E.g. Dies hat sich auch in einer Reihe von Veröffentlichungen niedergeschlagen, von denen einige im Folgenden aufgeführt sind.

Weiterführende Literatur

Einzelnachweise

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