rechts|mini|Ein Briefumschlag von 1918 mit russischen Briefmarken, überdruckt mit ukrainischem Dreizack Die Postgeschichte und Briefmarken der Ukraine beziehen sich auf den Staat der Ukraine und seine Vorgängerstaaten. Die heutige Ukraine lag zur Mitte des 19. Jahrhunderts, als erste Briefmarken ausgegeben wurden, zu einem Großteil im Russischen Kaiserreich, der westliche Teil lag im Kaisertum Österreich und Königreich Ungarn. Von 1918 bis 1919 wurden beide Landesteile kurzzeitig als Ukrainische Volksrepublik und Westukrainische Volksrepublik unabhängig und es wurden zunächst die vorhandenen Briefmarken, jedoch mit Überdrucken versehen, verwendet. Am 14. März 1919 wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik ausgerufen, woraufhin es sowjetische Briefmarken gab. Ausnahme war die Zeit als Reichskommissariat Ukraine unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Seit der Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion wurde ab 1992 eine Vielzahl an Dauer- und Gedenkmarken ausgegeben. In der rechtmäßig zur Ukraine gehörenden Autonomen Republik Krim werden seit 2014 russische Briefmarken verwendet.
Russisches Kaiserreich und Österreich-Ungarn Das Gebiet der heutigen Ukraine war in der Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen dem Russischen Kaiserreich (zu etwa 85 %) im Osten und dem Kaisertum Österreich und Königreich Ungarn im Westen aufgeteilt. Im Russischen Kaiserreich erschienen Briefmarken ab 1857 und im Kaisertum Österreich ab 1850. Das Russische Kaiserreich gab zwischen 1866 und 1917 etwa 2500 Semstwo-Briefmarken aus, davon etwa 800 an 39 Orten im ukrainischen Landesteil. Die ersten davon wurden in Werchnjodniprowsk, im Gouvernement Jekaterinoslaw und in Dniprowsk im Gouvernement Taurien in Umlauf gebracht. Beide Orte liegen heute in der Oblast Dnipropetrowsk. Die Post im russischen Landesteil wurde mit Poststempeln in Russisch versehen und im ungarischen in Ungarisch, während sie im österreichischen Landesteil meist zweisprachig in Deutsch und Polnisch gehalten wurden. Im Kaisertum Österreich wurde die Ukrainische Sprache „Ruthenisch“ genannt; österreichische Ganzsachen (zum Beispiel Postkarten oder Kartenbriefe) erschienen in Regionen mit ukrainischer Sprache teils mit zweisprachigem Vordruck (deutsch/ruthenisch), teils auch mit dreisprachigem Vordruck (deutsch/polnisch/ruthenisch). Am 31. März 1918 wurde zwischen Wien, Krakau, Lemberg und Kiew die weltweit erste regelmäßige Flugpostlinie eingerichtet, die bis zum 15. Oktober 1918 bestand. Dafür wurden eigene Flugpostmarken verkauft.
Ukrainische Volksrepublik mini|hochkant|Russische Briefmarke mit Dreizack-Aufdruck Am 22. Januar 1918 entstand im Osten die Ukrainische Volksrepublik als erster unabhängiger ukrainischer Nationalstaat.
Die Dreizack-Serie In den ersten sieben Monaten der Unabhängigkeit wurden russische Briefmarken für den Gebrauch in den sechs Postdistrikten Kiew, Odessa, Jekaterinoslaw (heute Dnipro), Charkiw, Poltawa, Podolien und Cherson mit einem Dreizack (Trysub) als Aufdruck verwendet. Jeder Distrikt hatte dafür eine Reihe verschiedener Geräte, sodass es für die 20 verschiedenen Briefmarken eine vielfältige Variation an Dreizack-Aufdrucken in Farbe, Form und Größe gibt, die ein wichtiges philatelistisches Sammelgebiet der Ukraine darstellen, jedoch gibt es auch zahlreiche Fälschungen. Allein für Podolien werden 58 verschiedene Dreizack-Aufdrucke gezählt. Insgesamt werden in der Dreizack-Serie über 1500 Varianten unterschieden. Das Symbol des Dreizacks bildet auch heute noch das Wappen der Ukraine.
Erste Briefmarkenausgabe Als erste wurde eine Serie von fünf Dauermarken ausgegeben. Die Marken wurden ungezähnt zunächst auf dünnes Briefmarkenpapier gedruckt und später auf dickeres mit Perforation. Die 10- und 20-Schah-Briefmarken gestaltete Anton Sereda (1890–1961) und die 30-, 40- und 50-Schah Briefmarken entwarf Heorhij Narbut (1886–1920). Die ukrainische Post gab 2008 eine Briefmarkenserie „90 Jahre Ukrainische Briefmarken“ mit Narbuts Konterfei sowie den von ihm entworfenen Briefmarken heraus.90th Anniv. of the First Ukrainian Postage Stamps, colnect.com, abgerufen am 18. Juni 2022
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Wien-Ausgabe 1920 wurde die Wien-Ausgabe, eine Serie von 14 Briefmarken, am österreichischen Militärgeographischen Institut in Wien gedruckt, aber von der Exilregierung mit Hauptsitz im polnischen Tarnów nicht mehr in Umlauf gebracht. Die Serie enthielt Briefmarken in den Werten 1 bis 200 Hrywen. Der Entwurf der 1-, 2-, 3-, 5-, 30-, 50-, 80-, and 200-Hrywen-Marken stammte von dem ukrainischen Künstler Mykola Iwassjuk, während die restlichen auf Fotografien historischer Orte und Personen basierten.Nicht ausgegebene Freimarken 1920, colnect.com. Abgerufen am 24. Juni 2022
Westukrainische Volksrepublik
Von 1918 bis 1919 entstand auf dem Gebiet Ostgaliziens für kurze Zeit nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns die Westukrainische Volksrepublik (, Sachidno-Ukrajinska Narodna Respublika, SUNR). Proklamiert wurde sie am 1. November 1918 und österreichische Briefmarken wurden mit Aufdrucken versehen um Postzustellungen zu ermöglichen.Stanley Gibbons Russian catalogue, S. 630–631. Die ersten solchen Briefmarken erschienen am 20. November 1918 in Lwiw. Dabei wurden die österreichischen 3-, 5-, 10- und 20-Heller-Briefmarken von 1916 bis 1917 mit einem achteckigen Muster überdruckt, das in der Mitte einen heraldischen Löwen zeigte, umgeben von der Inschrift „ (Sachidno-Ukr. Narodna Republika). Am 18. März 1919 wurden in Stanisław mit der Inschrift „“ (POSCHTA UKR.N.REP.) und dem Postwert in Ukrainisch überdruckte österreichische Briefmarken der Jahre 1916 bis 1918 ausgegeben (erste Stanislaw-Ausgabe). Die zweite Stanislaw-Ausgabe erschien am 5. Mai 1919 mit ähnlichem Aufdruck. Am 8. Mai 1919 wurden mit dem Trysub-Wappen und der Inschrift „“ (S. U. N. R.) überdruckte österreichischen Briefmarken ausgegeben (dritte Stanislaw-Ausgabe).
Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik Am 14. März 1919 wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik ausgerufen. Als Unionsrepublik der Sowjetunion (UdSSR) hatte sie kein eigenes Telekommunikations- oder Postwesen. Dieses oblag dem Ministerium für Telekommunikation der UdSSR, sodass in der Ukrainischen SSR die Briefmarken der Sowjetunion verwendet wurden.
Eine Serie von vier Zuschlagsmarken wurde jedoch 1923 als Nothilfe für die herrschende Hungersnot ausgegeben. Die vier Briefmarken waren in mehreren Städten zwischen 25. Juni und 15. Juli im Umlauf. Sie waren die einzigen jemals von der Ukrainischen SSR ausgegebenen Briefmarken.
mini|center|700px|Ausgabe von 1923 zur Hungernothilfe: Die 10+10 Karbowanez- und 90+30 Karbowanez-Zuschlagsmarken zeigen jeweils einen Sensenmann. Bei der 10+10-Zuschlagsmarke stellt sich eine Mutter dabei schützend vor ihr Kind, während bei der 90+30-Zuschlagsmarke der Sensenmann hinter einem arbeitenden Bauern steht und beide dieselbe Sense halten. Die 20+20-Karbowanez-Zuschlagsmarke zeigt den ukrainischen Lyriker Taras Schewtschenko und die vierte Sondermarke von 150+40 Karbowanez zeigt eine Fruchtbarkeitsgöttin, die zwei vor ihr knienden Personen Brot reicht. 1923 stamps of Ukraine, colnect.com, abgerufen am 18. Juni 2022
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besatzungszeit wurde das sowjetische Volkskommissariat für Kommunikation, dem der Postdienst unterstellt war, in das Kommunikationsministerium der UdSSR überführt. Im letzten Jahr des Bestehens der Sowjetunion wurde im Zuge der von Präsident Michail Gorbatschow angestoßenen wirtschaftlichen und politischen Reformen eine staatliche Gesellschaft mit dem Namen Ukrtelecom ins Leben gerufen.
Karpatenukraine Der Landesteil der Karpatenukraine lag von 1919 bis 1938 innerhalb der föderalisierten Tschechoslowakei (ČSR). In dieser erschien am 1. Juni 1934 eine Bildpostkarten-Serie mit 8 Bildern anlässlich des 15. Jahrestages des Anschlusses der Karpatenukraine an die ČSR. Die Karpatenukraine erhielt im November 1938 Autonomie. Im März 1939 wurde das Gebiet von Ungarn vollständig besetzt und war bis 1944 Teil Ungarns und anschließend wieder formal Teil der Tschechoslowakei. 1946 wurde die Karpatenukraine vollständig an die Sowjetunion abgetreten und Teil der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik.
Zweiter Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs stand die Ukraine unter deutscher Besatzung im Reichskommissariat Ukraine (1941–1943/44). Deutsche Briefmarken erhielten zwischen dem 14. November 1941 und 1943 den Aufdruck UKRAINE.Stanley Gibbons Russian catalogue, S. 319. Nach der Befreiung gab es erneut sowjetische Briefmarken.
Unabhängige Ukraine
Am 16. Juli 1990 übernahm der Oberste Sowjet der Ukrainischen SSR die Erklärung der staatlichen Souveränität der Ukraine. Der Künstler Oleksandr Iwachnenko aus Kiew erhielt vom Kommunikationsministerium der UdSSR den Auftrag für eine dem Ereignis gewidmete Briefmarke. Er bot einige Skizzen an, die im Kommunikationsministerium der UdSSR und im Obersten Rat der Republik diskutiert wurden. In der engeren Auswahl war eine Skizze mit einem barfüßigen Mädchen, das die Ukraine symbolisierte. Diese Briefmarke kam überarbeitet am 16. Juli 1991 zum 1. Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung in Umlauf.
Mit Auflösung der Sowjetunion im Dezember 1991 erlangte die Ukraine endgültig ihre staatliche Unabhängigkeit. Die ersten Briefmarken der neuen Republik wurden am 1. März 1992 ausgegeben. 1992 überdruckte die ukrainische Post zudem Briefmarken der Sowjetunion mit stilisierten Dreizacken für den Gebrauch in Kiew, Lwiw und Tschernihiw. Andere sowjetische Briefmarken, die Überdrucke mit ähnlicher Grafik zeigen, waren vermutlich nicht gültig.
Ukrtelecom betrieb zunächst als Monopolist das ukrainische Telekommunikationsgeschäft und Postwesen. Seit 1994 ist das Postwesen bei der eigenständigen Gesellschaft Ukrposhta angesiedelt.
Seit 1992 wurden eine Vielzahl von Gedenkmarken und neun Serien von Dauermarken ausgegeben.
Inflation und Währungsreform Nach einer schweren Inflation in den Anfangsjahren wurde am 2. September 1996 die Hrywnja als neue Währung eingeführt. Dabei entsprach der Wert von 1 Hrywnja 100.000 Karbowanez. Die ersten Briefmarken mit Nominalwerten in der neuen Währung erschienen ab November.
Dauermarken