Die Tour de Suisse 2022 war die 85. Austragung des Schweizer Etappenrennens. Das Radrennen fand vom 12. bis zum 19. Juni im Rahmen von acht Etappen statt und war Teil der UCI WorldTour 2022.

Im Jahr 2022 überschnitt sich die Rundfahrt mit dem Critérium du Dauphiné, das ebenfalls als wichtiges Vorbereitungsrennen für die Tour de France galt.

Gesamtsieger der Rundfahrt wurde Geraint Thomas (Ineos Grenadiers) vor Sergio Higuita (Bora-hansgrohe) und Jakob Fuglsang (Israel-Premier Tech). Michael Matthews (BikeExchange-Jayco) gewann die Punktwertung, während sich Quinn Simmons (Trek-Segafredo) die Bergwertung sicherte. Der Gesamtzweite Sergio Higuita gewann die Nachwuchswertung und sein Team Bora-hansgrohe die Teamwertung.

Die 85. Austragung der Tour de Suisse wurde massgeblich von der COVID-19-Pandemie beeinflusst. Am 5. und 6. Etappentag, verliessen mehrere Fahrer und sogar ganze Teams die Rundfahrt aufgrund von positiven COVID-19 Tests. Betroffen war auch Alexander Wlassow (Bora-hansgrohe), der als Gesamtführender die Rundfahrt vor der 6. Etappe verlassen musste.

Streckenführung alt=Anstieg in Küsnacht ZH während der ersten Etappe|mini|Anstieg in Küsnacht ZH während der ersten Etappe Insgesamt legten die Fahrer in den acht Etappen 1330,4 Kilometer zurück. Es standen fünf hüglige Etappen und zwei Bergankünfte sowie ein Einzelzeitfahren auf dem Programm. Die Rundfahrt begann mit einer Rundkurs-Etappe in Küsnacht im Kanton Zürich. Nach einem Abstecher in den Jura kehrten die Fahrer auf der vierten Etappe in die Zentralschweiz zurück, ehe die Rundfahrt am fünften Tag die Alpen des Tessins erreichten. Im Anschluss folgten Bergankünfte auf der Moosalp (2048 m) und dem Liechtensteiner Skiort Malbun (1560 m). Die letzte Etappe wurde in Form eines Einzelzeitfahrens in der Liechtensteiner Hauptstadt Vaduz ausgetragen. Der höchste Punkt der Rundfahrt war der Nufenenpass mit 2478 Metern Seehöhe. EtappeDatumStreckeTypkm1So, 12. Juni 2022Küsnacht – KüsnachtMittelgebirgsetappe1782Mo, 13. Juni 2022Küsnacht – AeschMittelgebirgsetappe196,93Di, 14. Juni 2022Aesch – GrenchenMittelgebirgsetappe176,94Mi, 15. Juni 2022Grenchen – BrunnenMittelgebirgsetappe190,85Do, 16. Juni 2022Ambrì – NovazzanoMittelgebirgsetappe190,16Fr, 17. Juni 2022Locarno – MoosalpHochgebirgsetappe177,57Sa, 18. Juni 2022Ambrì – MalbunHochgebirgsetappe194,68So, 19. Juni 2022Vaduz – VaduzEinzelzeitfahren25,6Gesamtdistanz:1330,4

Reglement Im Rahmen der 85. Auflage wurden Trikots für die Gesamtwertung (gelb), Punktewertung (schwarz), Bergwertung (rot) und Nachwuchswertung (weiss) vergeben. Für die Teamwertung wurden die Zeiten der drei besten Fahrer pro Etappe zusammengezählt. Während der Etappen gab es die Möglichkeit, Zeitbonifikationen zu gewinnen, um sich in der Gesamtwertung zu verbessern. Die Vergabe der Sekunden sowie der Punkte für die Punkte- und Bergwertung wird in der folgenden Tabelle erklärt. 1.2.3.4.5.PlatzPunktewertungZielankunft128642PunkteZwischensprint421BergwertungHC-Kategorie201510641. Kategorie1286422. Kategorie643213. Kategorie321BonussekundenZielankunft1064SekundenZwischensprint321

Teilnehmende Mannschaften und Fahrer Neben den 18 UCI WorldTeams starteten 3 UCI ProTeams sowie eine Auswahl des Schweizer Nationalteams. Für jedes Team waren sieben Fahrer startberechtigt, wobei das Team BikeExchange-Jayco nur mit sechs Fahrern an den Start ging. Ben King (Human Powered Health) startete das Rennen nicht. Von den insgesamt 152 Startern erreichten nur 76 das Ziel der letzten Etappe.

Im Kampf um den Gesamtsieg galten Alexander Wlassow, Sergio Higuita (beide Bora-hansgrohe), Remco Evenepoel (Quick-Step Alpha Vinyl), Jakob Fuglsang (Israel Premier-Tech), Sepp Kuss (Jumbo-Visma), Gino Mäder (Bahrain Victorious), Thibaut Pinot (Groupama-FDJ), Domenico Pozzovivo (Intermarché-Wanty-Gobert Matériaux), Rigoberto Urán, Hugh Carthy (beide EF Education-EasyPost), Thymen Arensman (DSM) und Ion Izagirre (Cofidis) als aussichtsreiche Kandidaten. Dazu kamen die Ineos Grenadiers, die mit Daniel Felipe Martínez, Adam Yates und Geraint Thomas gleich mehrere potentielle Gesamtsieger an den Start schickten.

Aufgrund der hügligen Etappen nahmen mit Michael Matthews (BikeExchange-Jayco), Alexander Kristoff (Intermarché-Wanty-Gobert Matériaux), Bryan Coquard (Cofidis), Peter Sagan (TotalEnergies), Cees Bol (DSM) und Marco Haller (Bora-hansgrohe) nur wenige Sprinter die Rundfahrt in Angriff. Hinzu kamen jedoch endschnelle Fahrer wie Thomas Pidcock (Ineos Grenadiers), Patrick Bevin (Israel Premier-Tech), Diego Ulissi und Marc Hirschi (beide UAE Team Emirates), die auch auf gebirgigerem Terrain gut zurechtkamen.

Im Abschlusszeitfahren galten der Europameister Stefan Küng (Groupama-FDJ), Stefan Bissegger (EF Education-EasyPost) und Remco Evenepoel als mögliche Siegesanwärter. UCI WorldTeamsUCI ProTeamsNationalteamsACTIGDBEXAFCASTIWGDSMTENTBVIPTTFSHPMBOHTJVUADCOFLTSEFEMOVGFCQST

Rennverlauf und Ergebnisse Bereits auf der hügligen ersten Etappe kam es zu grösseren Abständen in der Gesamtwertung. Auf dem letzten Anstieg des Küsnachterbergs (648 m) löste sich eine Gruppe mit 15 Fahrern, die zeitgleich das Ziel erreichten. Im Sprint setzte sich Stephen Williams (Bahrain Victorious) vor Maximilian Schachmann (Bora-hansgrohe) und Andreas Kron (Lotto Soudal) durch und schlüpfte als erster Fahrer ins Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Nicht in der Gruppe vertreten waren unter anderen Daniel Felipe Martínez (Ineos Grenadiers), Rigoberto Urán (EF Education-EasyPost), Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) und Gino Mäder (Bahrain Victorious) die 51 Sekunden verloren. Thymen Arensman (DSM) und Hugh Carthy (EF Education-EasyPost) erreichten das Ziel mit in einer weiteren abgehängten Gruppe mit einem Rückstand von fast zwei Minuten. Die zweite Etappe gewann Andreas Leknessund (DSM) aus einer Ausreissergruppe, nachdem der sich auf dem letzten Anstieg, dem Challpass (745 m), von seinen Fluchtgefährten hatte absetzen können. Im Hauptfeld, dass das Ziel mit 38 Sekunden Rückstand erreichte, setzte sich Alberto Bettiol (EF Education-EasyPost) im Sprint vor Michael Matthews (BikeExchange-Jayco) durch. In der Gesamtwertung verteidigte Stephen Williams das Gelbe Trikot. Die dritte Etappe endete mit einem Massensprint, den Peter Sagan (TotalEnergies) vor Bryan Coquard (Cofidis) und Alexander Kristoff (Intermarché-Wanty-Gobert Matériaux) gewann. Für Peter Sagan war es der 18. Etappensieg bei der Tour de Suisse, womit er nun der alleinige Rekordhalter an Etappensiegen bei der Rundfahrt ist. In der Gesamtwertung kam es zu kleinen Veränderungen, da Maximilian Schachmann und Alexei Luzenko (Astana Qazaqstan) nach einem Sturz rund vier Kilometer vor dem Ziel viel Zeit verloren und Geraint Thomas (Ineos Grenadiers) sich beim zweiten Zwischensprint drei Bonussekunden sicherte. Stephen Williams blieb jedoch im Gelben Trikot. Auf der vierten Etappe kam es zu einem Sprint aus einem reduzierten Feld. In diesem setzte sich Daryl Impey (Israel-Premier Tech) vor Michael Matthews und Søren Kragh Andersen (DSM) durch.

Zur fünften Etappe traten insgesamt 16 Fahrer nicht mehr an. Vom Team DSM traten die Fahrer Cees Bol, Casper Pedersen und Søren Kragh Andersen nach positiven SARS-CoV-2-Tests nicht zur Etappe an; das Team Jumbo-Visma zog nach einem zunächst nicht näher genannten Coronafall sein gesamtes Team von der Rundfahrt zurück, darunter auch den Gesamtsiegskandidaten Sepp Kuss. Mit Adam Yates (Ineos Grenadiers) musste auch ein weiterer Favorit auf den Gesamtsieg die Rundfahrt COVID-19-bedingt beenden. Auf dem hügligen Rundkurs der fünften Etappe kam es schliesslich zu einem Ausscheidungsrennen. Letztlich verblieben mit Geraint Thomas (Ineos Grenadiers), Jakob Fuglsang (Israel-Premier Tech), Alexander Wlassow, Maximilian Schachmann (beide Bora-hansgrohe) und Neilson Powless (EF Education-EasPost) fünf Fahrer in der ersten Gruppe, in der der Sieger in einem Sprint ermittelt wurde. Alexander Wlassow setzte sich gegenüber Neilson Powless und Jakob Fuglsang durch und übernahm das Gelbe Trikot von Stephen Williams, der als 99. fast eine halbe Stunde verlor. Die meisten weiteren Gesamtklassement-Fahrer erreichten das Ziel mit rund zehn Sekunden Rückstand und verblieben somit im Kampf um den Rundfahrt-Sieg. Remco Evenepoel (Quick-Step Alpha Vinyl), der als einer der Favoriten auf den Gesamtsieg galt, wurde rund 10 Kilometer vor dem Ziel in einer Steigung abgehängt und verlor über zwei Minuten auf den Tagessieger.

Vor dem Start der sechsten Etappe am Freitag verschärfte sich die COVID-Situation nochmals. Insgesamt traten 29 Fahrer nicht mehr an, darunter auch der zu diesem Zeitpunkt im Gesamtklassement führende Alexander Wlassow. Die Teams Alpecin-Fenix, UAE Team Emirates sowie Bahrain-Victorious zogen ihr gesamtes Team von der Rundfahrt zurück. Den Etappensieg der ersten Bergankunft sicherte sich Nico Denz (DSM) aus der Ausreissergruppe, in der er sich im Sprint gegen Clément Champoussin (AG2R Citroën) und José Herrada (Cofidis) durchsetzte. In der Gruppe der Favoriten kamen sechs Fahrer an. Darunter war auch Jakob Fuglsang, der das Gelbe Trikot vom ausgeschiedenen Alexander Wlassow übernahm. In der Gesamtwertung führte der Däne nun mit einem Vorsprung einer Sekunde auf Geraint Thomas und zehn Sekunden auf Sergio Higuita (Bora-hansgrohe). Auf der siebten Etappe und zweiten Bergankunft setzte sich Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) in der Ausreissergruppe durch und gewann vor Óscar Rodríguez (Movistar) und Alexei Lutzenko. Im Kampf um den Gesamtsieg kam es zu den ersten grösseren Lücken. Sergio Higuita griff rund zwei Kilometer vor dem Ziel an und löste sich von den anderen Favoriten. Der Träger des Gelben Trikots, Jakob Fuglsang, versuchte den Abstand gering zu halten, wurde jedoch auf den letzten Metern von Geraint Thomas angegriffen, der in der Gesamtwertung nur eine Sekunde hinter ihm lag. Sergio Higuita erreichte das Ziel in Malbun mit einem Rückstand von einer Minute und 19 Sekunden auf den Etappensieger. Dahinter folgten Geraint Thomas mit weiteren 11 Sekunden und Jakob Fuglsang mit 18 Sekunden Rückstand. Vor dem abschliessenden Einzelzeitzfahren übernahm Sergio Higuita das Gelbe Trikot mit einem Vorsprung von zwei Sekunden auf Geraint Thomas und 19 Sekunden auf Jakob Fuglsang.

Im Zeitfahren der letzten Etappe setzte sich Remco Evenepoel vor Geraint Thomas und Stefan Küng (Groupama-FDJ) durch. Geraint Thomas übernahm am letzten Tag das Gelbe Trikot von Sergio Higuita, der über eine Minute auf den Briten verlor. Jakob Fuglsang absolvierte die 25,6 Kilometer zwar um 15 Sekunden schneller als Sergio Higuita, blieb in der Gesamtwertung jedoch hinter dem Kolumbianer. Geraint Thomas feierte seinen ersten Gesamtsieg bei der Tour de Suisse mit einem Vorsprung von einer Minute und 12 Sekunden auf Sergio Higuita. Vier Sekunden weiter zurück belegte Jakob Fuglsang Rang drei.

Etappe 1: Küsnacht – Küsnacht (178 km)