mini|Otto May

Otto May (* 25. April 1897 in Kulmbach; † 1928/1929Schmidt: Pionier der Propaganda, S. 403 und 406. Dieser erwähnt einen Brief des Schatzmeisters der NSDAP vom 6. Januar 1938, in dem May als „verstorben“ bezeichnet wird.) war ein deutscher Funktionär der NS-Propaganda. Er gehörte von 1923 bis 1926 zu den führenden Persönlichkeiten der frühen NSDAP.

Leben und Tätigkeit Frühes Leben May war ein Sohn des Gefängnisaufsehers Adam May und dessen Ehefrau Margarete. May wuchs zusammen mit zwei jüngeren Schwestern, Babette und Elisabeth Theresie, in Kulmbach auf, wo der Vater in der als Zuchthaus genutzten Plassenburg tätig war. Im August 1909 siedelte die Familie nach Straubing um.

Am Ersten Weltkrieg nahm May mit der bayerischen Armee teil, wobei er 1917 schwer verwundet wurde.Verlustlisten Erster Weltkrieg: Bayerische Verlustliste Nr. 334 vom 14. März 1917.

Tätigkeit in der NS-Bewegung von 1923 bis 1925 Am 10. April 1923 wurde May Propagandaleiter des Völkischen Beobachters, des offiziellen Parteiorgans der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. In dieser Funktion oblag ihm die Leitung der Anzeigen- und Vertriebsabteilung des Blattes, die Beaufsichtigung der Inseratvertreter, die Einführung des Parteiorgans bei den publizistischen Großabnehmern im Reich sowie die Leitung der Plakat- und Flugblattpropaganda der Partei im gesamten deutschsprachigen Raum.

Nach dem Verbot des Völkischen Beobachters am 9. November 1923 infolge des gescheiterten Hitler-Putsches vom 8./9. November 1923 entwich May nach Thüringen.

In Thüringen betrieb May im Jahr 1924 die lokale Propaganda für die unter der Führung von Erich Ludendorff stehende Nationalsozialistische Freiheitsbewegung, eine Ersatzorganisation für die verbotene NSDAP. Während des Wahlkampfes zur Wahl des Thüringischen Landtages im Februar 1924 machte May erfolgreich Stimmung gegen die SPD und die Linksparteien. Zudem gründete er zu dieser Zeit eine Ortsgruppe in Weimar und fungierte von März bis Mai 1924 als Propagandachef des Weimarer Kampfblattes Der Völkische. Ende 1924 gründete er die Postille Enthüllungen, ein rechtsradikales und antisemitisches Blatt, das sich als Konkurrenzorgan zu der Presse der Großdeutschen Volksgemeinschaft verstand. Die Großdeutsche Volksgemeinschaft (GDV) war einer von zwei großen Flügeln, in die sich die NS-Bewegung nach dem Putsch von 1923 gespalten hatte. Die GDV wurde von Julius Streicher und Hermann Esser angeführt und stand im Gegensatz zu dem von Gregor Strasser angeführten Völkischen Block. Bei seiner Tätigkeit war May so erfolgreich, dass Esser ihn nach München zurückrief und ihn für sein eigenes Blatt Der Nationalsozialist engagierte. Bei diesem übernahm May die Leitung des gesamten Propagandawesens und die Position des Chefs der Anzeigenabteilung.

Tätigkeit in der neugegründeten NSDAP (1925/1926) Nach der Neugründung der NSDAP durch Adolf Hitler am 27. Februar 1925 trat May zum 31. März 1925 erneut bei (Mitgliedsnummer 13)Bundesarchiv R 9361-I/25881 und gehörte knapp ein Jahr lang zur engsten Führungsgruppe der Partei.

Von März bis zum 31. August 1925 amtierte May als Vorsitzender der Sektion Neuhausen der Ortsgruppe München der neugegründeten NSDAP. Von März bis zum 30. September 1925 und vom 1. Februar bis zum 6. Mai 1926 war er zugleich Propagandaleiter des wiederzugelassenen Völkischen Beobachters. Diese Tätigkeit wurde von Oktober 1925 bis Februar 1926 für vier Monate unterbrochen, nachdem er im Sommer eine Revolte der Münchener NSDAP gegen die Parteiführung angezettelt hatte (siehe das Unterkapitel unten) und am 30. September von seinem Posten zurückgetreten war. An seiner Stelle fungierte Hermann Esser von September 1925 bis Januar 1926 als Propagandachef der Partei. Esser musste sich jedoch aufgrund des Drucks norddeutscher Parteiführer, die ihn ablehnten, zurückziehen, so dass May im Februar 1926 auf seinen alten Posten zurückkehren konnte.

Nach Essers Ausscheiden kam es daher im Januar 1926 zu einer kurzzeitigen Wiederannäherung von May und Hitler, wobei May beinahe sein früheres Ansehen zurückgewann. Nachdem er sich jedoch im Frühjahr 1926 in die Machtkämpfe um die Person Essers verwickeln ließ und Hitler aggressiv zugunsten von Esser in diese Auseinandersetzungen eingriff, wurde er am 6. Mai 1926 vom Verlagsleiter des Völkischen Beobachters Max Amann erneut aus dem Dienst in der Parteipresse entlassen. Damit endete Mays Karriere in der NSDAP.

Danach blieb die Reichspropagandaleitung der NSDAP bis Juli 1926 formell führerlos, bevor Gregor Strasser sie faktisch und zum 16. September 1926 offiziell übernahm, wobei Heinrich Himmler als sein engster Mitarbeiter die Tagesgeschäfte führte.

In den Neuhauser Sektionsveranstaltungen wurde May seit Sommer 1926 am Reden gehindert. Er ging stattdessen nach Leipzig, wo er erfolglos versuchte, zum Vorsitzenden der dortigen NSDAP-Ortsgruppe zu avancieren. Am 11. August 1926 erklärte May seinen Austritt aus der NSDAP und wurde am 28. August 1926 aus der Reichskartei gestrichen.Bundesarchiv R 9361-II/668474

Mays Revolte gegen die Parteiführung vom Sommer 1925 Im Sommer 1925 zettelte May einen Machtkampf mit der Parteiführung der NSDAP an, in der sich zeitweise mindestens drei von zehn Münchener NSDAP-Sektionen gegen die Reichsleitung der Partei stellten. Hintergrund war, dass der ehrgeizige May zu dieser Zeit versuchte, seinen Einfluss in der Partei auch auf die städtische Organisation der NSDAP in München auszudehnen.

Anfang Juni 1925 forderte die Mitgliederversammlung der Sektion Süd eine öffentliche Generalversammlung der NSDAP. Rösch zufolge war das wahrscheinliche Ziel, Auseinandersetzungen mit der Parteiführung anzuzetteln. Hitler lehnte dies ab und verlangte stattdessen unbedingte Unterordnung der Männer unter die Parteiführung.

Im Juli 1925 attackierte ein Vertrauensmann von May, der Kassenrevisor der Sektion Neuhausen Hans Pöschl, in einem Rundschreiben an alle Münchener Sektionen die Parteiführung. Pöschl agierte dabei als Strohmann von May. In seinem Rundschreiben kritisierte Pöschl die Inaktivität der NSDAP seit ihrer Neugründung und die Dominanz der ehemaligen Führung der Großdeutschen Volksgemeinschaft (GVG) in der neuen Parteileitung. Insbesondere den Schatzmeister der Partei, Franz Xaver Schwarz, griff Pöschl scharf an. Allgemein stellte er die rhetorische Frage in den Raum, wie es sein könne, dass verdiente Kämpfer der Partei aus der Zeit vor 1923 sich aus der Partei zurückziehen würden, dafür aber, auch in der Reichsleitung, unbekannte Personen, die nicht „die Tendenzen der alten NSDAP“ verfolgen würden, führende Posten einnehmen würden. Provokant war Pöschls Schreiben zumal deshalb, weil Pöschl kurzerhand die Führungskompetenz der Reichsleitung der NSDAP und Hitlers überging und erklärte, dass May von seiner Sektion beauftragt worden sei, in Verbindung mit den anderen Münchner Sektionsführern eine Generalmitgliederversammlung herbeizuführen, die aus alten Parteigenossen einen „den alten Nationalsozialisten angenehmen Vorstand“ wählen sollte.

Kurz darauf forderten Pöschl und May bei einer Versammlung der Sektion Innere Stadt, dass Hitler ein zweiter Vorsitzender beigegeben werden solle, der als juristischer Berater und gewandter Redner das Redeverbot erfolgreicher bekämpfen bzw. umgehen könne und der vor allem eine Generalversammlung einberufen könne. Rösch zufolge zielte die Aktion darauf ab, die Dominanz der Funktionäre der früheren Großdeutschen Volksgemeinschaft gegenüber dem Völkischen Block in der Parteiführung rückgängig zu machen sowie die Führungsstruktur der NSDAP umzustoßen, indem sie den unumschränkten Führungsanspruch Hitlers in Frage stellte. Das Vorhaben richtete sich somit direkt gegen den Parteiführer, auch wenn May das Gegenteil beschwor.

Die von May initiierte Revolte fand bald breite Unterstützung in der Münchener NSDAP. Am 13. Juli 1925 forderte die Mitgliederversammlung der Sektion Innere Stadt ebenfalls eine Generalmitgliederversammlung und die Neuwahl der Parteileitung. Auch die Mitgliederversammlung der Sektion Haidhausen signalisierte am 15. Juli, als Pöschl für die Aktion warb, Zustimmung. Der Sektionsführer Schiedermaier warnte jedoch noch in der Nacht die Parteileitung.

Am 16. Juli 1925 inszenierte May die offene Rebellion, indem er im Namen seiner Sektion von der Parteigeschäftsstelle verlangte, binnen acht Tagen eine Sektionsführerbesprechung mit Hitler und Esser einzuberufen, da die Parteileitung sich seit Wochen nicht zur Frage einer ordnungsgemäßen Parteileitung geäußert habe. Deshalb habe seine Sektion ihn damit beauftragt, sich mit den Führern der anderen Münchener Sektionen ins Benehmen zu setzen, um in kürzester Zeit die Schaffung einer ordnungsgemäßen Parteileitung zu bewerkstelligen.

Die Sektion dehnte sich tatsächlich weiter aus. Während eines Sprechabends der Sektion Innere Stadt am 20. Juli 1925, zu dem alle Münchener NS-Sektionen eingeladen waren, erzwangen die 180 Anwesenden gegen den Willen des Sektionsvorsitzenden Karl Eggers eine Diskussion über die Neuwahl der Parteileitung. Sie stellten an den anwesenden Parteigeschäftsführer Philipp Bouhler die Forderung, eine Generalmitgliederversammlung zur Wahl einer provisorischen Parteileitung einzuberufen, die die Geschäfte übernehmen sollte, bis Hitler nicht mehr durch das ihm von der bayerischen Regierung auferlegte Redeverbot behindert sei.

In der Neuhauser Mitgliederversammlung am 21. Juli polemisierte May dann, dass in der Parteileitung Leute säßen, „die es mit der nationalsozialistischen Bewegung nicht ernst nehmen und gegen die Ziele der Bewegung arbeiten“ würden, und erklärte theatralisch, dass 99 % des Saustalls in der Parteileitung noch gar nicht ans Licht der Öffentlichkeit gebracht seien. In dem Bestreben, die Situation zu dramatisieren, legte May kurz vor Versammlungsende sein Amt nieder, mit der Begründung, die Hauptgeschäftsstelle verweigere ihm die Möglichkeit, über die Zustände in der Parteileitung zu sprechen, ließ sich aber, wie beabsichtigt, von den anwesenden Mitgliedern der Sektion bewegen, seinen Entschluss zurückzunehmen. Stattdessen übersandte die Sektion der Parteihauptgeschäftsstelle die Forderung, alle Parteiführer aus der Reichsleitung zu entfernen, die erst nach November 1923 eingetreten seien. Dies richtete sich namentlich gegen Schwarz und Bouhler, die tatsächlich schon 1922/1923 Parteimitglieder geworden waren.

Um für die erwartete Generalmitgliederversammlung seinen Einfluss zu steigern, versuchte May die Münchener Sektionen vorbei an der Parteileitung als Interessenkoalition zu bündeln, wobei er als Anlass hierfür die Weigerung des ehemaligen GVG-Stadtrates Meyr nutzte, entweder zur NSDAP überzutreten oder sein Mandat abzugeben.

Am 21. Juli 1925 schlug May in seiner Stellung als Propagandaleiter der Partei den Münchner Sektionsführern vor, Meyr mit gemeinsamen öffentlichen Resolutionen aus dem Stadtrat zu drängen. Um seine Position weiter zu stärken, gründete May Mitte 1925 gemeinsam mit Christian Weber den Verlag Europäische Zeit und ein gleichnamiges Wochenblatt.

Zu diesem Zeitpunkt sah die Reichsleitung sich veranlasst, einzuschreiten. Hitler, der in Bayreuth weilte, lehnte jede Kompromissbereitschaft ab und ließ seinen Sekretär Heß mit einer von ihm ausgestellten Vollmacht bei den Sektionen intervenieren, um für Ruhe zu sorgen. Die Parteileitung blockierte die öffentliche Artikulation der Aufrührer. Alle Neuhauser Sprechabende sowie Sektionsvorträge mit brisanten Themen wurden abgesetzt.