Bertkow ist ein Ortsteil der Gemeinde Goldbeck im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.

Geographie Das Dorf Bertkow liegt etwa 3 Kilometer östlich von Goldbeck und etwa 14 Kilometer nördlich von Stendal im Osten der Altmark.

Der nordöstliche Teil, das frühere Alt Bertkow, ein Doppelstraßendorf mit Kirche, zeigt die Spuren eines alten Rundlingsdorfes und der südwestliche Teil, das frühere Neu Bertkow, ursprünglich ein Straßendorf, sind im Laufe der Zeit zum Dorf Bertkow zusammengewachsen.

Die Gemarkung Bertkow besteht aus den Ortsteilen Bertkow und Plätz. Im Osten fließt der Balsamgraben, der das Gebiet zwischen Uchte und Elbe in Richtung Norden entwässert.

Nachbarorte sind Goldbeck im Westen, Plätz im Nordwesten, Hindenburg im Nordosten, Krusemark im Osten und Baben im Süden.

Geschichte

Herkunft des Ortsnamens Der Ortsname „bartkow“ 1496Es konnte nicht ermittelt werden, welche Urkunde Zahn hier verwendete. stammt vermutlich aus dem Polabischen. Das Wort „bartnek“ bedeutet „Imker“. Die Silbe „kowe“ steht für „Wohnung, Hütte“. mini|Gedenkstein f. d. Stiftshauptmann Hans Erdmann von Bertkow-Gutsherr auf Bertkow. Altarraum Kirche Kloster Stift zum Heiligengrabe (Nordbrandenburg). 2017. Mittelalter bis Neuzeit Im Jahre 1225 trat ein Ottonis advocati de Bertigge als Zeuge auf. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Bertkow im Jahre 1240 im Zusammenhang mit der gleichnamigen Adelsfamilie von Bertkow erstmals Erwähnung fand. Der Historiker Peter P. Rohrlach schreibt, dass das Dorf Bertkow im Jahre 1291 erstmals als villa Bertekowe erwähnt wurde. Eine weitere Nennung des Ortes stammt von 1343 als to bertekowe.

Im Jahre 1437 wurde Alten Bertkow als czu Bertkow In der alden strasse und Neuen Bertkow als czu Bertkow In der nuwen strasse erwähnt. Weitere Nennungen der Orte sind beispielsweise 1450 Nigenbertekow, 1598 Nien Bertkow, 1687 Neuen Bertkow und Alten Bertkow, 1711 Neüen Behrkau. 1804 gab es das adlige Gut und Dorf Alt-Bertkau mit einer Mutterkirche und das Dorf Neu-Bertkau.

In der Dorfchronik heißt es: In alten Schriften spricht man von Alt-Bertkow, einem Rundlingsdorf um die Kirche mit zwei Rittergütern. Das eine Rittergut ist das Gutshaus, oder auch „Schloss zu Bertkow“. Es wurde seit 1996 ständig saniert. Es lässt nicht mehr erkennen, dass es einen großen Brand überstanden hat. Die beiden Rittergüter wurden später zu einem vereint. In alten Schriften um 1225 taucht außerdem der Name Otto von Bertkow auf. Er war das Oberhaupt der Familie von Bertkow, deren Wohnsitz im Ort in mehreren Urkunden zur ostelbischen Geschichte immer wieder bezeugt wurde.Vgl. Vivigenz Joachim Valentin Dubslaff von Eickstedt: Fortsetzung des Familienbuchs des dynastischen Geschlechts der v. Eickstedt. Begründet: Carl August Ludwig v. Eickstedt, Verlag F. Hessenland, Stettin 1887, S. 65. Nr. 154. Die FamilieBesondere Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger. №. 7, Eigenverlag, Berlin 12. Februar 1876, S. 2. war um 1565 eine von 65 Adelsgeschlechtern des Hochstifts Halberstadt, die Töchter heirateten fast sämtlich nur in Adelsfamilien der Altmark.Vgl. u. a. August Walter: Genealogische Geschichte des Geschlechts von Jeetze. Aus urkundlichen Quellen. E. Baensch jun., Magdeburg 1860, S. 75. Der bekannteste Vertreter der von Bertkow, ihr Wappen waren drei schräggestellte Rosen-manchmal auf einem Balken,Siehe: August Henning von Kröcher: Geschichte des Geschlechts von Kröcher. Band 1: (12./15. Jh.). Kgl. Geheime Ober-Hofbuchdruckerei R. (L.) v. Decker, Berlin 1865, S. 112. wurde der Stiftshauptmann zu HeiligengrabeWerner von Kieckebusch: Chronik des Klosters Heiligengrabe von der Reformation bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage/Hier: Online-Ressource, In: Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienster. Band 28, Lukas Verlag, Berlin 2008, S. 151. Hans Erdmann von Bertkow-Bertkow, verstorben mit 64 Jahren 1680; Gegenkstein Klosterkirche Heiligengrabe. Das Adelsgeschlecht blieb bis 1804 im Besitz des Gutes. Nachfolgend soll es nach der Adelsforschung um E. H. Kneschke ausgestorben sein.Derselbe: Ernst Heinrich Kneschke: N.a.D.A-Lexicon. Band 1, Friedrich Voigt, Leipzig 1859, S. 377.

Außerdem findet in alten Schriften Neu-Bertkow Erwähnung, ein Straßendorf, wie es damals durchaus gebräuchlich war. Das Gut im Ort wechselte dann mehrfach den Besitzer.

Politische Historie Alt Bertkow und Neu Bertkow gehörten bis 1807 zum Arneburgischen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Danach lagen sie bis 1813 im Kanton Arneburg auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Ab 1816 gehörten die Gemeinden und das Gut zum Kreis Osterburg, dem späteren Landkreis Osterburg.

Per Erlass des Königs vom 23. März 1896 (veröffentlicht am 18. April 1896) wurden die Landgemeinde Alt Bertkow mit der Landgemeinde Neu Bertkow, beide im Kreis Osterburg, unter dem Namen „Bertkow“ vereinigt. Der Gutsbezirk Alt Bertkow wurde am 30. September 1928 mit der Landgemeinde Bertkow vereinigt und anschließend als Wohnplatz aufgeführt. An den privatrechtlichen, Kirchlichen und fiskalischen Eigentum änderte dies nichts, lediglich war das Gut juristisch keine eigenständiger Ort mehr. 1992 feierte der Ort nachträglich das 750-jährige Bestehen. Gleichzeitig wurden die neuen Straßen mit einem großen Fest eingeweiht. mini|Ehem. Herrenhaus zu Bertkow. 2005.

Gut und Schloss Bertkow Das frühere Rittergutshaus in Alt Bertkow, wird heute als „Schloss zu Bertkow“ bezeichnet. Die Bezeichnung geht auf die Familie von Bertkow zurück, die das Gut bis 1804 besessen hatte. MitteKarl Friedrich Rauer (Hrsg.): Alphabetischer Nachweis (Adressbuch) des in den Preussischen Staaten mit Rittergütern angesessenen Adels. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 150. des 19. Jahrhunderts, etwa von 1855 bis 1874, erwarb eine Familienlinie des Adelsgeschlechts Digeon von Monteton das Gut und stellte als RittergutsbesitzerSammlung sämmtlicher Drucksachen des Hauses der Abgeordneten aus der VIII Leg.-Periode I. Session. 1863 - 1864. Band 3: Nr. 90 bis 106, W. Moeser, Berlin 1864, S. 112. auch den Wahlvorsteher. Käufer war der vormals als Schriftsteller tätige Reserveoffizier Otto Digeon von Monteton (1822–1913), verheiratet mit Landratstochter Armgard geb. von Krosigk-Hohenerxleben (1823–1875). Baron (eigentlich Freiherr) Digeon von Monteton war 1874 noch Amtsvorsteher.Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Magdeburg. Stück 17, Eigenverlag, Ausgegeben, Magdeburg, den 25. April 1874, S. 134. Er besaß das Gut neunzehn Jahre und veräußerte es mit Gewinn.Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Who’s Who in Germany. Wer ist’s?. V. Ausgabe, Oscar Brandstetter-Leipzig-Selbstverlag, G. E. Stechert & Co. New York / Leipzig 1911, S. 282.

Später kaufte die Familie Rendelmann, Friedrich Rendelmann saß 1889 im Vorstand der Aktien-Zuckerfabrik Goldbeck,Wilh. Herbertz: Die Deutsche Zuckerindustrie. Wochenblatt für Landwirt(h)schaft, Fabrikation und Handel. 2. Beilage. Jahrgang XIV, №. 21, Verlag Emil Dreyer-Selbstverlag, Berlin, den 24. Mai 1889, S. 554. und folgend Familie Löwe das Gut. Das Eingangsportal des Hauses trägt die Inschrift „Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser“ und die Jahreszahl 1894. Rechts und links oberhalb der Tür das Wappen des Hauses und der freie Platz für die einstige Uhr. Um 1922 hieß der Gutsbesitzer Berthold Löwe, sein Gut Alt-Bertkow war 164,5 ha groß.Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen, Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 56–57.

Bereits 1930 gab es im Fachwerkhaus auf dem Ochsenhof einen Kindergarten für die Kinder der Bediensteten des Gutshauses, der 1937/38 in eine neu gebaute Baracke umzog. Die Löwes wurden 1945 enteignet und gingen nach Westdeutschland. Im ehemaligen Gutshaus fanden Flüchtlingsfamilien eine Bleibe, ehe sie im Zuge der Bodenreform Häuser bauten und Land kaufen konnten. 1950 wurde das Gutshaus in „Kulturhaus“ umbenannt. Dort befanden sich ein Kultursaal, ein Kindergarten, später eine Kinderkrippe. Ab 1990 wurde es renoviert, 1993 durch eine Schwelbrand beschädigt und anschließend als Dorfgemeinschaftshaus wieder renoviert und restauriert. 1994 war in Bertkow das „Löwenfest“ gefeiert worden, der 85. Geburtstag von Ulrich Löwe, dem jüngsten Sohn des letzten Gutsbesitzers Berthold Löwe, dessen Familie dem Ort auch heute noch verbunden ist. Seit 2002 trägt das Haus den Namen „Schloss zu Bertkow“.

Bodenreform und Landwirtschaft nach 1945 Peter P. Rohrlach beschreibt die landwirtschaftlichen Verhältnisse nach 1945: Bei der Bodenreform wurden 1945 ermittelt: eine Besitzung über 100 Hektar hatte 162 Hektar, 17 Besitzungen unter 100 Hektar hatten zusammen 342 Hektar, eine Kirchenbesitzung mit 16 Hektar, zwei Gemeindebesitzungen hatten zusammen 0,8 Hektar. Eine Besitzung mit 233 Hektar wurde von der SMAD verwaltet und bewirtschaftet. Enteignet wurde das Rittergut des Besitzers Graf von Westphalen mit 238 Hektar. Davon gingen 41,5 Hektar an den Bodenfonds. Nach Freigabe durch die Rote Armee war es ab 1946 ein Provinzialgut mit 182 Hektar Fläche, 21,9 Hektar waren an die Gemeinde gegangen. 1948 wurde das bisherige Provinzialgut als Landesgut wegen Aufsiedlung an Wischebauern aufgelöst. Das Rittergut in Alt Bertkow des Besitzers Löwe mit 1674 Hektar wurde auch enteignet. 1948 wurden 247 Hektar neu aufgeteilt (31 ha auf 4 Landarbeiter, 199 ha auf 24 Umsiedler, 7 Hektar auf zwei landarme Bauern, 6 Hektar an die VdgB, 4 Hektar an die Gemeinde). Im Gesamtergebnis erhielten aus der Bodenreform 44 Vollsiedler jeder über 5 Hektar, 14 Kleinsiedler jeder unter 5 Hektar. Im Jahre 1954 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III in Bertkow, die LPG, Typ III „Glückauf“, mit der später andere LPGs vereinigt wurden und aus der die heutige Agrargenossenschaft entstand.

20. und 21. Jahrhundert Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Plätz nach Bertkow eingemeindet.

Die Gemeinde Bertkow wurde am 25. Juli 1952 in den Kreis Osterburg umgegliedert. Am 1. Juli 1994 kam sie zum Landkreis Stendal. Nach 1990 schloss sie sich mit anderen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Arneburg-Krusemark an. Ab dem 1. Juli 2005 bis zu ihrer Eingemeindung in Goldbeck am 1. Januar 2009StBA-Wiesbaden (Hrsg.): Gebietsänderungen am 01.01.2009. der Verwaltungsgemeinschaft Arneburg-Goldbeck an. Seit dem 1. Januar 2009 sind damit Bertkow und Plätz Ortsteile von Goldbeck.

Einwohnerentwicklung Landgemeinde/Gemeinde/Ortsteil Bertkow JahrEinwohner189220918951091900338190529619103951925439JahrEinwohner193934719465161964543197147819814301993367JahrEinwohner200631920073142014216201521620171982018207JahrEinwohner2020203202120620222002023210 Quelle, wenn nicht angegeben, bis 2006:

Landgemeinde Alt Bertkow JahrEinwohner1734761772118179081179861180190JahrEinwohner1818108184013118642031871194188599 Quelle:

Gut/Gutsbezirk Alt Bertkow JahrEinwohner179827188573189564190557 Quelle:

Landgemeinde Neu Bertkow JahrEinwohner173479179085179812318011021818118JahrEinwohner18401211864118187113018851411895139 Quelle:

Religion Die evangelische Kirchengemeinde Bertkow, die früher zur Pfarrei Bertkow gehörte, gehört heute zum Kirchspiel Krusemark-Goldbeck und wird betreut vom Pfarrbereich Klein Schwechten im Kirchenkreis Stendal im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.