Der Biedenkopfer Marktplatz (auch Unterer Markt(platz) oder Neuer Markt(platz); mundartlich (Birrekepper) Määdblatz) ist der zentralste Platz in der Kernstadt Biedenkopf. In seiner Mitte steht das Kreiskriegerdenkmal. Er galt früher als „das Zentrum des Hessischen Hinterlandes“.
Geographie mini|Der Ziegenberg mit Bushaltestelle, Bruchsteinmauer und Marktplatzuhr, dahinter die Hirschapotheke
Lage und Umgebung Der Marktplatz bildet das Zentrum der Stadt Biedenkopf. Direkt am Marktplatz liegt die ehemalige Hirschapotheke. Dieses Haus findet erstmals 1648 urkundlich Erwähnung, 1919 zog die Apotheke in dieses ehemalige städtische Weinhaus. Zwischen der Apotheke und dem Wüstenrot-Büro gelangt man durch das nicht mehr bestehende südliche Stadttor, die Marienpforte, in den historischen Stadtkern (Oberstadt). Im Rahmen des traditionellen Heimatfestes „Grenzgang“ wird dieses alle sieben Jahre vereinfacht wiedererrichtet.
Unterhalb des Stapp’schen Hauses (ehem. Hirschapotheke) liegt auf einer Bruchsteinmauer der sogenannte Ziegenberg, ein kleiner Platz als Erweiterung des Marktplatzes.
Bis Anfang der 2010er-Jahre befand sich direkt unterhalb des Marktplatzes an der Hainstraße eine gleichnamige Bushaltestelle mit Taxistand, die inzwischen an die Bruchsteinmauer unterhalb des Ziegenbergs verlegt wurde. Auch die charakteristische Marktplatzuhr wurde von der ehemaligen Bushaltestelle an den Ziegenberg verlegt.
Name Neben der gängigsten Bezeichnung Marktplatz, die er seit seiner Anlegung als Hinweis auf die hier verrichteten Märkte führt, führt der Platz auch noch weitere Bezeichnungen, die als Unterscheidung auf den früheren Marktplatz in der Oberstadt verweisen, der heute Oberstädter Marktplatz, Oberer Markt(platz) oder Alter Markt(platz) genannt wird. Die gebräuchlichsten sind Unterer Markt(platz) oder Neuer Markt(platz).
Verkehrsanbindung Der Marktplatz ist über die gleichnamige Haltestelle Marktplatz an das ÖPNV-Netz des RMV angebunden. Sie wird von verschiedenen und Lokal- und Regionalbuslinien angefahren. Außerdem ist der Platz über die Bachgrundstraße direkt mit dem Bahnhof Biedenkopf verbunden.
Die unterhalb des Marktplatzes beginnende Hainstraße war vor dem Bau der Ortsumgehung für die Bundesstraße 62 Anfang der 2000er-Jahre die Hauptverkehrsader Biedenkopfs. Heute dient sie als Überortsstraße zur Verbindung mit Ludwigshütte und Wallau und als Innerortsverbindung. Besagte Umgehung ist über den Mühlweg am Abzweig Biedenkopf-Mitte zu erreichen.
Geschichte mini|Der Marktplatz vor 1918, schon mit Kriegerdenkmal; Links die Hirschapotheke mit dem Ziegenberg
Entstehung Anders als in anderen hessischen Städten ist dieser Markt nicht die Keimzelle der Stadt, sondern bildet den Kern der Erweiterung durch eine Vorstadt vor den Mauern im Bereich des jetzigen Marktplatzes, der Hain- und Bachgrundstraße der eigentlich auf dem Berg gelegenen Stadt (heute Oberstadt) im 14. Jahrhundert. Die Bewohner dieser „Neustadt“ stammten wahrscheinlich aus den beiden Dörfern Druckershausen und Guntershausen (heute wüst). Der Marktplatz selbst musste dabei mühsam von Hand im Sumpfgrund entlang der Lahn aufgeschüttet werden, weshalb noch heute alle Wege und Straßen nach Süden und Westen deutlich sichtbar abfallen.
Frühe Märkte Zu den Stadtrechten gehörte das Alleinrecht auf Handel und das Recht auf einen Markt. Zunächst bezog sich das Recht auf die Durchführung von Wochenmärkten; dazu kam bald das Recht auf einzelne besondere Kram- und Viehmärkte. Ursprünglich fanden die Märkte vor der Kirche und dem alten Rathaus statt, aber schon sehr bald wurde der Marktplatz vor die Marienpforte in die Vorstadt (in den Bereich des heutigen Marktplatzes) verlegt.
Von da an diente der Platz lange als Viehmarkt, für den Biedenkopf weit über seine Grenzen hinaus bekannt war, weshalb der kleine Platz unterhalb der ehemaligen Hirschapotheke auch bis heute Ziegenberg heißt. Der Boden im Hessischen Hinterland war immer schlecht, Getreideanbau war hier nicht möglich, also verlegte man sich auf die Viehzucht. Aus Schafwolle und Unkräutern wie Flachs und Färberwaid stellten die Biedenkopfer Stoffe her, die sogenannte Beiderwand, die schon im 15. Jahrhundert selbst am Hof des hessischen Landgrafen Verwendung fanden.
Entwicklung in der späten Neuzeit 1793/94 wurden im Bereich des Marktplatzes Wasserleitungen verlegt. Diese Leitungen bestanden noch aus durchbohrten Baumstämmen. 1794 wurden die gebohrten Rohe schon wieder durch auf der Ludwigshütte gegossene Rohre ersetzt. Am 4. Februar 1867 verlas der preußische Zivilkommissar auf dem Biedenkopfer Marktplatz das offizielle „Besitzergreifungspatent“ für das wenige Tag zuvor durch Preußen annektierte Hinterland und versprach: „Wir werden aus dem hessischen Hinterland ein preußisches Vorderland machen!“
Ab 1900 wurden Überlegungen laut, den bestehenden Sandsteinbrunnen in der Platzmitte durch einen neuen Brunnen zu ersetzen. In dieser Zeit hatte sich ein Ausschuss unter der Leitung von Landrat Friedrich von Heimburg, der zeitgleich auch Vorsitzender des Kreiskriegerverbandes war, gebildet, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte ein möglichst großes und auffälliges Denkmal zu errichten. Besagtes Kreiskriegerdenkmal wurde schließlich 1904 fertiggestellt (siehe Abschnitt „Kreiskriegerdenkmal“).
Seit dem Zweiten Weltkrieg Am 21. August 1969 war der damalige Bundesaußenminister und spätere Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) für die Auftaktrede des Bundestagswahlkampfs 1969 auf dem Biedenkopfer Marktplatz zu Gast. Mehr als 3.000 Hinterländer waren damals auf den Marktplatz gekommen.
Anfang der 2010er-Jahre wurde die gleichnamige Bushaltestelle unterhalb des Marktplatzes und die nebenstehende Marktplatzuhr an der Hainstraße an die Bruchsteinmauer unterhalb des Ziegenbergs verlegt. Gleichzeitig wurde die Hainstraße zugunsten eines Vorplatzes für das Gebäude „Marktplatz 2“ verengt und Ampeln wurden durch einen Fußgängerüberweg ersetzt, nachdem sie bereits 10 Jahre zuvor ihre Funktion als Hauptverkehrsader Biedenkopfs und Bundesstraße 62 zugunsten der neu gebauten Umgehungsstraße aufgeben musste.
Vom 4. bis 5. Mai 2018 fand auf dem Marktplatz das „Fünf-Städte-Treffen“ der Biedenkopfer Partnerstädte zusammen mit einem Folklore-Markt statt.
Im Zuge des hessenweiten Programms „Digitale Dorflinde“ hat ein öffentlicher WLAN-Hotspot am 10. September 2018 seinen betrieb am Marktplatz aufgenommen.
Ende September 2018 wurde am Übergang vom Marktplatz auf den Ziegenberg eine neue Trafostation aufgebaut, um die Stromversorgung am Markt abzusichern.
Am 11. März 2019 wurde eine neue E-Doppelladesäule der Stadtwerke Biedenkopf, als eine von insgesamt fünf auf Biedenkopfer Stadtgebiet, auf dem Marktplatz eingeweiht. mini|Das Gebäude „Marktplatz 2“ mit Kaffeehaus (rechts) und Boutique Mitte Juli 2019 wurde das lange leerstehende ehemalige Bankgebäude „Marktplatz 2“ aus dem 17. Jahrhundert nach einer umfangreichen Sanierung für 2,85 Millionen Euro neu eingeweiht. Im Gebäude wurde eine Boutique, ein Beratungszentrum sowie ein Wiener Kaffeehaus („Café am Markt“) eröffnet.
Im Oktober 2020 wurde die Bruchsteinmauer mit Treppe zum Ziegenberg am Rande des Marktplatzes saniert.
Am 23. und 24. Juni, am 21. und 22. Juli und am 24., 29. und 30. August 2023 wurden unter dem Motto „Sommeraktion – Marktplatz im Wandel“ mehrere Musik- und Tanzvorführungen und Mitmachaktionen für verschiedene Altersgruppen auf dem Marktplatz durchgeführt.
Im Dezember 2021 kaufte die Stadt Biedenkopf den alten Kinosaal hinter Marktplatz 14 und einen benachbarten Privatparkplatz hinter Marktplatz 15 und 16, um dort 32 neue Parkplätze für das Stadtzentrum zu schaffen, um so den Marktplatz selbst von parkenden Autos befreien zu können, was neue Perspektiven für die geplante Umgestaltung eröffnet. Zum Jahresende 2023 folgte der Kauf des Gebäudes „Marktplatz 16“ (vorher Redaktion des Hinterländer Anzeigers), zu dem die Zufahrt zu genanntem Parkgelände gehört. Hier ist außerdem vorgesehen, die Biedenkopfer Tourist-Information und Wohnraum zur Miete unterzubringen. Zu Beginn des Jahres 2025 wurde der Kinosaal bis auf dessen Keller abgerissen und der Großteil des Platzes provisorisch geschottert, um bereits zeitig neue Parkplätze zur Verfügung zu stellen. Mittelfristig beabsichtigt die Stadt, den Platz zu befestigen und vollständig auszubauen. Dafür sind Kosten von rund 400.000 Euro veranschlagt. Zwischenzeitlich war auch großes Parkdeck mit begrüntem Dach oder darüber liegendem seniorengerechten Wohnraum in Diskussion.
Auf der bisherigen Parkfläche unterhalb des Marktbrunnens wurden Ende Februar 2026 probeweise geliehene Holz-Stadtmöbel mit Pflanzkübeln aufgestellt.
Im November 2023 gaben die bisherigen Betreiber das Kaffeehaus am Marktplatz 2 („Café am Markt“) auf. Nach einer Pächtersuche durch die Stadt fand sich eine neue Betreiberin, die das Kaffeehaus im Oktober 2024 mit erweitertem Konzept wiedereröffnete und zum Jahresende 2025 wieder schließen musste. Nach einer erneuten Pächtersuche kündigte die Stadt an, dass eine neue Gastronomie als „Café-Bistro“ ab Mai 2026 einziehen soll.
Ende September 2026 soll als ein Aspekt der geplanten Umgestaltung die Verkehrsführung geändert werden: Künftig soll das Linksabbiegen von der Hospitalstraße in die Schulstraße möglich sein. Die Vorfahrtsregeln sollen darüber hinaus so gestaltet werden, dass der Durchgangsverkehr in die nordwestlichen Teile der Stadt nicht mehr über den Marktplatz, sondern daran vorbei geführt wird. Auch die Bushaltestelle soll in diesem Zuge vor den Bahnhof verlegt werden.
Geplante Umgestaltung Akteure aus der Politik und rund 50 Bürger haben im Rahmen eines am 25. Mai 2022 gestarteten Beteiligungsprojektes mit dem durch das Land Hessen geförderten Bündnis „Zukunft Innenstadt“ gemeinsam Ideen für die Entwicklung der Biedenkopfer Innenstadt erarbeitet. Ein wesentlicher Schwerpunkt lag hierbei auf einem neuen Gestaltungskonzept für den Marktplatz. Das Erscheinungsbild des Marktplatzes war zuvor bereits seit Jahren Thema in der Stadt. Dabei geht es um die Sauberkeit und die Platzgestaltung, aber auch um die Frage, wie verschiedene Verkehrsarten in Zukunft auf dem Marktplatz geführt werden können sowie um die Verringerung der Leerstände. Außerdem wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um an einem städtebaulichen Förderprogramm teilnehmen zu können.
Nach ersten, im November 2022 vorgestellten Ergebnissen soll das alte Kopfsteinpflaster durch einen neuen, barriere-ärmeren Belag ersetzt werden. Dazu soll es mehr Grünflächen, Bäume, neue Möblierung und Spielangebote für Kinder geben. Die Verkehrsführung soll neu organisiert werden, dabei könnte die Fläche zwischen Brunnen und Ziegenberg für den Autoverkehr gesperrt werden, wobei dadurch keine Zufahrtsmöglichkeit für Feuerwehrfahrzeuge in die Stadtgasse bestünde, hier wäre der Marktbrunnen im Weg. Auch die Parkplätze sollen zumindest teilweise verschwinden, um Flächen für Außengastronomie, Veranstaltungen und eine Erweiterung des Wochenmarktes zu schaffen. Ein Fachbüro soll die Leerstände ermitteln und Nutzungsvorschläge machen. Vorhandene Geschäfte sollen unterstützt, aber auch andere Nutzungsmöglichkeiten gefördert werden.