mini|297px|Harsewinkel im Kreis Gütersloh, Nordrhein-Westfalen Harsewinkel ist eine mittlere kreisangehörige Stadt im nordrhein-westfälischen Kreis Gütersloh in Ostwestfalen-Lippe (Regierungsbezirk Detmold) etwa 30 km westlich von Bielefeld. Am zählte die an der Ems liegende und landschaftlich zum Münsterland zählende Stadt Einwohner.
Harsewinkel wurde um 1090 erstmals erwähnt und erlebte im Mittelalter durch die Gründung des Zisterzienser-Klosters Marienfeld einen Aufschwung. Die Stadt gehörte zum Hochstift Münster und kam 1803 mit ihm zum Königreich Preußen. In der Gebietsreform, die am 1. Januar 1973 in Kraft trat, wurde Harsewinkel dem Kreis Gütersloh zugeordnet. Bekanntestes Unternehmen der Stadt ist der Landmaschinenhersteller Claas. Seit dem 8. Juli 2013 trägt Harsewinkel den offiziellen Namenszusatz Die Mähdrescherstadt.Die Glocke online: Auf Schildern steht „Die Mähdrescherstadt“, 3. Juli 2013
Geografie Lage Harsewinkel liegt in der Emssandebene (und damit im Norddeutschen Tiefland) an der Grenze vom Münsterland und Ostwestfalen in der westfälischen Bucht (auch münsterländische Bucht genannt) etwa 15 km südlich des Teutoburger Waldes.
Die nächstgelegenen größeren Städte sind Gütersloh in 15 km Entfernung in südöstlicher Richtung, Bielefeld in 25 km Entfernung in östlicher Richtung, sowie Osnabrück, das sich 45 km entfernt in nördlicher Richtung befindet und Münster, das 50 km entfernt in westlicher Richtung liegt.
Das Landschaftsprofil des Stadtgebietes ist ausgesprochen flachwellig. Der höchste Geländepunkt liegt bei und befindet sich in den Boombergen, während der tiefste Punkt mit sich im Emstal bei Greffen befindet. Die Ortskerne der drei zur Stadt gehörenden Ortschaften Harsewinkel, Marienfeld und Greffen liegen auf bis .
Das Hauptgewässer im Stadtgebiet ist die Ems, die südlich an den drei Ortsteilen vorbeifließt. In sie fallen, sämtlich rechtsseitig, die Lutter, die auch das längste Fließgewässer im Stadtgebiet ist, der Loddenbach, der Abrooksbach und der Rhedaer Bach. Die kleineren Fließgewässer Woestenbach, Talgraben und Welplagebach fallen in die genannten Zuflüsse der Ems.
Geologie mini|Geothermische Karte von Harsewinkel Im tieferen Untergrund lagern Ton- und Sandsteine des kohlenflözführenden Steinkohlengebirges (Oberkarbon). Darüber befindet sich ein bis zu etwa 1500 m starkes Deckgebirge aus Kalksteinen und Mergelsteinen des Erdmittelalters (Kreide). Diese Festgesteinsschicht wird von Lockergesteinen des Eiszeitalters vollständig bedeckt. Sie können im Bereich des im Untergrund verborgenen eiszeitlichen Flusstals der Ems eine Mächtigkeit von bis zu 20 m erreichen. Diese Lockergesteine bestehen aus sandigen und schluffigen Sedimenten der Weichsel-Kaltzeit und sind bis nahe an die Oberfläche grundwassererfüllt. Im Bereich der kleinen Bäche, die alle in die Ems münden, finden sich humose Sande und tonige Schluffe.
Auf höher gelegenen Bereichen der Talsandebene haben sich nährstoffarme und dürreempfindliche Böden (Podsole) entwickelt, die durch Aufbringen von Plaggen (Plaggenesch) heute eine verbesserte Ertragsfähigkeit aufweisen. Die tieferen Bodenschichten sind oft von Grundwasser beeinflusst (Gley-Podsole). In Niederungen und Talsenken sind die Böden bis nahe an die Oberfläche von Grundwasser geprägt, sie sind daher natürliche Grünlandstandorte, wurden jedoch durch Entwässerungsmaßnahmen großenteils als Ackerland nutzbar gemacht. Entlang der Ems und ihrer Nebentäler finden sich junge als Dünen aufgewehte Flugsande. Die Bodenentwicklung ist hier erst im Anfangsstadium und die Flächen mit anspruchslosen Kiefernwäldern bewachsen.
Harsewinkel eignet sich mittelmäßig bis gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonden und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu nebenstehende Karte). (PDF; 360 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die als große Landgemeinde klassifizierte Stadt umfasst eine Fläche von 100,59 km². Der überwiegende Teil besteht aus landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche, zusammen etwa 81,7 %, gefolgt von bebauter Fläche und Verkehrsfläche, zusammen etwa 13,7 %. Im Landesvergleich mit anderen Kommunen dieser Größenordnung fällt auf, dass die Landwirtschaftsfläche um 10 Prozentpunkte höher ausfällt, wogegen die Waldfläche um knapp 12 Prozentpunkte kleiner ist. (PDF; 216 kB)
Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung ist rund 9,5 km, in Ostwestrichtung etwa 14,5 km. Die Stadtgrenze hat eine Länge von 49,5 km.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 66,36 15,79 8,66 5,16 2,88 1,53 0,21 Anteil an Gesamtfläche 65,97 % 15,70 % 8,61 % 5,13 % 2,86 % 1,52 % 0,21 %
Nachbargemeinden mini|hochkant|Grenzstein am Dreiländereck zwischen Marienfeld, Herzebrock und Clarholz Harsewinkel grenzt an sieben Städte und Gemeinden. Beginnend im Norden grenzt die Stadt an Versmold, im Nordosten an Halle, im Osten an Steinhagen, im Südosten an Gütersloh, im Süden an Herzebrock-Clarholz, im Südwesten an Beelen und im Nordwesten an Sassenberg. Beelen und Sassenberg liegen im Kreis Warendorf, alle anderen Städte und Gemeinden im Kreis Gütersloh.
Stadtgliederung Die Stadt Harsewinkel gliedert sich in die drei Ortschaften Harsewinkel, Marienfeld und Greffen. Harsewinkel ist mit über 17.000 Einwohnern der größte Ortsteil. Geographisch liegt es zwischen den beiden anderen Ortsteilen und ist auch Standort aller weiterführenden Schulen.
Der zweitgrößte Ortsteil ist Marienfeld, der durch das dortige Zisterzienserkloster über 600 Jahre lang die Geschichte von Harsewinkel maßgeblich prägte, da fast alle Höfe zum Kloster gehörten. Nach dem Bau der Eisenbahnlinie um 1900 wuchsen die beiden ursprünglichen Bauerschaften Remse und Oester zu einem Ort zusammen, der dann nach dem Kloster Marienfeld benannt wurde und nun Heimat für über 4600 Menschen ist. 1983 gewann der Ort die Goldmedaille im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Durch die Nähe zum Gütersloher Flughafen, der ab dem Zweiten Weltkrieg vom britischen Militär genutzt wurde, zogen viele Briten nach Marienfeld. Noch 2007 wurden über 30 Wohneinheiten für britische Offiziere im Ortszentrum geschaffen.
Der kleinste – landwirtschaftlich geprägte – Ortsteil Greffen liegt im Westen der Stadt. Lange bestand Greffen nur aus der Ringbebauung um die St.-Johannes-Kirche und vielen ländlichen Höfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Wohnsiedlungen um den alten Dorfkern angelegt. Greffen wird zurzeit von ca. 3100 Einwohnern bewohnt.
Ortsteil Einwohner(31. Dez. 2006) Einwohner(1. Jan. 2015)Kreis Gütersloh: Der Kreis Gütersloh Zahlen Daten Fakten 2015, 2015Einwohner(1. Jan. 2022) Ortsteile der Stadt Harsewinkel 250px|zentriert|Administrative Gliederung von Harsewinkel Harsewinkel 16.767 17.177 17.895 Marienfeld 4.535 4.606 5.179 Greffen 3.032 3.037 3.261 Gesamt 24.556 24.820 26.335 Weiterhin auf Harsewinkler Gebiet befinden sich die Bauerschaften Beller, Rheda, Überems, Remse und Oester.
Klima Harsewinkel gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig-warm. Es herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Im langjährigen Mittel fallen mit 704,5 mm Niederschlag pro Jahr etwa ebenso viele Niederschläge wie im deutschen Mittel (700 mm). Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei etwa 9–9,5 °C.
Da für Harsewinkel keine Temperaturdaten vorliegen, wurden die Werte der vergleichbaren Stadt Gütersloh übernommen.
Geschichte mini|Skizze der Marienfelder Klosteranlage nach Henricus Duenheuft, 1802
Von der Bronzezeit bis zum Spätmittelalter, Kloster Marienfeld Archäologische Funde zeigen, dass die Besiedlung des Gebiets bis in die Bronzezeit zurückreicht.
Der Ortsname Harsewinkel wurde als „Hasuinkla“ zum ersten Mal in einer Heberolle des nahe gelegenen Stiftes Freckenhorst aus der Zeit um 1090 erwähnt. Der erste Teil des Namens geht entweder auf altsächsisch haso (‚Hase‘), *hasu (‚grau, dunkel‘) oder hros (‚Pferd‘) zurück, der zweite Teil ist auf altsächsisch winkil (‚Winkel‘) zurückzuführen. Um den Ort Harsewinkel herum lagen die Bauerschaften Beller, Rheda, Überems, Remse, Oester, Hundingen, Middelzeeten und Mattenheim, von denen die letzten drei nicht mehr existieren. Um diese Bauerschaften herum gab es große im gemeinsamen Besitz stehende Flächen, die Mark, deren Nutzung zunächst jedem frei stand. Anfang des 13. Jahrhunderts entstand hier die Markgenossenschaft Harsewinkel.
Im Hochmittelalter wurde 1185 das Zisterzienser-Kloster Marienfeld durch den Münsteraner Bischof Hermann II. und mehrere westfälische Adlige gegründet und 1222 geweiht. Drei Höfe im Kirchspiel Harsewinkel und der sogenannte Richterhof wurden dem Kloster übertragen. Das Kloster erhielt weiterhin das Patronatsrecht der Kirche in Harsewinkel. Dem Kloster gelang es recht schnell, weitere Höfe in seinen Besitz zu bringen, so dass am Ende des Spätmittelalters fast alle Bauernhöfe im Gebiet Harsewinkel der Abtei angehörten.
Harsewinkel unterlag dem Gogericht in Warendorf. Die Geschäfte des Dorfes leiteten Bürgermeister und Rat. Zehn Männer wurden für den Rat gewählt, von denen der Marienfelder Abt sechs herauswählte. Diese schlugen dem Abt zwei tüchtige Männer vor, von denen einer zum Bürgermeister ernannt wurde. Um 1200 war für Harsewinkel ein Gerichtsbezirk belegt, welcher wiederum unter der Aufsicht des Klosters stand.
Junker Bernhard VII. zur Lippe überfiel in der Münsterschen Stiftsfehde von 1450 bis 1457 Harsewinkel und brandschatzte den Ort und die Umgebung. Im Jahr 1465 bezeugte eine Urkunde eine Erdburg, die Wölanburg genannt wurde, in der die Bewohner Zuflucht suchten.
Neuzeit bis zur Verleihung der Stadtrechte (1803) mini|Harsewinkel um 1820 – Gemälde eines anonymen Künstlers, im 19. Jahrhundert fälschlicherweise Johann Christoph Rincklake zugeschriebenH. Westhoff-Krummacher: J. C. Rincklake. S. 15ff. 1553 fiel Philipp Magnus von Braunschweig in das Münsterland ein und eroberte Sassenberg und Warendorf. 4000 Soldaten gingen in die Dörfer und raubten den Bewohnern Hab und Gut. 1582 wurde Harsewinkel von der Pest heimgesucht. Zwischen 1585 und 1589 überfielen holländische Truppen im Rahmen des Achtzigjährigen Krieges Harsewinkel und das Kloster. Erst 1609 kam es wieder zum Waffenstillstand. 1621 bis 1623 wüteten die Truppen von Herzog Christian von Braunschweig in Harsewinkel und Greffen. Nach einem strengen Winter 1622/23 erlebte der Ort eine Missernte. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde Harsewinkel von mehreren Bränden heimgesucht. Zum Schutz davor wird seitdem eine Brandprozession begangen.
Ebenso wie der Dreißigjährige Krieg zog der Siebenjährige Krieg ab 1756 den Kreis Warendorf und damit auch Harsewinkel in Mitleidenschaft.
mini|hochkant|Der Marienfelder Abt Arnoldus Detten entließ 1771 Harsewinkel aus der Eigenbehörigkeit des Klosters Durch einen Vergleich des Abtes Arnoldus Detten und des Priors Benediktus Hannasch mit den Bewohnern des Wigboldes Harsewinkels am 29. November 1770 wurden die Einwohner des Harsewinkels zum Jahr 1771 aus der Eigenbehörigkeit des Klosters entlassen.