mini|hochkant|Simone Pheulpin (2013) Simone Pheulpin (geboren 1941 in Nancy, Frankreich) ist eine französische Textilkünstlerin und Textilbildhauerin.

Leben und Wirken Simone Pheulpin lernte als Kind beim Spielen in den Textilmanufakturen in den Vogesen ein Material kennen, das für die Herstellung von Autoreifen verwendet wurde. Erst viele Jahre später wurde dieses Material, ein robustes, ungefärbtes Gewebe aus Rohbaumwolle, wesentliches Element und Grundlage für ihre bildkünstlerische Tätigkeit.

In den 1970er-Jahren begann Pheulpin als Autodidaktin mit Textil zu arbeiten. Ihre Kreationen bestehen lediglich aus kilometerlangen Stoffstreifen und unzähligen Stecknadeln. Ihre Technik beruht auf der sorgfältigen und sich wiederholenden Faltung von ungebleichten, rauen Baumwollstreifen. Durch gleichmäßiges und dichtes Aufeinanderlegen von sehr dünnen Gewebelagen, die auf der Rückseite von hunderten Nadeln gehalten werden und nicht sichtbar sind, entstehen Unikate von besonderer Wirkung. Die Technik ist originär und wurde von Pheulpin selbst entwickelt.

Die Inspirationen für ihre Textilskulpturen und textilen Bilder holt sich Simone Pheulpin aus der Natur, ihre Formen erinnern mal an Korallen, mal an Moos, mal an Baumrinde, an ein phantasievolles Universum. Das Sonderbare der derart gestalteten Werke ist irritierend. Ihre Werke sind künstlerisch aufwändig und akkurat ausgeführt, anspruchsvoll und mystisch zugleich. Wer nicht genau hinschaut, verwechselt das Material mit Stein oder anderen festen Materialien.

Bereits seit den 1970er-Jahren arbeitet Pheulpin textilkünstlerisch, anfangs wurde ihre Arbeit aber als „Handarbeit“ verunglimpft. Seit 1987 werden ihre textilkünstlerischen Werke weltweit in Galerien, auf Festivals, Biennalen und in Designmuseen ausgestellt.

2018 gehörte Simone Pheulpin zu den 30 Nominierten für den Craft Prize der Loewe-Foundation. In der Juryentscheidung erhielt sie eine besondere Erwähnung. Pheulpin habe neu definiert, „was wir unter Textilien verstehen. Sie hat bescheidene recycelte Materialien zu etwas wirklich Bemerkenswertem erhöht.“

Ihre Werke wurden in öffentliche Sammlungen aufgenommen, darunter das Musée des Arts décoratifs Paris, das Victoria and Albert Museum in London und das Chicago Art Institute.

Die Künstlerin lebt und arbeitet in Puteaux und in den Vogesen.

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1997: Musée du Textile Ventron, Frankreich 1998: Musée du Feutre Mouzon, Frankreich 1998: Centre culturel d’Art Textile Angers, Frankreich 2001: Galerie Ovadia Nancy, Frankreich 2004: Re-Plis. Galerie Trait Personnel Lyon, Frankreich 2006: Profils. Art contemporain et Textiles Stosswirhr/Colmar, Frankreich 2006: Art & Déchirure. Hôtel de Région Rouen, Frankreich 2007: L’Art en Ville Le Textile. Espace Chambon Cusset-Vichy, Frankreich 2017: Un Monde de Plis. Chapelle Expiatoire Paris, Frankreich 2021: Simone Pheulpin, plieuse de temps. Musée des Arts Décoratifs Paris, Frankreich

Gruppenausstellungen 1987: Biennale International de la Tapisserie. Lausanne, Schweiz 1989: International Textile Competition. Kyoto, Japan 1992: International Textile Competition. Kyoto, Japan 1995: Triennale Internationale de la Tapisserie. Lodz, Polen 1999: Galerie Browngrotta Wilton, USA 2000: 52. Internationale Kunsthandwerk-Messe. München, Deutschland 2012: 1_2_3 Sculptures de Fibres. Musée de la Tapisserie Angers, Frankreich 2013: Galerie Menus Plaisirs Gstaad, Schweiz 2014: Alchemic Ceremony. Ely House London, Großbritannien 2015: L’Envers du Décor. Ancienne Nonciature Brüssel, Belgien 2016: Etoiles Filantes. Plaza Athénée Paris, Frankreich 2016: Miami Art Basel, USA 2017: Le Pli. Galerie Collection, Paris, Frankreich 2022: Paris Art Design

Preise (Auswahl) 1987: Internationale Biennale von Lausanne: Zeitgenössische Textilkunst 1992: 1. Preis bei der 9. Internationalen Biennale für Minitextilien in Szombathely, Ungarn 1997: 2. Preis Fiberart International Competition, Center for the Arts, Pittsburg (USA) 1998: Grand Prix National de la SEMA, Paris 2000: Goldmedaille bei der 52. Internationalen Handwerksmesse in München 2015: Le créateur, Fondation des Ateliers d'Art de France 2017: Preisträgerin des Grand Prix de la Création de la Ville de Paris 2018: Ehrenpreis des Craft Prize, Loewe Foundation

Öffentliche Sammlungen Victoria and Albert Museums in London Chicago Art Institute Musée des Arts Décoratifs in Paris Jardin des carrières Nancy, Frankreich Musée des Tissus et des Arts décoratifs Lyon, Frankreich Musée du feutre Mouzon, Frankreich Musée Jean-Lurçat et de la tapisserie contemporaine Angers, Frankreich Savaria Museum Szombathely, Ungarn Société textile Hinaya Kyoto, Japan

Literatur Christophe Pradeau: Simone Pheulpin. Edition Cercle d’art, Paris 2022, ISBN 978-2-702-21126-7.

Weblinks Website von Simone Pheulpin Repräsentanz von Simone Pheulpin im Maison Parisienne Repräsentanz von Simone Pheulpin in der Galerie Grossez

Einzelnachweise

Kategorie:Bildwirker Kategorie:Textilkünstler (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Frau