Die indonesisch-portugiesischen Beziehungen umfassen die bilateralen Beziehungen zwischen Indonesien und Portugal. Die Länder unterhalten seit 1949 diplomatische Beziehungen.Webseite zu den indonesisch-portugiesischen Beziehungen im diplomatischen Portal des portugiesischen Außenministeriums, abgerufen am 15. Mai 2022
Die Beziehungen zwischen Indonesien und Portugal gelten heute als gut, waren aber im Zusammenhang mit der Insel Timor historisch mehrfach belastet. Ein besonderes, bleibendes Verbindungsglied ist das historisch-kulturelle Erbe der Portugiesen, die Anfang des 16. Jahrhunderts als erste Europäer das heutige Indonesien erreichten. Die Aktivitäten der portugiesischen Missionare, Händler und Militärs sorgten danach für eine breite Verankerung Portugals, und ihre Spuren finden sich bis heute in Sprache, Musik, Tanz, Trachten, Orts- und Familiennamen, Legenden, Architektur, religiösen Festen und im Theater Indonesiens. Indonesiens Hauptstadt Jakarta führt ihren Namen (Jayakarta, ) auf den gleichzeitigen Sieg des islamischen Demak-Reiches über das dortige portugiesische Fort und das lokale hinduistische Pajajaran-Reich 1527 zurück. Die portugiesische Anwesenheit erstreckte sich hier über etwa 150 Jahre, und noch weitaus länger auf den kleinen Sundainseln (zum Teil bis 1859 portugiesisch). Im heute unabhängigen Osttimor blieben die Portugiesen bis 1975, dann war das Land 24 Jahre indonesisch besetzt und galt völkerrechtlich weiterhin als „abhängiges Territorium unter portugiesischer Verwaltung“. Zusammen mit Malaii war Portugiesisch im 16. bis ins 17. Jahrhundert die Lingua franca in der gesamten Region. Mit der Übernahme des Malaiischen als Bahasa Indonesia gelangten auch eine Vielzahl Wörter aus dem Portugiesischen in die heutige Staatssprache Indonesiens.Fernando Cristóvão (Hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006 (ISBN 972-47-2935-4), S. 825f
Die heutigen Beziehungen zwischen dem geografisch weit entfernten Portugal und dem vor allem auf regionale Integration konzentrierten und auf starke Unabhängigkeit bedachten Indonesien sind bislang nicht stark entwickelt. Politisch ist neben der Zusammenarbeit in den Organen der UNO hier vor allem die Kooperation Indonesiens mit der EU zu nennen, die seit dem November 2009 („Partnership and Cooperation Agreement“, PCA) und vor allem seit dem 2018 erstmals vereinbarten und schließlich am 1. November 2021 ratifizierten „Indonesia-EU Comprehensive Economic Partnership Agreement“ (CEPA) etwas intensiviert wurde. Auch ihre direkten wirtschaftlichen Beziehungen sind weiter ausbaufähig: ihr bilateraler Handel, traditionell mit einem stark überwiegenden Handelsbilanzüberschuss zu Gunsten Indonesiens, ist auf mittlerem Niveau und entwickelt sich nur langsam weiter.
Auf zivilgesellschaftlicher und kultureller Ebene gibt es mehr direkte Zusammenarbeit: seit 2007 besteht ein Kooperationsabkommen im Rahmen einer Städte- und Gemeindefreundschaft zwischen dem indonesischen Regierungsbezirk Sikka und der portugiesischen Stadt Lagos,Indonesisch-portugiesische Städtepartnerschaften beim Verband der portugiesischen Verwaltungskreise (ANMP), abgerufen am 31. Mai 2022 und es entwickelt sich ein langsam zunehmender Kulturaustausch beider Länder auf vielen Ebenen. Auch die gegenseitige Diaspora ist hier ein Verbindungselement. In Krisensituationen leisteten zudem auch portugiesische Hilfsorganisationen wie die Assistência Médica Internacional (AMI) Hilfe in Indonesien.Alfredo Cunha (Fotos), Luís Pedro Nunes (Text): Toda a Esperança do Mundo., Porto Editora, Porto 2015 (ISBN 978-972-0-04780-9), S. 304
Geschichte Bis 1945 mini|Portugiesischer Padrão, als Zeichen des Vertrages Portugals mit dem Königreich Sunda 1522 dort aufgestellt. Die portugiesische Präsenz im heutigen Indonesien begann nach der Einnahme der regional wichtigen Drehscheibe Malakka 1511, fortan ein wesentlicher Stützpfeiler des ostasiatischen Teils des portugiesischen Weltreichs. Der portugiesische Entdecker António de Abreu leitete 1511 die erste europäische Expedition ins heutige Indonesien, mit Ambon 1512 als erster wichtiger Wegmarke. Er durchfuhr auch als erster Europäer das heutige Indonesien, mit den Kleinen und den Großen Sundainseln als weitere Wegmarken, bis zu den Banda-Inseln und zum Westpazifik. Er vermaß dabei als erster die Insel Java.
Francisco Serrão brach 1512 zu einer weiteren portugiesischen Expedition auf, auf der er auch von Europäern bisher unberührte Inseln besuchte, darunter Ternate und die Molukken. Er baute auch die ersten Stützpunkte auf, mit denen die Portugiesen nun in den regionalen Handel einstiegen und die in Europa besonders teuer gehandelten Gewürze, darunter das besonders teure Muskat, erhielten. Damit erreichten die Portugiesen den Anfang der profitablen Gewürzhandelsrouten, sicherten sich das Monopol auf den Muskathandel und kontrollierten den bedeutenden Indienhandel fortan. Der sich seit dem frühen 13. Jahrhundert immer stärker ausbreitende Islam machte es den portugiesischen Missionaren dabei nicht einfach, das Christentum auf dem Malaiischen Archipel, trotz einiger Erfolge, auch in der Fläche dauerhaft zu etablieren.
Überall, wo es ihnen möglich war und lohnend erschien, sicherten sich die portugiesischen Militärs und Händler mit Intrigen und Einmischungen in die rivalisierenden Sultanate und Kleinreiche ihren Einfluss und die Handelskontrolle.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs., Kröner, Stuttgart 2001, S. 147 u. 152 Das Sultanat von Ternate etwa baute mit Hilfe der Portugiesen seine Macht aus und erlaubte ihnen dafür die Errichtung von Handelsstützpunkten und einer Festung. Ternate blieb ein bedeutender portugiesischer Stützpunkt auf dem Malaiischen Archipel, bis zur Vertreibung der Portugiesen 1575. Weitere bedeutende portugiesische Handelsstützpunkte und Faktoreien konnten sich die Portugiesen in Solor, im Sultanat Pasai (port. Pacém), Makassar, Larantuka, auf Ambon und an zahlreichen weiteren Orten sichern.
Die staatliche portugiesische Handelsgesellschaft Casa da Índia kontrollierte den Handel und entsandte seine Indien-Armadas auch bis hierher. Der Vertrag von Saragossa sprach das heutige Indonesien 1529 endgültig den Portugiesen zu, die sich hier dennoch eine Zeit lang weiter den Spaniern erwehren mussten, die das portugiesische Muskat-Monopol brechen und den Anfangspunkt des Gewürzhandels selbst kontrollieren wollten, am Ende aber aufgeben mussten, weil ihre Routen, von Osten her führend, zu schwierig blieben.
Ab Anfang des 17. Jahrhunderts machten dann die Niederländer den Portugiesen ihre Präsenz hier streitig, die seit der Personalunion mit Spanien ab 1580 zunehmend geschwächt waren und sich insbesondere ab 1630 ohne jede Unterstützung aus Lissabon hier kaum noch halten konnten.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs., Kröner, Stuttgart 2001, S. 245 Die Casa da Índia verlor an Bedeutung, und die niederländische Ostindien-Kompanie setzte sich im Verlauf des 17. Jahrhunderts nun vollends gegen die 1628 neu gegründete portugiesische Ostindien-Kompanie und andere verzweifelte portugiesische Initiativen durch. Portugal verlor nun seine wichtigsten Stützpunkte im heutigen Indonesien, und nach dem Verlust des letzten offenen und portugiesisch befestigten Hafens Makassar (1667) an die niederländische Ostindien-Kompanie verblieb es hier nur auf den Kleinen Sundainseln, insbesondere Timor, Flores, Bali und dem Solor-Archipel.
Mit dem Vertrag von Lissabon trat Portugal 1859 seine Besitzungen auf den Kleinen Sundainseln, mit Ausnahme von jenen auf Timor an die Niederländer ab. Das unbedeutende Atauro kam unter portugiesische Oberhoheit und gehört heute zum Staat Osttimor. Die Grenzen zwischen den Kolonialmächten auf Timor wurden erst 1914 festgelegt und entsprechen heute weitgehend der Grenze zwischen Indonesien und Osttimor. Portugal hatte nun Schwierigkeiten, seine kleinen, wirtschaftlich vom Macau-Handel abhängigen Besitzungen im Malaiischen Archipel zu verwalten und zu versorgen, unregelmäßige Verbindungen zum Mutterland machten die Kontrolle schwierig. Gleichzeitig bewirkte diese schwache portugiesische Präsenz jedoch, dass sich die Niederländer nicht weiter um die wenigen verbliebenen Besitzungen Portugals inmitten ihrer Kolonie Niederländisch-Indien kümmerten und sie gewähren ließen.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs., Kröner, Stuttgart 2001, S. 377f
Die Niederländer setzten ihre Kontrolle über das heutige Indonesien, trotz einiger Rückschläge im 19. Jahrhundert, immer konsequenter durch und kontrollierten es einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) schließlich vollständig. Die Portugiesen bauten ihre verbliebene Kolonie Portugiesisch-Timor im Ostteil der Insel Timor derweil ihrerseits in Schüben aus.
Nach ersten anti-kolonialen Bewegungen ab 1912 begann ab 1926 eine bewaffnete, kommunistisch orientierte Erhebung. Sie wurde niedergeschlagen, und es setzte sich eine nationalistische Unabhängigkeitsbewegung unter Sukarno durch. Die Sprache Bahasa Indonesia wurde aus dem Malaiischen kreiert, als vereinende Staatssprache eines unabhängigen Indonesiens und unter Übernahme einer Vielzahl Lehnwörter auch aus dem Portugiesischen.
Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) besetzten die Japaner Niederländisch-Indien und Portugiesisch-Timor. Dies beflügelte die indonesische Unabhängigkeitsbewegung zunächst, doch erlebten sie die Japaner danach nicht als Befreier, sondern als brutale Besatzer.
Seit 1945 mini|Das ehemalige indonesische Konsulat in Portugiesisch-Timor, heute der Xanana Reading Room
Nach einer ersten erfolglosen Unabhängigkeitserklärung 1943 verlas Sukarno die Indonesische Unabhängigkeitserklärung am 17. August 1945, drei Tage nach der japanischen Kapitulation. Im folgenden Unabhängigkeitskrieg erkämpfte das junge Land dann seine Eigenständigkeit, bis die Niederlande am 27. Dezember 1949 das Land in die Unabhängigkeit entließen. Portugal erkannte das unabhängige Indonesien am 28. Dezember 1949 an. Am 2. Januar 1950 wurde die portugiesische Botschaft in Jakarta eröffnet.Liste der portugiesischen Botschafter in Indonesien, diplomatisches Institut im Außenministerium Portugals, abgerufen am 15. Mai 2022 Indonesien unterhielt auch ein Konsulat in Portugiesisch-Timor.
Gegner Sukartos flüchteten danach auch nach Portugiesisch-Timor, wo sie sowohl gegen Indonesien als auch die kolonialistische Salazar-Diktatur Portugals agitierten. 1959 kam es zur Viqueque-Rebellion, an der neben unzufriedenen Osttimoresen auch Exil-Indonesier beteiligt waren. Der Aufstand wurde von portugiesischen Sicherheitskräften blutig niedergeschlagen. Unter den als Drahtziehern festgenommenen Personen waren auch vier Indonesier. Fortan wurde die portugiesische Geheimpolizei PIDE in Timor tätig. Sie war 1961 auch an der Niederschlagung der Rebellion in Batugade an der Grenze zu Indonesien beteiligt, wo von Indonesien mitfinanzierte Aufständische eine timoresische, von Portugal unabhängige Republik ausriefen und danach ins benachbarte Indonesien flohen.
Nachdem zunächst Widerstände gegen einen indonesischen Einheitsstaat niedergeschlagen wurden (u. a. Eroberung der Republik Maluku Selatan 1955), kämpfte sich der rechtskonservative General Suharto durch innere Machtkämpfe und antikommunistische Gräueltaten (v. a. Massaker in Indonesien 1965–1966) an die Macht (ab 1967 diktatorisch herrschender Staatspräsident Indonesiens).