Der Große Heuberg, meist nur Heuberg genannt, ist mit seinen dünn besiedelten Hochflächen und Gipfeln von 850 bis der höchste Teil der Schwäbischen Alb. Die baden-württembergischen Landkreise Zollernalb, Tuttlingen und Sigmaringen haben Anteil am Großen Heuberg. Er bildet den Hauptanteil der Südwestalb bzw. der Hohen Schwabenalb.
Die Hochflächenlandschaft zeichnet sich durch großflächige, meist extensiv genutzte Wiesenkomplexe aus, die mit Lesesteinriegeln, Hecken sowie Magerrasen und Felsen durchsetzt sind. An den steilen, bis zu 400 Metern hohen Hängen des Albtraufs dominieren, anders als in sonstigen Teilen der Schwäbischen Alb, Nadel- und Mischwälder. Die Hänge der Flusstäler sind durch naturnahe extensiv genutzte Schlucht- und Hangwälder im Übergang zu Wacholderheiden und Magerrasen geprägt, wobei die Auen meist als Grünland genutzt werden. Besonders beeindruckend ist das Tal der Donau mit bis zu 200 Metern fast senkrecht aufragenden Felswänden.
Der Heuberg selbst ist schwach besiedelt. Erst durch die technischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts konnten dort die Lebensverhältnisse nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich verbessert werden, während in früheren Zeiten karge Böden, das raue Gebirgsklima und der stete Wassermangel nur ein beschwerliches Leben zuließen und viele Bewohner zur Auswanderung veranlassten.
Die Gegend ist sowohl bei regionalen als auch überregionalen Wanderern, Kletterern, Wintersportlern, Radsportlern, Motorradfahrern und Segelfliegern ein beliebtes touristisches Ziel und Erholungsgebiet.
Geographie mini|Das ungefähre Zentrum des Großen Heuberges liegt bei Nusplingen (723 m) im tief eingeschnittenen Bäratal
Lage mini|Der Große Heuberg liegt im Südwesten der Schwäbischen Alb und ist deren höchster Teil
Die Heubergregion im Südwesten der Alb hat eine etwa dreieckige Form mit den Seitenlängen von circa 22 × 25 × 25 km. Etwa im Zentrum des Naturraums liegen der Staufenberg () und der Ort Nusplingen.
Die südwestliche Region des Naturraums deckt sich großteils mit der touristisch definierten Region der 10 Tausender und dem Naturpark Obere Donau. Im Westen wird er begrenzt durch die Täler von Faulenbach und Prim sowie die Baarhochebene, im Norden durch den Albtrauf, im Osten durch die Täler der Eyach und der Schmiecha bzw. im engeren Sinne, also ohne Hardt, durch die Täler der Schlichem und der Bära. Die südliche Grenze bildet die Donau, jedoch ragt der Badische Heuberg (häufiger Hegaualb genannt) auch über die Donau hinaus. Der nördliche Heuberg wird gleichzeitig zur Zollernalb gezählt.
Naturräumliche Zuordnung und Gliederung mini|Herbstliches Oberes Donautal bei Sonnenaufgang. Auf den Felsen thront Schloss Werenwag. Der Große Heuberg reicht im Süden bis zur Donau
Nach der naturräumlichen Gliederung der Schwäbischen Alb wird die gesamte Heubergregion dem Naturraum 093.2 Hohe Schwabenalb im Südwestdeutschen Stufenland zugeordnet, ist mit ihm also weitgehend identisch. Auch Teile des Naturraums 092.31 Oberes Donautal werden üblicherweise zum Heuberg gezählt.
09 (=D60) Schwäbische Alb 093 Hohe Schwabenalb 093.2 Großer Heuberg 093.20 Westlicher Heuberg 093.21 Östlicher Heuberg 093.22 Hardt 093.23 Südlicher Hardtrand
Landschaftscharakter Der Landschaftscharakter ist ausgesprochen vielfältig und abwechslungsreich, abhängig davon, um welchen Abschnitt des Heubergs es sich handelt.
Der nördliche, stark zertalte Heuberg ohne zusammenhängende Hochfläche weist besonders markante und schroffe Berggestalten auf, die zusammengefasst als Balinger Berge (höchster Gipfel: Dotternhausener Hörnle des Plettenbergmassivs, ) bekannt sind. Sie bilden einen der beeindruckendsten, höchsten und bekanntesten Teile am Albtrauf. Die hohe Reliefenergie mit lokalen Höhenunterschieden von über 400 Metern und die mit weißen Kalkfelsen besetzten Steilhänge lassen die Berggruppe schroff und alpin anmutend aussehen. So wurde zum Beispiel vom Wanderführerautor Julius Wais im Jahr 1901 der Ausblick vom Gräbelesberg () auf die umliegenden Berge als geradezu „hochgebirgsmäßig“ beschrieben. Der Hochgebirgscharakter wird durch die baumfreien, von Bergwiesen mit subalpiner und alpiner Reliktvegetation bewachsenen Gipfel verstärkt. In der montanen und hochmontanen Höhenstufe der Steilhänge dominieren die typischen Buchen-Tannen-Fichtenwälder der Südwestalb sowie die in Baden-Württemberg einzigartigen Block-Fichtenwälder.
Das östlich gelegene Hardt ist im Gegensatz dazu durch eine weitläufige und leicht hügelige Hochfläche geprägt. Durch die etwas geringere Höhe zwischen etwa 800 und war und ist sie Schwerpunkt der landschaftlichen Nutzung auf dem Heuberg.
Das Hardt wird durch das Bäratal von der westlichen Hochfläche zwischen Gosheim, Tuttlingen und Kolbingen getrennt, welche mit 900 bis knapp höher liegt und den Albtrauf bildet. Zu den bekannten Erhebungen des westlichen Heubergs zählen der Dreifaltigkeitsberg (), das Klippeneck () sowie der Lemberg () als höchste Erhebung der gesamten Schwäbischen Alb. Die beiden zentralen, relativ reliefarmen Hochebenen fallen zu allen Seiten steil in die Flusstäler bzw. in das Vorland ab.
Besiedelung mini|Das Donautal trennt den Großen Heuberg (links mit Kolbingen im Hintergrund) vom Badischen Heuberg (rechts). Im Vordergrund das Naturschutzgebiet Kraftstein über dem schluchtartigen Ursental
Siedlungsdichte Die vollständig auf dem Heuberg liegenden Gemeinden haben zusammen eine Einwohnerzahl von 38.103 (Stand 31. Dezember 2020). Die Bevölkerungsdichte beträgt damit nur knapp 40 Einwohnern pro Quadratkilometer. Zum Vergleich dazu lebt etwa die gleiche Zahl an Menschen in der Stadt Tuttlingen, auf dem Heuberg aber auf einer mindestens zehn Mal größeren Fläche verteilt.
Verteilung Auf dem westlichen Großen Heuberg liegen die Gemeinden Böttingen, Bubsheim, Egesheim, Gosheim, Kolbingen, Königsheim, Mahlstetten, Obernheim, Deilingen, Reichenbach am Heuberg, Renquishausen und Wehingen, auf dem östlichen Großen Heuberg bzw. im Hardt Irndorf, Meßstetten, Schwenningen und Stetten am kalten Markt.
Die Gemeinden Bärenthal und Nusplingen liegen im Tal der Bära und lassen sich nicht genau zuordnen.
Kleinere Ansiedlungen am Heuberg, am nördlichen Albrand, gehören zur Stadt Spaichingen (mit dem Dreifaltigkeitsberg), Denkingen (mit seinem Segelfluggelände oben am Klippeneck), Rietheim-Weilheim (mit dem Weiler Rußberg), Dürbheim (mit dem Weiler Risiberg) und Mühlheim an der Donau (mit dem Weiler Kraftstein).
Verwaltungsverband Die Gemeinden Bubsheim, Deilingen, Egesheim, Gosheim, Königsheim, Reichenbach am Heuberg und Wehingen bilden seit dem 16. Dezember 1971 den Gemeindeverwaltungsverband Heuberg. Durch die Gründung des Verbandes konnten die Mitgliedsgemeinden ihre Selbständigkeit erhalten. Sitz des Verwaltungsverbands ist Wehingen, die Verbandsverwaltung ist in einem eigenen Gebäude in Nachbarschaft zum Bildungszentrum Gosheim-Wehingen direkt an der Gemarkungsgrenze zu Gosheim untergebracht.
Höhenlage Viele Orte des Großen Heubergs zählen zu den höchstgelegenen Gemeinden in Baden-Württemberg. Nur im Hochschwarzwald liegen einige Gemeinden höher. Meßstetten zählt mit durchschnittlich über 900 Metern Meereshöhe sogar zu den höchstgelegenen Städten Deutschlands: Gemessen an der Höhenlage der jeweiligen Pfarrkirchen ist nur die Stadt Oberwiesenthal im Erzgebirge acht Meter höher gelegen. Der Stadtteil Heinstetten liegt auf und ist damit der höchstgelegene Ort; Tanneck, ein Ortsteil von Obernheim auf knapp , ist der höchstgelegene Weiler der Schwäbischen Alb.
Heuberg als Name Etymologie Ob sich der Name Heuberg von seinen landschaftsprägenden HeuwiesenNaturparkplan obere Donau 2030, auf naturpark-obere-donau.de, abgerufen am 2. August 2020. ableitet oder von der Grafschaft Hohenberg, deren Territorium teilweise auf dem Heuberg lag, ist umstritten. Der ebenfalls oft nur als Heuberg bezeichnete Kleine Heuberg ist nicht Teil der Alb, sondern des Vorlandes nordwestlich des Großen Heubergs.
Heuberg und Hardt Bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Begriff Heuberg lediglich für das Hochland westlich der Bära geläufig. Das Gebiet östlich der trennenden Bära wurde als Hardt bezeichnet, ein Begriff, der auch heute noch zur Unterscheidung von westlichem und östlichem Heuberg geläufig ist. Der Begriff Hardt bezeichnet eigentlich einen Weidewald, der auf der Hardthochfläche häufig anzutreffen war. Erst mit der Errichtung des Truppenübungsplatzes Heuberg und des Lagers Heuberg bei Stetten am kalten Markt bürgerte sich die Bezeichnung Heuberg auch für das Hardt ein.
Schraubengebirge Vor allem der westliche Heuberg mit den Gemeinden Gosheim, Wehingen, Bubsheim, Deilingen und Böttingen ist seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Schwerpunkt der Drehteilindustrie als einer Zulieferungsindustrie für die Automobilindustrie und für den Maschinenbau bekannt. Deshalb wird beim Heuberg mehr oder weniger scherzhaft auch vom Schraubengebirge gesprochen.
Geologie mini|Kolbinger Schauhöhle mit Tropfsteinen mini|Der Große Heuberg liegt in den Erdbebenzonen 2 und 3. mini|Cycnorhamphus suevicus, Weißer Jura, etwa 150 Millionen Jahre alt, ein versteinerter Flugsaurier aus der Unterart der Kurzschwanzflugsaurier, gefunden im Nusplinger Plattenkalk, heute im Düsseldorfer Aquazoo – Löbbecke Museum mini|Eine versteinerte urzeitliche Libelle, Brunetaeschnidium nusplingensis, aus den Nusplinger Plattenkalken, 15 cm groß, inzwischen im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart
Geomorphogenese Sedimentation und Sedimentgesteine Der Große Heuberg besteht wie auch die restliche Schwäbische Alb aus sedimentären marinen Ablagerungen in Form mächtiger Schichten aus Ton, Kalk und Mergel. Diese Gesteine entstanden während der Jurazeit am Boden eines Meeres, das vor etwa 200 bis 150 Millionen Jahren große Teile Europas bedeckte. Die jurassischen Gesteine bilden drei Hauptformationen. Nach ihrer Farbe unterscheidet man lokal von unten nach oben Schwarzen, Braunen und Weißen Jura.
Auffaltung und Schrägstellung Die erdgeschichtlich junge Schwäbische Alb wurde - bedingt durch das Auffalten der Alpen im Süden - aus der bestehenden Erdkruste ebenfalls ausgehebelt und mit ihren Schichten schräg gestellt. Die geologische Auffaltung der Alpen als mehrstufiger Prozess begann vor etwa 135 Millionen Jahren an der Wende von der Jura- zur Kreidezeit, hatte aber die letzte wichtige Phase vor etwa 30 bis 35 Millionen Jahren im Tertiär.
Die durch die Alpenbildung bedingte Schrägstellung der Schwäbischen Alb ist im Südwesten, also am Großen Heuberg, am stärksten ausgeprägt, so dass hier auch größere Höhenwerte erreicht werden als in anderen Teilen des Albgebirges. Nach und nach wurden die mehr oder weniger widerstandsfähigen Gesteinsschichten durch Erosion abgetragen, so dass sich am Nordwestrand Stufen bildeten. Die markanteste Stufe stellt heute der Albtrauf dar, der vor Millionen Jahren weiter im Nordwesten verlief und mit der Zeit immer weiter Richtung Südosten zurückverlagert wird.
Gewässer und Höhlen Geologisch ist die verkarstete Hochfläche des Großen Heubergs mit der östlich gelegenen Mittleren Flächenalb verwandt. Kalkschuttböden in den Tälern stehen auf der Hochfläche kalkreiche Lehme in Flachlagen, tiefgründige, aber stark entkalkte Lehmböden in den Senken und Trockentälern sowie magere Kalkfelsböden auf den Kuppen gegenüber.
Als verkarstete Hochfläche hat der Heuberg viele geologische Besonderheiten. Dazu gehören unterirdische Flussläufe, Höhlen, Karstwannen und geologische Aufschlüsse.
Aufgrund der starken Verkarstung weisen die Hochebenen statt Oberflächengewässer viele Trockentäler und Dolinen auf. Es gibt mindestens 150 Höhlen in dem Gebiet. Zu nennen sind etwa die mehr als 300 m lange Kolbinger Höhle, die Wulfbachquellhöhle, die Beilsteinhöhle und die Höhle Lengenfels.